Lincoln Wayne „Chips“ Moman (* 12. Juni 1937 (PDF; 11 kB) in La Grange, Georgia; † 13. Juni 2016 ebendaLegendary record Producer Chips Moman dies at the age of 79. In: wmcactionnews5.com, 14. Juni 2016. Abgerufen am 22. August 2018 (englisch).) war ein US-amerikanischer Musikproduzent, Komponist und Gitarrist, der stilprägend für die Entwicklung des Memphis-Sound und damit der Soulmusik der 1960er und 1970er Jahre war und einige Akzente in der Country-Musik setzte.
Leben Mitglied in Rockabilly-Bands mini|Thomas Wayne – This Time Seine Eltern Mildred Magnolia Deberry und Abraham Lincoln Moman arbeiteten in Textilfabriken. Moman lernte bereits ab 1940 Gitarre spielen, 1951 zog er zu einer Tante nach Memphis und arbeitete dort als Anstreicher. Bei den örtlichen Sun Records begleitete er 1956 Warren Smith auf Tournee, 1957 spielte er Gitarre in der Begleitgruppe von Dorsey Burnette, wirkte jedoch noch nicht bei Plattenaufnahmen mit. Danach lernte ihn Toningenieur Stan Ross in den Gold Star Studios in Los Angeles an. 1958 tauchte er in der Begleitgruppe von Thomas Wayne auf, für den Moman seinen ersten Song This Time schrieb, der im März 1958 für das kleine Label Fernwood Records (#106) aufgenommen wurde, jedoch in dieser Originalfassung nicht die Hitparaden erreichte. Zum Hit wurde die im September 1961 veröffentlichte Coverversion von Troy Shondell, die bis auf Rang 6 der Popcharts vordrang. 1959 war er kurzzeitig Mitglied der Bluecaps (Begleitband von Gene Vincent), die er verließ, als sie in Memphis spielten. Dort traf er auf Jim Stewart von Stax Records und schlug ihm vor, statt Country den populäreren Rhythm & Blues im Repertoire des jungen Schallplattenlabels zu bevorzugen.
Stax Records mini|Charles Heinz – Destiny Im August 1959 spielte Moman als Studiomusiker die Gitarre auf der ersten Single im Katalog von Satellite Records, wie Stax damals noch firmierte. Gleichzeitig taucht er auch als Mitautor der A-Seite der Veltones-Single Fool in Love (Satellite #100) auf. Auch auf der zweiten Single im Katalog, der im August 1960 von Charles Heinz’ erschienenen Prove Your Love / Destiny (#101) spielt Moman in der Studioband und ist als alleiniger Komponist der B-Seite registriert.
1960 fand Moman für Stax Records ein leerstehendes Kino in der East McLemore Avenue, das er maßgeblich zum Tonstudio umbauen half.Hugh Gregory, Soul Music A-Z, 1991, S. 163. Nun war er voll integriertes Mitglied des Stax-Stabes, und Jim Stewart ließ Moman in dem Glauben, dass er zu 25 % an Stax Records beteiligt sei. Seine Funktionen bei Stax begannen mit der Arbeit als Studiogitarrist, er komponierte Songs und arbeitete sich vom Toningenieur bis zum Produzenten hoch. Er avancierte zum wichtigsten Produzenten der Plattenfirma. Im August 1960 leitete er im neuen Tonstudio die Aufnahmen bei Gee Whiz (Look at His Eyes) von Carla Thomas. Im Januar 1961 wurde das Stück unter Atlantic #2086 veröffentlicht und kletterte bis auf Rang fünf der R&B-Charts und Platz 10 der Popcharts mit einem Plattenumsatz von 500.000 Exemplaren. Im September 1960 entstand unter seiner Produktionsregie ein noch erfolgreicherer Hit des Labels, nämlich der Instrumentaltitel Last Night der Mar-Keys. Nach dessen Veröffentlichung im Juni 1961 kletterte er bis auf Rang zwei der R&B-Charts und Rang drei der Pophitparade und wurde über eine Million Mal verkauft.Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 155. Im Frühjahr 1961 wurde das Carla-Thomas-Album Gee Whiz um den Titelsong herum produziert und wurde das erste Album des Stax-Katalogs. Die Mar-Keys nahmen im September 1961 das nach ihrem Hit Last Night benannte Album auf, von Moman produziert und im Oktober 1961 als Atlantic #8055 auf den Markt gebracht.Billboard-Magazin vom 30. Oktober 1961, S. 4 (). Im November 1961 produzierte er William Bells Country-Soul-Ballade You Don’t Miss Your Water, das 200.000 Exemplare verkaufte, aber nur Rang 95 der Popcharts erreichte.Billboard-Magazin vom 22. Mai 1971, American Recording Studios, S. 34 (). Er spielte Gitarre bei den Triumphs, der ersten Gruppe mit weißen und schwarzen Musikern im noch segregierten Memphis, deren B-Seite Raw Dough er komponierte und im November 1961 produzierte.
Eigene Tonstudios Der Grund, warum Moman Ende 1961 Stax Records verließ, ist in der Fachliteratur umstritten, weil sich alle Beteiligten hierüber völlig unterschiedlich äußerten.Rob Bowman, Soulsville U.S.A.: The Story of Stax Records, 1995, S. 35. Vermutlich ging er im Streit über den Irrtum, als Partner an Stax Records beteiligt zu sein, die jedoch zu 100 % Jim Stewart und Estelle Axton gehörten. Sein Anwalt und Musikbusiness-Kenner Seymour Rosenberg erreichte noch eine Vergleichszahlung von 3000 US-Dollar für fehlende Produzententantiemen an Moman, der jedoch nicht unmittelbar eine neue Beschäftigung fand.
Anfang 1963 gründeten Moman und der Farmer Donald H. Crews mit finanzieller Unterstützung durch Seymour Rosenberg das American Sound Studio in der Thomas Street in Nord-Memphis. Don Crews, der als Büroleiter und Verwalter fungierte, hatte Beziehungen zur Musikwelt: er kannte den Gitarristen Reggie Young und war mit Countrysänger Narvel Felts zur Schule gegangen.Roben Jones: Memphis Boys: The Story of American Studios. 2010, S. 17 (). Rosenberg managte bereits seit 1961 Charlie Rich und Isaac Hayes vor dessen Stax-Zeit, veräußerte 1964 jedoch seine Beteiligung an Chips Moman. Zunächst sehr spartanisch mit einem Monoaufnahmegerät und zwei Ampex-Mischpulten ausgestattet, versuchten sie sich in der mit Plattenfirmen und Tonstudios reichlich ausgestatteten Stadt zu etablieren.
Die Gründungsphase der neuen Tonstudios ist musikhistorisch nicht geklärt.Robert Gordon, It Came from Memphis, 2001, S. 99. Einer der ersten Interpreten des neuen Tonstudios war vermutlich Isaac Hayes, der noch nicht für Stax Records arbeitete. Er machte hier Ende 1962 seine erste Single mit Tommy Cogbill an der Bassgitarre. Das von Moman produzierte Laura, We’re on the Last Go-Round erschien 1963 bei Youngstown ohne jegliche Resonanz. Im September 1962 entstanden hier für Jimmy Evans, der 1955 bei Sun Records angefangen hatte, unter Produktionsregie von Moman That Mexican Limbo / You Put Those Tears in My Eyes (Zone #1062), veröffentlicht im Oktober 1962.
mini|Gentrys – Keep on Dancing Die beim Memphis-Label Goldwax Records unter Vertrag stehenden Ovations ließen sich von Moman Dance Party / It’s Wonderful to Be in Love produzieren, mit einem Rang 31 die erste Chartnotiz für das kleine Label und das Tonstudio im Mai 1965. Sie wurden begleitet vom späteren Kern der Studioband des Tonstudios. Von der Bill Black Combo kam Bobby Wood (Klavier/Orgel), zu dem Tommy Cogbill (Bass) und Gene Chrisman (Schlagzeug) stießen. 1965 komplettierten mit Gitarrist Reggie Young (Gibson 330) und Bobby Emmons zwei weitere Mitglieder der Bill Black Combo die Studioband.
Weiße Schüler aus Memphis trugen zum ersten Hit für die American Recording Studios bei. Zunächst nahmen die Gentrys im Dezember 1964 die erfolglose Single Sometimes (I Cry) auf, bevor hier im Juni 1965 der temporeiche Garage Rock Keep on Dancing mit dem markanten Farfisa-Orgel-Break entstand. Ein Take genügte, doch mit 1 ½ Minuten Spieldauer war das Stück dem Produzenten Moman zu kurz. „Wir haben es bis zum letzten Schlagzeug-Beat zu früh ausgeblendet und deshalb noch eine weitere Aufnahmeschleife angehängt“, erinnerte sich Moman an die nach damaligen Standards qualitativ schlecht aufgenommene Platte.Roben Jones: Memphis Boys: The Story of American Studios. 2010, S. 22 (). Die Tanzplatte mit nur drei Akkorden erschien im September 1965 und erreichte Rang vier der Popcharts und Millionensellerstatus.Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 207.
Sandy Posey war als Telefonistin bei den American Studios angestellt, ihre Gesangsambitionen stellte sie als Hintergrundsängerin bei Tommy Roe oder Joe Tex unter Beweis. Das führte im März 1965 zur ersten Plattenaufnahme als Sandy Carmel und Kiss Me Goodnight, produziert von Bill Justis. Als Moman ihre Demoaufnahme zu Born a Woman hörte, erkannte er hierin enormes Hitpotenzial. Wegen technischer Studioprobleme produzierte Moman den Country-Pop-Titel am 15. März 1966 in den Columbia-Studios in Nashville, die Begleitband bestand aus Scotty Moore (Leadgitarre), Tommy Cogbill (Gitarre), Mike Leech (Bass), Larry Butler (Klavier) und Ronnie Capone (Schlagzeug). Mit einem Rang 12 stieß die Platte in der Pophitparade nur auf mäßige Resonanz. Momans Idee, ihre Stimme im Overdubbing zu präsentieren, wurde auch bei weiteren Singles wie Single Girl zu ihrem Erkennungszeichen. Insgesamt produzierte Moman 15 Titel für Posey.
mini|Box Tops – The Letter Wayne Carson Thompson ließ im Dezember 1966 von Moman den von Thompson verfassten Solo-Titel My Little Noise Maker produzieren. Kurz danach schrieb er den Song The Letter, den die weiße Gruppe Box Tops von Dan Penn produzieren ließ, weil Moman nicht verfügbar war. Der lediglich 1:58 Minuten lange Song ist charakteristisch für den Blue-Eyed Soul, wie er insbesondere bei American Studios entstand. Die Textzeile „Give me a ticket for an aeroplane“ ging dabei auf die Idee von Thompsons Vater zurück,Roben Jones: Memphis Boys: The Story of American Studios. 2010, S. 79 (). und Wayne vervollständigte den Text über einen nach seiner Freundin sehnsüchtigen jungen Mann, der auch die Flugzeugdistanz zu ihr nicht scheut. Thompson spielte bei der Aufnahme Gitarre. Dan Penn baute Flugzeuggeräusche, Geigen und ein Hammond-B3-Orgelriff ein. Veröffentlicht im Juni 1967, erreichte einer der kürzesten Titel der Popmusikgeschichte als Erster für die American Studios den ersten Rang der Pophitparade, den er für vier Wochen innehatte. Mit vier Millionen Exemplaren war es gleichzeitig der umsatzstärkste Hit aus dem Tonstudio.Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 236.
James Carr, Soulsänger bei Goldwax Records, spielte im März 1966 sein erstes Album You Got My Mind Messed Up hier ein, dessen Titelsong als Single ausgekoppelt wurde und Rang sieben der R&B-Charts erreichte. Das von Moman mit Dan Penn komponierte The Dark End of the Street wurde im Februar 1967 ausgekoppelt und gelangte auf Rang zehn der R&B-Charts. Produzent Jerry Wexler brachte 1967 eine noch erfolglose Aretha Franklin in die FAME Studios nach Muscle Shoals (Alabama), wo Chips Moman im Januar 1967 bei I Never Loved a Man (The Way I Love You) Leadgitarre spielte und zusammen mit Dan Penn die B-Seite Do Right Woman-Do Right Man komponierte. Wexler war mit dem technischen Standard der American Studios nicht zufrieden und gab Moman einen Vorschuss von 5000 Dollar für eine bessere Studioeinrichtung. Daraufhin erhielt Moman Gelegenheit, die immer noch stark unausgelasteten Studios mit Aufnahme-Aufträgen für Esther Phillips, Wilson Pickett, Solomon Burke, Don Covay, King Curtis, Arthur Conley, Dusty Springfield oder Herbie Mann besser zu nutzen. Allerdings schickte Atlantic als Produzent Arif Mardin und den langjährigen Toningenieur Tom Dowd. Das im Oktober 1968 veröffentlichte Hooked on a Feeling wurde der zweite Millionenseller für B. J. Thomas, produziert von Moman. Auch Neil Diamond versuchte sein Comeback durch Aufnahmen in Momans Studios und nahm hier 1969 Sweet Caroline, Holly Holy und Brother Love’s Traveling Salvation Show mit dem Kern der Studioband auf.
Elvis kehrt nach Memphis zurück