mini|Wappen Tscharner als Kirchenortschild in der Siechenkapelle (Bern-Waldau) Die Familie von Tscharner ist eine ursprünglich aus Graubünden stammende Patrizierfamilie. Die 1558 geadelte Familie teilte sich im 16. Jahrhundert in eine Churer und eine Berner Linie. Die Letztere besitzt seit dem 16. Jahrhundert das Burgerrecht der Stadt Bern und zählte zum Berner Patriziat, die Familienmitglieder sind Angehörige der Gesellschaft zu Pfistern.

Geschichte Die Familie stammt ursprünglich aus dem Domleschg im damaligen Hochstift Chur. 1471 werden Matthäus und Wilhelm Tscharner als Inhaber von Mühlen und 1472 Martin, Diebold und Jakob Wilhelm als freie Bauern in Feldis erwähnt. Wilhelm Tscharner war hingegen Bauer in Abhängigkeit vom Grafen Jörg von Werdenberg-Sargans. Im 16. Jahrhundert stiegen die Tscharner als Patrizier zu einem der führenden Ratsherrengeschlechter der Stadt Chur auf. 1558 wurde die Familie durch Kaiser Ferdinand I. in den Adelsstand erhoben.Egbert Friedrich von Mülinen: Prodromus einer schweizerischen Historiographie, Bern, 1874, Universitätsbibliothek Bern , dort unter Tscharner, Johann Baptista von, 1751−1835 Das Adelsprädikat „von“ wurde von der Churer Linie jedoch erst seit dem 18. Jahrhundert, von der Berner Linie seit dem 19. Jahrhundert durchgängig geführt.

Johann (auch Jann oder Hans) Tscharner (1593–1659) aus Chur, Sohn des Stadtschreibers und Gesandten Luzius Tscharner (ca. 1481–1562), war ein vehementer Förderer der Reformation in der Schweiz, führte einen Speditionshandel an der Nord-Süd-Route (Alpenrhein – Chur – Albulapass, Julierpass, Malojapass – Chiavenna) und gewann grosses Ansehen im Dreibündenstaat. Er war zwischen 1643 und 1652 fünfmal Bürgermeister von Chur und als solcher Präsident des Gotteshausbunds.Johann Tscharner, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Die Kinder des Luzius setzten die Churer Linie fort und begründeten die Berner Linie. Von seinen Enkeln war Simeon 1575 Hauptmann auf der Fürstenburg und 1576 bischöflich-churischer Hofmeister, Hans Oberst und Churer Seckelmeister und Johann Baptista Stadtschreiber und Gesandter der Drei Bünde, unter anderem nach Venedig, Mailand und Paris. Ein Sohn des Letzteren, Johann Baptista Tscharner (1670–1734), regierte die Stadt Chur als Bürgermeister nach den Bündner Wirren. Ab dem 18. Jahrhundert stellten die Tscharner zahlreiche Säckelmeister und vier Bürgermeister in Chur. Durch geschickte Heiratspolitik, Klientelwesen, Fernhandel und Söldnerdienste wurden sie vermögende Grundbesitzer. Schloss Reichenau GR mit zugehörigem Weingut in Jenins befindet sich bis heute im Besitz eines Zweiges der Churer Linie.von Tscharner, Schloss Reichenau, Webseite

Die Berner Linie, die sich seit 1844 ebenfalls von Tscharner nannte, geht gleichfalls auf den Churer Seckelmeister Luzius zurück. Dieser heiratete in zweiter Ehe Margaretha von Wattenwyl und wurde 1530 ins Berner Bürgerrecht sowie in die Gesellschaft zu Pfistern aufgenommen. Im selben Jahr erwarb er die Herrschaft Reichenbach. Bereits Luzius’ Sohn David (1536–1611) gelangte 1564 in den Grossen Rat und 1583 in den Kleinen Rat. Die Tscharner gehörten im Berner Patriziat zur zweiten Klasse der «edelvesten» Geschlechter und im 18. Jahrhundert zu den fünf im Grossen Rat zahlenmässig am stärksten vertretenen Familien. Sie stellten bis zum Ende des Ancien Régime, der Stadt und Republik Bern, sieben Mitglieder des Kleinen Rates und mehrere Landvögte. In Bern liess Beat Jakob am Münsterplatz ab 1733 das repräsentative Tscharnerhaus errichten, das 1927 durch Elisabeth de Meuron-von Tscharner an den Kanton Bern verkauft wurde.

Personen Zweig Graubünden

Johann Baptista Tscharner (1670–1734), Schweizer Politiker, Landvogt zu Maienfeld, Bürgermeister von Chur Johann Baptista Tscharner (1722–1806), Schweizer Politiker, Bürgermeister von Chur, Landvogt zu Maienfeld Johann Baptista von Tscharner (1751–1835), Schweizer Jurist und Politiker, Bürgermeister von Chur Johann Baptista von Tscharner (1779–1857), Schweizer Jurist und Politiker, Bürgermeister von Chur Johann Baptista von Tscharner (1815–1879), Schweizer Jurist und Politiker, Ständerat Fritz von Tscharner (1852–1918), Artillerie-Oberst am Gotthard Johann Wilhelm von Tscharner (1886–1946), Schweizer Maler Gian-Battista von Tscharner (* 1948), Oenologe auf Schloss Reichenau GR Johann-Baptista von Tscharner (* 1986), Winzer und Politiker im Kanton GR Gisula Tscharner-Meyer (* 1948), reformierte freie Theologin aus Feldis GR

Zweig Bern mini|Nicolaus Tscharner (1650–1737), General, Oberbefehlshaber der Berner Truppen, Gross- und Kleinrat, Landvogt von Lausanne Lucius Tscharner (1481–1562), Ratsherr von Chur, Burger von Bern (1530), Herr zu Reichenbach (1530–?) Lucius Tscharner (1644–1690), Offizier der Schweizergarde in Paris, Grossrat 1680, Landvogt von Grandson 1685 Nicolaus (Niklaus) Tscharner (1650–1737), Generalmajor, Oberbefehlshaber der Berner Truppen, Gross- und Kleinrat, Landvogt von Lausanne Beat Jakob Tscharner (1679–1770), Kleinrat und Venner zu Pfistern Johann Rudolf Tscharner (1717–1789), Kleinrat und Venner zu Pfistern Niklaus Emanuel Tscharner (1727–1794), Ökonom und Magistrat Vincenz Bernhard Tscharner (1728–1778), Historiker und Literat Beat Emanuel von Tscharner (1753–1825), Landvogt zu Aigle und Besitzer des Landgutes Lohn Beat Friedrich von Tscharner (1791–1854), Physiker Karl Emanuel Tscharner (1791–1873), Bildhauer Karl Friedrich Tscharner, Schultheiss von Bern 1835–1846 Ludwig S. von Tscharner (1879–1917), Jurist und Historiker Johann Anton (von) Tscharner (1880–1955), schweizerischer, vorwiegend in Österreich tätiger Architekt Elisabeth de Meuron-von Tscharner (1882–1980), Schloss- und Gutsbesitzerin, Berner Stadtoriginal Niklaus von Tscharner (1935–2016), Bauingenieur, Gemeindepräsident von Zimmerwald, Präsident der Gesellschaft zu Pfistern, Burgerrat, Leiter des Heims Kühlewil Benedikt von Tscharner (1937–2019), Diplomat und Publizist

Besitzungen Zweig Bern

Zweig Graubünden

Wappen

Archive

Literatur

Enid Stoye: Vincent Bernard de Tscharner 1728–1778. A study of Swiss culture in the 18th century. Fribourg 1954.

Weblinks

Wappen Tscharner auf www.chgh.ch Eintrag im HLS

Einzelnachweise

Kategorie:Schweizer Adelsgeschlecht Kategorie:Burgerliches Geschlecht (Bern) Kategorie:Bernisches Patriziergeschlecht Kategorie:Geschichte (Kanton Graubünden)