Borussia, VfB e. V., Neunkirchen (Saar) ist ein Fußballverein aus Neunkirchen im Saarland. In den 1960er Jahren spielte die Borussia drei Jahre in der 1. Bundesliga. In der Saison 2025/26 spielt der Verein in der sechstklassigen Saarlandliga.
Geschichte Am 24. Juli 1905 wurde der Fußball-Club Borussia 1905 gegründet. 1907 fusionierte dieser Verein mit der Freien Turn- und Spielvereinigung am Realgymnasium zu Neunkirchen und dem Sport-Club Neunkirchen zur Borussia, Verein für Bewegungsspiele e. V. Nach 1945 wurde der Verein zunächst als VfB Neunkirchen neu gegründet. Den alten Namen gab er sich am 26. Juli 1951 wieder.
Frühe Jahre Nach vier Jahren in der B-Klasse Saargau stiegen die Neunkircher 1912 in die Erstklassigkeit auf. Bereits 1911 waren sie Saargau-Meister, scheiterten aber in der Aufstiegsrunde. Zweimal wurde die Borussia Vorletzter dieser Liga, dann musste der Spielbetrieb wegen des Ersten Weltkriegs eingestellt werden.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit zählte die Borussia zu den Spitzenvereinen des Saarkreises. Von 1920/21 bis 1923/24 wurde sie vier Mal hintereinander Meister der regionalen Liga, 1922 sogar süddeutscher Vizemeister. Im Endspiel unterlagen die Neunkircher dem FC Wacker München mit 1:2 nach Verlängerung.
Ab 1924 fielen die Borussen ins Tabellenmittelfeld zurück, ehe sie 1927 Vizemeister hinter dem FV Saarbrücken und 1928 erneut Bezirksligameister wurden. In der anschließenden süddeutschen Meisterschaftsrunde waren die Neunkirchener chancenlos und wurden Letzter mit 3:25 Punkten. In den verbleibenden Bezirksligajahren hatten sie keinen Kontakt mehr zur Tabellenspitze.
Gauliga 1933 gehörten die Neunkircher zu den Gründungsmitgliedern der Gauliga Südwest, wo sie nach mehreren Mittelfeldplatzierungen in der Saison 1937/38 Vizemeister hinter Eintracht Frankfurt wurden, aber in den folgenden Jahren an diesen Erfolg nicht anschließen konnten. Bis zur Einstellung des Spielbetriebes zu Beginn der Saison 1944/45 blieben die Saarländer erstklassig.
Frühe Nachkriegszeit Im ersten Jahr nach der Wiederaufnahme des organisierten deutschen Fußballs zeigten sich die Borussen, obwohl sie diesen Namen vorübergehend nicht führen durften, in guter Frühform und wurden als VfB Neunkirchen Dritter der (erst später so genannten) Oberliga Südwest. 1948 mussten sie diese Liga verlassen, um mit den anderen Saar-Vereinen eine eigene Saarland-Liga unter französischer Flagge auszuspielen. Vereinspräsident Robert Neufang gehörte zu den Verfechtern dieser Maßnahme. Die Neunkircher wurden Meister, durften aber nicht in die französische Division 2 aufsteigen. 1950 wurden sie saarländischer Vizemeister, führten das Vertragsspielertum ein und trugen in der folgenden Saison ausschließlich Privatspiele aus, bevor sie 1951 in das Südwest-Oberhaus zurückkehren konnten, da in diesem Jahr die Saar-Vereine wieder in das deutsche Ligasystem eingegliedert wurden.
Borussia Neunkirchen bekam einen Platz in der Oberliga, wo der Verein erst ab den späten 1950ern gute Tabellenplätze erreichte. Dem dritten Rang 1957/58 folgten drei Vizemeisterschaften, eine Meisterschaft und ein weiterer zweiter Platz. Fünf Mal nahm die Borussia dadurch an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teil, wo sie jedoch jedes Mal bei der ersten Möglichkeit ausschied: in den Jahren 1959 und 1961 in den Qualifikationsspielen sowie 1960, 1962 und 1963 in der Vorrunde.
1959 erreichte die Borussia zudem das Finale um den DFB-Pokal, das im Dezember im Auestadion von Kassel mit 2:5 gegen ETB Schwarz-Weiß Essen verloren ging. Werner Emser und Rudi Dörrenbächer konnten hier in den letzten fünf Spielminuten das Ergebnis noch etwas verschönern.
Erste und Zweite Bundesliga – Regional- und Oberliga Trotz guter Platzierungen seit 1959/60 in der Oberliga Südwest wurde Borussia Neunkirchen 1963 nicht in die neu gegründete Fußball-Bundesliga aufgenommen, da dem Südwesten nur zwei Plätze zustanden, für die sich jedoch die alten Rivalen, der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Saarbrücken, qualifizierten.
1964 wurde Neunkirchen mit knappem Vorsprung vor dem FK Pirmasens Meister der zweitklassigen Regionalliga Südwest. In die folgende Aufstiegsrunde zur zweiten Saison der Bundesliga starteten die Borussen schwach, doch schafften sie nach Rückrundensiegen beim FC Bayern München und dem FC St. Pauli sowie zu Hause gegen SC Tasmania 1900 Berlin den Sprung in die Bundesliga. Dank ihrer Heimstärke belegten sie im ersten Jahr ihrer Bundesligazugehörigkeit den zehnten Platz. Es war das erfolgreichste Jahr und der wohl beste Kader des Vereins seit der Gründung. Was den Mythos der Mannschaft jener Jahre begründete, war der Umstand, dass Neunkirchen seinerzeit als kleinste Bundesligastadt im heimischen Ellenfeldstadion fast die gesamte deutsche Fußballelite bezwingen konnte; überdies setzte sich die Mannschaft überwiegend aus Spielern zusammen, die aus Neunkirchen und der näheren saarländischen Umgebung und des Südwestraums stammten, was den Zuspruch des Publikums und dessen Identifikation mit der Mannschaft erhöhte. Im zweiten Bundesligajahr stieg die Mannschaft jedoch ab. Mehr als die Hälfte der Stammspieler verließ den Verein und verdingte sich bei anderen erstklassigen Mannschaften.
Als erster deutscher Verein schaffte Borussia Neunkirchen 1967 mit einem weitgehend neu gebildeten Spielerkader souverän den Wiederaufstieg in die Bundesliga, doch konnte die Mannschaft, die für die höchste Spielklasse nicht wesentlich verstärkt worden war, nur den vorletzten Platz erringen. Auswärts konnte man nur einen einzigen Punkt gewinnen; das bis dahin so bewährte Torwartgespann Willi Ertz und Horst Kirsch musste in 34 Spielen 93 Tore kassieren.
In den Jahren 1971 und 1972 konnten die Neunkircher nochmals Meister der Regionalliga Südwest werden, doch verpasste man jedes Mal den Aufstieg. Als schließlich 1974 der Sprung in die neugeschaffene 2. Bundesliga, Gruppe Süd, gelang, konnte man sich nur ein Jahr halten. In den folgenden Jahren spielte der Verein in der wenig attraktiven Amateurliga Saar, wo jedes Jahr mühelos die Meisterschaft errungen wurde. Noch einmal gelang 1978 der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga Süd. Doch musste man auch diesmal nach einem Jahr wieder absteigen. In Erinnerung blieben zwei kuriose Spiele, die wiederholt werden mussten: Beim Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers (4:3) hatte der Schiedsrichter ein Tor für Borussia anerkannt, obwohl der Schuss von Dieter Kobel das Tor verfehlt hatte. Angesichts eines eindeutigen Fernsehbeweises wurde das Spiel neu angesetzt; die Stuttgarter gewannen 1:0. Auch das Derby gegen den Saarrivalen 1. FC Saarbrücken (2:1) wurde annulliert, weil ein FCS-Spieler von einem Hund gebissen wurde und verletzt ausscheiden musste. Das Wiederholungsspiel endete 1:0 für die Borussia.
Im Jahr 1980, zwölf Monate nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, konnte Neunkirchen in der zwei Jahre zuvor gestarteten drittklassigen Amateur-Oberliga Südwest noch einmal eine Meisterschaft gewinnen, und stieg in die 2. Fußball-Bundesliga Süd auf. Der Klassenerhalt, bzw. die Qualifikation für die neu eingerichtete eingleisige 2. Bundesliga wurde deutlich verpasst, und die Borussia spielte wieder in der Oberliga. 1991 wurde wieder die Meisterschaft gewonnen, aber in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga nur der letzte Platz erreicht.
Amateurfußball Bis 1994 gehörten die Neunkircher weiterhin der Oberliga an. 1994 qualifizierte sich der Verein als Vierter für die neu eingeführte Regionalliga West/Südwest, aus der er im zweiten Jahr wieder in die Oberliga abstieg. Nach der nächsten Oberligameisterschaft 2000 blieben die Neunkircher in der Aufstiegsrunde zur (in diesem Sommer von 4 auf 2 Staffeln reduzierten) Regionalliga ohne Tor und Punkt. Zwei Jahre später stiegen sie doch noch auf, mussten aber die Regionalliga wieder als abgeschlagener Tabellenletzter verlassen und die Insolvenz überstehen. Als Konsequenz daraus verzichteten die Neunkircher 2005 trotz der Meisterschaft auf den Aufstieg in die Regionalliga. Nach der Einführung der neuen 3. Liga zur Saison 2008/09 waren die weiterhin der Oberliga Südwest angehörenden Borussen nur noch fünftklassig. Nach anhaltenden Liquiditätsproblemen musste Borussia Neunkirchen Anfang April 2015 einen Insolvenzantrag stellen.Borussia Neunkirchen meldet Insolvenz an auf transfermarkt.de. 2016 konnte Borussia Neunkirchen einen Teil seiner Schulden tilgen. 2017 stieg die Borussia in die sechstklassige Saarlandliga ab.
Als Amateurklub hatte die Borussia zweimal einen sehr starken Gegner in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals, als ihnen 1992 und 2003 jeweils der FC Bayern München zugelost wurde. Das erste Spiel am 18. August 1992 wurde live von RTL im Fernsehen übertragen. Durch zwei frühe Tore der Münchner und einen Platzverweis gegen die Borussia war es früh entschieden. Am Ende hieß es 0:6. Auch im zweiten Aufeinandertreffen am 30. August 2003 war man – gerade aus der Regionalliga Süd abgestiegen – chancenlos und unterlag mit 0:5. Einige Nationalspieler spielten dabei auf Seiten der Münchner im erstmals seit der Bundesligazeit ausverkauften Ellenfeldstadion.
Erfolge Meisterschaften Meister der C-Klasse 1908 Meister der B-Klasse 1911 und 1912 Meister der erstklassigen Bezirksliga 1921, 1922, 1923, 1924, 1929 Meister der Ehrenklasse Saar 1949 Meister der erstklassigen Oberliga Südwest 1962 Meister der zweitklassigen Regionalliga Südwest 1964, 1967, 1971, 1972 und 1974 Meister der drittklassigen Amateurliga Saarland 1976, 1977 und 1978 Meister der drittklassigen Amateur-Oberliga Südwest 1980 und 1991 Meister der viertklassigen Oberliga Südwest 2000, 2002 und 2005 Vize-Meisterschaften Süddt. Liga 1 Klasse Gruppe 3 Saarkreis: 1920 Süddt. Liga Bezirk Rhein/Saar Gruppe Saar: 1928, 1930 Bezirkspokal Rhein/Saar: 1933 Gauliga Südwest: 1938, 1940 Landesklasse Saar: 1950 Oberliga Südwest: 1959 Regionalliga Südwest: 1973
Aufstiege Aufstieg in die Bundesliga 1964, 1967 Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd 1978, 1980 Aufstieg in die Regionalliga Süd 2002
Pokale Süddeutscher Pokalsieger 1921 Saarlandpokalsieger 1978, 1985, 1986, 1990, 1992, 1996, 2003 Finalist im DFB-Pokal 1959
Volksbanken-Hallenmasters Volksbanken-Masterssieger: 2002, 2003, 2008 Vize-Masterssieger: 1999, 2014
Stadion Seit 1912 spielt Borussia Neunkirchen im einst 32.000, heute 21.600 Zuschauer fassenden Ellenfeldstadion. Zuvor wurden die Heimspiele auf verschiedenen kleinen Sportplätzen ausgetragen.
Zuschauerentwicklung (1951–1981)