Dittershausen ist ein Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.
Geographische Lage Der Ort ist über die Landesstraße 3145 zu erreichen. Er liegt zwischen Rommershausen und Allendorf. Dittershausen ist ein geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss, an der Schwalm, am Fuße eines Bergsporns gelegen.
Dittershausen hat keine Kirche. Im Ortskern befindet sich dafür die Alte Dorfschule, ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1846, das auch als Bürgermeisteramt und Betsaal genutzt wurde. Nördlich davon entstanden im 18. Jahrhundert zahlreiche stattliche Bauernhöfe, freistehende Scheunen und Speicher.
Im Südosten des Ortes liegt das 11,67 Hektar große Naturschutzgebiet „Flachsrasen bei Dittershausen“.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Dittershausen erfolgte unter dem Namen Dithardeshusen im Jahr 1248 in einer Urkunde der Grafschaft Ziegenhain. Namensgeber war das auf einem Rittergut ansässige Adelsgeschlecht. In späteren Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Dithershusen (1292), Dittershusen (1393) und Dietherßhausen (1527).
Berta, Witwe des Ritters Konrad Krug, teilte 1300 ihre Güter im Dorf Dittershausen (beim Kirchhof gelegen) unter ihren Söhnen Rudolf und Ortwin auf; dazu gehörten die Wiesen und Äcker in der Gemarkung des Dorfes und in Blumenau, die Hälfte ihrer Fischerei und der Wald bei Blumenau sowie der Hain Schelmenrod. 1368 verpfändete Graf Gottfried VII. von Ziegenhain den Ort an die von Urff. Dieses Pfand löste Landgraf Ludwig I. von Hessen im Jahr 1448 ein. Ein Eckbrecht Krengel verkaufte 1525 seinen Freihof in Dittershausen mit dem zugehörigen Zehnten und sein Fischgewässer für 900 rheinische Goldgulden an Johann Schenck zu Schweinsberg. Landgraf Philipp von Hessen belehnte 1527 die Schenck zu Schweinsberg mit dem Zehnten zu Dittershausen, und 1528 kauften die Schenck zu Schweinsberg vom Landgrafen die Dörfer Dittershausen und Rommershausen mit dem Freihof zu Dittershausen und der Schäferei an beiden Orten für 1800 Gulden. Zahlreiche dieser Güter wurden in der Folgezeit durch Johann Schenck zu Schweinsbergs gleichnamigen Enkel an die von Berlepsch verpfändet, 1587 auch der Freihof.
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Ort fast vollständig zerstört. 1725 lösten die von Löwenstein das Pfand derer von Berlepsch ein. Um 1759 bestand das Löwensteinsche Gut aus 399 Acker Land und Wiesen zu 40 Fuder Heu. Die von Löwenstein ließen 1747 in Dittershausen eine Mühle bauen, die über zwei unterschlächtige Mahlgänge und einen Schlaggang verfügte. Sie dient noch heute der Stromerzeugung. Nach 1768 wurde der gesamte Löwensteinische Lehnsbesitz in Dittershausen an die von Dörnberg in Hausen veräußert. 1895 umfasste das Rittergut Dittershausen ca. 68 Hektar Ackerland, ca. 30 Hektar Wiesen und ca. 1 Hektar Hutung.
1928 wurde ein Teil des aufgelösten „Gutbezirks Rittergut Dittershausen“ zu Dittershausen eingemeindet.
Ehemalige Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung waren der Hof Krey sowie die Wüstungen Blumenau und Diemerode.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dittershausen im Zuge der hessischen Gebietsreform auf freiwilliger Basis als Stadtteil nach Schwalmstadt eingegliedert. Für die ehemals eigenständigen Städte und Gemeinden von Schwalmstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Dittershausen angehört(e):
vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain (Gericht auf den Wasen) nach 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain Die Zugehörigkeit des Amtes Ziegenhain anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1623–1636: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Pfandschaft), Amt Ziegenhain ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel,Infolge der Rheinbundakte löste sich das Heilige Römische Reich auf. Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain 1807–1813: Königreich Westphalen,Infolge der Napoleonischen Kriege. Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Treysa ab 1814: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis ZiegenhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74 f.Trennung von Justiz (Justizamt Ziegenhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Ziegenhain ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen (seit 1946), Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain, Stadt Schwalmstadt ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis, Stadt Schwalmstadt
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Dittershausen 255 Einwohner. Darunter waren 3 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 144 Einwohner unter 18 Jahren, 300 zwischen 18 und 49, 123 zwischen 50 und 64 und 123 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 276 Haushalten. Davon waren 66 Singlehaushalte, 78 Paare ohne Kinder und 102 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 186 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 10 Männer. • 1585: 21 Hausgesesse • 1639: 5 Bauern, 10 Einzelne • 1681: 14 Hausgesesse, 1 Ausschuss • 1747: 20 Wohnhäuser, 110 Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1747: 1 Schmied, 2 Schneider, 1 Wagner, 2 Leineweber, 3 Tagelöhner, 10 Ackerleute. • 1838 Familien: 20 Ackerbau, 4 Gewerbe, 7 Tagelöhner • 1961 Erwerbspersonen: 72 Land- und Forstwirtschaft, 37 produzierendes Gewerbe, 9 Handel und Verkehr, 7 Dienstleistungen und Sonstiges
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 256 evangelisch-reformierte Einwohner • 1885: 201 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 529 evangelische (= 94,97 %), 24 katholische (= 4,31 %) Einwohner
Politik Für Dittershausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Dittershausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 72,36 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Dittershausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Alexander George zum Ortsvorsteher.
Kulturdenkmäler
Literatur Die von Loewenstein. Geschichte einer hessischen Familie. Bd. 2: Regesten und Urkunden 1160–1539. Bearbeitet von Friedrich Schunder. Lübecker Nachrichten, Lübeck 1955, S. 101 f. Historisches Ortslexikon Ziegenhain: ehemaliger Landkreis. Bearbeitet von Ulrich Reuling. Elwert, Marburg 1991, S. 28 f.
Dorfbuch Dittershausen, Geschichte und Geschichten. Herausgegeben von den Verfassern anläßlich der 750-Jahr-Feier in Dittershausen. Satz und Gestaltung: Zebra Graphikservice, Druck: Plag gGmbH, Schwalmstadt 1998 (ohne ISBN). Denkmaltopopgraphie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Hessen, Schwalm-Eder-Kreis I. Bearbeitet von Brigitte Warlich-Schenk, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig und Wiesbaden 1985, ISBN 978-3-528-06233-0, S. 317–322. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 12. Januar 2025)
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks Stadtteil Dittershausen. In: Webauftritt der Stadt Schwalmstadt.
Kategorie:Ortsbezirk von Schwalmstadt Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Schwalm-Eder-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1248 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ort im Schwalm-Eder-Kreis