Engelhard ist ein Roman von Konrad von Würzburg. Konrad von Würzburg verfasste den „Engelhard“ vermutlich um 1273/74. Er besteht aus 6504 Versen. Der Roman handelt von der treuen, unzertrennlichen Freundschaft zwischen Engelhard und Dietrich. Außerdem wird die Liebe zwischen Engelhard und Engeltrud erzählt, deshalb kann der Roman auch als Minneroman gelesen werden.Hartmut Kokott: Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. 1989, S. 44.

Inhalt

Die Erzählung „Engelhard“ von Konrad von Würzburg hat drei Hauptinhalte. Zum einen kann der „Engelhard“ unter der Thematik der „Freundschaftssage“, zum anderen als „Minneroman“ betrachtet werden.Hartmut Kokott: Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. 1989, S. 44. Des Weiteren ist die „Heilung vom Aussatz durch das Blut Unschuldiger“Rüdiger Brandt: Konrad von Würzburg. Kleinere epische Werke. 2009, S. 130 f. ein Kernmotiv des „Engelhards“.

Den ersten Handlungsstrang bildet die Freundschaft zwischen Engelhard und Dietrich. Sie kennen sich vom Dienst am Hof des Königs Fruote von Dänemark. Engelhard und Dietrich verbindet eine unzertrennliche, treue Freundschaft. Diese wird zweimal auf die Probe gestellt. Bei der ersten Probe hilft Dietrich Engelhard seine Ehre in einem Turnier zu wahren. Bei der zweiten Probe muss Engelhard seine Kinder töten, um mit deren Blut Dietrich von einem schweren Aussatz zu heilen. Diese Freundschaftstreue ist das eine inhaltliche Hauptmotiv der Erzählung.

Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Minne zwischen Engelhard und Engeltrud, der Tochter des Königs. Bis ihre Liebe erfüllt wird, haben sie einige Prüfungen zu bestehen. Beide Stränge werden getragen durch das Motiv triuwe, sowohl in Freundschaft als auch in Liebe.Hartmut Kokott: Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. 1989, S. 45 f.

Handlung

I. Teil: Prolog (216 Verse; Vers 1–216)

Der Prolog ist dem eigentlichen Erzählteil des „Engelhards“ vorangestellt. Im Prolog reflektiert der Autor Konrad von Würzburg über die Treue (Motiv der triuwe). Treue wird als die wertvollste Eigenschaft gelobt, welche dem, der nach der Treue lebt, ein gutes Leben beschert. Außerdem belohnt Gott Menschen, welche die Treue schätzen. Allerdings bemängelt Konrad, dass viele Menschen die Treue als unwichtig erachten. Diese lassen sich auch nicht durch die folgende Geschichte von der Treue überzeugen. Dass er die Geschichte des „Engelhard“ trotzdem erzählen will, begründet Konrad mit dem Wert der Treue, an den er erinnern will. Die Erzählung soll Vorbilder, die durch die Treue Glück erfahren haben, liefern.Konrad von Würzburg: Engelhard. 1982, Vers 202–207.

Der Prolog enthält eine Selbstreferenz Konrads von Würzburg. Ab Vers 208 heißt es: mittelhochdeutschKonrad von Würzburg: Engelhard. 1982, Vers 208–213. deutsch von Wirzeburc ich Kuonrât hân si ze saelden für geleit. […] In tiuscher worte schîne. Ich hân si von latîne In rîme alsô gerithtet […] Ich, Konrad von Würzburg, habe sie zu ihrem Segen […] im Glanze der deutschen Sprache vorgelegt. Ich habe sie aus dem Lateinischen umgedichtet […]

II. Teil: Erzählung des „Engelhards“ (Vers 217–6504) Engelhards Familie / Herkunft / Auszug (V. 217–319) Engelhards Vater ist ein freiadeliger Herr aus Burgund, allerdings ohne nennenswerten materiellen Besitz. Er hat zehn Kinder. Darunter ist Engelhard. Um seinen Eltern nicht weiter finanziell zur Last zu fallen und sein eigenes Geld zu verdienen, beschließt Engelhard seine Familie zu verlassen. Er will sich eine Anstellung als Knappe am Hof des Königs Fruote von Dänemark verschaffen.

Engelhards Reise / Bekanntschaft Dietrichs (V. 320–630) Engelhards Vater gibt seinem Sohn drei Äpfel mit auf die Reise. Welcher Weggefährte einen angebotenen Apfel mit Engelhard teilt, habe den Test bestanden, wer den Apfel jedoch allein isst, tauge nicht als Freund. Der dritte Mann, den Engelhard auf seinem Weg trifft, teilt den Apfel mit ihm und besteht so den Test. Zusätzlich schält dieser Gefährte den Apfel und verweist so auf seine höfische Bildung. Es ist Dietrich. Eine Besonderheit Dietrichs ist, dass er Engelhard im Aussehen exakt gleicht. Sie tragen zwar unterschiedliche Kleidung und haben verschiedene Pferde, doch sonst sehen sie gleich aus. Engelhard erkennt in Dietrich einen brüderlichen Freund, sie schwören sich einen Eid der Freundschaft. Dietrich schließt sich Engelhard an. So setzten sie den Weg zu König Fruote von Dänemark gemeinsam fort.

Ankunft am Hof (V. 631–851) Engelhard und Dietrich kommen an König Fruotes Hof an und schildern ihr Anliegen am Hof aufgenommen zu werden, um in den Dienst des Königs zu treten. Sie werden herzlich empfangen. Ihrer Bitte wird entsprochen und sie werden in die Liste der Hofmitglieder aufgenommen. Engelhard und Dietrich leben am Hof gut. Sie sind auf Grund ihrer Tugendhaftigkeit und ihrer vielfältigen Fähigkeiten beliebt. Ihre enge Verbundenheit ist weiterhin ungebrochen.

Engeltrud / Engeltruds Liebesentscheidung (V. 852–1249) König Fruote hat eine Tochter, die auch am Hof lebt. Ihr Name ist Engeltrud und sie ist schön und gut erzogen. Engeltrud hat alle positiven Eigenschaften einer adeligen Dame. Sie beginnt die Männer am Hof auf ihre Tugendhaftigkeit und Treue zu prüfen. Im Zuge dessen verliebt sie sich in Engelhard und Dietrich gleichermaßen. Da beide genau gleich sind, kann sich Engeltrud nicht für einen entscheiden, was sie sehr traurig stimmt. Doch dann erkennt Engeltrud was Engelhard von Dietrich unterscheidet. Sie tragen verschiedene Namen. So stellt Engeltrud einen Namensvergleich an. Sie befindet den Namen Engelhard für den schöneren. Also entscheidet sich Engeltrud Engelhard zu lieben, doch diese Liebe findet im Geheimen statt und ist unerfüllt.

Dietrichs Abschied vom Hof (V. 1250–1628) Eines Tages kommt ein Bote an den Hof, der eine Nachricht für Dietrich überbringt. Dietrichs Vater ist gestorben und seine Mutter, die Herzogin von Brabant, bittet Dietrich heimzukehren, da er die Landesherrschaft geerbt hat. Weder Engelhard, noch der König wussten, dass Dietrich ein Fürst ist. Dietrich bietet Engelhard an, mit ihm zu kommen und die Herrschaft mit ihm zu teilen. Doch Engelhard lehnt ab. Er möchte beim König bleiben und ein Ritter werden und so verabschieden sie sich unter Tränen. Nach seiner Rückkehr nach Brabant wird Dietrich ein erfolgreicher und von seinen Untertanen geschätzter Herrscher.

Ritschier von England / Engelhard wird Engeltruds Kammerherr (V. 1629–1965) Nachdem Dietrich fort ist, steigt Engelhard durch seine Treue weiter in der Gunst des Königs. Alle am Hof schätzen Engelhard, bis auf den Königsneffen Ritschier von England, welcher Engelhard beneidet. Engelhard ist sich dieses Neids bewusst, es kümmert ihn aber nicht. Die Königin stirbt und der Tod ihrer Mutter macht Engeltrud, zusätzlich zu ihrer geheimen, unerfüllten Liebe zu Engelhard, noch betrübter. Der König beschließt seiner Tochter zur Aufmunterung Engelhard als Kammerherren zuzuweisen. Denn: mittelhochdeutschKonrad von Würzburg: Engelhard. 1982, Vers 1846–1856. deutsch lesen unde schrîben, harpfen unde singen tanzen unde springen kann er ûzer mâzen wol. Dâ mite er alle stunde soll Kurzewîle machen dir. Lesen und schreiben, Harfe spielen und singen, tanzen und springen kann er über die Maßen gut. Damit soll er in jeder Stunde dir Kurzweil bereiten.

Engelhard bemerkt, dass Engeltrud ihn liebt. Auch Engelhard beginnt Engeltrud zu lieben. Doch auch er gesteht seine Liebe nicht, da er denkt, dass er für Engeltrud zu gering sei.

Das Geständnis / Das Versprechen (V. 1966–2464) In einem Gespräch offenbart Engelhard Engeltrud seine Liebe. Engeltrud jedoch weist ihn ab, da sie durch die Liebe ihre Ehre gefährdet sieht. Durch diese Ablehnung wird Engelhard krank. Alle glauben, er müsse sterben. Engeltrud entschließt sich Engelhard zu helfen. So berichtet Engeltrud ihm, dass ihr Vater ihn und Ritschier in absehbarer Zeit zum Ritter schlagen wolle. Engeltrud empfiehlt Engelhard als Ritter dann ein Turnier zu besuchen. Engeltrud verspricht ihm:

mittelhochdeutschKonrad von Würzburg: Engelhard. 1982, Vers 2360–2365. deutsch sô will ich füegen daz wir zwei in freuden mit einander leben und uns diu wunne wirt gegeben diu zwein gelieben wol gezimt. Die wîle man sîn niht vernimt sô muoz uns beiden sanfte sîn. Dann will ich dafür sorgen, dass wir zwei in Freuden zusammen leben können und uns die Lust gegeben wird, die einem Liebespaar geziemt. Solange man nichts davon erfährt, wird es uns beiden wohl ergehen.

Mit diesem Versprechen genest Engelhard. Bald darauf schlägt der König Ritschier und Engelhard zu Rittern.

Turnier in der Normandie (V. 2465–2895) Engelhard zieht auf ein Ritterturnier in der Normandie. Er ist dort ein Unbekannter. Allerdings trägt er eine Borte um seinen Helm, als ein Zeichen, dass er von einer Dame ins Turnier geschickt wurde. Im Turnier besiegt Engelhard seinen adligen Gegner und sorgt auch im weiteren Verlauf des Turniers für Gerechtigkeit in den Kämpfen. Engelhard kehrt erfolgreich an den Hof des Königs und zu Engeltrud zurück.

Das geheime Treffen (V. 2896–3470) Engelhard hat Engeltruds Forderungen erfüllt. Er erinnert sie an ihr Versprechen, sich mit ihm zu einem geheimen Liebestreffen einzufinden. An diesem Ort sollen sie ungestört und unbeobachtet sein. Als Engelhard zur verabredeten Zeit im Park eintrifft, erwartet ihn Engeltrud. Engeltrud führt Engelhard an einen Platz im Park, wo sie ein Lager vorbereitet hat. Dort verbringen sie eine Liebesnacht miteinander. Doch Engelhard und Engeltrud bleiben nicht unbeobachtet. Durch ungünstige Umstände befindet sich auch Ritschier in diesem Park. Ritschier überrascht Engelhard und Engeltrud bei ihrem Liebestreffen. Nach dieser Entdeckung stürmt er wütend davon. Engelhard und Engeltrud sind sehr erschrocken, denn Engeltruds Ehre, sowie Engelhards Leben sind durch diesen Vorfall in Gefahr. Sie beschließen beide ihr Treffen vor dem König zu leugnen.

Der Verrat (V. 3471–4121) Unterdessen informiert Ritschier den König über das beobachtete Liebestreffen. Der König ist sehr zornig und auch enttäuscht von Engelhard, weil dieser sein Liebling am Hof war. Der König kann die Verletzung der Ehre seiner Tochter nicht hinnehmen. Deshalb nimmt er Engelhard gefangen. Als der König Engelhard zur Rede stellt, streitet dieser den Vorwurf ab. Doch Ritschier beschuldigt Engelhard unbeirrt weiter. Ritschier fordert Engelhard dazu auf, seine Unschuld bei einem Kampf zwischen ihnen zu beweisen. Der König stimmt dieser Lösung zu: Gott soll den, der die Wahrheit sagt siegen lassen. Sechs Wochen nach diesem Gespräch soll der Kampf stattfinden.

Engelhard bittet Dietrich um Hilfe (V. 4122–4595) Engelhard befürchtet den Kampf gegen Ritschier zu verlieren, da er gelogen hat und eigentlich schuldig ist. Er beschließt sich an Dietrich zu wenden. Nachdem er unter einem Vorwand die Erlaubnis des Königs den Hof für einige Zeit verlassen zu dürfen eingeholt hatte, reist er zu Dietrich nach Brabant. Dort angekommen bittet Engelhard Dietrich um Hilfe. Dietrich soll an Stelle Engelhards kämpfen. Dietrich willigt ein. Da sie genau gleich aussehen, müssen sie nur die Kleider tauschen, um den Rollentausch zu vollziehen. Dietrich reist also zurück zum König und Engelhard bleibt in Brabant. Engelhard übernimmt in Brabant Dietrichs Herrschaft und seine Verpflichtungen.

Der Kampf / Die Hochzeit (V. 4596–5130)