mini|Die Korallenriffkante an der Küste Tinians erschwerte die Landung Die Schlacht um Tinian (Codename Operation Forager, Phase III) war eine amerikanische Landungsoperation im Rahmen der Eroberung der Marianen-Inseln während des Pazifikkrieges im Zweiten Weltkrieg. Am 24. Juli 1944 landeten 6000 Soldaten des 5. Amphibischen Korps mit 200 Amphibienpanzern auf der Marianen-Insel Tinian. Die Insel wurde von 8050 japanischen Soldaten verteidigt. Die amerikanischen Marineinfanteristen konnten den feindlichen Widerstand am 28. Juli endgültig brechen, und Tinian wurde ab dem 1. August als gesichert betrachtet, obwohl versprengte japanische Soldaten vereinzelt noch weiterkämpften.

Durch die Eroberung von Tinian und den anderen Marianen-Inseln wollten die US-Truppen die Transportwege von Japan zu den besetzten Gebieten der Japaner im südlichen Pazifik und in Südostasien durch Angriffe landgestützter US-Flugzeuge auf die japanischen Schiffskonvois durchschneiden. Ferner sollten Boeing-B-29-Bomber von den Marianen Luftangriffe auf Japans Städte ausführen. Beide Ziele konnten die US-Truppen nach der Eroberung der Marianen umsetzen.

Vorgeschichte Japanische Lage Die kleine Insel Tinian liegt in den nördlichen Marianen. Sie war von 1899 bis 1918 Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea. Tinian war 1914 während des Ersten Weltkriegs von kleineren japanischen Verbänden besetzt worden. Im Jahr 1918 erhielt Japan vom Völkerbund Tinian als Mandatsgebiet zugeteilt. Japanische Truppen bauten 1931 bei Ushi Point einen größeren Flugplatz mit vier Start- und Landebahnen, da die Insel strategische Bedeutung zur Kontrolle dieses Bereichs des Pazifiks besaß. 1940 wurden auf dem Flugfeld 22 Flugzeuge der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte stationiert.

Im März 1944 wurden 3.215 japanische Soldaten des 50. Infanterieregiments der 29. Infanteriedivision der 31. Armee aus der Mandschurei nach Tinian verlegt. Das 50. Regiment war eine kampferprobte Einheit. Es bestand aus drei Bataillonen zu je rund 880 Soldaten, dazu kam ein Bataillon mit zwölf 75-mm-Infanteriegeschützen, eine Panzerkompanie mit zwölf leichten Panzern vom Typ 95 Ha-Gō und eine Batterie mit leichten 47-mm-Panzerabwehrkanonen.

Das 50. Infanterieregiment und die anderen Heerestruppen standen ab März 1943 unter dem Kommando von Oberst Kiyoshi Ogata. Ogata hatte auch den Oberbefehl über die gesamte Verteidigung von Tinian. Ihm wurden im Oktober 1943 auch 714 Mann des 1. Infanteriebataillons des 135. Regiments unterstellt, das nach einer Übung auf Tinian festsaß und wegen Mangels an Transportschiffen nicht mehr zum Flottenstützpunkt Truk zurückverschifft werden konnte.D. Colt Denfeld: Hold the Marianas: the Japanese defense of the Mariana Islands. White Mane Pub, 1997, ISBN 1-57249-014-4, S. 105.

Ab dem 12. Mai 1943 waren auf der Insel auch 2.349 Marineinfanteristen der 3. Sonderstützpunkteinheit (, Dai-3 Tokubetsu Konkyochitai) und 950 Marinesoldaten der 56. Marinegardetruppe, die von Truk aus dorthin verlegt worden waren. Diese Soldaten unterstanden dem Befehl von Kaigun-Taisa (Kapitän zur See)Der japanische Rang Taisa entspricht hier dem deutschen Dienstgrad Kapitän zur See, da der Vorsatz Kaigun anzeigt, dass es sich um einen Marineoffizier handelt. Goichi Oya. Die Marinetruppen übernahmen die Verteidigung der Flugfelder, da diese zu den Einrichtungen der Marineflieger gehörten.Campaign in the Marianas. S. 279. Die japanischen Marineinfanteristen übernahmen auch sämtliche schwere Artilleriegeschütze um die Rollfelder sowie die 39 schweren Flugabwehrkanonen, die unmittelbar um die Pisten herum aufgestellt worden waren. Dazu kamen Bautrupps, flugtechnisches und Stabspersonal, sodass insgesamt rund 4.110 Soldaten verschiedener Einheiten die Flugplätze verteidigten. Auch 49 weitere Marineflugzeuge wurden eingeflogen. Es handelte sich dabei um 13 Aichi D3A, 24 Mitsubishi A6M und zwölf Mitsubishi G4M.

Vizeadmiral Kakuta Kakuji war der höchstrangige japanische Marineoffizier auf Tinian und Kommandeur der 1. Luftflotte, die 1943 aus rund 400 Flugzeugen bestand, die im pazifischen Raum auf verschiedene Inseln verteilt waren. Im Juni 1944 bestand die 1. Luftflotte nach mehreren Schlachten nur noch aus zwölf Maschinen. Admiral Kakuta hatte zwar im März 1944 sein Hauptquartier auf Tinian etabliert, übte aber keine Kommandogewalt über die Heerestruppen auf der Insel aus, und auch die Marinetruppen unterstanden nicht seinem direkten Befehl.

Im Oktober 1943 ordnete das Kabinett Tōjō an, alle japanischen Stützpunkte im Pazifischen Ozean seien in Hinsicht auf eine amerikanische Invasion zu befestigen. Oberst Obata ordnete daraufhin in seinem Feldbefehl Nr. 233 den Bau von etwa 300 Verteidigungsbunkern an. Ab dem 30. Oktober 1943 wurde auf der Insel, meist durch koreanische und chinesische Zwangsarbeiter, der Bau der Verteidigungsanlagen durchgeführt. Die erste der vorgesehenen drei Verteidigungslinien verlief entlang des Strandes, die zweite zwei Kilometer weiter im Inland, während die dritte wegen Mangels an Zement nicht gebaut werden konnte. Bis zum Beginn der amerikanischen Landungen auf Tinian waren die verschiedenen Verteidigungsbauten, vorwiegend Bunker, Panzersperren, Artilleriebatterie-Stellungen, Gräben, Einzeldeckungslöcher, Panzerfallen und MG-Nester, erst zu je 20 bis 40 Prozent vollendet. Die Verteidigungsanlagen waren gegen eine Landung bei der Stadt Tinan ausgebaut worden, da der Strand und die dortige Lücke im Korallenriff breit genug für die gleichzeitige Landung größerer Amphibienverbände war.

Strategisch besaßen die Marianen für Japan eine Schlüsselposition auf den Seerouten von Borneo und Sumatra, auf denen kriegswichtiges Erdöl nach Japan transportiert wurde. Außerdem war der Archipel für die japanische Kriegsindustrie eine Quelle für Versorgungsgüter, speziell für Leinen. Für die Japaner war es deshalb entscheidend, Tinian und die anderen Marianeninseln unter ihrer Kontrolle zu behalten, da die amerikanischen Truppen von dort aus die japanischen Verbände im südlichen Pazifik von Japan und den Rohstoffnachschub nach Japan abschneiden konnten.

Amerikanische Lage mini|US-Kommandeure nach der Eroberung von Tinian Gemäß den Planungen der Joint Chiefs of Staff von 1943 sollten die beiden amerikanischen Offensivverbände im Pazifik unter General Douglas MacArthur und Admiral Chester W. Nimitz mit verschiedenen Stoßrichtungen vorgehen. MacArthurs Truppen, die von Einheiten der Australian Army unterstützt wurden, sollten als erstes die japanisch besetzten Teile Neuguineas zurückerobern und ab Mai 1944 gegen die Philippinen vorstoßen. Die Truppen unter Admiral Nimitz hingegen sollten die Marianen und andere Inseln erobern. Neben seiner Flotte verfügte Nimitz über Marineinfanterie- und Armeeeinheiten, welche auf den Inseln landen und diese erobern sollten.

Das Hauptziel, das hinter der geplanten Besetzung der Marianen stand, war das Abschneiden der Nachschubwege von Japan zu den besetzten Gebieten der Japaner im südlichen Pazifik und in Südostasien. Zudem konnten landgestützte US-Flugzeuge von den Marianen aus die japanischen Schiffskonvois angreifen und Luftangriffe auf Japans Städte ausführen. Obwohl die beiden Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifik Nimitz und MacArthur gegen die Besetzung der Marianeninseln gestimmt hatten, bestand der Oberkommandierende, Admiral Ernest J. King, auf deren Eroberung.Elmer Belmont Potter: Nimitz. US Naval Institute Press, 1976, ISBN 0-87021-492-6, S. 279ff.

Konteradmiral Harry W. Hill hatte am 5. Juli 1944 von Admiral Nimitz den Befehl erhalten, die Operation gegen Tinian zu leiten. Die Truppen, die Admiral Hill zur Landung auf Tinian zur Verfügung standen, bestanden aus Teilen des 5. Amphibischen Korps. Dabei handelte es sich unter anderem um Teile der 2. und 4. US-Marineinfanteriedivision. Diese Streitmacht bestand aus kampferprobten Soldaten, die bereits auf Guadalcanal, Tarawa und Kwajalein gekämpft hatten. Die Truppen wurden von Generalleutnant Harry Schmidt geführt und bildeten den Kern der Landungsstreitmacht. Bei der Invasion von Saipan, der nördlichen Nachbarinsel von Tinian, vom 15. Juni bis zum 9. Juli, hatte die 2. Marineinfanteriedivision unter dem Kommando von Generalmajor Thomas E. Watson und die 4. Marineinfanteriedivision unter dem Kommando von Generalmajor Clifton B. Cates sehr schwere Verluste erlitten. Die beiden Divisionen waren von einer Sollstärke von 50.000 Mann auf etwa 35.000 Soldaten dezimiert worden. Trotz der Verluste sollten Teile dieser beiden Divisionen die Landung auf Tinian durchführen. Zusätzlich wurden die Landungsverbände durch das 708. Amphibische Panzerbataillon, ein Bataillon Pioniere der United States Army und ein Seabees-Bataillon ergänzt. Zur Unterstützung der Landung waren zwei Artilleriebataillone an der Südspitze der Nachbarinsel Saipan in Stellung gegangen, um von dieser Position aus auf die feindlichen Stellungen zu feuern. Die beiden Artilleriebataillone verfügten über 168 Geschütze der Kaliber 105 mm und 155 mm.

Die United States Army Air Forces (USAAF) hatte die mit Bombern vom Typ B-25 „Mitchell“ ausgestattete 48th Bombardment Squadron auf Saipan stationiert. Dazu kamen Jagdbomber vom Typ P-47 „Thunderbolt“ der 7th Air Force und sieben P-61 „Black Widow“ für Nachteinsätze. Diese Flugzeuge sollten die Landung durch Luftangriffe unterstützen.W.F. Craven, J.L. Gate: The Army Air Forces in World War II Volume Four – The Pacific: Guadalcanal to Saipan – August 1942 to July 1944. The University of Chicago Press, 1950, S. 691ff. Verschiedene Trägerflugzeuge der Task Force 58 sollten ebenfalls strategische Vorbereitungsangriffe fliegen.

Vorbereitung mini|Während der Vorbereitungsangriffe durch amerikanische Trägerflugzeuge wird einer der japanischen Flugplätze getroffen mini|US-Schiffe und Küste Tinians am Tag vor der Landung