mini|300px|Dotternhausen vom Plettenberg gesehen mini|Luftbild des Steinbruchs vom Zementwerk Dotternhausen Dotternhausen ist eine Gemeinde im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Sie besteht allein aus dem gleichnamigen Dorf.
Geografie Geografische Lage Dotternhausen liegt am hohen Plettenberg, dem am weitesten herausragenden Berg am Westrand der Schwäbischen Alb. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 10,02 km² mit einer Höhenlage von 577,7 bis .
Gewässer Die Gemeinde liegt am nördlichen Rande des Oberen Schlichemtals. Die Schlichem verläuft an der südlichen Grenze der Dotternhausener Markung.
Durch den Ort fließt der teilweise verdolte Katzenbach. Er verläuft jedoch in Richtung Nordosten und mündet in Balingen in die Eyach.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden Dotternhausens sind (beginnend im Norden):
Balingen (Ortsteile Erzingen und Roßwangen) Hausen am Tann Ratshausen Schömberg (Zollernalbkreis) Dormettingen
Historische Geografie Im Osten der Gemeinde Dotternhausen liegt die Wüstung Degenhard. Zu ihr gehören alemannische Gräber aus dem 7. Jahrhundert. 1409 wird ein Hof genannt, der als letzter Rest des Weilers betrachtet wird.
In der Flur Burgstall auf dem Plettenberg befand sich eine mittelalterliche Burg, die Burg Plettenberg. Im 16. und 17. Jahrhundert wird sie als Gut Plaikten genannt.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 245–246
Schutzgebiete Dotternhausen hat Anteil am Naturschutzgebiet Plettenkeller. Der Plettenberg gehört außerdem zum Landschaftsschutzgebiet Großer Heuberg, zum FFH-Gebiet Östlicher Großer Heuberg und zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal. Nördlich der Ortslage befinden sich zudem zwei Teilgebiete des FFH-Gebiets Kleiner Heuberg und Albvorland bei Balingen.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte Bei Bautätigkeiten wurde ein Keltengrab entdeckt, welches um das Jahr 600 v. Chr. entstanden sein könnte. Archäologische Befunde lassen auch den Schluss zu, dass bereits um 800 n. Chr. ein alemannisches Dorf vorhanden war.
Geschichte bis zum Ende des alten Reichs Dotternhausen wurde erstmals im Jahr 1064 urkundlich erwähnt (Doderenhusen), als mehrere Ortschaften an das Kloster Ottmarsheim im Elsass kamen. Neben dem Kloster lassen sich noch weitere Grundherren belegen. Die Besitzverhältnisse wechselten häufig. Am südlichen Ende des Plettenbergs befinden sich noch Grabenreste der Burg Plettenberg aus dem 12. Jahrhundert. Die Gemeinde war bis ins 19. Jahrhundert als Teil der Grafschaft Hohenberg unter der Herrschaft Vorderösterreichs. Am Ort bildete sich ein Rittergut heraus, welches zahlreiche Besitzwechsel verzeichnete. Sitz der Herrschaft war Burg bzw. Schloss Dotternhausen. Mit der Mediatisierung wurde Dotternhausen 1805 an Württemberg übergeben. Johann Friedrich von Cotta erwarb 1814 das Rittergut und gewährte den Leibeigenen 1817 die persönliche Freiheit.Geschichte der Gemeinde Dotternhausen, Internetpräsenz der Gemeinde DotternhausenAltgemeinde Dotternhausen, Geschichte, Internetpräsenz von Leo BW
Geschichte seit dem 19. Jahrhundert Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Dotternhausen dem Oberamt Spaichingen zugeordnet, bei dem der Ort bis 1842 blieb. Von 1842 bis 1938 gehörte Dotternhausen zum Oberamt Rottweil, das seit 1934 Kreis Rottweil hieß.
Mit der Eröffnung der Stichbahn von Balingen nach Schömberg erhielt Dotternhausen 1911 Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn. Von 1928 bis 1971 lief die Bahnstrecke der Reichsbahn und späteren Bundesbahn durchgängig von Balingen bis Rottweil.
Durch die Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte die Gemeinde 1938 zum Landkreis Balingen. Im Jahre 1945 wurde Dotternhausen Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist die Gemeinde Teil des Zollernalbkreises, der durch den Zusammenschluss des Landkreises Balingen mit dem Landkreis Hechingen entstand.
Einwohnerentwicklung Jahr 1789 1791 1805 1823 1871 1880 1890 1900 1910 1939 Einwohner 890 768 500 692 815 774 694 669 653 706 Jahr 1950 1956 1964 1970 1979 1982 1983 1990 1995 2000 Einwohner 950 1000 1110 1209 1202 1313 1401 1633 1735 1764 Jahr 2005 2010 2015 2020 Einwohner 1865 1862 1835 1844
Religion Dotternhausens Einwohner sind traditionell in der Mehrheit römisch-katholisch, da in den vorderösterreichischen Gebieten keine Reformation stattfand. Die Kirchengemeinde St. Martinus gehört zur Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal im Dekanat Balingen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zum Ende des Jahres 2020 zählte die Gemeinde 1088 Katholiken.Internetauftritt der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus Dotternhausen, aufgerufen am 1. August 2021
Politik Bürgermeister Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Amtsinhaberin war seit 1. Februar 2005 Frau Monique Adrian. Sie löste Hartmut Steinacher ab, der nach 16 Jahren nicht mehr zur Wahl angetreten war. Die Amtszeit von Monique Adrian, die seit Juni 2019 erkrankt war,Landrat Pauli versetzt Dotternhausens Bürgermeisterin Monique Adrian in den Ruhestand, ZollernAlbKurier vom 29. September 2020 endete offiziell am 31. Januar 2021. Seit dem 1. Januar 2021 ist Marion MaierDotternhausens Hauptamtsleiterin Marion Maier (47) tritt bei der Bürgermeisterwahl an, Zollern-Alb-Kurier vom 9. Oktober 2020, die bisherige Hauptamtsleiterin, die im ersten Wahlgang bei vier Gegenkandidaten mit 57,1 Prozent der gültigen Stimmen gewählte Bürgermeisterin.
mini|Rathaus Dotternhausen 1909–1919: Zephir Effinger 1919–1933: Johann Hahn 1933–1945: Franz Rebstock 1945–1965: Josef Waller 1965–1973: Erwin Kästle 1973–1989: Norbert Majer 1989–2005: Hartmut Steinacher 2005–2019: Monique Adrian 2019–2020: Alfons Kühlwein (gewählter Amtsverweser)Kühlwein 2021–: Marion MaierMaier
Städtepartnerschaften Frankreich: Val d'Oison
Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik mini|hochkant|St. Martinus-Kirche Dotternhausen mini|hochkant|Werkforum mini|Ein Ausstellungsstück des Werkforums mini|Klopfplatz vor dem Werkforum mini|Holcim Zementwerk mini|Materialseilbahn von Holcim über der B 27 Sitz der Jugendmusikschule Zollernalb (gegründet 1966) Musikverein Dotternhausen (gegründet 1879) Liederkranz Dotternhausen (gegründet 1844)
Kultur Narrenzunft Dotternhausen e. V. (gegründet 1938), Narrenfigur: Mondstupfer Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Dotternhausen e. V. (gegründet 1896)
Bauwerke Schloss Dotternhausen der Familie der Freiherren von Cotta aus dem 18. Jahrhundert St. Martinus-Kirche von 1886 St. Anna-Kapelle Zehn Skulpturen aus „Terrament“ in der „Skulpturenstraße Dotternhausen“ Auf dem zu Dotternhausen gehörenden Plettenberg befindet sich seit 1980 ein 158 Meter hoher Fernmeldeturm der Deutsche Telekom AG in Stahlbetonbauweise ().
Museen Die ortsansässige Holcim (früher Rohrbach Zement) betreibt seit 1990 ein Fossilienmuseum unter dem Namen Werkforum mit danebenliegenden Klopfplatz. Auf dem jedermann zugänglichen Platz, auf dem das Zementwerk einige Lastwagen voll Ölschiefer abgekippt hat, kann mit Hammer und Meißel nach Ammoniten gesucht werden. Das Fossilienmuseum beherbergt über 1.000 Exponate von Jurafossilien der Westalb mit dem Schwerpunkt auf Fischsauriern, Flugsauriern, Krokodilen, Fischen, Seelilien, Ammoniten und Kleinfossilien aus dem Ölschiefer des Lias Epsilon.Bericht zur Exkursion am 13. Juni 2010 nach Dotternhausen zum Fossilienmuseum mit Klopfstunde. In: Blättle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Krauchenwies mit den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen vom 18. Juni 2010 Seit Juli 2006 ist das Fossilienmuseum Infostelle des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.siehe
Naturdenkmäler Das Naturschutzgebiet „Plettenkeller“ ist ein ehemaliger Steinbruch unterhalb des Plettenbergtraufes.
Sport Vereine: Sportverein Dotternhausen 1918 e. V.: Fußball, Turn- und Leichtathletik-Abteilung mit Lauftreff Tennisclub Dotternhausen (gegründet 1986) Sportfischereiverein Dotternhausen (gegründet 1981) Schachgemeinschaft Dotternhausen (gegründet 1996)
Sporteinrichtungen: 2 Sportplätze (davon ein Kunstrasenplatz) Große Sporthalle mit Besucherrängen und Sportheim 3 Tennisplätze
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft Bei Dotternhausen gibt es zwei große Steinbrüche und ein großes Zementwerk von Holcim, wobei der Transport des gebrochenen Kalksteins mit Hilfe der Materialseilbahn Dotternhausen–Plettenberg geschieht. Sie gilt als ein Wahrzeichen der Gemeinde Dotternhausen. Sie überquert die B 27 und ist durch ihre unverwechselbaren Lorenwagen bekannt. Täglich werden hier 3.000 Tonnen Kalkstein vom nahen Plettenberg ins Werk befördert.
Die Errichtung des Zementwerks wurde während des Dritten Reichs aus Mitteln des Wirtschaftsdanks Württemberg des Gauleiters Wilhelm Murr finanziert. Als persönlich haftender Geschäftsführer wurde der damalige NSDAP-Gauamtsleiter Rudolf Rohrbach eingesetzt, dessen Familie das Zementwerk bis 2004 besaß.Frank Bajohr: Parvenüs und Profiteure – Korruption in der NS-Zeit. Frankfurt am Main 2004, S. 113
Verkehr
Straßen Am westlichen Ortsrand verläuft die Bundesstraße 27, welche Dotternhausen nach Norden mit Balingen-Tübingen-Stuttgart und nach Süden mit Rottweil-Villingen-Schwenningen-Schweiz bzw. Bodensee verbindet. Die Bundesautobahn 81 (Anschlussstelle Rottweil) ist rund 17 Kilometer entfernt.
Bahn- und Busverkehr Dotternhausen liegt an der Bahnstrecke Balingen–Schömberg, welche werktags von Güterzügen und in den Sommermonaten sonntags von Personenzügen (Rad-Wander-Shuttles) im Zweistundentakt befahren wird.
1914 wurden baureife Pläne für eine Heubergbahn von Sulz ausgehend über Rosenfeld nach Dotternhausen nicht verwirklicht.Nils Horst: – Träume von der Heubergbahn In: Schwarzwälder Bote vom 19. September 2010
Die nächsten größeren Bahnhöfe: Balingen (Regionalexpress-Züge, Zugverbindungen nach Tübingen, Stuttgart und Sigmaringen / Aulendorf), 8 km Rottweil (Intercity-Bahnhof, Zugverbindungen nach Stuttgart und Zürich), 15 km
Der öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 334. Buslinien: Linie 7440: Balingen-Schömberg-Rottweil (täglich) Linie 15: Frommern-Roßwangen-Dotternhausen-Dormettingen-Dautmergen (an Schultagen)
Radverkehr Über eine Alltagsradroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Dotternhausen mit Balingen und in der anderen Richtung über Schömberg mit Rottweil verbunden.
Der Schwäbische-Alb-Radweg, ein Radfernweg vom Bodensee nach Donauwörth, verläuft von Tuttlingen über Schömberg nach Dotternhausen und weiter über Dormettingen nach Balingen.
Wanderwege Der Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg (Hauptwanderweg 1, HW 1), auch Albsteig, ist ein Fernwanderweg des Schwäbischen Albvereins entlang der Nordseite der Schwäbischen Alb, der über den Plettenberg bei Dotternhausen führt. Die Ortsgruppe Dotternhausen e. V. (gegründet 1896) des Schwäbischen Albvereins ist für den Bestand des Weges mitverantwortlich.
Der Regionalweg Süd-West (Donau–Heuberg) des Martinusweges führt von Sigmaringendorf und Beuron nach Dotternhausen, von dort über Owingen nach Hechingen.
Bildung Grund- und Hauptschule: Schlossbergschule Dotternhausen
Ehrenbürger Rudolf Rohrbach: Unternehmer, Gründer der Firma Rohrbach-Zement (heute Holcim)
Literatur
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Informationen und Fotos zur Skulpturenstraße Dotternhausen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Zollernalbkreis
Kategorie:Ersterwähnung 1064 Kategorie:Ort auf der Schwäbischen Alb