mini|St.-Antonius-Basilika Die St.-Antonius-Basilika ist ein neoromanisches Kirchengebäude in Rheine-Eschendorf. Die Kirche wurde zwischen 1899 und 1905 in der Art eines romanischen Kaiserdoms errichtet und dem heiligen Antonius von Padua geweiht. Sie liegt rechts der Ems an der Osnabrücker Straße und ist die Pfarrkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius (auch genannt Kirchengemeinde rechts der Ems) in Rheine. Das repräsentative Gebäude ist mit 650 Sitzplätzen,Franz Greiwe: Rheine – Gestern ,Heute, Morgen. Ausgabe 1/2004 einer Gesamtlänge von 90 Metern und einer maximalen Breite von 39 Metern das größte Gotteshaus der StadtRheine, Die Kunst- und Kulturdenkmäler, Teil I. Tecklenborg Verlag, 2003. und beherrscht durch seine imposanten Ausmaße das Bild des Stadtteils. Die St.-Antonius-Basilika gilt als einer der aufwendigsten und wichtigsten Kirchenbauten des ausgehenden Historismus in Deutschland.

Baubeschreibung St. Antonius ist eine dreischiffige Basilika mit einer eingezogenen, hölzernen Flachdecke, einem Ost- und einem Westquerschiff, zwei Vierungstürmen, vier Flankentürmen sowie zwei Chören. Durch die zwei Seitenschiffe und die Hauptschiff-Fenster im Obergaden erfüllt sie die architektonischen Erfordernisse für die Einordnung als Basilika. Sie ist ein Werk des deutsch-niederländischen Architekten Franz Klomp.

mini|Grundriss, St.-Antonius-Basilika, Rheine Der Architekt orientierte sich weitgehend an den Hildesheimer Kirchen St. Michael aus dem 11. Jahrhundert und St. Godehard aus dem 12. Jahrhundert. Der Westturm wurde in Anlehnung an den Turm des Paderborner Domes gestaltet. Mit einer Höhe von 102,5 Metern ist er der höchste Kirchturm im Münsterland und überragt somit die ungefähr gleichzeitig erbauten Türme von St. Lamberti in Münster (90,5 Meter), Herz Jesu in Münster (94,6 Meter), St. Nikomedes in Borghorst (99 Meter), sowie der Propsteikirche St. Ludgerus in Billerbeck (100 Meter). An den vier Ecken des Vierungsturmes befinden sich plastische Darstellungen von Gestalten aus der Rheinenser Geschichte: Karl der Große, Bischof Ludwig II., Bischof Christoph Bernhard Graf von Galen und Johannes von Grüter, Gograf in Rheine in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

mini|Portalhalle

Dem Westchor ist die reich ornamentierte Portalhalle vorgesetzt; sie ähnelt bis ins Detail mittelalterlichen Portalbauten mit der Funktion einer Rechtsstätte. Im Inneren der Basilika tritt – im Unterschied zu den Kaiserdomen – der Westchor nicht in Erscheinung. Er beherbergt im Norden die Tauf-/Antoniuskapelle und im Süden die Sakristei.

Ausstattung Den vorwiegend weiß gehaltenen Gesamtraum gliedern die im Wechsel rot und grau gefassten Bögen zwischen den Raumteilen und über den Säulen. Im Ostchor, den ein Chorumgang umgibt, befindet sich der Hochaltar, erschaffen zwischen 1925 und 1929 in der Werkstatt Ferdinand Langenberg (Goch) nach einem Entwurf von Joseph Windhosen. Er wird bekrönt mit dem Bild des Gekreuzigten, in dem darunterliegenden Retabel vier weiteren biblischen Szenen aus der Passion, bis hin zum Pfingstgeschehen. Das mittige Retabel stellt den Gnadenstuhl (Gottvater, Sohn und der Hl Geist) dar. Trotz Überlegungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wie in vielen anderen Kirchen, den Hochaltar von seinem Platz zu entfernen und die Bildtafeln an anderer Stelle in der Kirche anzubringen, blieb er aufgrund von Protesten aus der Gemeinde an seinem Platz.Bruno König: Rheine Gestern – Heute – Morgen. Ausgabe 1/1979

Ein wenig kurios ist der Aufstellungsort der Seitenaltäre; so steht der Marienaltar an der östlichen Stirnseite des südlichen Seitenschiffs, welches traditionell den Männern vorbehalten war. Entsprechend auf der gegenüberliegenden Seite im nördlichen Seitenschiff (also dem ursprünglichen Frauenseitenschiff) befindet sich der Rest des Josef-Altars. Ein weiterer Blickfang im Chor (und beinahe der einzige figurale Schmuck an den Wänden des Kircheninneren) ist das Christkönigsbild in der Apsis. Ursprünglich als Mosaik geplant, wurde aus Kostengründen ein Gemälde vom Künstler Peter Hecker aus Köln erschaffen. Er fügte jedoch einige Mosaiksteine in sein Bild ein. Im Gegensatz zur Außenseite ist plastischer Bauschmuck im Innenraum nur sehr vereinzelt zu finden, z. B. in Form der Engel-Darstellungen in den Zwickeln der Chorbögen.

Besonders erwähnenswert sind die (römischen Katakomben nachempfundene) Krypta unter dem Chor, gestaltet von Friedrich Stummel und die Taufkapelle im Westchor, ausgemalt von Karl Wenzel, einem Schüler Stummels. Die Krypta beherbergt neben einem großen Raum für Gottesdienste auch das Basilika-Museum mit einer großen Sammlung alter liturgischer Geräte und Textilien sowie von Devotionalien,Johannes Bernard: Friedel Theismann zeigt Kreuzkeller in Rheine. In: Kirche+Leben. 21. April 2019, S. 13. des Weiteren eine Vielzahl an Dokumenten zur Baugeschichte der Kirche. Außerdem ist hier das Grab des Bauherren der Basilika, Dechant Bernhard Pietz (1840–1915), zu finden, welches (gegen seinen Willen) heimlich von den Bauhandwerkern zu Ehren des Priesters in „seiner“ Basilika hier vorbereitet wurde. Die Taufkapelle beherbergt ein Taufbecken, das auf acht kugelförmigen Füßen und acht Rundbögen ruht. Es ist reich reliefiert und mit einer byzantinisierenden Bronzehaube mit acht Ecktürmen bedeckt. Das Becken entstand 1920 nach einem Entwurf des Architekten Josef Franke.Ingrid Reuter: Taufstein in St. Antonius von Padua. In: Architektur-Kolloquium Bochum (Hrsg.): Josef Franke. Bauten in Rheine. Rheine 2001, S. 12f.

Der Bau der Basilika mit ihren kathedralähnlichen Dimensionen spiegelt den Strukturwandel wider, der sich im ausgehenden 19. Jahrhundert im nördlichen Münsterland vollzog, als in der einst landwirtschaftlich geprägten Region große Industriebetriebe entstandenSt. Antonius Basilika, Rheine, Citymap Steinfurt. Abgerufen am 5. September 2010. und die alte Stadtpfarrkirche St. Dionysius nicht mehr ausreichte. Vom Bauherrn Dechant Bernhard Pietz ist das Motto überliefert: „Hoch die Schornsteine – höher die Kirchtürme!“, abgerufen am 10. September 2010. Nach seiner Idee sollte der Kirchturm die umliegenden Schornsteine der Textilfabriken um mindestens das doppelte überragen.

Glocken Nach ihrer Weihe musste die Kirche noch 15 Jahre auf ein den Ausmaßen der Kirche angemessenes Geläut warten. Als erstes Provisorium erhielt die Gemeinde im Weihejahr 1904 ein Leihgeläut, bestehend aus drei kleineren Bronzeglocken, von der Glockengießerei Petit & Edelbrock aus Gescher. Dieses Geläut wurde (ebenso provisorisch) im Stumpf des noch unvollendeten Turmes aufgehängt.Rudolph Breuing: Rheine; Die Kunst und Kulturdenkmäler in Rheine: Teil I: Die Kirchlichen Denkmäler. Tecklenborg Verlag, 2003, S. 290ff. Zwei dieser drei Bronzeglocken wurden schon kurz darauf im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen für die Waffenproduktion beschlagnahmt. Im Jahr 1919 wurden 7 große Stahlglocken geliefert, gestaltet vom Glockengießer Heinrich Humpert aus Brilon in Sauerland, gefertigt von der Eisengießerei Buderus in Wetzlar.Klaus Dierkes: Ein ganz besonderes Geläut: Die Stahlglocken der Basilika St. Antonius zu Padua werden in diesem Jahr 100 Jahre alt. In: Münsterländische Volkszeitung. Ausgabe vom 19. April 2019.

Dieses Geläut stellt (wie der Turm mit seiner in der Region einzigartigen Höhe) eine Ausnahme in der Region dar, bestehen doch alle sieben Glocken aus Stahl und aus Kostengründen nicht, wie in den meisten anderen Gotteshäusern im Münsterland, aus Glockenbronze. Die Glockenklöppel sind aus Bronze gefertigt, um einen angenehmen und vollen Klang zu ermöglichen. Die Glocken mit den Namen Aloysius, Agnes, Maria, Antonius, Franziskus Heinrich und Georg Franz-August sind zum großen Teil benannt nach ihren Stiftern, meist Mitglieder vermögender Textil-Dynastien der Stadt. Durch die Wirren des Ersten Weltkriegs erfolgte die offizielle Glockenweihe erst im Jahr 1921. Das Geläut ist durch die außergewöhnliche Materialkombination aus Stahl und Bronze von beeindruckender Kraft, Fülle und Homogenität. Der zu erwartende scharfe Klang des Stahls wurde durch eine besonders reine Tonabstimmung ausgeglichen.

Auch während des Zweiten Weltkrieges wurden vielerorts die Glocken konfisziert und für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Glockenbronze war in der Rüstungsindustrie gut verwertbar, Stahl hingegen nicht. Somit verblieb das Geläut der Basilika im Turm. Die Anekdote, dass den Nationalsozialisten der Turm für die Glockenentnahme zu hoch war und deswegen das Geläut verschont blieb, gehört allerdings in das Reich der Legenden. Die Glocken bilden das einzige vollständig erhaltene Originalgeläut aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in Rheine..

Nr.  Name  Durchmesser(mm) Masse(kg, ca.) Schlagton(HT-1/16)1 Franz-August 2125 3960 a0 +92 Georg 1790 2250 c +83 Franz-Heinrich 1590 1660 d +54 Antonius 1400 1000 e +45 Maria 1180 600 g +56 Agnes 1050 450 a −17 Aloysius 900 270 c'' +9

Orgel mini|Die Lobback-Orgel auf der Westempore Im Jahr 1906 erhielt die Kirche eine kleine Orgel in Form einer Leihgabe der Orgelbaufirma Anton Feith, die ebenerdig im Chorumgang aufgestellt wurde. Die erste große Orgel, ein Instrument der Orgelbauanstalt Eggert & Feith (Paderborn) aus dem Jahr 1908 verfügte über 44 Register. Wegen der akustisch ungünstigen Position hoch oben auf der Westempore besaß sie keinen Prospekt, welcher den Klang nur weiter gedämpft hätte.

Im Jahr 1969 wurde diese Orgel von der Firma Kreienbrink aus Osnabrück elektrifiziert, es wurden ein neuer Spieltisch installiert und die Schauseite umgestaltet. Des Weiteren wurden nahezu die Hälfte der Register ersetzt. Zehn Jahre später stellte sich im Rahmen eines Gutachtens heraus, dass eine weitere Instandsetzung der Orgel sich nicht lohne. Nach einer Ausschreibung für ein neues Instrument wurde der Orgelbauer G. Christian Lobback (Neuendeich) mit dem Neubau beauftragt.Rudolf Breuing: Die Kunst- und Kulturdenkmäler in Rheine, Teil I: Die kirchlichen Denkmäler.

Diese neue Orgel wurde 1984 vollendet und ebenso wie die Vorgängerin auf der Westempore aufgestellt. Das Instrument verfügt über 54 Register und Schleifenwindladen. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. (Website der Erbauerfirma)

Im Jahr 2019 erhielt die Orgel einen zusätzlichen, digital angesteuerten Spieltisch im Kirchenschiff. Der Spieltisch stand ursprünglich in der Berliner Philharmonie.

I Positiv C–a3 1. Prinzipal 8′ 2. Gedackt 8′ 3. Quintade 8′ 4. Prinzipal 4′ 5. Dolce 4′ 6. Sesquialter II ′ 7. Schwegel 2′ 8. Larigot ′ 9. Scharf IV 1′ 10. Cor anglais 16′ 11. Cromorne 8′ Tremulant II Hauptwerk C–a3 12. Pommer 16′ 13. Doppelprinzipal 8′ 14. Rohrflöte 8′ 15. Gamba 8′ 16. Oktave 4′ 17. Nachthorn 4′ 18. Quinte ′ 19. Prinzipal 2′ 20. Grand Cornet V 8′ 21. Mixtur VI 2′ 22. Zimbel III ′ 23. Trompete 16′ 24. Trompete 8′ 25. Klarine 4′ III Schwellwerk C–a3 26. Bordun 16′ 27. Flûte harmonique 8′ 28. Salicional 8′ 29. Schwebung 8′ 30. Geigenprinzipal 8′ 31. Prinzipal 4′ 32. Rohrflöte 4′ 33. Nasard ′ 34. Flageolett 2′ 35. Terz ′ 36. Quinte ′ 37. Septime ′ 38. Oktave 1′ 39. Fourniture V 2′ 40. Bombarde 16′ 41. Hautbois 8′ 42. Clairon 4′ Tremulant Pedalwerk C–f1 43. Prinzipal 16′ 44. Subbaß 16′ 45. Quinte ′ 46. Oktave 8′ 47. Bartpfeife 8′ 48. Choralbaß 4′ 49. Spitzflöte 4′ 50. Traverse 2′ 51. Hintersatz VI ′ 52. Posaune 16′ 53. Trompete 8′ 54. Zink 4′ Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P, IV/P Spielhilfen: 64-facher Generalsetzer

Krippe mini|Die Heilige Familie