mini|200px|Springfield Arsenal mini|Die Springfield Waffenfabrik, um 1860 Die Springfield Armory in Massachusetts (Offizielle Bezeichnung National Armory, Springfield) war die wichtigste staatliche Waffenfabrik der USA, die später erstellte Harpers Ferry Armory war kleiner. Sie wurde auf dem Gelände des Springfield Arsenals gebaut, wo ab 1777 Munition und anderes Kriegsmaterial hergestellt wurde. Von 1795 bis 1968 wurden dort die meisten von der US-Armee geführten Gewehre, vom Steinschlossgewehr bis zum Selbstladegewehr, hergestellt. Zudem war sie ein wichtiges Arsenal (Zeughaus) der USA für leichte Waffen. 1968 entschied der damalige Staatssekretär des Verteidigungsdepartementes der Vereinigten Staaten, Robert McNamara, die Springfield Armory zu schließen. Heute ist sie ein Museum.

Geschichte Unabhängigkeitskrieg mini|George Washington mit seinem Sklaven William Lee. John Trumbull, 1780 Vor dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg waren die Kolonisten in Nordamerika mit britischen und französischen Waffen, seltener mit Importen aus den Niederlanden und Spanien, bewaffnet. Als die ersten Unruhen ausbrachen, stoppte Großbritannien alle Lieferungen an die Siedler. Da es in Nordamerika noch keine Waffenindustrie gab und die Büchsenmacher Schusswaffen nicht in großer Stückzahl herstellen konnten, war man auf Konterbande aus Frankreich angewiesen.

Colonel Henry Knox, ein George Washington unterstellter Offizier, vertrat die Ansicht, dass an geeigneten Orten Arsenale mit Werkstätten zur Lagerung und Instandhaltung von Waffen angelegt werden sollten, zudem sollten dort auch Munition, Geschützprotzen und anderes Kriegsmaterial hergestellt werden. Nachdem George Washington diesen Vorschlag unterstützt und der Kongress ihn gebilligt hatte, wurden in einer Studie mögliche Standorte untersucht.

Ein erstes Depot wurde in Carlisle (Pennsylvania) nahe dem damaligen Kriegsschauplatz, jedoch weit genug von den britischen Truppen entfernt errichtet, um von diesen nicht gefährdet zu sein.

Kurz darauf wurde entschieden, ein weiteres Arsenal in den Staaten Neuenglands zu errichten. Vorgeschlagen wurden Brookfield und, von George Washington bevorzugt, Hartford (Connecticut). Colonel Knox brachte ihn von dieser Idee ab, da seiner Meinung nach britische Schiffe vom Long Island Sound aus problemlos den Connecticut River hinaufsegeln und Hartford angreifen könnten. Knox schlug das weiter oben am Connecticut River liegende Springfield (Massachusetts) vor, da der Fluss dort für größere Schiffe nicht mehr schiffbar war. Die Region konnte einen für die Errichtung von Gebäuden notwendigen großen Waldbestand und drei große Sägewerke vorweisen, zudem konnte die Wasserkraft des Flusses genutzt werden.

Ab Ende 1777 wurde auf einer Anhöhe bei Springfield mit dem Bau von Baracken, Lagerhäusern, Werkstätten und Pulvermagazinen begonnen. Fast gleichzeitig begann die Munitionsherstellung, die Reparatur von Musketen und etwas später die Herstellung von Geschützprotzen.

Wegen der schnellen Ausweitung des Unabhängigkeitskrieges wurde alles überzählige Kriegsmaterial von der Atlantikküste weg zur sicheren Aufbewahrung nach Springfield gebracht. Das Arsenal wurde damit zu einem wichtigen Logistikzentrum, hier wurden neben Waffen und Munition auch Kleidung, Lebensmittel und anderes Material gelagert, hergestellt und umgeschlagen. Die Ortschaft Feeding Hills in der Nähe des Arsenals erhielt ihren Namen wegen der dort für die Armee gezüchteten Rinderherden.

Nach Robert W.D. Ball war die Versorgung durch das Springfield Arsenal eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Kampagnen gegen Howe und St. Leger sowie des Angriffs auf die in Kanada stationierten Gegner im Jahre 1779.

Mit dem Ende des Krieges 1781 wurden die meisten Beschäftigten entlassen, nur wenige Arbeiter verblieben im Arsenal.

1782–1795 1782 beschloss der Kongress, das Springfield Arsenal weiter zu betreiben und zu erweitern. Im gleichen Jahr wurde auch mit dem Bau eines neuen Pulvermagazins für 4.000 Fass Schießpulver begonnen, dieses wurde bis 1842 genutzt.

1786 erfolgte ein Angriff von Farmern auf das Arsenal, um Waffen zu entwenden. Ziel der Farmer war, lokale Gerichte zu besetzen, um diese daran zu hindern, ihre überschuldeten Ländereien zu enteignen. Der Plan wurde rasch von der örtlichen Miliz vereitelt. Um Unruhen vorzubeugen und ihre Position zu legitimieren, legte die Regierung der Vereinigten Staaten eine bereinigte Verfassung vor, die mit ihrer Ratifikation 1788 die vorher bestehenden Konföderationsartikel ablöste. Sie ist als Verfassung der Vereinigten Staaten heute noch gültig.

1794 beschloss die Regierung, die Armeewaffen in Zukunft im eigenen Land herzustellen. Der Beschluss wurde gefasst, weil im Unabhängigkeitskrieg Probleme wegen der uneinheitlichen Bewaffnung aufgetreten waren. In Zukunft sollten genügend standardisierte Waffen produziert werden, um eine stehende Armee auszurüsten. Neben der National Armory, Springfield bestimmte Präsident Washington, dass eine zweite staatliche Waffenfabrik, die Harpers Ferry Armory im Staat Virginia eingerichtet werden sollte.

1795 Beginn der Waffenproduktion Nachdem Kontrollen des Waffenbestandes 1793 gezeigt hatten, dass die Reserven an Musketen ungenügend waren, gab Präsident Washington die Produktion von 7.000 Musketen vom Typ des französischen Modells 1768 „Charleville“ in Auftrag. Da sowohl Springfield als auch Harpers Ferry noch nicht aufgerüstet waren, hatte die Springfield Armory 1795 nur 220 dieser Model 1795 U.S. Flintlock Muskets hergestellt, Harpers Ferry nahm die Produktion erst 1800 auf. Gesamthaft stellte Springfield zwischen 1795 und 1814 etwas über 80.000 dieser Waffen in verschiedenen Varianten her, bei Harpers Ferry waren es zwischen 1800 und 1815 etwa 70.000 Stück.

Neben den beiden staatlichen Herstellern erhielten auch diverse Fremdlieferanten Produktionsaufträge, was dazu führte, dass die Waffen nicht den Vorgaben entsprachen und Mängel aufwiesen. Wegen fehlender Markierung und Herstellerbezeichnung war es nicht möglich, der Ursache dieser Mängel nachzugehen. Es wurde deshalb beschlossen, dass ab 1799 alle Waffen den Namen des Herstellers, eine Seriennummer, die Bezeichnung „U.S.“ und das Abbild des US-Adlers zu tragen hätten. Die ersten Prägestempel mit dem Adler wurden nach den Büchern der Armory am 11. Juni 1799 zum Preis von $ 7,41 erworben.

Gestützt auf die schlechten Erfahrungen forderten das Ordnance Department und der Kongress in einem Gesetz vom 8. Februar 1815, dass in Zukunft sämtliche Waffen nach vorgegebenen Standards gefertigt und ihre Komponenten austauschbar sein müssten. Waffen, die diese Forderungen nicht erfüllten, wurden durch die staatlichen Inspektoren zurückgewiesen. Die Model 1816 U.S. Flintlock Musket wurde somit die erste Standardwaffe der Armee.

Die Springfield Armory beschränkte sich nicht auf die Herstellung von Waffen, sie beschäftigte sich auch mit deren Weiterentwicklung und der Entwicklung von Werkzeugmaschinen zur Serienfertigung ihrer Produkte. So ließ Thomas Blanchard (24. Juni 1788 bis 16. April 1864) als Angestellter der Springfield Armory am 6. September 1819 eine Kopierfräsmaschine patentieren, die die serienmäßige Herstellung von Gewehrschäften und anderen unregelmäßig gestalteten Holzteilen erlaubte und die in der Waffenindustrie weltweit eingeführt wurde. Weitere Entwicklungen waren eine 1822 fertiggestellte Drehbank zur Außenbearbeitung von Gewehrläufen sowie Werkzeugmaschinen zur Serienfertigung von Kleinteilen.

1833 forderte eine Kommission die Einführung einer neuen Waffe in Anlehnung an das französische Modell 1822. Die Produktion lief von 1839 bis 1844, die Muskete wurde als Model 1840 U.S. Flintlock Musket in einer Stückzahl von mehr als 30.000 in Springfield produziert.

Nach dem Entscheid von 1842, die in den Arsenalen lagernden Waffen ab Herstellungsjahr 1831 auf Perkussionszündung umzurüsten, wurden diese ab 1849 in diesem Sinne modernisiert. Dies bedeutete allerdings, dass die Amerikaner im Krieg mit Mexiko 1846 noch vornehmlich auf Steinschloss-Musketen angewiesen waren.

Zwischen 1844 und 1855 wurden in Springfield und Harpers Ferry 275.000 Model 1842 U.S. Percussion Muskets hergestellt. Wie vom Ordnance Department verlangt, waren bei diesen Waffen alle Teile standardisiert und somit austauschbar. Das Modell 1842 war die letzte staatlich hergestellte Muskete mit glattem Lauf und die erste mit Perkussionszündung.

Die ersten Langwaffen mit gezogenem Lauf waren die vom Januar 1857 bis Dezember 1861 hergestellten 47.100 Model 1855 U.S. Percussion Rifle-Musketen. Später wurden diese in etwas geänderter Form als Hauptwaffe im Bürgerkrieg eingesetzt.

Der von 1855 bis 1857 hergestellte Springfield-Model-1855-Pistolen-Karabiner war eine auf dem System der 1855-Rifle-Muskete hergestellte Pistole mit aufsetzbarem Kolben. Vorgesehen war, damit die US-Cavalry und Dragoon-Regimenter zu bewaffnen.

1861–1865 (Sezessionskrieg) Während des ganzen Krieges wurden in der Springfield Armory große Mengen von Schusswaffen bereitgehalten, auch die Produktion war so hoch, dass eine Tageszeitung schrieb:

Mit dem Modell 1861 und Modell 1863 wurde das letzte von der Springfield Armory hergestellte Vorderladergewehr eingeführt. Im Laufe des Sezessionskrieges endete die Zeit der Vorderladergewehre und Hinterlader wie das Sharps-Gewehr oder Repetiergewehre für Metallpatronen, das 16-schüssige Henry-Gewehr und der Spencer-Repetierer hielten ihren Einzug in die Welt des Militärs.

Nach der Zerstörung der Harpers Ferry Armory durch die Truppen der Südstaaten war Springfield der einzige verbliebene staatliche Waffenhersteller, was dazu führte, dass die US-Regierung diverse Großaufträge an Fremdhersteller wie Colt, Hartford und Remington & Sons, Ilion, NY und andere mehr vergab. Bei Kriegsende lagerte die Springfield Armory mehrere hunderttausend Vorderladergewehre ein.

Da kein Geld für die Produktion von modernen Hinterladergewehren vorhanden war, suchte man nach Möglichkeiten, Vorderladergewehre günstig umzubauen. Erskine S. Allin, Waffenmeister (engl. ) in der Springfield Armory ersann eine solche Umrüstung und 1865 wurde ein erster Auftrag zur Abänderung von über 5.000 Musketen im Kaliber .58 an die Springfield Armory vergeben. 1866 wurden zusätzlich 25.000 Waffen auf Hinterladung und ein kleineres Kaliber .50 abgeändert, in der Folge wurden bis 1873 noch 65.000 solcher heute Trapdoor genannter Gewehre und Karabiner neu hergestellt. mini|Die National Armory, Springfield, ca. 1878

Ab 1872 wurde das Trapdoor genannte Gewehr im Kaliber .45-70 Government nach einer Empfehlung durch das vom General Alfred Terry geführte Terry Board eingeführt. Zu bemerken ist, dass General Terry im Feldzug von 1876 gegen die Indianer der direkte Vorgesetzte von George Armstrong Custer war, der bei der Schlacht am Little Bighorn mit seiner 7. US-Kavallerie, auch wegen Nachladeproblemen beim Trapdoor-Karabiner, massakriert wurde.

Die Waffe wurde für 30 Jahre die Standardwaffe von Kavallerie und Infanterie. Sie wurde in den Indianerkriegen und später noch von Sekundärtruppen im Spanisch-Amerikanischen Krieg eingesetzt.

1890–1918 Als erstes Infanteriegewehr der US-Armee in einem modernen kleinen Kaliber wurde 1892 der Krag-Jørgensen-Repetierer im Kaliber .30-40 Krag eingeführt. Die Waffen wurden als Gewehr und Karabiner gebaut. Nach 1905 wurden sie noch zur Truppenausbildung eingesetzt und später ausgemustert.

Das fünfschüssige Model 1903 Rifle Caliber 30-06 Repetiergewehr wurde ab 1905 an die amerikanischen Streitkräften abgegeben und kam im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Springfield täglich 110 Gewehre gebaut, die neben der U.S. Army auch an die Nationalgarde geliefert und in Depots eingelagert wurden. Im April 1917, mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg, wurde die Produktion in der Springfield Armory stark erhöht.