mini|Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich
Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich, besser als Johann von Reuschenberg bekannt (auch Ruischenberg oder Rauschenberg; * auf Burg Setterich, Setterich, getauft 29. März 1603Bernd Reuschenberg: „Jesus Maria und kein Quartier!“ Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich in den Reichsfreiherrenstand erhoben (= Jahrbuch des Geschichtsvereins Baesweiler e. V. Band 2). Aachen 2012, S. 29. ebenda; † 31. März 1660P. Patricius Schlager: Zur Geschichte der Franziskanerobservanten und des Klosters „ad olivas“ in Köln (= Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Band 82). Köln 1907, S. 65. in Köln), war ein bayerischer, später kaiserlicher Offizier, Kriegsrat, Feldmarschall und Diplomat im Dreißigjährigen Krieg.
Als Deutschordensritter entschied er sich für eine militärische Karriere außerhalb seines Ordens. Während des Dreißigjährigen Krieges war er bayerischer Obrist und Kriegsrat sowie bayerischer und anschließend kaiserlicher Feldmarschall. Im Jahr 1651 verließ er den kaiserlichen Dienst und wurde Feldmarschall des Reichsfürsten von Pfalz-Neuburg.Wilhelm Kohl (Hrsg.): Akten und Urkunden zur Außenpolitik Christoph Bernhards v. Galen (1650–1678). Teil 1: Vom Antritt der Regierung bis zum Frieden von Kleve (1650–1666). Münster 1980, S. 27. Als Oberst-Hofmeister bzw. Statthalter des Herzogs zu Düsseldorf war er maßgeblich an der Gründung des Kurrheinischen Bundes (einem Vorläufer des Rheinischen Bundes) beteiligt und übernahm später das Oberkommando über die Allianztruppen. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
Leben und Wirken mini|Ahnenprobe von Johannes Ernst von Reuschenberg für den Deutschen Orden
Johannes Ernst von Reuschenberg stammte aus der Linie Setterich des Adelsgeschlechts von Reuschenberg und wurde 1603 als nachgeborener Sohn von Edmund von Reuschenberg und Anna Freiin von Schwarzenberg zu Hohenlandsberg auf Burg Setterich geboren. Seine Mutter war eine Nichte des katholischen Feldmarschalls Graf von Tilly.Historischer Verein Alt-Tilly e. V. (Hrsg.): Die Grafen und Fürsten von Tilly a. d. H. der Herren T´Serclaes. Abgerufen am 30. November 2017.Diese verwandtschaftlichen Beziehungen trugen sehr wahrscheinlich mit dazu bei, dass Johann als junger Offizier im Regiment „Geleen“ diente durfte. Bei diesem Regiment handelt es sich um das ehemalige Eliteregiment „Anholt“. Dieses galt insbesondere in den frühen 1620er Jahren als Kaderschmiede der Bayrischen Armada.
Als Jugendlicher schrieb er sich an einer der Kölner Bursen und studierte die Freien Künste. Nach seinem Studium schwor er im Jahr 1625 in Alden Biesen zum Deutschordensritter auf.Leopold Nedopil (Hrsg.): Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-Central-Archive. Band 2, Wien 1868, S. 121. online Webseite der Bayerischen Staatsbibliothek. Abgerufen am 28. Dezember 2017.
Im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg wurde er erstmals 1632 als Obristlieutenant unter dem Befehl von Oberst Gottfried Huyn von Geleen erwähnt.Erich Andersons: Unümbgängliche Verantwortung Mein, Erich Andersons, Königlichen Schwedischen General-Kriegs Commissarij im NiederSächsischen Creyß, Auff Eine von dem Ligistischen Obristen und Commendanten in Wolfenbüttel, Herrn von Geleen, wieder mich außgefertigte Schmehkarten. Mainz 1633, o. S. online Webseite der Universitätsbibliothek Augsburg. Abgerufen am 28. Dezember 2017. Dieser war wie Johann von Reuschenberg selbst auch Deutschordensritter.Eicken, Michel van der u. a.: Leden van de Duitse Orde balije (Bijdragen tot de geschiedenis van de Duitse Orde in de balije Biesen. Band 1, Alten Biesen 1994, S. 59. Das Kommando über die Festungsstadt Wolfenbüttel übernahm Reuschenberg von seinem Vorgesetzten spätestens im Jahr 1634. Seine Aufgabe war es die Festung als einzigen namhaften Stützpunkt des Kaisers östlich der Weser zu sichern.Bernd Reuschenberg: „Jesus Maria und kein Quartier!“ Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Aachen 2012 (= Jahrbuch des Geschichtsvereins Baesweiler e. V. Band 2), S. 29–33. Am 31. Dezember 1635 wurde Reuschenberg vom bayerischen Kurfürsten Maximilian I. zum Obristen zu Fuß und zu Ross befördert – eine ungewöhnliche Maßnahme, da einem Obristen üblicherweise nur ein Regiment zugeteilt wurde. 1637 nahm er gemeinsam mit dem Herzog Georg zu Braunschweig und Lüneburg unter dem Oberbefehl von Graf Gallas an der Verfolgung Banérs teil. Der schwedische Oberbefehlshaber konnte allerdings entkommen und zog sich nach Pommern zurück.Gaspar Ens: Newer unpartheyischer teutscher celer Nuntius oder glaubwürdige Erzehlung aller fürnemer und gedenkwürdiger Historien […]., Cölln 1637, S. 67. online Webseite der Bayerische Staatsbibliothek. Abgerufen am 29. Dezember 2017. mini|Schlacht nordwestlich von Wolfenbüttel im Jahr 1641
Fast zehn Jahre lang kontrollierte von Reuschenberg Wolfenbüttel mitsamt dem Umland. Dabei wurde er durch Levin Zanner (genannt „Immernüchtern“) unterstützt. Dessen kleine berittene Einheit trieb nicht nur die Kontributionen von den umliegenden Städten und Dörfern ein, sondern überfiel auch immer wieder schwedische Söldner und ihre Verbündeten. Bei einem Aktionsradius von über 100 km waren sie ein ernst zu nehmender Störfaktor. Die Bildung eines fliegenden Corps im größeren Maßstab (wie es bereits vom schwedischen Obrist Königsmarck eingesetzt wurde) lehnte Reuschenberg 1639 als verfrüht ab.Sigmund von Riezler: Bayerische Geschichte von 1597–1651. Band 5, Gotha 1903, S. 557. Wolfenbüttel wurde im Laufe der Jahre mehrmals vergeblich belagert, so z. B. im Jahr 1641, als durch den sogenannten „Schwedendamm“ die Oker aufgestaut wurde, um die Festungsstadt zu überfluten. Ein Kupferstich aus dem Werk Theatrum Europaeum zeigt, wie die kaiserlichen Truppen am 19. Juni 1641 unter dem Kommando von Reuschenberg die Belagerer nordwestlich der Festungsstadt angreifen. Dabei sollen unmittelbar während dieser Schlacht 2000–3000 Söldner umgekommen sein.Thomas Grote: Denkwürdigkeiten aus dem eigenhändigen Tagebuche des 1657 verstorbenen Großvoigts Thomas Grote. In: Vaterländisches Archiv für Hannoverisch-Braunschweigische Geschichte. Jahrgang 1836, Lüneburg 1836, S. 251. Johann von Reuschenberg wurde noch unmittelbar vor dem Angriff zum Generalwachtmeister befördert. Er hielt die Stadt noch zwei weitere Jahre, ehe er Wolfenbüttel auf kaiserlichen Befehl im September 1643 verließ. Aufgrund seiner Verdienste um das Hochstift Hildesheim (die Hildesheimer Frage) wurde ihm und seinen Erben im Jahr 1647 das Amt Vienenburg übertragen.Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover: NLA HA, Hild. Br. 12, Nr. 349. Abgerufen am 28. Dezember 2017.
Für seine Verdienste als Festungskommandant und kaiserlicher Rat, aber auch für seine diplomatischen Dienste, wurde er am 3. September 1639 von Kaiser Ferdinand III. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Damit verbunden war eine Wappenverbesserung. Der quadrierte Wappenschild zeigt in Feld 1 und 4 das Wappen des Hauses Reuschenberg mit den drei Raben über dem Querbalken. Feld 2 und 3 stellt in Schwarz einen silbernen, aufrecht schreitenden Löwen dar. Das Feld ist mit fünf silbernen Herzen belegt. Auf dem Wappenschild zwei gekrönte Helme, welche mit einer schwarz-weißen Helmdecke bedeckt sind. Dem (aus heraldischer Sicht) rechten Helm entspringt ein weißer Windhund mit schwarzem Halsband und einem goldenen Ring. Auf dem linken Helm ein weißer oder silberner, goldgekrönter Löwe, welcher in der rechten Pranke ein Schwert und in der linken einen goldenen Reichsapfel hält.
mini|hochkant|Freiherrlicher Wappenschild
Ab 1643 bis 1645 war Reuschenberg in Verbindung mit dem legendären Reitergeneral Johann von Werth an einer Reihe von Schlachten beteiligt:
Schlacht bei Tuttlingen am 24. November 1643: Dieser Überfall war für Reuschenberg die erste Schlacht unter dem Kommando des bekannten Feldmarschalls Franz von Mercy. Er wurde für sehr tapfferes Verhalten gelobt.Johann Heilmann: Die Feldzüge der Bayern in den Jahren 1643, 1644 und 1645 unter den Befehlen des Feldmarschalls Franz Freiherrn von Mercy. Leipzig und Meißen 1851, S. 68. online Webseite der Bayerische Staatsbibliothek. Abgerufen am 29. Dezember 2017. Schlacht bei Freiburg am 26. August 1644: Im Laufe der Schlacht wurden zunächst zwei Regimenter unter dem Kommando von Reuschenberg fast vollständig vernichtet. Im Zuge der weiteren Kämpfe konnte er innerhalb einer Nacht und unter schwierigsten Bedingungen seine Stellungen mitsamt dem schweren Gerät räumen, ohne dass die Gegenseite etwas bemerkte, obwohl die gegnerischen Linien nur etwa 300 m entfernt waren.Hans-Helmut Schaufler: Die Schlacht bei Freiburg im Breisgau 1644. Freiburg 1979, S. 88. Von seinen Vorgesetzten wurde er als vortrefflich und sehr tapfer geschätzt und wurde am 26. August 1644 zum Generalzeugmeister befördert. Schlacht bei Jankau am 5. März 1645: 5000 ausgesuchte bayerische Söldner unter dem Kommando von Werth und Reuschenberg unterstützten die kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei Jankau. Die Schlacht endete allerdings mit einer vollständigen Niederlage und die beiden Offiziere mussten fliehen.Sigmund von Riezler: Bayerische Geschichte von 1597–1651. Band 5, Gotha 1905, S. 579. Schlacht bei Herbsthausen am 5. Mai 1645: Nachdem die französischen Truppen bei Herbsthausen nahe Mergentheim lagerten, sah Mercy eine gute Gelegenheit für einen Überraschungsangriff. Bis auf Reuschenberg teilten die Stabsoffiziere dessen Meinung. Er hingegen wollte zunächst auf Verstärkung warten.Gerhard Immler: Kurfürst Maximilian I. und der Westfälische Friedenskongreß. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Waffenstillstand. Aschendorff/Münster 1992 ( =Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte e. V. Band 20), S. 109. Während der Schlacht führten die Infanterie-Regimenter unter dem Kommando von Reuschenberg ihren Angriff mit solcher Wucht durch, dass die gegnerischen Truppen nicht standhielten. Wiederum wurde Reuschenberg für seinen Einsatz von dem Kurfürsten Maximilian I. ausdrücklich gelobt.o.A. Summarische Relation deß zwischen der Chur-Bayrischen Reichs Armada und der Königklich Frantzösischen dem General Visconte di Tourraine undergegebenen Armada ... bey dem nächst Mergentheimb gelegenen Dorff Herbsthausen, den 5. May dises 1645. Jahrs fürgegangenen Haupt-Treffens, darinnen ermeldte Tourrainische Armada geschlagen worden. Augsburg 1645, o. S. online Webseite der Bayerische Staatsbibliothek. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645: Als während der verlustreichen Schlacht von Alerheim der bayerische Generalfeldmarschall Mercy fiel, waren auch zwei weitere Generäle nicht verfügbar: Geleen war kurz zuvor gefangen genommen worden und Werth hatte sich weit von seiner ursprünglichen Position entfernt, um mit seinen berittenen Einheiten eine Attacke hinter die feindlichen Linien durchzuführen. Reuschenberg übernahm als dienstältester Offizier das Kommando im Zentrum der Schlacht und konnte eine vernichtende Niederlage gerade noch verhindern.Friedrich Münich: Geschichte des königlich bayerischen I. Chevaulergers Regiments Kaiser Alexander von Rußland. Band 1: Die Stämme des Regiments (1645–1682). Gleichzeitig ein Beitrag zur ältesten bayerischen Heeres=Geschichte von 1611–1682. München 1862, S. 100.
Nach der Schlacht übertrug der bayerische Kurfürst das Oberkommando zunächst Werth und Reuschenberg gemeinsam, wobei er gerne letzterem den Oberbefehl übergeben hätte. Da Reuschenberg aber einen niedrigeren Rang als der (darüber hinaus auch noch dienstältere) Reitergeneral hatte, wurde das Amt des Generalfeldmarschalls schließlich Geleen übergeben, um Werth nicht zu brüskieren.Helmut Lahrkamp: Jan von Werth. Sein Leben nach archivalischen Quellenzeugnissen. Köln 1962, S. 161.