Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist eine seit dem 11. Jahrhundert entstandene Bergbaulandschaft im Erzgebirge, beiderseits der sächsisch/böhmischen Grenze. Sie ist von einer Vielzahl historisch weitgehend original erhaltener technischer Denkmäler sowie zahlreicher mit dem Montanwesen in Verbindung stehender Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten geprägt. Seit 2019 gehört sie zum UNESCO-Welterbe.

Geschichte Seit dem ersten Fund von Silbererz im Jahre 1168 in Christiansdorf auf dem Stadtgebiet des heutigen Freiberg, welches dem Freiberger Bergbaurevier zugerechnet wird, wurde im Erzgebirge ununterbrochen bis 1990 Bergbau betrieben. Zu den abgebauten Rohstoffen gehörten im Lauf der Jahrhunderte u. a. Silber, Zinn, Zink, Kobalt, Nickel, Kupfer und Blei, aber auch Steinkohle und Uran wurden bis ins 20. Jahrhundert gewonnen und waren Motoren für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens. Heute werden Vorkommen von Indium, Wolfram, Zinn und Lithium auf ihre Abbauwürdigkeit untersucht.

Projektfortschritt 1999 (September) „Montan- und Kulturlandschaft Erzgebirge“ wird auf die Tentativliste für die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt 2001 Machbarkeitsstudie für das Projekt 2007 Realisierungsstudie bis 2012 Untersuchung der Objekte durch Umsetzungsstudien 2008 Pilotstudie Schneeberg 2009 Pilotstudie Marienberg 2010 Pilotstudie Olbernhau 2011 (Mai) Umsetzungsstudie Annaberg-Buchholz 2011 (Juli) Umsetzungsstudie Ehrenfriedersdorf 2011 (Oktober) Umsetzungsstudie Oelsnitz/Erzgeb. 2012 zahlreiche Umsetzungsstudien 2012 (September) Der ursprüngliche Vorschlag auf der Tentativliste wird durch einen transnationalen Vorschlag ersetzt, der auch Komponenten auf tschechischem Gebiet enthält. 2014 (Februar) Antragstellung und offizielle Annahme der Unterlagen durch das Welterbekomitee 2015 (Februar) Beginn der Bewertung der eingereichten Unterlagen durch Experten des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) 2015 (Mai) Gründung des „Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V.“ als Voraussetzung für die Trägerschaft, Vermittlung und Weiterentwicklung des künftigen Welterbes; Mitglieder des Vereins sind die Landkreise Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie 33 Städte und Gemeinden 2016 (April) Nach offizieller Empfehlung des ICOMOS, den Welterbeantrag vom Februar 2014 noch nicht dem Welterbekomitee zu präsentieren und das Konzept zu schärfen, Rücknahme des Antrags zur Überarbeitung und frühestmöglichen Neueinreichung 2017 (Dezember) Unterzeichnung des überarbeiteten Antrages durch die Innenminister aus Sachsen und Tschechien 2018 (Februar) erneute Einreichung der Nominierung beim Welterbekomitee Am 6. Juli 2019 ernennt das UNESCO-Welterbekomitee die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum Welterbe.

Das Projekt wurde durch die Projektgruppe Montanregion Erzgebirge der TU Bergakademie Freiberg unter der Federführung von Helmuth Albrecht wissenschaftlich vorbereitet. In gemeinsamen Arbeitsgruppen wurde mit jeder beteiligten Stadt bzw. Gemeinde eine Umsetzungsstudie erarbeitet. Die in der Realisierungsstudie vorgeschlagenen Objekte wurden geprüft und mit der jeweiligen Kommune abgestimmt. Die Studie beinhaltet eine Beschreibung des nominierten Gutes sowie die bisherigen Schutzmaßnahmen (Denkmalschutz, Naturschutz, Auflistung der Bauleitplanungen). Zudem werden im Rahmen der Untersuchung alle Planungen am und im unmittelbaren Umfeld des nominierten Gutes ermittelt. Damit wird der Forderung der Landesregierung des Freistaates Sachsen nachgekommen, das Projekt Montanregion Erzgebirge und die wirtschaftliche Entwicklung der Region in Einklang zu bringen.

Seit Juli 2010 wurde im Rahmen des EU-Förderprogramms Ziel3 das Projekt „Mitteleuropäische Kulturlandschaft Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří – Weg zum UNESCO-Welterbe“ unter der Leitung des Bezirkes Ústí und den Partnern Regionalmuseum Most, Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V. und der TU Bergakademie Freiberg durchgeführt. Dabei wurde das sächsische Verfahren der Umsetzungsstudien auch auf der tschechischen Seite des Erzgebirges angewandt. Zudem sollte aus der bereits bestehenden Datenbank MonTE für montanhistorische Denkmale in der Montanregion Erzgebirge eine grenzüberschreitende Datenbank entwickelt werden. Im Jahr 2009 haben die Bezirke Ústí und Karlovy Vary parlamentarische Beschlüsse zur Beteiligung am Projekt Montanregion Erzgebirge herbeigeführt.

Im September 2010 wurde das Regionalmanagement ErzgebirgeEin Welterbetitel als Impulsgeber für die Wirtschaft im Erzgebirge? Website des Regionalmanagements Erzgebirge, abgerufen am 11. März 2015. Info: Nicht abrufbar am 22. März 2021. durch die Landräte und Bürgermeister der Region mit der Projektsteuerung beauftragt.

Am 27. Juni 2011 fand die 1. Welterbekonferenz Erzgebirge in Marienberg statt. Dabei übernahmen 31 Kommunen und 2 Landkreise (Erzgebirgskreis und Mittelsachsen) die Trägerschaft des Antrages. Am 17. August 2011 fanden sich die Mitglieder des Welterbekonventes der Montanregion zur konstituierenden Sitzung zusammen. Seit Januar 2012 sind 33 Städte und Gemeinden und die Landkreise Mittelsachsen, Erzgebirgskreis und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beteiligt.

Im Juli 2011 wurde bekannt, dass die sächsische Landesregierung die ausstehende offizielle Einladung der tschechischen Partner zur Beteiligung am Projekt von einem Bericht über den Stand des Projektes durch das Sächsische Innenministerium abhängig machte. Dieser sollte Ende 2011 fertiggestellt werden. Bei einer gemeinsamen Bewerbung müsste Tschechien ein Jahr vor Antragstellung, Februar 2012, die Montanregion Erzgebirge auf ihre Tentativliste setzen. Demnach käme die Einladung Sachsens zur Projektbeteiligung zu spät.Freie Presse Online: , abgerufen am 2. August 2011 Im Juli 2011 veröffentlichten die Landtagsabgeordneten Tino Günther (FDP) und Alexander Krauß (CDU) eine Pressemitteilung, abgerufen am 2. August 2011 mit dem Vorschlag, das Erzgebirge als Immaterielles Erbe der Menschheit unter Schutz zu stellen.Freie Presse Online: , abgerufen am 2. August 2011 Hingegen initiierten die Bündnis 90/Die Grünen Sachsen im August 2011 eine Petition zur Durchsetzung des Vorhabens Industrie-Kulturlandschaft Montanregion Erzgebirge. Die Petition richtet sich an den sächsischen Landtag, sich für das grenzüberschreitende Projekt als materielles UNESCO-Weltkulturerbe einzusetzen., abgerufen am 2. August 2011Freie Presse Online: , abgerufen am 2. August 2011

Der im Februar 2014 gestellte Aufnahmeantrag wurde im April 2016 zur Überarbeitung zurückgezogen. Seitens des Internationalen Denkmalrates (ICOMOS) wurde eine Überarbeitung des Antrags in folgenden Bereichen angeregt: Stärkung des Kulturlandschaftsansatzes durch die Zusammenfassung von Bestandteilen, Konzentration auf die Epochen und das Verfahren des Erzbergbaus im Abgrenzung zu vergleichbaren Bergbaukulturlandschaften weltweit sowie bei der Objektauswahl und Präzisierung der Beschreibung des sog. „außergewöhnlichen universellen Wertes“ (OUV) im Welterbeantrag durch die stärkere Bezugnahme auf wissenschaftliche, technologische und verwaltungsseitige Errungenschaften des erzgebirgischen Montanwesens.

Im Zuge der Überarbeitung des Antrags wurde die Zahl der sächsischen Bestandteile von ehemals 79 auf 17 und die Zahl der tschechischen von 6 auf 5 reduziert. Nicht mehr antragsgegenständlich waren nun Objekte, die nicht unmittelbar mit dem Erzbergbau sowie den bergbaulichen Prozessen bzw. Bergbaulandschaften verbunden sind, wie z. B. das Schloss Schwarzenberg, die Bergkirche und das Reifendrehwerk in Seiffen, das Geotop „Roter Kamm“ in Bad Schlema und das Kalkwerk Lengefeld. Ein Großteil der gestrichenen Objekte sind als „assoziierte Stätten“ in die Welterbelandschaft eingebunden und stellen potentielle Erweiterungsvorschläge der künftigen Welterbelandschaft dar. Nach der Revision von 2018 wurde die Montanregion 2019 (mit 17 Sachgesamtheiten auf sächsischer und fünf auf tschechischer Seite) in die Liste des Welterbes eingetragen.

Bestandteile Nach den Hinweisen der Kommission wurde der Welterbeantrag auf den Erzbergbau konzentriert. Andere Objekte wurden als assoziierte Stätten definiert. Insgesamt umfasst der sächsische Teil 17 Bestandteile in 57 Hauptmerkmalen. Die Bestandteile belegen nicht nur Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, sondern auch weitergehende Aspekte der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region.

Sachsen mini|Arno-Lippmann-Schacht Altenberg mini|Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald mini|Huthaus Alte Mordgrube Fundgrube mini|Hüttenkomplex Muldenhütten mini|Kahnhebehaus im Verlauf des Erzkanals mini|Saigerhüttenkomplex Grünthal mini|Frohnauer Hammer mini|Fördergerüst des Schachtes 371 im Herbst 2004

Bergbaugebiet Altenberg Hochmittelalterliche Silberbergwerke Dippoldiswalde Montanlandschaft Altenberg–Zinnwald Bergbaugebiet am Neufang Steinrückenfelder am Geisingberg Zwitterstock Tiefer Erbstolln Wäsche IV Aschergraben Arno-Lippmann-Schacht Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald Verwaltungssitz Lauenstein Schloss Lauenstein Stadtkirche Lauenstein

Bergbaugebiet Freiberg Montanlandschaft Freiberg Segen Gottes Erbstolln Gersdorf Historische Altstadt von Freiberg Hauptstollngang Stehender Stolln/Mundlöcher zur Mulde Roter Graben Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ Alte Elisabeth Fundgrube Abraham Schacht Hüttenkomplex Muldenhütten Beschert Glück Fundgrube Drei-Brüder-Schacht Alte Mordgrube Fundgrube Bergbaulandschaft Goldbachtal Erzkanal Grube Churprinz Friedrich August Erbstolln Grube Alte Hoffnung Gottes Erbstolln, Kleinvoigtsberg Hüttenkomplex Halsbrücke Rothschönberger Stolln aktive Revierwasserlaufanstalt Freiberger Mulde

Bergbaugebiet Schneeberg Bergbaulandschaft Hoher Forst Montanlandschaft Schneeberg Montanlandschaft Schneeberg–Neustädtel Historische Altstadt Schneeberg Weißer Hirsch Fundgrube Siebenschlehener Pochwerk Silberschmelzhütte St. Georgen Sauschwart Fundgrube Daniel Fundgrube Gesellschaft Fundgrube Knappschaftsteich Filzteich Wolfgang Maßen Fundgrube Fundgrube St. Anna am Freudenstein Blaufarbenwerk Schindlers Werk

Bergbaugebiet Annaberg Montanlandschaft Annaberg-Frohnau Historische Altstadt Annaberg Bergbaulandschaft Frohnau Frohnauer Hammer Bergbaulandschaft Pöhlberg Bergbaulandschaft Buchholz Bergbaulandschaft Buchholz Grube Alte Thiele Terrakonikhalden Schacht 116

Bergbaugebiet Marienberg Historische Altstadt Marienberg Bergbaulandschaft Lauta Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf Röhrgraben Saigerhüttenkomplex Grünthal

Bergbaugebiet Schwarzenberg Bergbaulandschaft Eibenstock Bergbaulandschaft Rother Berg

Bergbaugebiet Uranerzbergbau Bergbaulandschaft Uranerzbergbau Schachtkomplex 371 Haldenlandschaft Uranerzbergbau Markus-Semmler-Stolln

Tschechien mini|Wolfspinge bei Horní Blatná mini|Der Gipfel des Medník mini|Burg Krupka mini|Alter Martin Stolln

Bergbaulandschaft Jáchymov Städtische Denkmalschutzzone Jáchymov (Joachimsthal) Königliche Münze Burg Freudenstein Grube Svornost und Stolln Nr. 1 Halden und Pingen auf dem Schweizergang Eliastal Fundgrübner Stolln und Leithund Berg Šance (Türkner Berg)

Bergbaulandschaft Abertamy–Boží Dar–Horní Blatná Städtische Denkmalschutzzone Horní Blatná Wolfspinge Grube Mauritius Rote Grube Zinn- und Eisenrevier Bludná Skarnrevier Zlatý Kopec – Kaff Zinnrevier Zlatý Kopec – Hrazený potok Seifengelände bei Boží Dar Plattner Kunstgraben

Bergbaulandschaft Vrch Mĕdník (Kupferberg) Mariahilf-Stolln Gelobtes Land Stolln Kapelle „Unbefleckte Empfängnis Maria“

Roter Turm des Todes Roter Turm des Todes Uranabbau nach dem Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiterlager in Jachymov

Bergbaulandschaft Krupka Städtische Denkmalschutzzone Krupka Burg Krupka Bergbaurevier Knötel Bergbaurevier Steinknochen und Alter Martin Stolln Bergbaurevier Preisselberg Große Pinge auf dem Mückenberg Alter Bergsteig