Der Große Hammerhai (Sphyrna mokarran) ist mit einer maximalen Größe zwischen 5,5 und 6,1 Metern der größte Hai innerhalb der Familie der Hammerhaie (Sphyrnidae). Er lebt weltweit im Bereich tropischer und subtropischer Küstengebiete und des Kontinentalschelfs, wobei er Korallenriffe als Lebensraum bevorzugt. Von anderen großen Haien unterscheidet er sich vor allem durch die Ausprägung des hammerförmig vergrößerten Kopfes (Cephalofoil) sowie seiner sehr großen und sichelförmigen ersten Rückenflosse. Er ist ein Einzelgänger und ernährt sich von einer Vielzahl wirbelloser Tiere sowie von Knochen- und Knorpelfischen einschließlich kleiner Haie und Vertretern der eigenen Art. Die Hauptbeute stellen jedoch Rochen, speziell Stechrochen, dar, die er durch die am Cephalofoil befindlichen Sinnesorgane aufspürt und mit dem Kopf am Boden festhält, um sie zu fressen.

Wie alle anderen großen Hammerhaie wird diese Art als dem Menschen potenziell gefährlich eingestuft, Haiunfälle mit Hammerhaien sind allerdings sehr selten dokumentiert. Aufgrund seiner großen Flossen und seiner Haut wird er kommerziell bejagt und ist von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) eingestuft.

Merkmale Der Große Hammerhai ist durchschnittlich 3,5 Meter lang mit einem Gewicht von über 230 Kilogramm. Wenige Exemplare, vor allem Weibchen, erreichen deutlich größere Körperlängen, die maximalen Körperlängen liegen bei 5,5 bis 6,1 Metern.Leonard Compagno, Marc Dando, Sarah Fowler: Sharks of the World. 2005, S. 324–325. Damit ist diese Art der größte Vertreter der Hammerhaie vor dem Bogenstirn-Hammerhai (S. lewini) und dem Glatten Hammerhai (S. zygaena), deren maximale Längen jeweils etwa 4 Meter betragen. Der schwerste bislang dokumentierte Große Hammerhai war ein 4,4 Meter langes Weibchen mit einem Gewicht von 580 Kilogramm, das 2006 vor der Küste von Boca Grande, Florida, gefangen wurde. Das Exemplar war trächtig mit 55 Jungtieren, die kurz vor der Geburt standen.

mini|Großer Hammerhai Der Körper des Hais ist wie bei allen Haien der Familie stromlinienförmig. Die Rückenfärbung ist dunkelbraun, bronzefarben oder grau bis grau-braun, an den Flanken zum Bauch hin wird sie heller und der Bauch ist weißlich gefärbt; der Grenzverlauf zwischen Bauch- und Rückenfärbung ist klar gezeichnet. Ausgewachsene Exemplare besitzen keine deutlichen Flossenmarkierungen, mit Ausnahme eines dunkleren Rands der Brustflossenunterseite, bei den Jungtieren kann die Spitze der zweiten Rückenflosse schwarz gefärbt sein. Der hammerförmige Kopf (Cephalofoil) besitzt eine Breite, die zwischen 23 und 27 % der Körperlänge entspricht. Nur der Kopf des Flügelkopf-Hammerhais (Eusphyrna blochii) ist mit einer Breite von fast 50 % der Körperlänge noch breiter ausgebildet. Die Vorderkante des Cephalofoil ist nahezu gerade und besitzt sowohl in der Kopfmitte als auch beidseitig nahe dem Kopfrand jeweils eine deutliche Einbuchtung, die Hinterkante ist leicht konkav.Alessandro de Maddalena, Harald Bänsch: Haie im Mittelmeer. 2005, S. 216–218. Damit unterscheidet sich die Art von anderen großen Arten mit gebogenem Cephalofoil.Cathleen Bester: Biological Profiles: Great Hammerhead. Florida Museum of Natural History Ichthyology Department. Aufgerufen am 5. September 2010.Leonard J. V. Compagno: Sharks of the World. An Annotated and Illustrated Catalogue of Shark Species Known to Date. Teil 1: Hexanchiformes to Lamniformes (= FAO Species Catalogue. 4, 1 = FAO Fisheries Synopsis. 125, 4, 1). United Nations Development Programme u. a., Rom 1984, ISBN 92-5-101384-5, S. 548–549. Das breite Maul bildet von unten betrachtet eine Parabel, kurze Labialfurchen sind vorhanden. Die Zähne des Ober- und Unterkiefers sind schräg dreieckig mit einer Spitze und stark gezackt, zu den Maulrändern werden sie zunehmend stärker gebogen. Im Oberkiefer befinden sich in jeder Gebisshälfte 17 Zähne sowie 2 bis 3 Zähne im Bereich der Symphyse, im Unterkiefer 16 bis 17 Zähne in jeder Gebisshälfte und 1 bis 2 Zähne im Bereich der Symphyse. Wie bei anderen Haien liegen hinter diesen Zähnen weitere Zahnreihen.

Wie alle Arten der Familie besitzt auch dieser Hammerhai fünf Kiemenspalten, ein Saugloch fehlt. Er hat eine sehr ausgeprägte und auffallend große und sichelförmige erste Rückenflosse, die oberhalb des Innenrandes der Brustflossen ansetzt. Die zweite Rückenflosse und die Afterflosse sind deutlich kleiner, im Vergleich zu anderen Arten jedoch ebenfalls relativ groß mit tiefen Einkerbungen am hinteren Rand. Die Bauchflossen sind sichelförmig mit einem konkav ausgebildeten Hinterrand und unterscheiden sich dadurch von dem gerade ausgebildeten Flossenrand beim Bogenstirn-Hammerhai. Die asymmetrische Schwanzflosse ist ebenfalls stark sichelförmig. Sie besteht aus einem schmalen unteren Lobus sowie einem deutlich längeren oberen Lobus mit kleinem Endlappen. Die Haut ist eng besetzt mit zahnartigen Placoidschuppen, die diamantenförmig sind und jeweils drei bis fünf horizontale Leisten bei kleineren und fünf bis sechs bei größeren Individuen aufweisen.

Verbreitung mini|300px|Verbreitungsgebiete des Großen Hammerhais Große Hammerhaie sind nahezu weltweit in den tropischen und subtropischen Küstengewässern auf dem Kontinentalschelf zwischen dem 40. nördlichen und dem 37. südlichen Breitengrad zu finden. Im westlichen Atlantik reicht das Verbreitungsgebiet von North Carolina bis nach Uruguay und schließt dabei den Golf von Mexiko, das Gebiet um die Bahamas und die Karibik ein. Im östlichen Atlantik reicht es von Marokko bis zum Senegal, wobei der Hai auch im Mittelmeer lebt; er ist hier selten und besitzt einen Schwerpunkt im westlichen und südlichen Mittelmeer. Vorkommen vor Gambia, Guinea, Mauretanien, Sierra Leone und Westsahara sind anzunehmen, konnten jedoch nicht bestätigt werden. Entlang der Küsten des Indischen Ozeans ist er von der Ostküste Afrikas entlang der asiatischen Küste einschließlich des Roten Meeres nahezu überall anzutreffen. Im Bereich des westlichen Pazifiks lebt er an den Küsten und Inseln von Asien (China, Taiwan) bis nach Australien (Northern Territories, Queensland, New South Wales), Neukaledonien und Französisch-Polynesien und im östlichen Pazifik von der südlichen Baja California bis Peru.

Diese Art kann sich sowohl im flachen als auch im tieferen Wasser bis etwa 80 Meter aufhalten. Dabei bevorzugen die Tiere Korallenriffe als Lebensraum, können jedoch auch auf dem Kontinentalschelf, im Bereich von Inselsockeln, in Lagunen und im küstennahen Tiefenwasser leben. Die Populationen vor Florida und aus dem Südchinesischen Meer wandern im Sommer polwärts.

Lebensweise Der Große Hammerhai ist ein nomadisch lebender Einzelgänger, der in der Regel anderen Riffhaien ausweicht. Begegnet er anderen Haien seiner Größe, zeigt er ein Drohverhalten, bei dem er seine Brustflossen hängenlässt und steif und ruckartig schwimmt.R. Aidan Martin: A review of shark agonistic displays: comparison of display features and implications for shark–human interactions. In: Marine and Freshwater Behaviour and Physiology. Band 40, Nr. 1, 2007, , S. 3–34, doi:10.1080/10236240601154872. Jungtiere werden von größeren Haien wie etwa den Bullenhaien (Carcharhinus leucas) erbeutet, während größere und ausgewachsene Hammerhaie keine natürlichen Feinde mit Ausnahme des Menschen haben.

Gelegentlich begleiten Schwärme von Pilotfischen (Naucrates ductor) größere Haie, darunter auch den Großen Hammerhai.Jeremy Stafford-Deitsch: Red Sea Sharks. Trident Press, London 1999, ISBN 1-900724-28-6, S. 92–93. Stachelmakrelen der Art Carangoides bartholomaei wurden beobachtet, wie sie sich mit den Flanken an der Haut von Großen Hammerhaien rieben, wahrscheinlich um Hautparasiten abzureiben.Great Hammerhead. Elasmodiver.com. Abgerufen am 18. Oktober 2008. Als Parasiten des Großen Hammerhais sind vor allem Ruderfußkrebse als Hautparasiten bekannt, darunter die Arten Alebion carchariae, A. elegans, Nesippus orientalis, N. crypturus, Eudactylina pollex, Kroyeria gemursa und Nemesis atlantica.

Ernährung Der Große Hammerhai ist ein aktiver Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Beute besteht aus einer Vielzahl von wirbellosen Tieren wie Krebsen, Kalmaren und Tintenfischen sowie zahlreichen Knochenfischen wie Tarpunen, Sardinen, Kreuzwelsen, Froschfischen, Meerbrassen, Süßlippen, Stachelmakrelen, Umberfischen, Zackenbarschen, Plattfischen, Kofferfischen und Igelfischen. Außerdem jagt er kleinere Haie und Rochen, darunter auch Vertreter der eigenen Art. Am Rangiroa-Atoll erbeutet er beispielsweise Graue Riffhaie (Carcharhinus amblyrhynchos), die nach der Paarung erschöpft sind.Julia Whitty: The Fragile Edge. Diving and other Adventures in the South Pacific. Houghton Mifflin, Boston MA u. a. 2007, ISBN 978-0-618-19716-3, S. 9.

mini|Stechrochen wie dieser Amerikanische Stechrochen stellen die bevorzugte Nahrung des Großen Hammerhais dar. Die Hauptnahrung der Großen Hammerhaie sind jedoch Rochen, insbesondere Stechrochen. Die Giftstachel der Stechrochen werden regelmäßig im Maul der Hammerhaie eingestochen gefunden und scheinen diese nicht zu stören. Ein Individuum, das vor der Küste Floridas gefangen wurde, hatte 96 Stacheln von Stechrochen im und um das Maul stecken. Die Jagd findet bei diesen Haien vor allem nachts oder während der Dämmerung statt, wobei sie ihren Kopf in großen Bögen über den Meeresboden schwingen und so elektrische Signale mit Hilfe ihrer am Cephalofoil lokalisierten Lorenzinischen Ampullen aufnehmen. Zugleich wirkt der Kopf als Tragflügel, der es den Haien erlaubt, sich rasch umzuwenden und einen gerade entdeckten Rochen zu fangen.Rick Hammerschlag: Sandy Plains: Great Hammerhead Shark. ReefQuest Centre for Shark Research. Abgerufen am 23. Oktober 2010. Vor Florida sind Hammerhaie zudem häufig die ersten Haie, die frisch ausgelegte Haiköder erreichen, was auf einen besonders ausgeprägten Geruchssinn hinweist.

Eine weitere Funktion des verbreiterten Kopfes des Großen Hammerhais wurde aus einer Beobachtung eines Hammerhais abgeleitet, der im Bereich der Bahamas einen Amerikanischen Stechrochen (Dasyatis americana) erbeutete. Der Hai stieß den Rochen zuerst mit einem Angriff von oben auf den Meeresboden und hielt ihn dann dort mit seinem breiten Kopf fest, während er sich drehte und jeweils einen großen Biss in beide Seiten der vergrößerten Brustflossen vornahm. Der Rochen wurde dadurch bewegungsunfähig gemacht und anschließend mit dem Maul abgehoben und mit schnellen Kopfbewegungen des Hais zerlegt.Wesley R. Strong, Jr., Franklin F. Snelson, Jr., Samuel H. Gruber: Hammerhead Shark Predation on Stingrays: An Observation of Prey Handling by Sphyrna mokarran. In: Copeia. Band 1990, Nr. 3, 1990, S. 836–840, . Bei einer weiteren Sichtung wurde ein Großer Hammerhai beobachtet, der einen Gefleckten Adlerrochen (Aetobatus narinari) im Freiwasser attackierte, indem er mit einem Biss ein großes Stück aus einer der beiden Brustflossen biss und ihn dann ebenfalls mit dem Kopf auf den Boden drückte, wo er den Rochen mit dem Kopf voran ins Maul nahm.Demian D. Chapman, Samuel H. Gruber: A further observation of the prey-handling behavior of the great hammerhead shark, Sphyrna mokarran: Predation upon the spotted eagle ray, Aetobatus narinari. In: Bulletin of Marine Science. Band 70, Nr. 3, 2002, , S. 947–952. Durch diese Beobachtungen wird angenommen, dass Hammerhaie bei der Jagd auf Rochen immer zuerst versuchen, diese mit dem ersten Biss fluchtunfähig zu machen – eine Strategie, die auch der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) anwendet – und dass der verbreiterte Kopf dazu dient, mit den Beutetieren umzugehen und sie am Boden festzuhalten.

Fortpflanzung und Entwicklung