La Piovana ist eine im Dialekt von Padua zwischen 1530 und 1532 abgefasste Komödie von Ruzante in fünf Akten. Sie wurde entweder am 10. Februar 1532 in Ferrara oder am 17. Februar 1533 in Padua uraufgeführt und 1548 erstmals als Buch veröffentlicht.
Der Name der Komödie bezieht sich entweder auf Nina, einer Person in La Piovana (La Piovana = das Mädchen aus Piove) oder auf die Komödie selbst (La Piovana = die Komödie aus Piove).Vgl. Douglas Radcliff-Umstead: The Birth of Modern Comedy in Renaissance Italy (1969). Chicago/London: The University of Chicago Press: 220. Sie zeichnet sich gegenüber zeitgenössischen Komödien u. a. dadurch aus, dass sie nicht in der Stadt, sondern auf dem Land spielt.
Personen der Handlung Siton Tura, Vater Ninas Maregale, Vater Sitons Nina Ghetta, Dienerin Ninas Slaverò, Kuppler Garbugio, Diener Sitons Daldura, Diener Turas Garbinello, Diener Maregales Resca, Ehefrau Sitons Bertevello, Fischer und Diener Turas weitere Personen: Osto (Wirt), Pescatore (Fischer), Armè (Bewaffnete Dorfbewohner)
Inhalt Prolog In der Literatur wird davon ausgegangen, dass der Prolog vom Diener Garbinello gesprochen wird. Wie auch in Ariosts La Cassaria (1508), Bibbienas La Calandria (1513), Trissinos La Sophonisba (1515) und in der ersten Fassung von Aretinos La Cortigiana (1525) wird die verwendete Sprache gerechtfertigt. Es handelt sich im Gegensatz zu den anderen drei genannten Komödien nicht um die Rechtfertigung des volgare gegenüber dem Latein, sondern, wie in der ersten Fassung von Aretinos La Cortigiana, eher um die Rechtfertigung der Verwendung des nicht-florentinischen regionalen Dialekts gegenüber der allgemein herrschenden Tendenz, Florentinisch als Literatursprache zu verwenden. Im Gegensatz zu Aretino geht es Ruzante jedoch nicht darum, die unterschiedlichen Personen in ihrem Dialekt sprechen zu lassen, sondern darum, ganze Theaterstücke im regionalen Dialekt abzufassen und aufzuführen. Im konkreten Fall soll der ländliche Dialekt von Padua verwendet werden. Garbinello räumt zwar ein, dass der Dialekt derb klinge, man könne allerdings mit dem Dialekt alles ausdrücken, was man auch in der, wenn man so will, Hochsprache ausdrücken könne. Ähnlich wie z. B. in Ariosts La Cassaria wird die Verwendung des Dialekts zudem damit gerechtfertigt, dass dieser den Menschen, die ihn sprächen, natürlich sei. Das Kriterium für das Natürliche ist für Garbinello das Wohlempfinden des Menschen. Natürlich sei folglich, was dem Menschen Freude bereite. Es wird zudem davon ausgegangen, dass die Sprache dem Publikum natürlich sei, d. h., dass das Publikum zumindest mehrheitlich aus Muttersprachlern des Dialekts von Padua besteht. Nach den sprachlichen Aspekten werden weitere Aspekte der Komödie begründet. Die aufgeführte Komödie wird nicht nur als neu, sondern paradoxerweise zugleich als alt gepriesen. Neu sei die Handlung, alt sei das „Gerüst“. Das Alter des „Gerüsts“ wird mit der Bewährtheit desselbigen begründet. Garbinello unterscheidet in Bezug auf Traditionen zwischen Bewährtheit und Altbackenheit. Im Gegensatz zu den Vortragenden der Prologe der oben genannten Theaterstücke ist sich Garbinello darüber bewusst bzw. bringt das Bewusstsein darüber zum Ausdruck, dass es sich bei seiner Rechtfertigung nicht um die erste ihrer Art handelt. Die Wiederholung begründet er mit einer zyklischen Geschichtsauffassung, nach der das Gleiche nach Jahrtausenden periodisch wiederkehrt. Des Weiteren ist von der Machart der Komödie die Rede. Das Antike werde zwar ausgegraben, jedoch nicht schlicht plagiiert, sondern den neuen Gewohnheiten angepasst. Den Autoren anderer Theaterstücke wirft Garbinello vor, es allen Recht machen zu wollen, indem sie das Florentinische oder eine andere Sprache gebrauchten, die nicht ihre Muttersprache sei. Die Folge eines solchen Umgangs mit Sprache sei der Verlust des „Eigenen“. Ähnlich Machiavellis Mandragola (1518) wird ein eventuelles Naserümpfen des Publikums angesichts einiger unmoralischer Szenen angesprochen. Garbinellos Abwehr ist jedoch ironisch gemeint, da es sich bei der eventuellen Reaktion der Zuschauer angesichts der „unmoralischen“ Szenen wohl eher um ein Vorurteil der Stadtbewohner gegenüber einer als bigott vorgestellten Landbevölkerung handelt. Die Szenen seien nicht nur für das Leben in der Stadt, sondern auch für das Landleben typisch. Ob die Imitation des Landlebens auf der Bühne gelungen ist, überlässt Garbinello dem Urteil des Publikums. Schließlich wird die Bühneneinrichtung vorgestellt. Auf der Bühne befindet sich eine Kirche. Es handelt sich dabei um die Kirche von Chioggia. Hinter der Kirche befindet sich das Meer. Bis zum Horizont sieht man ansonsten Obst- und Gemüsegärten, von denen aus die Menschen, die in der Komödie spielen, die Bühne betreten. Garbinello geht am Ende des Prologs ab, um Siton Platz zu machen.
Erster Akt Siton ist in Nina verliebt, doch der Kuppler Slaverò ist mit Nina verschwunden. Deshalb hat Siton die Suche nach Nina aufgenommen. Bei der Suche trifft er auf Daldura, dem Diener Turas. Es kommt zu einem längeren Gespräch zwischen den beiden, in dem vom Wesen der Liebe die Rede ist und in dem Daldura Siton im Scherz dazu auffordert, zu masturbieren, um sich von der Fixierung auf einen anderen Menschen zu heilen. Nach der Unterhaltung setzt Siton seine Suche nach Nina fort. Daldura erblickt indessen seinen Herrn, Tura, der sein durch einen Sturm schwer beschädigtes Haus (v. a. das Dach ist betroffen) verlässt. Dieser trägt ihm auf, das Haus (d. h. vor allem das Dach) renovieren zu lassen. Der Diener wendet sich wiederum an Maregale, der ebenfalls gerade sein Haus verlässt, und von dem Daldura glaubt, das zur Reparatur des Daches nötige Material zu erhalten. Von Maregale erfahren Daldura und der sich in der Nähe seines Diener befindende Tura, dass dieser seinen Sohn (wie sich später herausstellt: Siton) verloren habe: Der Kuppler Slaverò fange wehrlose Mädchen ein, bringe diese, wenn sie im heiratsfähigen Alter seien, in die Stadt und verkaufe sie schließlich an den Meistbietenden. Sein Sohn habe sich (ähnlich wie Erofilo und Caridoro in Ariosts La Cassaria) in eines der vom Kuppler zum Kauf angebotenen Mädchen verliebt. Maregales Frau habe von der Liebe ihres Sohnes erfahren und versucht, diese auf jede erdenkliche Weise zu unterbinden. Doch vergebens, denn ihr Sohn habe daraufhin völlig entnervt von seiner Mutter seine Eltern verlassen. Seit drei Monaten nun habe Maregale keine Nachricht von ihm. Maregale habe deshalb seine Frau verlassen und in Chioggia einen Gemüsegarten gepachtet, ohne jedoch, dass dies seine Frau abhalten würde, ihn zu besuchen. Als Maregale abgeht, gesteht Tura, dass ihn die Geschichte von Siton an seine eigene Tochter erinnert, die er im Krieg (d. h. im Krieg der Liga von Cambrai 1508–10) verloren hat.
Zweiter Akt Szenen 1–4 Daldura begutachtet die Schäden des vom Sturm zerstörten Dachs des Hauses seines Herrn. Vom Dach aus beobachtet er, wie Schiffbrüchige eines soeben gesunkenen Schiffes an Land gehen, darunter zwei Mädchen. Da Siton sich weiterhin über seine verschwundene Geliebte beklagt und er von Daldura gesehen wird, macht Daldura diesen auf die beiden gestrandeten jungen Frauen aufmerksam, damit er mit ihnen seine verlorengegangene Liebe kompensiere. Anschließend wird die Handlung sozusagen auf die beiden gestrandeten Mädchen fokussiert. Es handelt sich bei ihnen tatsächlich um Nina und ihre Dienerin Ghetta, die sich mit Mühe und Not an Land retten konnten. Nina, die ihr Schicksal beklagt, erzählt dabei (ähnlich wie Sophonisba in Trissinos gleichnamiger Tragödie und Callimaco in Machiavellis Mandragola, die jeweils ihre Vorgeschichte erzählen) ihre Lebensgeschichte. Schon als Mädchen sei Nina ihren Eltern geraubt und später an einen Mann verkauft worden. Als sie und der Mann heiraten sollten, sei sie diesem entrissen worden. Es handelt sich bei dem Verlobten offensichtlich um Siton, den sie zuletzt in Venedig gesehen habe. Nina und Ghetta hoffen, dass ihr Entführer und Zuhälter Slaverò bei dem Schiffbruch ums Leben gekommen seien. Der Gedanke, von Slaverò zur Prostitution gezwungen zu werden, ist für Nina schlimmer als der Tod. Ghetta hingegen sieht Sexarbeit eher als Vergnügen an. Das Gespräch zwischen Nina und Ghetta wird durch das Erscheinen Garbugios unterbrochen. Garbugio beklagt sich über Siton, seinen Herrn. Er sei durch die Suche nach Nina völlig überfordert. Garbugios Klage wird durch die Wiedererkennung Ninas und Ghettas unterbrochen. Von Nina erfährt Garbugio, dass sie und Ghetta nach der Entführung durch Slaverò im Wirtshaus eines Komplizen untergebracht wurden. Der Wirt habe Slaverò geraten, die beiden nach Apulien zu bringen, wo er ein weiteres Wirtshaus besitze und wo die beiden zur Prostitution gezwungen werden sollten. Nina vermisst infolge des Schiffbruchs eine Truhe mit Schmuck und Devotionalien. Diese Gegenstände dienten ihr als Beweis für ihre Identität – zumindest für ihren Vater, der sie daran erkennen könne. Garbugio versteckt die beiden jungen Frauen in der Dorfkirche und macht sich anschließend auf die Suche nach Slaverò, der seiner Meinung nach jeden Moment eintreffen könne.
Szenen 5–8 Indessen begibt sich Siton, der die beiden Frauen auf einen Wink Dalduras hin am Strands gesucht, aber nicht gefunden hat, nach Chioggia. Er hat beinahe die Hoffnung verloren, Nina wieder zu finden. Sollte er sie nicht in Chioggia finden, habe er sein Leben verspielt. Als Ghetta sich indessen im Auftrag einer Nonne zu Tura begibt, um einen Eimer Wasser zu holen, erblickt sie plötzlich Slaverò und dessen Komplizen, die den Schiffbruch offensichtlich ebenfalls überlebt haben und flieht wieder zurück in die Kirche. Slaverò und sein Komplize beschimpfen sich zunächst gegenseitig und machen sich gegenseitig für ihr Unglück, d. h. den Schiffbruch und den damit einhergehenden Verlust von Nina und Ghetta verantwortlich. Schließlich raufen sie sich jedoch wieder zusammen und beschließen, der ihnen verlustig gegangenen Frauen wieder habhaft zu werden. Indessen trifft Daldura, der Ghetta, den Eimer Wasser geben sollte auf Slaverò und dessen Komplizen und gerät über beide in Zorn, da er zu Recht vermutet, beide hätten Ghetta in die Flucht geschlagen (er wiederum hatte sich Hoffnungen gemacht, Ghetta zu verführen oder zum Geschlechtsverkehr bezwingen zu können). Er verjagt die beiden und begibt sich anschließend zur Kirche, um doch noch seinen Willen durchzusetzen.
Dritter Akt