Ragow ()Eintrag „Rogow“ in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de ist ein Gemeindeteil von Ragow-Merz, einer Gemeinde im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg), die vom Amt Schlaubetal verwaltet wird. Ragow war bis zum Zusammenschluss am 1. Juni 2002 mit Merz eine selbständige Gemeinde.

Geographie Ragow liegt 4,5 km nordöstlich von Beeskow, knapp 10 km südwestlich von Müllrose und knapp drei Kilometer westsüdwestlich von Merz. Die Gemarkung von Ragow grenzt im Norden an die Gemarkung von Neubrück, im Osten an die Stadtmarkung von Müllrose und die Gemarkung Merz, im Süden über ein kurzes Stück an die Stadtmarkung von Beeskow und die Gemarkung Oegeln, im Westen wieder an die Stadtmarkung von Beeskow und die Gemarkung Radinkendorf.

Im Westen wird die Gemarkungsgrenze von der Spree gebildet. Weitere nennenswerte Fließgewässer sind im Norden der Karauschgraben, der zum und vom heute verlandeten Karauschsee führt und in der Spree mündet. Im Süden der Gemarkung verläuft der Ragower Hauptgraben. Erwähnenswert ist die einzige größere Quelle, die Helenenquelle (Lage:) nordöstlich des Ortskerns. Der Ortskern liegt auf . Höchster Punkt der Gemarkung ist der Große Schwarzberg mit , der Kleine Schwarzberg westlich davon erreicht . tiefster Punkt der Gemarkung ist der mittlere Pegel der Spree mit knapp . Der Spitzberg im nördlichen Teil der Gemarkung erreicht .

Auf der Gemarkung Ragow liegen bzw. zum Gemeindeteil Ragow gehören die Wohnplätze Ragower Ablage und Försterei Schwarzheide. Historisch gehörten auch die Wohnplätze Ragower Mühle (als Exklave) und die heute nicht mehr existierende Schäferei Ragow (oder Hammelstall) zu Ragow. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts stand südöstlich des heute fast verlandeten Karauschsees eine Jagdhütte.

Geschichte In der Bestätigung der Grenzen der Stadt Beeskow am 12. Februar 1344 durch den brandenburgischen Markgrafen Ludwig wird der Ort als Rogow erstmals urkundlich genannt. Der Name leitet sich von einer altpolabischen Grundform *Rogov- Horn, Landzunge, Winkel ab, oder nach einem Personennamen *Rog. Rogov bezeichnet eine Siedlung an einem Horn oder einer winkligen Stelle, oder ist als das Dorf eines Rog zu deuten. Die Schreibweise des Namens ändert sich von ze Rogow im Jahre 1344, über Bewden zu Rago (1490), zcu Ragow (1521), bis ab 1652 Ragow als alleinige Schreibweise üblich wurde. Nach der Dorfstruktur ist es ein Straßenangerdorf mit Gut.

mini|Eiskeller, Rest des alten Rittersitzes. mini|Schlossanlage im Park. mini|Wappen der von Witte am Schloss. mini|Kirche mini|Epitaph von Rohr. mini|Grabplatte von Rohr.

Im Jahre 1393 erfolgte durch Johann von Bieberstein zu Sorau und Beeskow die Schenkung von Zins, Getreide und sieben Freihufen in Ragow und Görzig an die Stadtkirche, das Hospital und die St. Nikolauskapelle von Beeskow.

1399 verpfändete der Rat der Stadt Beeskow einen jährlichen Zins von 8 Schilling Groschen an Peter Richter zu Ragow, der ihnen ein Darlehen von 16 Schock Groschen eingeräumt hatte. 1403 nahm der Rat der Stadt Beeskow ein neues Darlehen in Höhe von 16 Schock Groschen bei Peter Richter auf und musste dafür wiederum einen jährlichen Zins von 8 Schilling Groschen verpfänden. 1412 räumte Peter Richter auf Ragow dem Rat der Stadt Beeskow ein weiteres Darlehen von 11 Schock Groschen gegen einen Jahreszins von 5½ Schilling Groschen ein.

1455 war die Ortsherrschaft über Ragow auf die von Span übergegangen. Damals musste Wenzel von Bieberstein zu Sorau und Beeskow die Altaristen des Siechenhospitals vor der Stadt Beeskow wegen eines Streits mit den Gebrüdern von Span in Ragow vergleichen.

1457 belehnte Wenzel von Bieberstein die namentlich nicht genannte Ehefrau des Nickel von Span auf Ragow mit 15 Schock Groschen und weiteren Einkünften als Leibgedinge.

1461 verkaufte Wenzel von Bieberstein das Dorf Ragow mit allen Zubehörungen, einen See und die Fischerei in der Spree an den Lebuser Domherren Niklas von Streumen und dessen Brüder und belehnte sie. 1463 stimmte Wenzel von Bieberstein der Verpfändung eines Zinses von 2 Schock Groschen Jahreszins an das Domkapitel in Lebus gegen ein Darlehen von 20 Schock Groschen im Dorf Ragow durch die Brüder von Streumen zu.

Nach Petersen soll 1496 ein V. Streumen zu Ragow gesessen haben. 1508 waren Heinrich von Streumens Witwe und Valentin von Streumen im Besitz von Ragow mit dem Rittersitz und der Mixdorfer Mühle (heute Ragower Mühle). Wann die Mixdorfer Mühle von den von Streumen erworben wurde, ließ sich bisher nicht klären. Der oder die namentlich nicht genannte(n) Besitzer der Rittergüter Ragow und Oegeln musste(n) 1518 mit 1½ Pferden der Herrschaft dienen (= im Kriegsfalle Pferde stellen).

1521 hatte Valte Strewme (Streumen) seinen Rittersitz auf Ragow. Er war der Sohn des Heinrich d. Ä. von Streumen, der schon vor 1508 verstorben war. Er könnte schon damals auch im Besitz von Oegeln gewesen sein oder hat Oegeln in den Folgejahren hinzu erworben. Vor/um 1542 war jedenfalls der mutmaßliche Sohn des Valentin, Heinrich d. Jü. von Streumen Besitzer von Ragow und Oegeln.

1542 verkauften Joachim, Melchior und Leonhardt die Langen ihre vom Vater Georg ererbten Güter, die Dörfer Pretschen und Wittmannsdorf an Friedrich d. J. von Streumen zu Trebatsch; mitbelehnt war sein Bruder Heinrich d. Jü. von Streumen auf Ragow und Oegeln. Dieser Heinrich starb 1553 unter Hinterlassung der beiden noch minderjährigen Söhne Friedrich und Heinrich und von vier unverheirateten Töchtern. 1554 gab Friedrich von Streumen zu Pretschen sein Einverständnis, dass Bürgermeister und Rat der Stadt Beeskow das Wasser aus dem „faulen Fen“ in seine Teiche bei Ragow ableiten durften.

1577 kaufte Georg von Rohr (1508–1596), Sohn des Kersten d. Ä. von Rohr und der Anna von Peccatel von Schrepkow, die Rittergüter Ragow und Oegeln für 14.300 Taler von einem Hans von Streumen. Georg von Rohr war damals Amtshauptmann im Land Lebus und kurbrandenburgischer Hofmeister zu Flecken Zechlin. Damals wurde das Ragower Gutshaus Weißes Haus als eines der besten Steinhäuser im Kreis erwähnt (1984 abgerissen). Georg von Rohr hatte 1557 Hippolyta von der Groeben, Tochter des Hans von der Groeben auf Meseberg und der Anna von Treskow geheiratet. Das Paar hatte den Sohn Kersten d. Jü. und die Tochter Sabine (um 1560–1620), die mit Georg von Bredow auf Löwenberg und Hoppenrade verheiratet war. Erbe von Ragow und Oegeln war der Sohn Kersten. Kersten d. Jü. von Rohr wurde 1559 geboren. Er war 1597 bis 1599 Amtshauptmann von Lebus. Er besaß außerdem von 1596 bis 1617 einen Anteil von Lindenberg (Gem. Groß Pankow, Landkreis Prignitz) und von 1599 bis 1615 Krieschow (Gem. Kolkwitz, Landkreis Spree-Neiße). Um 1585 heiratete er Eva von Holzendorf, die vor 1609 verstorben ist. Er war dann in zweiter Ehe mit Sophia von Holzendorf verheiratet. Aus den beiden Ehen gingen 15 Kinder hervor. 1622 starb Kersten von Rohr. 1626 teilten die sieben Söhne des Kersten von Rohr das Erbe ihres Vaters auf. Der Vater hatte sieben Lose gebildet, die unter den sieben Söhnen Kersten, Hans Adam, Georg, Wulf, Ehrenreich, Caspar Ernst und Otto verteilt wurden. Vier der Lose bestanden aus Rittersitzen oder Immobilien, drei Lose nur aus Geld. Die vier Brüder, die eines der Lose mit Immobilien bekamen, mussten die anderen drei Brüder mit Geld abfinden, sodass jeder der sieben Söhne Immobilien oder Geld in Höhe von 3.500 Talern erhielt. 1. Los: das halbe Dorf Ragow mit dem Rittersitz und die Hälfte aller Nutzungen und Rechte, vier Zweihufenbauern, vier Einhufenbauern und sechs Kossäten. Wert: 10.000 Taler. Dieses Los fiel Kersten von Rohr zu. 2. Los: die andere Hälfte von Ragow mit einem Platz zum Bau eines neuen Rittersitzes, die Hälfte aller Nutzungen und Rechte, vier Zweihufenbauern, vier Einhufenbauern und sechs Kossäten. Wert: 8.000 Taler. Dieses Los fiel dem Hans Adam von Rohr (1594–1661) zu. Er verkaufte seinen Anteil an Georg und Kersten von Rohr. Der Bau des neuen Rittersitzes verzögerte sich, auch infolge des Dreißigjährigen Krieges. 1661 war dieser noch nicht erbaut, erst 1672 war ein bescheidenes Fachwerkhaus entstanden, das zudem noch nicht ganz fertig war. 3. Los: das Dorf Oegeln mit Rittersitz und Zubehör. Wert: 6.000 Taler. Dieses Los übernahm Georg von Rohr (1588–1641) 4. Los: das Freihaus in Beeskow. Wert: 500 Taler. Das Beeskower Freihaus fiel an Wulf von Rohr. 5.–7. Los: 3.500 Taler in bar. Ehrenreich, Caspar Ernst und Otto wurden mit Geld abgefunden.

Ragow war durch diese Erbteilung in der weiteren Folge der Geschichte bis 1741 in zwei Anteile geteilt. Die beiden Anteile werden in der Literatur Ragow A (der alte Rittersitz, den Kersten von Rohr erhalten hatte) und Ragow B (der neue Rittersitz, den Hans Adam von Rohr erhalten hatte) genannt.

In der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges war Kersten von Rohr mit seiner gesamten Familie an der Pest gestorben. Seine Brüder Georg und Wulff (aus der ersten Ehe des älteren Kersten) und sein Stiefbruder Otto (aus der zweiten Ehe) waren ebenfalls verstorben, sodass 1641 eine erneute Erbteilung stattfand. In der (Gesamt-)Belehnung von 1644 sind neben den drei überlebenden Brüdern (Hans Adam, Caspar Ernst und Ehrenreich), die Söhne des Georg, Christian Ewald und Georg Ernst sowie ein Sohn des Wulf, Wolf Joachim genannt. Danach erhielten: Hans Adam: Ragow A (etwa zwei Drittel), Wolf Joachim erhielt etwa ein Drittel von Ragow A und das Freihaus in Beeskow. Caspar Ernst: Ragow B Ehrenreich: Oegeln

Die Söhne des verstorbenen Bruders Georg, Christian Ewald und Georg Ernst wurden mit Geld abgefunden. Sie machten sich in Wilmersdorf ansässig.

Das Rittergut Ragow A Der alte Rittersitz war in der Erbteilung von 1641 an Hans Adam gefallen. Hans Adam von Rohr (* um 1594, + vor 1661) hatte um 1635 die Witwe Ursula Catharina von Zabeltitz von Hänchen geheiratet, die in erster Ehe mit Heinrich von Burgsdorf auf Müllrose verheiratet war. Mülverstedt verzeichnet mit Datum vom 16. Januar 1635 eine Vereinbarung über 500 Taler Ehegeld. Diese Vereinbarung wurde am 31. Juli 1640 abermals bestätigt. Das Paar hatte die Töchter Sabina Elisabeth, die 1672 den Wolf Friedrich von Schierstedt auf Dörnitz heiratete, und Anna Margaretha, die mit Wolf Friedrich von Burgsdorf verheiratet war sowie die Söhne Kersten (1645–1730), Wolf Ehrenreich (1651–1691) und Hans Adam (*1675, früh +). Hans Adam wird im Landreiterbericht von 1652 als Mitbesitzer von Ragow genannt. 1661 ist Hans Adam gestorben. Zunächst wirtschaftete die Witwe allein weiter, später zusammen mit ihren Söhnen.

Wolf Joachim hatte einen Anteil von Ragow A erhalten und ein Freihaus in Beeskow. 1667 verpfändeten die Gebrüder von Oppen zu Krausnick und Groß Köris ihm das Dorf Giesensdorf samt allen Zubehörungen für 4.400 Taler auf 40 Jahre. Allerdings wurde der Vertrag nur zwei Jahre später wieder aufgehoben. Wolf Joachim war mit Barbara Sophie von Maltitz verheiratet, mit der er eine Tochter hatte. Sein Anteil fiel nach seinem Tod 1685 an Kersten und Wolf Ehrenreich von Rohr, die den größeren Teil von Ragow A hatten. Er hatte sich 1679, also noch zu Lebzeiten, einen Grabstein anfertigen lassen, der an der Kirche von Ragow aufgestellt ist. Auf dem Grabstein ist für das Sterbedatum eine Lücke gelassen, die später allerdings nicht ausgefüllt wurde.

1691 sollte das Gut abermals geteilt werden. Doch bevor es zur Teilung kam, starb Wolf Ehrenreich unter Hinterlassung des fünfjährigen Sohnes Adam Ehrenreich. Er kam unter die Vormundschaft seines Onkels Kersten. 1712 wurde Ragow A dann unter Kersten und seinem Neffen Adam Ehrenreich doch geteilt. Kersten verkaufte jedoch seinen Anteil schon 1714 an seinen Neffen, sodass die Teilung von Ragow A nicht von langer Dauer war.