Die Briesen-Kaserne (heute zumeist: Gartenstadt Weiche) wurde 1956/57 im Flensburger Stadtteil Weiche errichtet und 1958 von den ersten Bundeswehreinheiten bezogen. Parallel dazu waren auch US-Truppen bis in die 1990er Jahre in der Kaserne stationiert. Die Kaserne war von 1964 bis 1997 nach General Kurt von Briesen benannt. Nach der Schließung der Kaserne im Jahr 1997 wurden die Kasernengebäude zu Wohngebäuden umgenutzt und das umliegende Gelände bebaut, womit die „Gartenstadt Weiche“ entstand.

Geschichte Vorgeschichte links|mini|Briesen-Kaserne mit der markanten Antennenanlage im Hintergrund (um 1975) mini|Kasernenstein, der an den Namensgeber erinnert. (heute auf dem Friedenshügel) Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Gelände des späteren Truppenübungsplatzes der Kaserne ein Exerzierplatz der preußischen Armee angelegt. Der kleinere, ältere Exerzierplatz beim Stadtteil Friesischer Berg wurde sodann in „Kleine Exerzierslücke“ umbenannt, ist aber heute nur noch verkürzt als Festplatz Exe bekannt.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: ExeFlensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Kleine Exe sowie Zur Exe Flensburg entwickelte sich in der preußischen Zeit schrittweise zu einer Militärstadt. So wurde unter anderem 1877 die Duburg-Kaserne im Norden der Stadt errichtet und im Osten der Stadt entstand seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Stützpunkt Flensburg-Mürwik, wo noch heute das Militär beheimatet ist.

Größtenteils wurde der Exerzierplatz in Weiche durch den Jägerslusthof landwirtschaftlich genutzt, den die jüdische Familie Wolff ab 1906 besaß. Als sich die Lage der Juden in Deutschland der 1930er Jahre zuspitzte, wandelte Christian Wolff den Hof zu einem Kibbuz um. Viele spätere Pioniere des heutigen Israels machten dort eine landwirtschaftliche Ausbildung. In der Pogromnacht des 9. Novembers 1938 überfielen SS und Polizeieinheiten unter dem Befehl von Hinrich Möller den Hof. Alexander Wolff gelang die Flucht nach Dänemark, von wo er in die USA emigrierte. Seine Frau, Mutter und Schwester wurden später in Konzentrationslager nach Auschwitz, Treblinka und Riga verschleppt und dort ermordet. Nach 1938 wurde der Hof samt Grundstücken durch den NS-Staat beschlagnahmt und für den Ausbau des Flugplatzes Flensburg-Schäferhaus, der durch die Luftwaffe der Wehrmacht genutzt wurde, zur Verfügung gestellt. Im Hof selbst wurden Bausoldaten einquartiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort zunächst Flüchtlinge untergebracht.Bernd Philipsen: „Jägerslust“. Gutshof, Kibbuz, Flüchtlingslager, Militär-Areal, Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 69, Flensburg 2008, S. 229

Bau und Stationierungsgeschichte 1958–1969 Mit der Aufstellung der Bundeswehr ab 1955 entstand ein erheblicher Bedarf an Truppenunterkünften. Unter Einbeziehung von Teilflächen des ehemaligen Flugplatzes Flensburg-Schäferhaus wurde 1956 daher auch in Flensburg-Weiche mit dem Bau einer neuen Kasernenanlage begonnen.Bernd Philipsen: „Jägerslust“. Gutshof, Kibbuz, Flüchtlingslager, Militär-Areal, Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 69, Flensburg 2008, S. 85 und 229 Die noch nicht vollständig fertiggestellte Kaserne wurde am 14. März 1958 von einem Vorkommando der Bundeswehr bezogen. Sie bot zunächst zwei Bataillonen und weiteren kleinen Einheiten Platz. Die Kaserne wurde zunächst nach ihrer Errichtung als Heereskaserne Flensburg-West bezeichnet. Anfang April rückten weitere Einheiten in die Garnison ein.

Dazu gehörte auch die Kampfgruppe A6. Mit Befehl vom 6. November 1957 wurde dieser Verband mit Stab und Stabskompanie zwar ab 2. Januar 1958 in der Grenzland-Kaserne in Flensburg gebildet. Doch bereits zum 1. April 1958 zogen der in Aufstellung befindliche Stab mit Stabskompanie in die neue Truppenunterkunft in Flensburg-Weiche um. Hier erlebte die Kampfgruppe zum 16. März 1959 ihre Umgliederung zur Panzergrenadierbrigade 16. Durch die Einführung der NATO-Strategie der Vorneverteidigung ab 1961 erhielt die Brigade jedoch den Auftrag, neue Standorte nahe der innerdeutschen Grenze östlich von Hamburg zu beziehen. Nachdem bereits erste Einheiten der Brigade ab Oktober 1969 in ihre neuen Standorte umgezogen waren, folgten im April 1970 auch Stab und Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 16 in die Bose-Bergmann-Kaserne nach Wentorf bei Hamburg. Hier wurde sie zum 31. Dezember 1994 aufgelöst.

Am 1. April 1958 begann in der Briesen-Kaserne die Aufstellung des Grenadierbataillons 16 der Kampfgruppe A6. Mit Einnahme der Heeresstruktur 2 wurde es am 16. März 1959 zum Panzergrenadierbataillon (mot.) 161 umgegliedert und zugleich in die Grenzland-Kaserne in Flensburg verlegt. Die Umsetzung der Vorneverteidigung hatte für das Bataillon weitreichende Folgen: es kam zwar am 15. Dezember 1969 zurück in die Briesen-Kaserne, wechselte jedoch zum 1. April 1970 zum Heimatschutzkommando 13 des Territorialkommandos Schleswig-Holstein und wurde schließlich am 3. Juli 1970 zum Jägerbataillon 381. Am 1. April 1981 erlebte es abermals eine Umbenennung zum Jägerbataillon 511 der Heimatschutzbrigade 51. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde es zum 31. März 1997 aufgelöst.

Am 1. Juli 1956 war in der Lübecker Walderseekaserne das Grenadierbataillon 11 aufgestellt worden. Zwischen dem 24. August und dem 1. September 1956 verlegte es in die Boehn-Kaserne nach Hamburg. Ab 1. März 1958 begann die Aufteilung des Bataillons zur Aufstellung der Grenadierbataillone 26 und 46. Am 1. April 1958 zogen Teile des Bataillons gemeinsam mit Personal des Grenadierbataillon 31 nach Flensburg in die Briesen-Kaserne und verschmolzen zum neuen Grenadierbataillon 26. Zum 1. April 1959 erfolgte die Umbenennung in Panzergrenadierbataillon 163 in der Heeresstruktur 2. Das Bataillon übernahm ab Mitte Januar 1970 die durch den Auszug des Fernmeldebataillons 771 freigewordenen Unterkünfte in der Hanseaten-Kaserne in Lübeck-Blankensee. Zum 1. Oktober 1971 wurde es mit Einnahme der Heeresstruktur 3 in das Jägerbataillon 172 umgegliedert. Doch bereits am 1. April 1981 erfolgte zur Umsetzung der Heeresstruktur 4 die Rückführung in ein Panzergrenadierbataillon, jedoch unter Beibehaltung der Nummer 172. Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Deutschen Wiedervereinigung kam in mehreren Schritten das Aus für das Bataillon. Zunächst wurde es zum 1. Oktober 1992 in eine Geräteeinheit umgewandelt, nach Bad Segeberg in die Lettow-Vorbeck-Kaserne verlegt und dem dortigen Panzergrenadierbataillon 182 unterstellt. Schließlich wurde das Bataillon zum 31. Dezember 2008 außer Dienst gestellt.

Die am 9. September 1958 in Lingen (Ems) aus Teilen des Panzeraufklärungsbataillon 3 aufgestellte Panzeraufklärungskompanie 168 verlegte kurz darauf in die Briesen-Kaserne und wurde der Kampfgruppe A6 unterstellt. Mit Einnahme der Heeresstruktur 2 erhielt sie am 16. März 1959 die neue Bezeichnung Panzeraufklärungskompanie 160 und gehörte zur Panzergrenadierbrigade 16. Doch bereits am 15. November 1961 wurde die Kompanie aufgelöst und aus ihr der Brigadespähzug 160 gebildet, der fortan der Stabskompanie der Brigade unterstellt war. Im April 1970 verlegte er gemeinsam mit der Brigade an seinen neuen Standort in der Bose-Bergmann-Kaserne in Wentorf bei Hamburg.Rolf Lehmann: Die älteste Einheit der Brigade: Die Stabskompanie, in: Panzergrenadierbrigade 16 „Herzogtum Lauenburg“ 1958–1994. 36 Jahre Dienst für Frieden und Freiheit, Mai 1994, S. 41–53 (42, 44, 50 und 52)

Aus der zuletzt in der Scholtz-Kaserne in Neumünster beheimateten 3./Panzerjägerbataillon 3 wurde am 16. März 1959 in der Kaserne in Flensburg-Weiche die Panzerjägerkompanie 160 gebildet, aus der zum 1. Juli 1970 die Panzerjägerkompanie 380 hervorging. Zum 31. März 1981 wurde diese Einheit aufgelöst und ging in dem am 1. April 1981 in der Briesen-Kaserne gebildeten Panzerbataillon 513 auf.

Ab 1. April 1959 erfolgte die Aufstellung der Panzerpionierkompanie 160 der Panzergrenadierbrigade 16 durch Abgabe der 4./Pionierbataillon 6 aus der Fünf-Seen-Kaserne in Plön. Im Oktober und November 1969 verlegte die Kompanie zur Umsetzung der Vorneverteidigung in die Sachsenwald-Kaserne bei Schwarzenbek. Im Juni 1992 erfolgte noch der Umzug in die Bismarck-Kaserne nach Wentorf bei Hamburg. Doch zum 30. Juni 1994 wurde die Kompanie außer Dienst gestellt.

Das der Panzergrenadierbrigade 16 dienende Versorgungsbataillon 166 wurde ab 1. April 1959 in der Kaserne gebildet. Seine 3. Kompanie verlegte im Oktober und November 1969 als eine der ersten Einheiten in die Sachsenwald-Kaserne nach Schwarzenbek. Das Versorgungsbataillon 166 löste sich zum 30. September 1972 im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur 3 auf. Teile des Bataillons gingen in der Nachschubkompanie 160 und der Instandsetzungskompanie 160 auf.

Ab 1. Mai 1960 bestand in der Briesen-Kaserne das Feldjägerwachkommando Flensburg 2 (ab 1963: Feldjägerdienstkommando Flensburg 2).

Am 16. November 1961 schlug die Geburtsstunde des Panzerbataillon 164 in der Briesen-Kaserne. Die Einheit musste jedoch auch im Rahmen der Vorneverteidigung im Oktober und November 1969 nach Schwarzenbek in die Sachsenwald-Kaserne verlegen. Am 30. September 1994 wurde das Bataillon im Zuge der Reduzierung der Bundeswehr nach der Deutschen Wiedervereinigung aufgelöst.

Das Feldersatzbataillon 167 entstand am 1. Juli 1962 als Geräteeinheit in der Flensburger Kaserne und zog 1969 nach Hamburg-Sülldorf in den dortigen Mobilmachungsstützpunkt um. Zum 1. Januar 1981 wurde es in Feldersatzbataillon 63 umbenannt. Mit feierlichem Appell am 18. September 1993 wurde es aufgelöst.

Am 30. Oktober 1964 wurde die Kasernenanlage nach General der Infanterie Kurt von Briesen (1883–1941) benannt.

Stationierungen 1970–1997 mini|Eingang des Kasernenblocks des RakArtBtl. 650 (1976) Mit dem Auszug der Panzergrenadierbrigade 16 und der ihr unterstellten Einheiten aus Flensburg belegten die Briesen-Kaserne ab 1970 schrittweise andere Einheiten der 6. Panzergrenadierdivision und Truppenteile des Territorialkommandos Schleswig-Holstein. So wurde 1970 als Geräteeinheit die Panzerjägerkompanie 390 des Jägerregiments 39 in der Garnison aufgestellt. Sie wurde zum 31. März 1981 aufgelöst und ging im neuen Panzerbataillon 514 (teilaktiv) auf.

Das am 1. Juli 1959 auf dem Fliegerhorst Goslar aufgestellte Luftwaffenflugabwehrbataillon 48 wurde im Juli 1961 zunächst nach Büchel (Eifel) in die Brauheck-Kaserne verlegt, bevor es im Mai 1962 nach Ulmen in die neue Eifel-Maar-Kaserne kam. Am 1. Juli 1965 wurde der Verband in Flugabwehrraketenbataillon 39 umbenannt. Am 16. und 17. April 1970 zog das Bataillon dann in Standorte nach Schleswig-Holstein um. Während zwei Batterien in der neuen Kaserne in Süderbrarup Platz fanden, war der für die anderen Teile des Bataillons vorgesehene Standort Eckernförde noch nicht bezugsfertig. Daher mussten der Stab, die Versorgungs- und Stabsbatterie, die Sanitätsstaffel sowie die 2./ und 3./Flugabwehrraketenbataillon 39 zunächst in der Briesen-Kaserne in Flensburg untergebracht werden. Am 1. Februar 1973 konnten aber auch diese Einheiten schließlich ihren Endstandort beziehen.