Die namibische Cricket-Nationalmannschaft, deren Spieler auch unter dem Spitznamen Eagles bekannt sind, vertritt Namibia auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird von Cricket Namibia geleitet und ist seit 1992 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Kenia und Uganda, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Afrikas hinter den Vollmitgliedern Südafrika und Simbabwe. Das namibische Cricket geht zurück auf die südafrikanische Besetzung des damaligen Südwestafrikas und ist seitdem stark vom südlichen Nachbarn beeinflusst worden. Namibia verfügt seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Die größten Erfolge der Mannschaft waren die Teilnahme am Cricket World Cup 2003 in Südafrika und der 2. Platz beim ICC Intercontinental Cup 2007/08 sowie der Sieg in der ICC World Cricket League Division 2. Im Oktober 2019 konnte sich die namibische Nationalmannschaft im Rahmen des ICC Men’s T20 World Cup Qualifier 2019 für den T20 World Cup 2021 qualifizieren, wo sie mit dem Einzug in die Super 12 ihr bisher bestes Abschneiden bei einem Turnier erreichte. Dabei qualifizierte sie sich automatisch für den T20 World Cup 2022.
Geschichte Vor der Unabhängigkeit (1909–1989) Das erste dokumentierte Cricketspiel fand 1909 in Windhoek statt, als Namibia noch eine deutsche Kolonie war. Mit der südafrikanischen Machtübernahme während des Ersten Weltkrieges begann die Verbreitung des Sports im heutigen Namibia. Das erste offizielle Cricketspiel fand 1915 zwischen einer Mannschaft aus südafrikanischen Soldaten und einer lokalen Gruppe aus Otjiwarongo statt. Mit der Besetzung Namibias durch Südafrika (anfangs noch als Völkerbundmandat) begann sich Cricket auf professioneller Ebene zu entwickeln. Gegen 1930 erfolgte die Gründung der South West Africa Cricket Union (SWACU), die mit der Organisation von Spielen anfing. 1958 wurden die ersten internationalen Spiele gegen Südafrika organisiert. Ab 1961/62 nahm Südwestafrika an den südafrikanischen Meisterschaften teil. Zwischen 1962 und 1989 bestritt das südwestafrikanische Team 130 Spiele gegen die südafrikanischen Provinzmannschaften, von denen es 31 gewann.
Nachdem Südafrika 1961 das Commonwealth of Nations verlassen hatte, begann es Südwestafrika als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets zu betrachten. Die Vereinten Nationen entzogen Südafrika das Mandat, was die Regierung jedoch ignorierte. Mit der faktischen Annexion führte sie die rassistischen Apartheid-Gesetze, die eine strikte Trennung der südafrikanischen Bevölkerungsgruppen in „Weiße“ und „Nichtweiße“ gesetzlich verankerte, auch in Südwestafrika ein. Dadurch wurden „Nichtweiße“ vom Sportgeschehen weitgehend ausgeschlossen. Ein Jahr zuvor hatte die People’s Liberation Army of Namibia, ein bewaffneter Flügel der SWAPO, den Namibischen Befreiungskampf begonnen. Südwestafrikanische Rebellen hießen den Boykott des Apartheidregimes willkommen und unterstützten ausdrücklich Protestbewegungen in anderen Ländern. Die Unterzeichnung der Gleneagles-Vereinbarung durch 33 Commonwealth-Mitgliedstaaten am 15. Juni 1977 verschärfte die sportliche Isolierung Südafrikas weiter. Sie sah die systematische Abkopplung des Landes von der Sportwelt des Commonwealth vor, um auf diese Weise gegen die Apartheidpolitik vorzugehen. Die Vereinbarung enthielt auch Sanktionsmöglichkeiten für Mitglieder, die sich gegen diese Vereinbarung verhalten würden und das Abkommen sprach sich für den Ausschluss nachweislich rassistisch orientierter Vereinigungen im internationalen Sportgeschehen aus.SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1977. Johannesburg 1978, S. 563–564. Da Namibia zu dem Zeitpunkt faktisch als fünfte Provinz Südafrika verwaltet wurde, galt dies gleichermaßen für das örtliche Cricket. Im Januar 1989 absolvierte Südwestafrika seine letzte heimische Saison in Südafrika. Im April begann die PLAN ihren letzten bewaffneten Aufstand und die South West Africa Cricket Union brach ihre Verbindungen zum South African Cricket Board (SACB) ab.
1989 erfolgte die offizielle Gründung des Namibia Cricket Board. Im November 1989 absolvierte eine namibische Mannschaft in Botswana ihre ersten internationalen Spiele, obschon der Verband erst 1992 in den International Cricket Council (ICC) aufgenommen wurde.
Nach der Unabhängigkeit (1990–1999) Am namibischen Unabhängigkeitstag, dem 21. März 1990, und an den darauf folgenden Tagen spielte Gloucestershire gegen die erste Nationalmannschaft Namibias, aus denen der Gastgeber dreimal als Sieger hervorging. Namibia gewann auch die folgenden Spiele gegen die Niederlande im April. Vor der Gründung des Kontinentalverbandes Africa Cricket Association wurde nach zwei Schultouren zwischen Namibia und Botswana 1989 und 1990 die SCSA Zone VI Cricket Federation gegründet. Im September 1991 fand in Windhoek das erste ACA-Turnier statt, an dem neben dem Gastgeber auch Botswana, Lesotho, Malawi, Sambia und der Oxford University Cricket Club teilnahmen.
Die Nationalmannschaft konnte sich nicht für den Cricket World Cup 1992 qualifizieren, da das Land erst kurz vor der ICC Trophy 1990 unabhängig geworden war. 1994 absolvierte Namibia seine ersten vom ICC anerkannten Spiele bei internationalen Turnieren. Bei der ersten Teilnahme an einem Turnier, der ICC Trophy 1994 in Kenia, gewann Namibia seine erste Trophäe, die Philip Snow Plate. Mit dem dritten Gruppenplatz verpasste es jedoch die Qualifikation für den Cricket World Cup 1996. Drei Jahre später enttäuschte die namibische Mannschaft bei der ICC Trophy 1997 in Malaysia und konnte deswegen nicht am Cricket World Cup 1999 teilnehmen.
Erste Teilnahme am Cricket World Cup (2003) mini|Namibia gegen England beim Cricket World Cup 2003 Namibias Weg zum Cricket World Cup 2003 begann bei der ICC Trophy 2001 in Kanada. Die Mannschaft erreichte das Finale in Toronto, unterlag jedoch den Niederlanden; dies war ausreichend, um sich für das Turnier zu qualifizieren. Im April 2002 war Namibia Gastgeber der Six Nations Challenge und schloss dieses Turnier auf dem vierten Platz ab. Der Africa Cup im September verlief für Namibia enttäuschend, das in seiner Gruppe lediglich Tansania besiegen konnte und letztlich den vierten Platz belegte. Wenige Wochen später verlor Namibia vier Spiele gegen eine zweite simbabwische Auswahl. Die auf die Simbabwe-Tour folgende Tour nach Kenia verlief hingegen deutlich besser, als Namibia Kenia in der ODI-Serie von vier Spielen bezwang. Danach nahm Namibia in der höchsten Liga des südafrikanischen Crickets, dem Standard Bank Cup, teil, verlor jedoch alle seine fünf Spiele. Im Januar 2003 unterlag Namibia in der Serie von fünf ODIs gegen Bangladesch mit 1–4.
In seinem ersten Spiel beim Cricket World Cup am 10. Februar 2003 in Harare unterlag Namibia dem Co-Gastgeber Simbabwe mit 86 Runs; es war dies das erste ODI für Namibia gewesen. Namibia verlor auch seine in Südafrika ausgetragenen Spiele gegen Pakistan (mit 171 Runs), und gegen England (mit 55 Runs). Namibia konnte in diesem Spiel gut mithalten, nicht zuletzt dank Jan-Berrie Burger, der als „Man of the Match“ für sein Innings mit 85 Runs ausgezeichnet wurde und seinem Team beinahe einen Überraschungssieg bescherte. Danach unterlag es Indien (mit 181 Runs) und dem späteren Weltmeister Australien (mit 256 Runs), damals das höchste ODI-Ergebnis, das beim Cricket World Cup 2007 von Indien gegen Bermuda mit 257 Runs überboten wurde. Das Turnier endete für Namibia mit einer Niederlage von 64 Runs gegen den Mitqualifikanten Niederlande. Im Spiel gegen England war Rudie van Vuuren der erste namibische Cricketspieler, der fünf Wickets in einem ODI nahm. Als er auch mit der namibischen Rugby-Union-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 2003 in Australien teilnahm, wurde er der erste Sportler, der in demselben Jahr in zwei verschiedenen Sportarten bei Weltmeisterschaften auflief. Nach dem Cricket World Cup ging das Interesse am Cricket in Namibia jedoch merklich zurück und er galt für die folgenden 18 Jahre als „sterbender Sport“.
Nach dem Cricket World Cup (2003–2005) Im August 2003 gewann Namibia die One-Day-Serie gegen die zweite Mannschaft Simbabwes mit 2–1, verlor jedoch beide Dreitagesspiele. Beim Gegenbesuch im darauf folgenden Januar gewann Namibia die Serie von fünf ODIs mit 4–1; ebenso gewann es ein Spiel gegen die U-19-Mannschaft Simbabwes. Im Februar gewann Bangladesch die Serie von drei ODIs in Namibia, während das Dreitagesspiel im Remis endete. Danach nahm Namibia an der Six Nations Challenge 2004 in den Vereinigten Arabischen Emiraten teil. Namibia beendete das Turnier nach Net Run Rate auf dem dritten Platz, nachdem es gegen Kanada, die Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate gewonnen hatte, jedoch Schottland und den Vereinigten Staaten unterlegen war. Im Rahmen des Intercontinental Cup 2004 bestritt Namibia zwei Spiele gegen Kenia und Uganda, verlor jedoch beide. Zwischen diesen beiden Spielen gewannen die Namibier ein Turnier afrikanischer Nationen in Sambia. Im selben Jahr nahmen sie an Simbabwes nationaler ODI-Meisterschaft teil und beendeten das Turnier auf dem zweiten Platz. Während das Team in Simbabwe verweilte, gewann esn auch zwei Spiele gegen die Nationalmannschaft. Darauf folgte der Besuch Englands in Namibia für zwei Spiele, die die Gäste gewannen.
Im Frühjahr 2005 unterlag die zweite Mannschaft Simbabwes Namibia in beiden ODIs. Im April gewann die zweite Mannschaft Pakistans alle drei ODIs gegen Namibia, während das Dreitagesspiel im Remis endete. Darauf folgten zwei Heimspiele während des Intercontinental Cup 2005. Obschon es in der Gruppenphase unbesiegt blieb, mit einem Sieg gegen Uganda und einem Remis gegen Kenia, gelang es nicht, das Halbfinale zu erreichen. Anschließend nahm das Team an der ICC Trophy 2005 in Irland teil. Namibia beendete das Turnier auf dem siebten Platz, nachdem es gelungen war, Dänemark im Platzierungsspiel zu besiegen. Zurück in Namibia empfingen sie Ende Juli Neuseeland, verlor jedoch beide Spiele, eines davon mit nur 29 Runs, nachdem sie ein Ergebnis von 330/6 zugelassen hatte. Im Oktober desselben Jahres waren die Namibier Gastgeber des Halbfinales beim Intercontinental Cup, obschon sie sich selbst nicht qualifizierten. Während das Finale ausgetragen wurde, spielte die Mannschaft nach ihrem Ausscheiden zwei ODIs in Bermuda, die sie beide gewann. Umstrittene Vorfälle überschatteten die Serie, als die Mannschaft Bermudas den Namibiern rassistische Beleidigungen vorwarf und während des zweiten Spieles das Spielfeld verließ, als mehrere Bouncer gegen die Lower order Batter gespielt wurden. Das Namibia Cricket Board wies die Rassismusvorwürfe zurück.
Weitere Entwicklung (2006–2017) Im März 2006 empfing Namibia Nepal für ein Qualifizierungsspiel für den achten und letzten Platz in der Gruppenphase des Intercontinental Cup 2006. Das Spiel endete unentschieden, Namibia gelang dennoch die Qualifikation, da es in ersten Innings einen Vorsprung erzielt hatte. In der Gruppenphase im Mai unterlag die Mannschaft jedoch Schottland in Aberdeen mit einem Innings, bevor sie in Dublin Irland mit fünf Wickets unterlag. Während der südafrikanischen Cricket-Saison 2006/07 nahm Namibia an der zweiten Ebene des First-Class- und List A Cricket, der South African Airways Challenge, teil. Namibia erreichte in seiner Dreitagesspiel-Gruppe den zweiten Platz; hinzu kam der dritte Platz im ODI-Turnier, wobei es bei einem Sieg mehr das Halbfinale erreicht hätte. Zwischen den Spielen in diesen Turnieren bestritt die Mannschaft ihr drittes und letztes Spiel beim Intercontinental Cup 2006 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und gewann es mit einem Innings. Am 1. April 2007 erfolgte die Integration in das ICC High Performance Program. Namibia gelang es nicht, sich für den Cricket World Cup 2007 zu qualifizieren.