mini|hochkant|Eva Herman, 2009

Eva Herman (bürgerlich Eva Bischoff, geborene Feldker; * 9. November 1958 in Emden) ist eine deutsche Autorin und ehemalige Fernsehmoderatorin. Sie war von 1988 bis 2006 Nachrichtensprecherin der Tagesschau (ARD) und moderierte bis September 2007 verschiedene Fernsehsendungen für den Norddeutschen Rundfunk (NDR). Als Publizistin tritt sie durch rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Thesen in Erscheinung.

Leben

Kindheit und Ausbildung Herman wurde als Eva Feldker und Tochter eines Hotelier-Ehepaars geboren. Sie wuchs mit einem Bruder und einer Schwester in Herzberg am Harz auf.Miklós Pataky: Eva Herman – die blonde Ostfriesin mit dem großen Selbstbewusstsein: Wie aus Fräulein Feldker „Miss Tagesschau“ wurde. In: Hamburger Morgenpost, 30. August 1999. Ihr Vater starb, als sie sechs Jahre alt war. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie in Braunlage, Timmendorfer Strand und der Schweiz eine Berufsausbildung zur Hotelkauffrau.

Tätigkeiten für Hörfunk und Fernsehen Beim Bayerischen Rundfunk in München wurde Herman von 1983 bis 1986 zur Journalistin, bis 1988 zur Fernsehsprecherin ausgebildet. Währenddessen moderierte sie für den Hörfunksender Bayern 3 unter anderem die Sendungen Radiokantine, Hitkiste, Vormittagsprogramm, ARD-Nachtprogramm und Rushhour mit ihrem damaligen Chef Thomas Gottschalk. Gleichzeitig übernahm sie im Bayerischen Fernsehen die Moderation von Nachrichten- und Unterhaltungssendungen, zum Beispiel BR-unterwegs und Der heiße Draht. 1988 wechselte sie zum NDR nach Hamburg, dort moderierte sie zunächst beim Radiosender NDR 2 die Sendestrecken Am Vormittag, Plattenkiste und Traumhaft. Nach einem Casting durch Werner Veigel wurde sie ins Team der Tagesschau aufgenommen und sprach ihre erste Sendung im August 1988.

Daneben war Herman regelmäßig in Unterhaltungs- und Talkshows zu sehen. Von 1991 bis 1995 führte sie durch die monatliche Schlagerparade der Volksmusik und präsentierte die ARD-Sendungen Chorgala (1994–1995), Stars (1995–1998) und die Spenden-Gala Ein Herz für Kinder (1996–1997). Weiter führte sie durch die ARD-Berichterstattung über die Internationale Funkausstellung Berlin (1993, 1995, 1997) und über die Kieler Woche (1995–2004). Von 1995 bis 1999 moderierte sie im NDR-Fernsehen regelmäßig das norddeutsche Regionalmagazin DAS!. Am 17. Januar 1997 war sie erstmals zusammen mit ihrer Kollegin Bettina Tietjen Gastgeberin bei der „Talk-Illustrierten“ Stargeflüster. Daraus entwickelte sich im Mai 1999 die Talkshow Herman und Tietjen.„Herman und Tietjen“ feiert die 111. Sendung – eine Erfolgsgeschichte in guten Gesprächen. Bei: NDR, 18. August 2005 Ab Dezember 2000 moderierte sie die NDR-Quizsendung Wer hat’s gesehen? und ab Februar 2003 die Talentshow der ARD-Fernsehlotterie Deutschlands Talente. Nebenbei arbeitete Herman auch für den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche und dessen bundesweite Kampagne Durch die Brust ins Herz.

2003 galt Herman nach einer Emnid-Umfrage als „beliebteste Moderatorin Deutschlands“.Sigrid Liebig: Man muss nicht mit jedem über alles reden. In: Die Welt, 28. August 2003

Ihre letzte Tagesschau sprach Herman am 24. August 2006. Sie teilte dem NDR mit, sie wolle ihre Arbeit als Nachrichtensprecherin wegen ihrer Tätigkeit als Buchautorin und der erwarteten Kontroverse um ihre neue Veröffentlichung für zwei Jahre ruhen lassen.David Böcking: Schreiben statt sprechen: Eva Herman verlässt „Tagesschau“. In: Spiegel Online, 12. August 2006

Am 9. September 2007 entließ der NDR sie aufgrund ihrer Autorentätigkeit.

Aktivitäten seit 2009 Herman setzt sich weiter für konservative Familienpolitik ein. So trat sie beispielsweise am 16. Mai 2009 bei der Auftaktveranstaltung zur Europawahlkampagne der AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie auf und sagte dort: „Wir sind eine Gesellschaft der Schrumpfung geworden, wir sind Schrumpfgermanen“.Eva Herman: 'Wir sind Schrumpfgermanen'. Bei: Kath.net, 22. Mai 2009 Seit Juni 2009 moderiert sie für das Web-TV des Internetportals familyfair und für K-TV.Familyfair: Eva Herman moderiert jetzt im Internet. In: Welt Online, 11. Juni 2009 Am 17. Juli 2009 referierte sie in der Alten Oper in Erfurt beim Symposium Familie unter Druck über die Liebe und Bindung als Fundament mütterlicher Beziehung.

Nach der Kontroverse von 2009 begann Herman Artikel für die Website des Kopp Verlags zu schreiben, der auch Bücher von ihr herausgibt. Der Verlag veröffentlicht und vertreibt u. a. rechtsesoterische, grenz- und pseudowissenschaftliche, verschwörungstheoretische sowie rechtspopulistische und rechtsextreme Titel. Ab 2010 arbeitete sie als Sprecherin und Kommentatorin für dessen Internetnachrichten. Ende 2011 wurde die Sendung eingestellt. Daneben wirbt Herman auf ihrem Telegram-Kanal für Kopp-Produkte wie Jodtabletten, mobile Gasheizungen oder – wie Anfang 2020 – für ein Buch über die Selbstbehandlung mit Chlordioxid, vor der von Experten wegen erheblicher Gesundheitsgefahren gewarnt wird.Felix Huesmann: Das rechte Geschäft mit der Angst www.rnd.de, 5. Juni 2021

Am 25. Juli 2010 kommentierte Herman für den Kopp Verlag das Unglück bei der Loveparade 2010, bei dem am Vortag 21 Personen gestorben waren. Sie kritisierte die Loveparade als „Sodom und Gomorra mit katastrophalen Folgen“ und als „riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie“, die den „kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft“ symbolisiere. Dafür machte sie die 68er-Bewegung verantwortlich und vermutete: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“Eva Herman über die Loveparade: Sodom und Gomorrha. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Juli 2010 Diese Aussage interpretierten und kritisierten einige Kommentatoren als Andeutung einer Strafe Gottes, also einer Schuldzuweisung an Opfer und Besucher.Daniel Schulz: Eva Herman über das Loveparade-Unglück: Gott straft die Sünder. In: taz, 26. Juli 2010; Martin Wittmann: „Sex- und Drogenorgie Loveparade“: Eva Herman und die Strafe Gottes. In: Focus Online, 26. Juli 2010; Anette Hildebrandt: Eva Herman und die „Wolken der Entfesselung“. In: Welt Online, 27. Juli 2010

2012 meldete Herman Privatinsolvenz an, nachdem sie hohe Verluste bei Investitionen in Bauherrenmodelle in Leipzig erlitten hatte.Eva Hermans Insolvenz: Das Pleite-Prinzip. In: Der Spiegel, 15. Oktober 2012

2013 war Herman gemeinsam mit Thilo Sarrazin und Peter Scholl-Latour als Hauptrednerin einer Konferenz zur Frage „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ vorgesehen. Laut Ankündigung des veranstaltenden rechtspopulistischen Magazins Compact sollten vor allem Hermans Anliegen im Mittelpunkt stehen.Die Familienverschwörung. In: Süddeutsche Zeitung, 6. September 2013 Herman sagte ihre Teilnahme aus Sorge um ihre Sicherheit und um die Reaktion der Medien kurzfristig ab, wandte sich aber in einer Audiobotschaft an die Konferenzteilnehmer und verglich die bundesdeutsche Familienpolitik mit der Margot Honeckers.„Compact“-Konferenz: Krude Thesen bei Homophoben-Veranstaltung. In: Spiegel Online, 23. November 2013

Seit 2014 kommentiert Herman verschiedene Themen für russische Medien, etwa das staatliche Presseorgan Stimme RusslandsEva Herman verteidigt Russlands Präsidenten Putin. Bei: T-Online, 5. April 2014 und den russischen Staatssender RT Deutsch.Hans-Martin Tillack: Merkels Presseamt beobachtet Putin-Sender „RT Deutsch“. In: Stern, 3. August 2016 Sie warf westlichen Massenmedien auf Andreas Popps Wissensmanufaktur 2014 Kriegstreiberei gegen Russland vor und rief deren Journalisten zu einem „Lügenstreik“ und Wechsel zu „alternativen Medien“ auf.„Es herrscht Propaganda“: Eva Herman wirft Medien Kriegstreiberei vor. In: Focus, 26. September 2014 In einem Aufsatz vom 31. August 2015 dort vertrat sie die Verschwörungstheorie, „eine bestimmte Gruppe von Machtmenschen des globalen Finanzsystems“ stecke hinter der Flüchtlingskrise in Europa 2015, die dadurch die Tradition des „christlichen Abendlandes“ zerstören wollten: Europa werde „geflutet mit Afrikanern und Orientalen. Unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition, werden zerstört“. Der „gleichmachende Euro“ sei dafür ein „Vorbereitungs-Instrument“ gewesen. Auch die Terroranschläge am 11. September 2001 seien ein „Trick“ gewesen, jedoch glaube „immer noch mehr als die Hälfte der Menschen auf der Welt an diesen Humbug“.Michael Butter: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-07360-5, S. 9 ff.; Eva Hermans wirre Thesen zur Flüchtlingskrise. In: Stern, 3. August 2015

Herman gehörte zu den Erstunterzeichnern der von Vera Lengsfeld ausgegangenen Initiative „Gemeinsame Erklärung 2018“. In deren Wortlaut wird eine Beschädigung Deutschlands durch „illegale Masseneinwanderung“ behauptet und Solidarität mit friedlichen Demonstranten bekundet, welche für eine Wiederherstellung der „rechtsstaatlichen Ordnung an den Grenzen unseres Landes“ demonstrieren. Neben Herman unterzeichneten unter anderen Thilo Sarrazin, Matthias Matussek, Uwe Tellkamp und Henryk M. Broder die Erklärung.Christian Schröder: Tellkamp für Solidarität gegen Einwanderer. In: Der Tagesspiegel, 19. März 2018Matthias Schwarzer: Geschäfte mit dem Weltuntergang: Der tiefe Fall der Eva Herman In: RND.de, 27. Juli 2020, abgerufen am 29. Juli 2020

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks verbreitet Herman ihr „geschichtsrevisionistisches Denken“ vorwiegend über YouTube und Telegram. Damit stehe sie „für einen Trend innerhalb der Szene: Weg von Facebook, hin zu Telegram“. Der Messengerdienst habe sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Facebook-Alternative und seit Beginn der COVID-19-Pandemie zu einem der wichtigsten Verbreitungswege für Falschbehauptungen über SARS-CoV-2 entwickelt. Herman erreiche über Telegram 180.000 Follower (Stand: 22. Juni 2021) und teile dort vor allem Meldungen aus dem „Spektrum der ‚Alternativen Medien‘“ wie Behauptungen über eine angebliche „Neue Weltordnung“, ein „Verschwörungsmythos, demzufolge die Machtübernahme einer globalen Elite bevorsteht“. Seit März 2020 kritisiere Herman vor allem die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation sowie die globalen Anstrengungen, einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu finden, „als autoritäre, unterdrückerische Maßnahme […], über die gesamte Weltbevölkerung zu herrschen“. Außerdem befürchtet Herman Überwachung durch die Abschaffung des Bargeldes, da durch die Corona-Pandemie bargeldloses Bezahlen wichtiger wird.Corona & Extremisten II: „Widerstand gegen die neue Weltordnung“. Bei: Bayerischer Rundfunk, 19. April 2020

Nach einer weiteren Recherche des Bayerischen Rundfunks für den Weltspiegel wird Eva Herman als entscheidende Hasstreiberin gegen Lisa-Maria Kellermayr identifiziert. In dem Weltspiegel-Beitrag wird belegt, dass Herman auf Telegram einen Hetzartikel des Wochenblick über die Corona-Impfungen in der Praxis der Ärztin verbreitete (siehe ab 4:57 min). Durch die nachfolgende Flut an Morddrohungen (ab 5:15) wurde die österreichische Ärztin in den Suizid getrieben.Tod durch Hass und Hetze – Der Fall Dr. Kellermayr Bei: Weltspiegel, 27. März 2023

Nach der Annexion der Krim durch Russland schrieb Herman 2014 in einem Beitrag für die Stimme Russlands, warum „der Westen es immer wieder gezielt auf Provokationen an[lege]“ und was „eigentlich noch passieren“ müsse, bis „Wladimir Putin der Kragen platzt“. Zudem stellte sie die Frage: „Wir pfeifen immer noch die schiefen Noten der Onkel-Sam-Leute mit, obwohl die so weit weg sind. Die Russen, die uns viel näher sind, verteufeln wir in vorauseilendem Gehorsam. Warum bloß?“Michael Stifter: Ukraine-Krise: Was die zu sagen haben, die keiner gefragt hat, www.augsburger-allgemeine.de.