Simson Alexander David, auch Simon Alexander David, Pseudonyme: Alexander Daveson und Carl Julius Lange,zu Alternativschreibweisen siehe: (* 16. November 1755Geburtsdatum nach Hamburg und Altona, Bd. 4, Heft 12, S. 224. Da David dort Mitarbeiter war, erscheint das Datum glaubhaft. Andere Quellen nennen den 13. November 1755 oder auch 1753, vgl. Peter Jungblut: Ein verteufeltes Leben, Berlin 2015, 2. Auflage, S. 395 in Braunschweig; † Ende 1812 oder Anfang 1813 vermutlich in Minsk) war ein deutscher Publizist, Geschäftsmann (Lotterieeinnehmer, Kunst- und Galanteriewarenhändler), Reise-Schriftsteller, Journalist, Zensor im Sold der französischen Besatzungstruppen (ab Oktober 1806), Hofrat (seit 1807) und ziviler Teilnehmer an Napoleons Russlandfeldzug (1812).

mini|Karikatur aus dem Jahr 1808/09 von Simson Alexander David (Karl Julius Lange), hier dargestellt als Kollaborateur, der sich in französischer Uniform in Berlin zeigt. Solche Schmähbilder wurde zahlreich verkauft.

Leben Herkunft und Jugend Simson wurde als zehntes und jüngstes Kind des braunschweigischen Hof- und Kammeragenten Alexander David und seiner zweiten Frau Deborah Siemons am 16. November 1755 geboren.so die Angabe in der Zeitschrift Hamburg und Altona, Bd. 4/Heft 12, Jg. 1802, S. 224 Schon in seiner Jugend fiel der verwöhnte und reiche Erbe, wie seine Brüder, durch einen verschwenderischen Lebenswandel auf. Vergeblich wurde ein Vormund eingesetzt, der verhindern sollte, dass die Leichtlebigkeit und Unerfahrenheit der Söhne des Kammeragenten von Geschäftsleuten ausgenutzt wurde. Volljährig geworden, versuchte sich Simson (auch: Samson) Alexander David seit 1778 als Kunst- und Galanteriewarenhändler (er nannte sich Alexander Daveson). Er vertrieb u. a. physikalische Geräte wie Elektrisiermaschinen. Daneben war er offizieller Einnehmer des hessischen Lotto für das Gebiet Braunschweig. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit wurde er im April 1779 von den hessischen Behörden der Untreue und des Betrugs angeklagt. In den Skandal waren angeblich 43 Personen verwickelt. Die zweijährigen Ermittlungen ergaben keine Beweise für ein Fehlverhalten von David. Dennoch wurde er inhaftiert, weil er dem Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel seit längerem ein Dorn im Auge war. Politischer Hintergrund dafür war die enge Verbindung Davids zum Vater des Herzogs, Karl I., der durch seine Verschwendung die Staatsfinanzen völlig zerrüttet hatte. David war einer der Lieferanten von Juwelen für Mätressen gewesen und hatte sich dem auf Sparsamkeit bestehenden Thronfolger gegenüber dreist benommen. Drei Wochen nach dem Tod von Karl I. (26. März 1780) wurde David festgenommen, offiziell wegen der Lottoaffäre, tatsächlich aber, weil der neue Herzog Rache nehmen wollte und die Braunschweiger Behörden befürchteten, er könne sich mit hohen Barmitteln ins Ausland absetzen (Leipziger Messe).

Freundschaft mit Lessing Der prominente Dichter und Journalist Gotthold Ephraim Lessing war von Davids Unschuld überzeugt, besuchte ihn im Gefängnis, kämpfte für seine Freilassung und nahm ihn schließlich bei sich in Wolfenbüttel auf. Von den nach wie vor guten finanziellen Verhältnissen Davids soll Lessing sehr profitiert haben. Der Dichter starb „in den Armen“ von David.Michael, Bd. 2/1973, S. 61 Unter dem Datum vom 19. Dezember 1780 empfahl Lessing in einem Brief David ausdrücklich seinem Bekannten Moses Mendelssohn: "Er will von Ihnen nichts, lieber Moses, als dass Sie ihm den kürzesten und sichersten Weg nach dem Europäischen Lande vorschlagen, wo es weder Christen, noch Juden gibt. Ich verliere ihn ungern...".zit. nach Lessing, G.E.: Sämmtliche Schriften, Bd. 12, Berlin 1840, S. 550

Reisen und Anfänge als Autor David ging unmittelbar nach Lessings Tod (15. Februar 1781) auf Reisen und lebte längere Zeit in England, wo er nach eigener Aussage bei Samuel Johnson Sprache und Kultur studierte und häufiger Zuschauer im britischen Parlament war. Belegen lässt sich das mangels schriftlicher Quellen nicht. Daneben arbeitete er wohl auch als Hauslehrer, möglicherweise bei der adeligen Familie Whitehouse. Im Sommer 1790 kehrte David unter dem Namen Karl Julius Lange (er hatte sich in England taufen lassen) nach Deutschland zurück. Hier wechselte er häufig seine Aufenthaltsorte und zog als Fachmann und Rezitator für englische Literatur und Kultur durch Norddeutschland (er legte sich den Titel Professor zu). Am 30. Oktober 1790 fiel er mit einem groß angekündigten Rezitationsabend ("attische Unterhaltung") am Hamburger Schauspielhaus durch, weil er britische Starschauspieler und Parlamentsredner der Zeit offenkundig mehr persiflierte als imitierte.vgl. Gothaische Gelehrte Zeitungen, 14. Stück vom 19. Februar 1791, S. 144 In Braunschweig hatte er damit mehr Erfolg. Der Herzog, der ihn einst ins Gefängnis gebracht hatte, soll ihn herzlich empfangen, den Aufenthalt bezahlt und ihn reichlich beschenkt haben.vgl. Gothaische Gelehrte Zeitungen, 51. Stück vom 29. Juni 1791, S. 491 In Hannover hielt David 1790/91 Vorlesungen in englischer Literaturgeschichte, ging 1792 nach Wien (u. a. Arbeit für die Wiener Zeitung) und reiste 1793 durch die Schweiz. Die Erfahrungen verarbeitete er ab 1794 in einem zweibändigen, sehr kritischen Buch (Die Schweiz und die Schweizer), das anonym erschien und in der Schweiz viel Aufsehen erregte. Es wurde in Basel wegen seiner radikaldemokratischen Tendenz verboten. David schrieb das Buch in Schweinfurt, wo er seit dem 20. April 1795 als "Braunschweiger Professor" auftrat und sich eine kostspielige Wohnung gemietet hatte.vgl. Raßdörfersche Chronik im Stadtarchiv Schweinfurt HA 121, S. 8 f. Er hatte die Tochter eines angesehenen Bayreuther Beamten, Caroline Schunter, geheiratet und sah sich als "privatisierender Gelehrter". Dass er häufig auf Reisen war, erregte das Misstrauen der Schweinfurter. 1795 bewarb sich David vergeblich bei Schiller um eine Mitarbeit an den Horen, obwohl Alexander von Humboldt ein Empfehlungsschreiben verfasst hatte.Schiller-Nationalausgabe, Bd. 41/I., S. 160, dort Langes Brief an Schiller vom 25. Februar 1795 Auch ein Kontakt zu Christoph Martin Wieland und seinem Neuen Teutschen Merkur nebst einem offensichtlich kurzen Aufenthalt in Weimar scheint David nicht den ersehnten Kontakt zu den dortigen Größen des Geisteslebens verschafft zu haben.Anzeige Davids im Neuen Teutschem Merkur, Bd. 3 (1795), S. 319 Beim Einzug der französischen Truppen in Schweinfurt 1796 war David im Auftrag des Schweinfurter Stadtrats als Dolmetscher und Unterhändler tätig und musste sich deswegen im Nachhinein als "Spion" beschimpfen lassen. Ob sich David in Schweinfurt dem französischen General Jean-Baptiste Jourdan als "Zuträger" angeboten hat, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, ob er schon unter General Adam-Philippe de Custine als Kundschafter tätig war. Beides wurde von Davids Gegnern behauptet, aber nicht bewiesen. Von Jourdan selbst gibt es einen Brief, in dem er von einem "Maitre de Langue" (Sprachmeister, Dolmetscher) spricht, der zum Dank für geleistete Dienste einen französischen Pass erhalten habe. Fest steht, dass sich David nach wenigen Tagen aus Schweinfurt mit großzügiger finanzieller Hilfe der Stadt absetzte und in das weniger unruhige Bayreuth ging.vgl. Enderlein: Die Reichsstadt Schweinfurt während des letzten Jahrzehnts ihrer Reichsunmittelbarkeit mit vergleichenden Blicken auf die Gegenwart : aus städtischen Quellen, Schweinfurt 1863, S. 35 f. mini|Karl Julius Lange auf dem Scheiterhaufen – Karikatur aus Berlin, ca. 1807

Redakteur der Deutschen Reichs- und Staatszeitung Ende 1796 widmete sich David auf Einladung des Nürnberger Verlegers Ernst Christoph Grattenauer einem neuen Zeitungsprojekt, der Deutschen Reichs- und Staatszeitung, die unter aktiver Förderung des "dirigierenden Ministers" von Ansbach-Bayreuth, Karl August von Hardenberg herauskam und eine scharf anti-österreichische Tendenz hatte. Hardenberg nutzte Davids Talente für seine (geheime) Pressepolitik und hielt seine schützende Hand über den Journalisten, als mehrfach Beschwerden über die betont kritische, radikal liberale Berichterstattung des Blatts eingingen, u. a. aus dem deutschen Hochadel, dem russischen und österreichischen Hof. Beobachter wunderten sich darüber, dass in Preußen eine derart "freisinnige", liberale Zeitung überhaupt erscheinen konnte. Der genaue Druckort (Nürnberg, später Erlangen) und seine Verantwortlichkeit wurden von Hardenberg gegenüber seinen Berliner Vorgesetzten geheim gehalten. 1798 kam die unregelmäßig erscheinende Zeitschrift Neueste Staatenkunde. Ein Journal für Regenten und Völker hinzu. Im Mai 1799 wurde David auf Druck des österreichischen Hofes verhaftet, da er behauptet hatte, der Kaiser habe die Ermordung von französischen Gesandten auf dem Rastatter Kongress angeordnet. Obwohl die Gerüchte plausibel waren, musste die Zeitung trotz Hardenbergs Protektion eingestellt werden. Nach einer ersten kurzen Haft gelang David die Flucht nach Göttingen, er kehrte freiwillig zurück, wurde wieder verhaftet, und flüchtete schließlich am 30. November 1799 endgültig nach Altona (damals Dänemark), wo er sich erneut publizistisch betätigte (Zeitschrift Hamburg und Altona, 1801), allerdings unter zunehmend schwieriger werdenden finanziellen Verhältnissen litt. Seine Familie war auf fünf Kinder angewachsen. Mit Hamburger Verlegern lag David im Streit und wurde von Gläubigern verfolgt. Er wohnte deshalb zeitweise im Dorf Neumühlen bei Altona, später in Helmstedt. Hardenberg schickte zwar heimlich Geld und versuchte, Davids Prozess abzukürzen, doch erst Weihnachten 1803 schlug der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Verfahren nieder. Davids Traum von einer festen Stelle im Staatsdienst erwies sich dennoch als utopisch.

Herausgeber des Telegraph