Roma bilden nach den Ungarn die zweitgrößte ethnische Minderheit in Rumänien. Verlässliche Zahlen zu Bevölkerungsgröße und -anteil fehlen. Ihre offizielle Zahl stieg von 535.140 Personen 2002 auf 619.007 im Jahre 2011. Nach Angaben des Europarats leben in Rumänien etwa 2.500.000 Roma (12 % der Bevölkerung)., Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien: Die Deutschen und Ungarn erreichten historisches Tief, 29. August 2012.romania_en, European Commission: Romania, 26. September 2025. Einige Autoren halten die Roma für die größte Minderheit des Landes. Viele Roma sind sozial, materiell und politisch marginalisiert.

Begriff Im Gegensatz zum deutschen Sprachraum, wo die Bezeichnungen „Roma“ und „Sinti und Roma“ miteinander konkurrieren, wird in Rumänien als Sammelkategorie für die große Zahl unterschiedlicher Subgruppen, zu denen Sinti nicht gehören, allein der Begriff „Roma“ (auch in der Schreibweise „Rroma“) verwendet. Daneben tritt die rumänische Fremdbezeichnung țigani („Zigeuner“), die es im Romanes nicht gibt, auch als Selbstbezeichnung auf;Maria Sass, Herbert Uerlings, Iulia Karin Pătruț: Europa und seine ‚Zigeuner‘. Literatur- und kulturgeschichtliche Studien, Sibiu 2007, S. 20. in welchem Umfang, ist nicht wissenschaftlich untersucht. Seit Ende der 1990er Jahre ist in amtlichen rumänischen Dokumenten von „Roma“ die Rede.

Dies stieß auf erheblichen Widerspruch in Politik und Gesellschaft. Rumänische Nationalisten eröffneten 2009 eine Kampagne für ein Gesetz zur Wiedereinführung von țigani und zur Beseitigung von roma. Damit waren sie nicht erfolgreich, aber 2010 kündigte die Liberaldemokratische Partei, Regierungspartei und Mitglied der Europäischen Volkspartei, eine ganz ähnliche Gesetzesinitiative an. Ziel sei „der Schutz der Rumänen in den zigeunerfeindlichen Regionen, da die schlechte Behandlung und negative Diskriminierung der Roma ungerechtfertigterweise auch Rumänen betreffen könnte“. In dieser Sicht wird die Minderheit der Roma nicht zur rumänischen Bevölkerung gerechnet. Begründet wird die Ablehnung der Bezeichnung roma meist mit einer Verwechslungsgefahr zwischen roma und români („Rumäne“),punkto.ro vom 10. Oktober 2010, abgerufen am 24. Oktober 2010 die etymologisch nicht verbunden sind. Für den rumänischen Präsidenten Traian Băsescu war die Änderung der Bezeichnung „Zigeuner“ in „Roma“ ein „großer politischer Fehler“. Băsescu erklärte, dass die Rumänen in ganz Europa mit den Roma verwechselt würden. Die Aussage löste bei zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen Empörung über die Implikation aus, dass die Roma keine Rumänen seien. Sie führte zu einer Protestdemonstration in der rumänischen Hauptstadt. Das Kultur- und das Außenministerium, die Roma-Nationalagentur, das Generalsekretariat der Regierung, die Abteilung für interethnische Beziehungen und der Nationalrat für die Bekämpfung der Diskriminierung widersprachen unter Berufung auf eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000. Das Ziel, so das Außenministerium, einer begrifflichen Trennung zwischen „Rumänen“ und „Roma“ werde ohnehin verfehlt, weil man in anderen Staaten weiterhin bei „Roma“ bleiben werde. Am Ende lehnte der rumänische Senat die offizielle Umbenennung in țigani 2011 ab.punkto.ro vom 9. Februar 2011, abgerufen am 4. Mai 2011

Eine „wenig ethnisch orientierte Beachtung“ finden Beiträge von Roma zur Hochkultur, wenn ihnen öffentliche Ehrung zukommt wie im Falle des hoch angesehenen Jazzpianisten Johnny Răducanu, dem allgemein die Zuschreibung „Rumäne“ gewährt wird.Esther Quicker: Die „Zigeuner“ und wir. Stimmen zu den Roma in der rumänischen Transformationsgesellschaft. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung. 19 (2010), S. 71; „Liste der rumänischen Komponisten“, in: www.worldlingo.com/ma/enwiki/de/List_of_Romanian_composers. Sie treten dann auch des Öfteren als repräsentative Kulturbotschafter ihres Landes in den Blick.Wie Radacanu zu den rumänischen Kulturtagen in München:

Seit Mitte der 1990er Jahre wurde – auf Vorschlag von Roma-Vertretern – die orthographische Neuschöpfung „Rroma“ (Singular) bzw. „Rromi“ (Plural) eingeführt, um dem Argument der Verwechslungsgefahr entgegenzutreten und eine Rückkehr zum Begriff „Zigeuner“ zu vermeiden.adz.ro vom 10. Dezember 2010, abgerufen am 15. Dezember 2010Gernot Haupt: Antiziganismus und Sozialarbeit: Elemente einer wissenschaftlichen Grundlegung, gezeigt an Beispielen aus Europa mit dem Schwerpunkt Rumänien. Frank & Timme GmbH, Berlin 2006, ISBN 978-3-86596-076-4, S. 65. Die Form „Rroma“ wird von rumänischen Behörden nur sporadisch verwendet, hat aber teilweise Eingang in die internationale wissenschaftliche Literatur gefunden.

Die Roma-Minderheit bildet auch in Rumänien kein homogenes „Volk“, da es zu keinem Zeitpunkt politisch gesteuerte und gesellschaftlich verankerte Prozesse der Volkskonstruktion gab wie im Fall der rumänischen (oder ungarischen) Mehrheitsbevölkerung. Sie ist bis heute in zahlreiche Gruppen fragmentiert geblieben. Ihre Sprecher betonen die jeweilige Eigenständigkeit, die Gruppen distanzieren sich voneinander. In Selbstverständnis und Gruppenbezeichnung beziehen sie sich dabei nach wie vor auf die inzwischen historischen gruppentypischen Wirtschaftsweisen. Größere ethnische Teilgruppen bilden die Kalderasch („Kupferschmiede“, wörtlich „Kesselschmiede“), die Corturari (Țiganii nomazi, „Zeltzigeuner“), die Băeși („Korbflechter“) und die Țigani de mătasă („Seidenzigeuner“).

Demographie mini|Der Anteil der „Zigeuner“ in Siebenbürgen (österreichische Volkszählung 1850) mini|Der Anteil der Roma in den Gemeinden Rumäniens, so wie sie bei der Volkszählung 2002 aufgenommen wurden Wie generell bei Roma sind valide Angaben zum Bevölkerungsanteil und zu dessen Entwicklung auch für Rumänien und seine einzelnen Verwaltungsbezirke unmöglich, nachdem die in einer Volkszählung zu Befragenden häufig sich trotz der Herkunft aus der Roma-Minderheit im Zuge von Assimilierungsprozessen inzwischen in andere Nationalitäten (Rumänen, Ungarn, Türken) einordnen,„… belong to other nations with whom they identified …“, siehe: Viorel Achim, Gypsy Research ans Gypsy Policy in Romania, 1920–1950, in: Michael Zimmermann (Hrsg.), S. 157–174, hier: S. 158. ein Bekenntnis zur Herkunftsethnie aus Furcht vor Benachteiligungen und Diskriminierungen verweigern„… because they considered the term 'Gypsy' to be demeaning …“, siehe: Viorel Achim, Gypsy Research ans Gypsy Policy in Romania, 1920–1950. In: Michael Zimmermann (Hrsg.), S. 157–174, hier: S. 158. oder keine Ausweispapiere besitzen und also gar nicht befragt werden.Costel Bercus: Die Situation der Roma in Rumänien. In: Max Matter (Hrsg.): Die Situation der Roma und Sinti nach der EU-Osterweiterung. S. 29. Es entstehen so „offizielle Volkszählungsergebnisse mit einer minimalen Zahl von bekennenden Roma“, auf die wiederum Unterbehörden sich berufen, um so „die gesetzlich vorgeschriebenen Förderungsmaßnahmen nicht ausführen zu müssen“ und „um sich Arbeit und finanzielle Mittel zu ersparen.“Gernot Haupt: „Eine eigene Religion haben sie nicht…“? Über den religiösen Antiziganismus gegenüber Roma und Sinti. Vortrag gehalten am 14. November 2007 anlässlich des XVIII. Europäischen Volksgruppenkongresses in Klagenfurt, (PDF; 117 kB)

Der allgemeine Zensus von 1930 in Großrumänien zählte 262.501 (1,6 %) „Zigeuner“. 1948 waren es nur noch 53.425.Achim Viorel: Gypsy Research ans Gypsy Policy in Romania, 1920–1950. In: Michael Zimmermann (Hrsg.), S. 157–174, hier: S. 158. Es ergibt sich auch unter Berücksichtigung der Gebietsabtretungen und der Ermordung von mehr als 10.000 Roma unter dem Antonescu-Regime eine erhebliche Zähldifferenz. Im Ergebnis der Volkszählung 1977 war die Zahl wiederum auf 227.398 (1 %) Personen angestiegen, 1992 dann auf 409.723 (1,8 %). Demgegenüber listete eine 1998 durchgeführte Studie des rumänischen Instituts für Erforschung der Lebensqualität 1.002.381 selbstidentifizierte Roma. Sie bezifferte die Gesamtzahl mit 1.452.700 bis 1.588.552, während die letzte Volkszählung 2002 noch wieder nur 535.250 (2,5 %) Roma ergab., abgerufen am 13. Oktober 2012 (rumänisch). Viele Schätzungen gehen weit über die staatlichen Zensuszahlen von 2002 hinaus. Laut dem Länderbericht des US-Außenministeriums von 2011 leben in Rumänien zwischen 1,8 und 2,5 Millionen Roma – die etwa 10 % der Bevölkerung ausmachen würden. Der Bericht stellt den Zensuszahlen von 2002 kritisch einen Regierungsbericht von 2008 gegenüber, der von 1,2 Millionen ausgeht.Country Reports on Human Rights Practices for 2011 United States Department of State • Bureau of Democracy, Human Rights and Labor: ROMANIA EXECUTIVE SUMMARY. Abgerufen am 17. Mai 2011. NGO und nichtrumänische Sprecher bevorzugen die Angabe von 2,5 Millionen Roma, bleiben leicht darunterZ. B. Amnesty International: oder erhöhen auf drei Millionen.

Die untere Grenze markierten 700.000 im Jahre 2008 bzw. etwa eine Generation davor 760.000 (1985).Alexandre Zouev, Peter Ustinov. Generation in jeopardy: children in Central and Eastern Europe and the former Soviet Union, page 164. Published by UNICEF.

Die oft bis auf den letzten Einer genauen Zahlen legen zwar Genauigkeit nahe, belegen aber durch ihre außerordentliche Spannbreite die generell mangelnde Vertrauenswürdigkeit von Zahlenangaben. Sie gehen nicht auf wissenschaftliche Studien, sondern auf interessegeleitete Befragungen und Antworten zurück.

Seit 1990 (Wegfall des Eisernen Vorhangs), aber besonders seit 2002 (Visafreiheit für rumänische Staatsangehörige im Schengen-Raum) und 2007 (EU-Aufnahme Rumäniens), setzte eine massive Auswanderungswelle rumänischer Roma nach Westeuropa ein. Florin Cioabă, ein wichtiger Führer der Roma, sagte in einem Interview, dass die Fortführung dieses Trends den Verlust der Roma-Minderheit für Rumänien bedeuten könnte.

Geschichte In den Donaufürstentümern mini|„Rumänische Zigeuner“. Illustration von Rudolf Schmidt im Stuttgarter Unterhaltungsblatt Über Land und Meer, 1884 Es ist davon auszugehen, dass erste Gruppen von „Zigeunern“ bereits im 13. Jahrhundert ins Donaugebiet, im 14. Jahrhundert dann nach Siebenbürgen und in die Walachei zugewandert sind. Urkundlich belegt ist die Minderheit erstmals 1385 für die Walachei, 1416 für Siebenbürgen. Die als „Zigeuner“ Bezeichneten beschrieben sich als Pilger, Büßergruppen oder Überbringer päpstlicher Botschaften.Alle Angaben nach:

Bereits für das 16. Jahrhundert ist in beiden Fürstentümern ihr Dasein in einem sklavenähnlichen Zustand bezeugt.Martin Bottesch et al.: Die siebenbürgischen Landler: eine Spurensicherung. Bd. 2, Böhlau, Wien 2002, S. 383. Einzelne Fürsten siedelten Roma in den Karpaten an – das heißt an der damaligen Grenze zum Königreich Ungarn, wo sie von dort kommende militärische Einfälle abwehren sollten und dafür einige Vergünstigungen erhielten.Guillaume Lejean: Ethnographie der Europäischen Türkei. Gotha 1861, S. 11.

Von ihren Eigentümern, den weltlichen oder geistlichen Grundherren, konnten sie verschenkt, verkauft oder verpachtet werden. Es gab unterschiedliche Grade der Unfreiheit. Robi domnești konnten als Handwerker einigermaßen frei innerhalb des landesherrlichen Territoriums der Erwerbsmigration nachgehen, Robi mănăstirești arbeiteten als Landarbeiter ortsfest auf klösterlichen Gütern.Alle vorausgehenden Angaben nach: