Die Feldwebel-Schmid-Kaserne war eine militärische Einrichtung der Bundeswehr in Rendsburg in Schleswig-Holstein von 1956 bis 2010. Bereits im Zweiten Weltkrieg erbaut, diente sie der Flugabwehr der Wehrmacht als Kaserne. Von 1964 bis 2000 war sie nach Günther Rüdel benannt. Die Kaserne umfasste eine Fläche von 43,7 Hektar.

Geschichte Bau und Nutzung der Flak-Kaserne bis 1945 Im Zusammenhang mit der Aufrüstung der Wehrmacht durch den NS-Staat ab 1933 und der erheblichen Erhöhung der Zahl der militärischen Einheiten wuchs der Bedarf an Truppenunterkünften. 1936 erfolgten daher für den Aufbau der Luftverteidigung in Rendsburg Geländeerkundungen, um eine Flak-Abteilung der Luftwaffe hier zu stationieren. Die Verhandlungen mit der Stadt Rendsburg über den Kauf von Grundstücken für den Bau einer Kaserne begannen am 17. Juli 1936. Der Kaufvertrag über 23,77 Hektar Flächen wurde zwar erst am 25. Juli 1937 unterzeichnet. Von den Grundstücken hatte die Wehrmacht allerdings bereits am 31. Dezember 1936 Besitz ergriffen und im Frühjahr 1937 mit den Bauarbeiten begonnen. Die Kasernengebäude wurden in Form eines Oktogon angeordnet. Das Richtfest fand am 2. Oktober 1937 statt. Die Anlage wurde Ende Februar 1938 fertiggestellt. Ende März 1938 zog vorübergehend die Fliegerersatzabteilung 26 (See) ein, da die vorgesehenen Unterkünfte in Heiligenhafen noch nicht fertiggestellt waren. Nachdem dieser Verband Ende Oktober 1938 wieder ausgezogen war, erfolgte ab 15. November 1938 die Aufstellung der III./Flak-Regiment 6 (Scheinwerfer) in der Kaserne. Ende August 1939 werden aus dieser Abteilung die Reserve-Flak-Abteilungen (Scheinwerfer) 608 und 609 in Hamburg gebildet. Stattdessen wurde die Flak-Ersatz-Abteilung 24 (Scheinwerfer) in der Kaserne aufgestellt, die zum 1. Juli 1942 die Flakscheinwerfer-Ausbildungs-Abteilung 24 bildete. Die Flak-Ersatz-Abteilung 24 (Scheinwerfer) wurde 1942 zur Reserve-Flak-Abteilung 681 umgegliedert. Ab 1943 wurde zudem die Flak-Ersatz-Abteilung 61 (Scheinwerfer) in der Kaserne stationiert, die als Ausbildungs- und Ersatz-Abteilung für das Flakwaffenhelferinnenkorps fungierte. Zum Bau einer Kläranlage wurden am 22. April 1941 nochmals 2 Hektar Fläche gekauft. Und am 21. Juli 1942 kamen weitere 5,17 Hektar für die Errichtung zusätzlicher Baracken hinzu.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (48ff.)

Besatzungszeit 1945–1953 Mit Ende des Zweiten Weltkrieges besetzten am 8. Mai 1945 britische Truppen die Stadt. In der Flak-Kaserne waren damals etwa 2000 Luftwaffen- und Flak-Helferinnen untergebracht, deren Entlassung sich bis Juli 1945 hinzog. Mit Befehl vom 9. August 1945 wurde die Kaserne durch die britische Armee beschlagnahmt. Zunächst wurde die in Kingsway Barracks umbenannte Anlage als Lazarett genutzt, bevor alliierte Truppen die Kaserne belegten, darunter die 70th und 71st MTLO Royal Air Force, die 23rd Parachute Field Ambulance und das 15th Medium Regiment Royal Artillery. Im Nordteil der Kaserne wurde am 2. November 1946 ein mit Baracken bebauter Bereich der Kaserne abgetrennt, um Flüchtlinge unterzubringen.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (56f.) Die britischen Besatzungstruppen in Schleswig-Holstein wurden im Herbst 1948 durch die Norwegische Deutschland-Brigade, die zuvor in Südostniedersachsen disloziert war, teilweise abgelöst. Im September 1948 trafen in Rendsburg in den Kingsway Barracks die Transport- und Versorgungskompanie sowie die Sanitätskompanie der Brigade 482 ein. Am 21. Februar 1949 erfolgte die Ablösung und Kommandoübergabe an das nächste Kontingent, die norwegische Brigade 491. Im August 1949 fand die Ablösung durch die Brigade 492 statt. Im Februar 1950 kam es zum Wachwechsel zur Brigade 501, wobei am 28. Februar 1950 die Pionierkompanie von Neumünster in die Kingsway Barracks nach Rendsburg verlegt wurden. Am 22. August 1950 wurde das Kommando an die Brigade 502 übergeben. Erst am 16. März 1951 löste die Brigade 511 ihre Vorgänger ab. Am 20. Oktober 1951 folgten die Soldaten der Brigade 512, die im April 1952 ihre Ablösung durch die Brigade 521 erfuhren. Am 9. Oktober 1952 übernahm schließlich die Brigade 522, die als letzter norwegischer Verband vom 11. bis 30. April 1953 aus Schleswig-Holstein in die Heimat abzog. Danach stand die Kaserne im Wesentlichen leer. Nur das Flüchtlingslager blieb bestehen. Die Anlage wurde von zivilen Personal bewacht. Doch hatte sich bereits 1953 das Amt Blank im Rahmen der Vorbereitung der Aufstellung der Bundeswehr für die Kaserne interessiert.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (57f.)

Bundeswehr 1956–2010 mini|Ehemaliges Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe Bevor die Bundeswehr in die Flak-Kaserne einzog, fanden umfassende Renovierungsarbeiten statt, die jedoch im Mai 1956 noch nicht abgeschlossen werden konnten.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (58) Aufgrund Aufstellungsbefehl Nr. 9 vom 22. März 1956 durch den Bundesminister für Verteidigung wurde ab 1. Juli 1956 in der Flak-Kaserne die Flugabwehrschule des Heeres mit Schul- und Lehrstab sowie den Lehrgruppen A, B und C errichtet. Bereits ab 3. April 1956 war das Flugabwehrartillerielehrbataillon in der Kaserne aufgestellt worden.

Die Geburtsstunde des Heeresmusikkorps I A schlug am 3. Mai 1956 in der Flak-Kaserne. Es wurde jedoch bereits am 20. August 1956 nach Bad Eilsen verlegt.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (59)

Am 15. März 1957 übernahm die Luftwaffe die Flugabwehrschule als gemeinsame Einrichtung von Heer und Luftwaffe. Zugleich wurde das Flugabwehrartillerielehrbataillon in einen Luftwaffen- und einen Heeresteil umgegliedert.

Vom 1. Oktober 1958 bis zum 31. August 1968 war in der Kaserne das Marinestützpunktkommando Flensburg-Mürwik Außenstelle Rendsburg stationiert.

1959 wurde die neue Sporthalle fertiggestellt sowie 1960/61 die Hörsaalgebäude Nord und Süd in Betrieb genommen.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (60)

Zum 1. Januar 1961 folgten weitere Veränderungen: die Flugabwehrschule bestand nun aus dem Schulstab sowie den Lehrstäben 1 mit dem Heeresflugabwehrlehrbataillon, 2 mit dem Luftwaffenflugabwehrbataillon und 3. Dem Lehrstab 3 war die I./Flugabwehrraketenausbildungsregiment, das in Köln-Wahn stationiert war, zugeordnet, das zum 4. September 1961 in Flugabwehrraketenlehrbataillon umbenannt wurde. Zum 1. Oktober 1961 erfolgte die Verlegung nach Aachen in die Theodor-Körner-Kaserne. Hier entstand aus dem Lehrstab 3, dem Flugabwehrraketenlehrbataillon sowie weiteren Luftwaffenteilen der Flugabwehrschule aus Rendsburg die neue Raketenschule der Luftwaffe zum 1. Oktober 1964.

Der Stab des Fernmelderegiments 37 zog am 6. Juni 1963 in die Kaserne ein. Er war zunächst am 25. November 1960 als Stab des Fernmelderegiments 34 in Osnabrück und Wunstorf aufgestellt worden, verlegte jedoch bereits am 16. Januar 1961 nach Aurich in die Blücher-Kaserne. Am 1. April 1963 erfolgte die Umbenennung in Fernmelderegiment 37. Am 14. Oktober 1964 kam der Stab des Fernmelderegiments 37 nach Schleswig in die Kaserne Auf der Freiheit. In Schleswig fand am 1. August 1969 die Rückumbenennung in Fernmelderegiment 34 statt. Am 18. März 1986 verlegte der Verband nach Rendsburg-Krummenort, wo er zum 31. März 1990 seine Auflösung erfuhr.

In der Flak-Kaserne erfolgte ebenfalls am 1. Oktober 1964 die Aufstellung der Heeresflugabwehrschule mit der Stabsgruppe, der Lehrgruppe A und dem Spezialstab ATV (Auswertung, Truppenversuch, Vorschriften) sowie der in Todendorf beheimateten Lehrgruppe B. Aus dem Heeresflugabwehrlehrbataillon wurde in der Flak-Kaserne das Flugabwehrbataillon 3 gebildet, das am 1. April 1971 in die Röttiger-Kaserne nach Hamburg verlegte und dort zum 30. September 1977 aufgelöst wurde.

Am 6. Oktober 1964 wurde der Anlage der Name Rüdel-Kaserne nach Generaloberst Günther Rüdel verliehen.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (61)

Für den Bau von Instandsetzungshallen und weiteren Unterkunftsgebäuden wurden mit Kaufvertrag vom 25. Juni 1968 weitere 6,34 Hektar angrenzende Flächen durch den Bund erworben.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (50)

Aus Abgaben der Flugabwehrbataillone 3 und 6 sowie der Flugabwehrlehrbatterie 61 wurde am 1. April 1971 das Flugabwehrlehrbataillon 610 in der Rüdel-Kaserne aufgestellt. Es wurde am 1. Oktober 1993 zum Panzerflugabwehrraketenlehrbataillon 610 umgegliedert und 2002 aufgelöst.

Zwischen 1978 und 1983 entstanden neue Instandsetzungshallen und Werkstätten, Ausbildungs- und Panzerabstellhallen, eine neue Heizzentrale und zwei Unterkunftsgebäude, die am 1. Oktober 1983 von der 3./Instandsetzungsbataillon 610 bezogen wurden. Die Kompanie ging zum 1. April 1997 in der 3./Instandsetzungsbataillon 6 am Standort auf. Zum 1. Oktober 2005 wurde sie in 3./Instandsetzungsbataillon 166 umbenannt und kam am 30. Juni 2009 in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt.Dietrich Nicklaus: Von der "Flak" zur Rüdel-Kaserne. Grundsteinlegung vor 60 Jahren, in: Rendsburger Jahrbuch 1996, hrsg. vom Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V., 46. Jahrgang, Rendsburg, S. 48–63 (60)Oberstleutnant Rahnenführer: Dein Standort Rendsburg. Informationsschrift für Gäste und Soldaten. Ausgabe 1983/84. Mönch-Verlag, Koblenz/Bonn, Dezember 1983, S. 21

Am 1. Juli 1978 wurde das Flugabwehrregiment 600 aufgestellt. Es sollte sich im Verteidigungsfall aus den Flugabwehrbataillonen 610 (teilaktiv), 620 (Geräteeinheit) und 630 (Geräteeinheit) zusammensetzen. Es wurde zum 1. April 1993 zum gemischten Flugabwehrlehrregiment 600 umgegliedert. In den 1980er Jahren waren in der Kaserne die Mobilmachungsvorbereitungsgruppe Flugabwehrregiment 600 und die Mobilmachungsvorbereitungsgruppe Heeresflugabwehrschule stationiert, um die Bildung des Regiments im Verteidigungsfall sicherzustellen.

Am 1. Januar 1986 wurde die Fahrschulgruppe Rendsburg 2 aufgestellt, die zum 31. März 1994 wieder aufgelöst wurde.

In den 1980er Jahren war in der Kaserne die Instandsetzungslenkgruppe 601 stationiert.