mini|Eduard Richter miniatur|Salzburg, Mönchsberg, Richterhöhe, Denkmal Eduard Richter (1907)Enthüllt am 15. September 1907. – Georg Kollm (Hrsg.): Verhandlungen des sechzehnten Deutschen Geographentages zu Nürnberg vom 21. bis 26. Mai 1907. Verhandlungen des Deutschen Geographentages, Band 16. Reimer, Berlin 1907, OBV, S. 22. Eduard Richter (* 3. Oktober 1847 in Mannersdorf am Leithagebirge, Niederösterreich; † 6. Februar 1905 in Graz, Steiermark) war ein österreichischer Geograf, Historiker, Gletscherforscher und Alpinist.

Leben Richter wuchs in Wiener Neustadt auf, der Heimat seiner Mutter und dem Wohnort der Großeltern mütterlicherseits, nachdem sein Vater, ein Justitiar und kaiserlicher Verwalter, 1848 verstorben war.

1866 begann er ein Studium der Germanistik an der Universität Wien. 1867 wird er von der Mutter vom Militärdienst freigekauft, beendet das Germanistikstudium und beginnt ein Geschichts- und Geologiestudium.Wissenschaftskalender: Portrait des Tages – "Eduard Richter" (6. Februar) Theodor von Sickel (1826–1908) erwirkte 1869 die Aufnahme in das k.k. Institut für österreichische Geschichtsforschung, dem Richter als ordentliches Mitglied bis 1871 angehörte. 1870 legte er die Lehramtsprüfung in Geographie und Geschichte für die Mittelschule ab. 1870/71 bereitete er sich auf die Institutsprüfung vor, für die eine Art Dissertation (Institutsarbeit) über ein frei gewähltes Thema einzureichen war. Richter machte, ganz unbeeinflusst durch Sickel, die österreichischen Besitzungen des Bistums Freising zum Gegenstand einer historisch-geographischen Untersuchung, die den Beifall der prüfenden Betreuer fand. Albert Jäger (1801–1891), der Begründer des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, ermunterte den Probanden, sich für österreichische Geschichte zu habilitieren. Da die Aussichten für dieses Fach damals nicht günstig schienen und Sickel, dessen Hilfe entscheidend gewesen wäre, sich in der Sache kühl und ablehnend verhielt, fasste Richter das Habilitationsverfahren nicht weiter ins Auge und unterließ es auch, sich um das Doktorat zu bewerben. Er wandte sich der bescheideneren, jedoch sicheren Laufbahn eines Gymnasiallehrers zu und war auf Vermittlung von Friedrich Simony (1813–1896), bei dem er bereits Geologie studierte, ab 1871 (bis 1886) Gymnasialprofessor in Salzburg.Lukas: Eduard Richter, S. 126 f. Eduard Richter war Mitglied der Wiener Burschenschaft Silesia.Günther Berka: 100 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich. 1859–1959. Graz 1959, S. 56.

Von 1883 bis 1885 hatte Richter den Vorsitz des Alpenvereins Sektion Salzburg inne und war Präsident des Zentralausschusses des DÖAV. Nachdem Richter im Juli 1885 den 1871 versäumten Doktor (der Philosophischen Fakultät) nachgeholt hatte, wurde er am 6. Februar 1886 zum ordentlichen Professor für Geografie an der Universität Graz ernannt Lukas: Eduard Richter, S. 131. – und in einem großen Feierakt am 17. April 1886 aus Salzburg verabschiedet. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1886 (Band XII), S. 100 ff. (Online bei ALO). Im Jahr 1886 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

1898/99 war Eduard Richter Rektor der Universität Graz, von 1898 bis 1900 Präsident der internationalen Gletscherkommission, und 1902 wurde er wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Richter widmete sich vor allem der Geomorphologie des Hochgebirges und der Seenkunde, wirkte in der Glaziologie (Gletscherforschung). Unter anderem berechnete er die Größe von 1012 Gletschern der Ostalpen und schuf eine Art Gletscherlexikon. Hierbei gab er Impulse zur Gründung des Gletschermessdienstes im Alpenverein. Er leitete die Vorarbeiten für den „Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer“, mit dessen Herausgabe er von der Akademie der Wissenschaften betraut worden war.OBV. Der erste Band, Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, erschien ein Jahr nach seinem Tod.OBV.

Eduard Richter heiratete 1872 Juli von Frey, die einzige Tochter aus der Ehe Carl von Freys mit seiner Gemahlin Anna Gugg und Besitzer des Freyschlössls. Juli von Frey verstarb allerdings bereits 1873 bei der Geburt ihrer Tochter. 1877 ehelichte er Luise Seefeldner († 1913), aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor, u. a. seine Tochter Bertha (1881–1970)Deutsche Biographie: Namenseintrag zu Bertha Richter, diese ehelichte in den 1920er Jahren in Bozen den Historiker Leo Santifaller und legte eine Reihe namenkundlicher Studien vor allem zum ladinischen Dolomitenraum vor.Hannes Obermair: Leo Santifaller (1890–1974). Von Archiven, Domkapiteln und Biografien. In: Karel Hruza (Hrsg.): Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts. Böhlau, Wien 2008, S. 597–617, Bezug S. 603f.

Schriften (Auswahl)

mit Johann Stüdl: Wanderungen in der Venediger Gruppe. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jg. 3 (1872): I. Der Gross-Venediger von Gschlöss aus, S. 276–281. II. Schlieferspitze, S. 281–286. III. Ordnung des Führerwesens in Prägraten, S. 286–291. IV. Umbalthal und Dreiherrenspitze, S. 292–299. V. Versuch auf die Daberspitze und Besteigung der Röthspitze (Welitz), S. 299–307. VI. Besteigung des Hochgall, S. 307–316.

Die historische Geographie als Unterrichtsgegenstand. In: Programm des Kaiserlich-Königlichen Staats-Gymnasiums in Salzburg, Salzburg 1877, OBV.

Das Herzogthum Salzburg, Wien 1881 (Reproduktion der Ausgabe 1881: Wien 1998, OBV).

Die Salzburgischen Traditionscodices des X. und XI. Jahrhunderts. II: Fassung und Rechtsinhalt der in den Salzburgischen Traditionscodices enthaltenen Acte. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Wien 1882, OBV.  – Tafel 1, Tafel 2, Tafel 3.

Die Alpen nach H. A. Daniel’s Schilderung, Leipzig 1885, OBV.  – Zugehörige Karte der Berchtesgadner Alpen, Blatt IV., S. 7, Bilder

Untersuchungen zur historischen Geographie des ehemaligen Hochstiftes Salzburg und seiner Nachbargebiete, Innsbruck 1885, OBV.

In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885 (Band XI), S. 1 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885 (Band XI), S. 72 f. (Online bei ALO). mit Hans Stöckl: In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885 (Band XI), S. 205 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1887 (Band XIII), S. 49 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1887 (Band XIII), S. 111 ff. (Online bei ALO).  – Tafel 2, Karte oben.  – Tafel 2, Karte unten. Die Gletscher der Ostalpen, Stuttgart 1888, OBV. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1888 (Band XIV), S. 65 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1888 (Band XIV), S. 77 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1889 (Band XV), S. 2–5. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1889 (Band XV), S. 19 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1889 (Band XV), S. 231 ff. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1889 (Band XV), S. 291–295. (Online bei ALO).

In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1890 (Band XVI), S. 115–118. (Online bei ALO).

In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1891 (Band XVII), S. 35 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1892 (Band XVIII), S. 123 ff. (Online bei ALO).

als Herausgeber: Die Erschließung der Ostalpen. Verlag des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Berlin Band 1: Die nördlichen Kalkalpen. 1893 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Band 2: Die Centralalpen westlich vom Brenner. 1894 (online). Band 3: Die Centralalpen östlich vom Brenner und die südlichen Kalkalpen. 1894 (online). mit Franz Martin Mayer: Lehrbuch der Geographie für die unteren Classen der Mittelschulen, Wien/Prag 1893–1905, OBV.

In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1894 (Band XX), S. 169 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1894 (Band XX), S. 248 f. (Online bei ALO). als Herausgeber mit Albrecht Penck: Atlas der österreichischen Alpenseen, Wien 1895–96, OBV. Der Wörther-See. Karte, entworfen von E. Richter. Eduard Hölzl, Wien 1895, OBV. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1895 (Band XXI), S. 58 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1895 (Band XXI), S. 67 f. (Online bei ALO).

In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1896 (Band XXII), S. 95 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1896 (Band XXII), S. 174 f. (Online bei ALO). Seestudien. Erläuterungen zur zweiten Lieferung des Atlas der österreichischen Alpenseen, Wien 1897, OBV. Schulatlas für Gymnasien, Real- und Handelsschulen, Lehrerbildungs-Anstalten sowie sonstige höhere Lehranstalten, Wien/Prag 1898, OBV. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1897 (Band XXIII), S. 6. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1897 (Band XXIII), S. 287 f. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1898 (Band XXIV), S. 181. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1898 (Band XXIV), S. 283 f. (Online bei ALO).

Die Grenzen der Geographie. Rede, gehalten bei der Inauguration als Rector Magnificus der k. k. Karl-Franzens-Universität in Graz am 4. November 1899, Graz 1899, OBV. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1903 (Band XXIX), S. 53 ff. (Online bei ALO). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1904 (Band XXX), S. 108 f. (Online bei ALO). Gemarkungen und Steuergemeinden im Lande Salzburg. Abhandlungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, Band 3. Wien 1907, OBV. Salzburg, Oberösterreich, Steiermark. Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. Abt. 1, Die Landgerichtskarte, Teil 1. 2. Ausgabe. S. l. 1917, OBV.

Auszeichnungen, Ehrungen Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen (1885)Widmann: Dr. Eduard Richter, S. 17. Wirkliches Mitglied der k.k. Akademie der Wissenschaften (1902) k.k. Hofrat (1904)Widmann: Dr. Eduard Richter, S. 18. Auf dem Salzburger Mönchsberg ist seit 1905 die höchste Erhebung als Richterhöhe benannt. in Mannersdorf, Graz und Weiz wurden Straßen nach ihm benannt

Literatur

Georg A. Lukas: Eduard Richter. In: Alfred Hettner (Hrsg.), Heinrich Schmitthenner, Albert Kolb: Geographische Zeitschrift. Band 12.1906. B. G. Teubner, Leipzig 1906 (ausführlicher Nachruf). Karl Heinz Ritschel: Salzburg: Anmut und Macht, Otto Müller Verlag, 2005, ISBN 3-7013-1098-X.  – Nachruf. A(lbrecht) Penck: In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1905 (Band XXXI), S. 29 ff. (Online bei ALO). Georg A. Lukas: Eduard Richter – sein Leben und seine Arbeit. Tauber, Graz 1905, OBV. – Nachruf samt einem vollständigen Verzeichnis der gedruckten Schriften Richters.

Weblinks

Porträt von Eduard Richter auf austria-lexikon.at

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Historiker Kategorie:Geograph (19. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert)