mini|Rådhuspladsen vom Rathausturm aus gesehen miniatur|Rådhuspladsen mit dem Kopenhagener Rathaus in der Mitte miniatur|Rådhuspladsen bei Nacht vom Rathausturm aus gesehen miniatur|Fußballübertragung auf dem Rådhusplads, 2004 Rådhusplads(en) () ist ein Platz im Zentrum der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Er liegt im Stadtbezirk Indre By (Innenstadt) zwischen den Straßen Vester Voldgade und Hans Christian Andersens Boulevard. Auch die Vesterbrogade und der Strøg, eine der längsten Fußgängerzonen Europas, münden auf den Platz. Er wurde 1893 nach dem Rathaus benannt, mit dessen Bau ein Jahr vorher begonnen worden war.
Rådhuspladsen hat eine Fläche von 29.300 m² und gehört zu den lebhaftesten Orten der Hauptstadt, an dem unter anderem Freiluftausstellungen, Konzerte oder Großbildleinwandübertragungen ausgerichtet werden. Auch bei Silvesterfeiern oder Demonstrationen wird er regelmäßig als Versammlungsort genutzt. Die angrenzenden Gebäude stellen seit den 1920er Jahren das größte Aufgebot an Leuchtreklame in Dänemark.
Geschichte Vester Torv und Halmtorvet
miniatur|hochkant|Das ehemalige Stadttor Vesterport wurde 1857 abgerissen Dort, wo sich der Platz heute befindet, stand ursprünglich ein Teil der westlichen Wallanlagen, die im 17. Jahrhundert mit den Bastionen der Adelsgeschlechter Schack und Gyldenløve ausgebaut wurden. Die zuletztgenannte Bastion befand sich an der Stelle, wo später das Rathaus errichtet wurde.
Vor einem der vier Stadttore Kopenhagens, dem Vesterport (Westtor) am Ende der Frederiksgade, wurde 1760 ein kleiner Markt namens Vester Torv angelegt, auf dem die mit Heu und Stroh beladenen Wagen der Bauern gewogen wurden, nachdem sie das Stadttor passiert hatten. Daher wurde der Platz später in Halmtorvet (Strohmarkt) umbenannt. Nach dem Abriss des Vesterports und der Schleifung der Kopenhagener Stadtbefestigung im Jahr 1857 erhielt der Platz seinen offenen Charakter.
Nordische Ausstellung 1872 miniatur|hochkant|Blick auf die Nordische Industrie- und Kunstausstellung von 1872 miniatur|hochkant|Blick vom Halmtorvet – dem zukünftigen Rådhusplads – in Richtung Industribygningen 1888 Am Rådhusplads befand sich von 1872 bis 1889 in Verbindung mit dem Vergnügungspark Tivoli ein Ausstellungsgelände für Industrieprodukte und Kunst. Die erste große Ausstellung, die „Nordische Industrie- und Kunstausstellung“, wurde am 13. Juni 1872 vom dänischen König Christian IX. feierlich eröffnet.
Anlässlich der Ausstellung wurde das Industribygning (Industriegebäude) an der Ecke zur Straße Vesterbros Passage, der heutigen Vesterbrogade, errichtet. Das Gebäude wurde von 1870 bis 1872 im Auftrag des Industrievereins nach Plänen des Architekten Vilhelm Klein gebaut. Der zweigeschossige, rote Ziegelsteinbau bestand aus vier Flügeln mit Eckpavillons. Der Stil orientierte sich an der italienischen Renaissance. 1879 wurde das Mittelgebäude – wieder nach Plänen Vilhelm Kleins – zu einer großen Halle umgebaut. Ein Café, das Industricafé, kam 1908 hinzu, und in den 1930er Jahren zog das Kino Palladium in das Gebäude ein, das durch den Architekten Ernst Kühn im funktionalistischen Stil umgestaltet wurde. Die ständigen Veränderungen gaben dem Komplex einen uneinheitlichen Stil, weshalb es schließlich 1976 abgerissen und durch das Haus der Industrie abgelöst wurde.
Zweite Nordische Ausstellung 1888 Die „Nordische Industrie-, Ackerbau- und Kunstausstellung in Kopenhagen“ wurde 1888 auf dem Rådhusplads eröffnet; auch sie war ein großer Erfolg für Dänemark. Die Hauptattraktion bildete eine große Ausstellungshalle, die 1887 von Martin Nyrop entworfen wurde. Sein Bau reichte fast von der Vesterbros Passage über den ehemaligen Halmtorv, wo heute das Monument Lurblæserne steht, bis zur damaligen Verlängerung der Vester Voldgade. Das Ausstellungsgebäude im Stil der Nationalromantik war eine beeindruckende Holzkonstruktion, die von einer großen Kuppel mit einer Fahnenstange an der Spitze gekrönt wurde. Für eine weitere Attraktion sorgte die Brauerei Tuborg, die mit Tuborgflasken einen etwa 30 Meter hohen Aussichtsturm in Form einer Bierflasche aufstellte. Der Turm wurde nach der Ausstellung nach Hellerup transportiert, wo er heute noch steht.
Erste Filmpremiere 1896 Knapp ein halbes Jahr nach den ersten öffentlichen Filmvorführungen der Welt in Paris fand am 7. Juni 1896 im Vergnügungsetablissement Panorama die erste Filmpremiere Dänemarks statt. Sie war Teil einer größeren Vorstellung. Gezeigt wurde ein Repertoire an ausländischen Filmen, die eine Dauer von etwa einer Minute hatten.
Bau des Rathauses 1892–1905 miniatur|hochkant|Architekt Martin Nyrop, Erbauer des Rathauses Martin Nyrop war auch der Architekt des Rathauses, das die Ausstellungshalle ablöste. Zunächst wurde das Ausstellungsgebiet geräumt. In Konkurrenz zu unter anderem Vilhelm Dahlerup und Valdemar Koch lieferte Nyrop seinen ersten Entwurf für ein neues Rathaus ab. Er musste sich die Siegprämie noch mit Koch teilen. Nachdem Koch zugunsten Nyrops nachgab, setzte Nyrop sich in einem zweiten Wettbewerb durch. Daraufhin begannen 1892 die Bauarbeiten, die sich bis zur Einweihung des Rathauses im Jahr 1905 dreizehn Jahre lang hinzogen, wobei der Stadtrat schon 1903 einzog. Noch vor der Grundsteinlegung wurde der Name des Platzes, Halmtorvet, 1893 in Rådhuspladsen geändert.
In der Silvesternacht zum Jahrhundertwechsel ertönte zum ersten Mal die Rathausglocke. Seitdem läutete sie jeden Tag zwischen acht Uhr morgens und Mitternacht jede Viertelstunde. Noch heute warten jedes Jahr zur Silvesternacht Tausende vor Ort und vor dem Fernsehbildschirm in ganz Dänemark gespannt auf das Läuten der Rathausglocke, um auf das neue Jahr anzustoßen.
Im Laufe der Zeit gab es viele Vorschläge zur Neugestaltung des Platzes, unter anderem von Vilhelm Klein, der ein Rondell mit Monumenten nach dem Vorbild des Großen Sterns im Berliner Tiergarten vorsah. Nyrop legte vor dem Rathaus schließlich einen schalenförmigen versenkten Platz an, einer Muschelschale ähnlich und inspiriert vom Platz vor dem Rathaus im toskanischen Siena. Die Vertiefung sollte den architektonischen Wert des Rathauses hervorheben und als Versammlungsort dienen.
Politikens Weihnachtsbaum 1914 Im Jahr 1914 ließ die ortsansässige Tageszeitung Politiken erstmals einen großen Weihnachtsbaum auf dem Platz aufstellen und begründete damit eine bald 100-jährige Tradition. Heute sorgt die Stadtverwaltung für den Weihnachtsschmuck.
Straßenbahn In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war noch Platz für begrünte Areale. Das änderte sich aber mit dem Aufkommen von Straßenbahnen, Omnibussen und Autos, und der Platz entwickelte sich bis zu seiner Umgestaltung im Jahr 1996 zu einem betriebsamen Verkehrsknotenpunkt. Nahezu sämtliche Straßenbahnlinien der Stadt passierten aus allen vier Ecken den Rathausplatz und bildeten so bis zu ihrer Umlegung im Jahr 1931 ein großes Schienenkreuz. Eine Straßenbahn der Linie 16 fuhr 1970 zum letzten Mal über den Platz, und 1972 wurde der Straßenbahnbetrieb in Kopenhagen endgültig eingestellt.
Kriegs- und Nachkriegsjahre miniatur|hochkant|Die dänische Handballnationalmannschaft nach dem Gewinn der EM 2008 auf dem Rathausbalkon Während der deutschen Besatzung wurden unterirdisch Toiletten und oberirdisch einige unästhetische Bunker angelegt. Dabei verschwand die „Muschelschale“ sowie das 1903 von Thorvald Jørgensen entworfene Haltestellenhäuschen für die Straßenbahn, liebevoll Feslottet (das Feenschloss) genannt. Das Häuschen steht heute in der Stadt Espergærde. Auch die ebenfalls 1903 gebaute Verkehrswache mitten auf dem Platz verschwand kurze Zeit später. Sie war ein charakteristischer Holzbau, im Volksmund Stavkirke („Stabkirche“) genannt.
Von 1954 bis 1955 wurde auf der Westseite der Vesterboulevard zu einer breiten Straße für den Autoverkehr ausgebaut und in H.C. Andersens Boulevard umbenannt. Durch den Fahrbahnausbau verschwand die Parkanlage Rådhushaven (der Rathausgarten).
Kopenhagens Wohnzimmer Der quirlige urbane Platz ist Treffpunkt und zentraler Versammlungsort zu vielfältigen Anlässen. Am Vorabend der Volksabstimmung über den Beitritt Dänemarks zur Europäischen Gemeinschaft demonstrierten am 1. Oktober 1972 rund 80.000 Menschen auf dem Rathausplatz für die dänische Souveränität und gegen den Beitritt. Initiiert wurde die Demonstration von der im Vorfeld gegründeten Volksbewegung gegen die EG.
Auch beim Empfang der dänischen Fußballnationalmannschaft nach der EM 1992 in Schweden versammelte sich auf dem Rådhusplads eine riesige Menschenmenge; diesmal um begeistert den Europameistern auf dem Rathausbalkon zuzujubeln.
Die Abschlussveranstaltungen vieler Massenereignisse wie der Copenhagen Gay Pride finden hier statt.
Umgestaltung 1990er Jahre (HT-Busterminal) mini|hochkant|Busterminal der Verkehrsbetriebe (HT-terminalen) Von 1995 bis 1996 wurde der Platz anlässlich der Initiative Kulturhauptstadt Europas (Kulturby 96) renoviert und mit Beton und Granit umgestaltet. Der private Autoverkehr floss seitdem nicht mehr mitten über den Platz, wodurch der Rathausplatz nicht mehr in zwei Hälften getrennt war und viel stärker als bislang als geschlossene Einheit wirkte.
Auf der Nordseite wurde ein Busterminal der Verkehrsbetriebe Hovedstadsområdets Trafikselskab (HT) angelegt, der anfangs das Hauptquartier der Kulturhauptstadt-Initiative beherbergte. Der Terminal schirmte den offenen Platz vor dem Rathaus von den Bushaltestellen ab und sollte so dem Platz mehr Ruhe bringen und ihn als Aufenthaltsort attraktiver machen. Das schwarz-gläserne futuristische Gebäude war allerdings schon bei seiner Eröffnung 1996 äußerst umstritten. Viele waren der Ansicht, es wirke fehlplatziert und überdimensioniert im Verhältnis zum umliegenden Areal und würde die Ästhetik des Platzes zerstören. In dem Gebäude, das als Informationscenter und dem Fahrscheinverkauf diente, wurde von 2007 bis 2009 die Livesendung Aftenshowet (die Abendschau) des Fernsehsenders DR1 übertragen.
Umgestaltung 2010er Jahre (Metro) Nach nur 14 Jahren wurde der Busterminal im Winter 2010 abgerissen, um für einen neuen U-Bahnhof Platz zu machen. Die Metrostation Rådhuspladsen wurde 2019 als Teil des neuen U-Bahn-Stadtrings (Linie M3) eröffnet. Für das Jahr 2025 wird mit 11.000 Fahrgästen gerechnet, die hier ein- und aussteigen.
Gebäude am Rådhusplads Rathaus miniatur|hochkant|Kopenhagens Rathaus Das Kopenhagener Rathaus (Københavns Rådhus) wurde ab 1892 nach Plänen des Architekten Martin Nyrop im nationalromantischen Stil errichtet. Es wurde am 12. September 1905 als sechstes Rathaus der Stadtgeschichte eingeweiht. Seit 1981 steht es unter Denkmalschutz. Auffällig sind die reich gegliederte Ziegelsteinfassade mit der vergoldeten Statue des Stadtgründers Bischof Absalon über einem Erscheinungsbalkon. Er ist nicht allein der Königin vorbehalten, wenn sie zu Gast im Rathaus ist und dem geneigten Volk zuwinkt, sondern wird auch von Sporthelden und anderen Personen genutzt, die nationalen Jubel auszulösen imstande sind.
Der Rathausturm misst 105,6 Meter und ist damit nur unwesentlich kleiner als der Turm von Schloss Christiansborg.
Der Glockenschlag der Rathausuhr wird jeden Mittag 12 Uhr im dänischen Radio gesendet, - bis 8. Februar 2003 live, seitdem wird eine Aufnahme verwendet. Auch das dänische Neujahr wird so eingeläutet. Das charakteristische Glockenvorspiel besitzt in Dänemark einen vergleichbar emotionalen Wert wie die Stimme Big Bens in Großbritannien.
Helmerhus Das Helmerhus, auch Utrecht-bygningen genannt, liegt dem Rathaus gegenüber an der Ecke Rådhuspladsen 2–4, Vester Voldgade 10–14, Studiestræde und H.C. Andersens Boulevard 15–17. Das Haus wurde von 1892 bis 1893 von Knud Arne Petersen und Henrik Hagemann erbaut.
Nye Danskes hus Das Nye Danskes hus liegt am Rådhuspladsen 14 Ecke Jernbanegade und wurde 1960 von Ejner Graae und Henning Helger erbaut.
Richshuset miniatur|hochkant=0.6|links|Straßenbahn vor dem Richshuset im Jahr 1963