Biederbach (fränkisch: BiedabaR. Schuh: Gunzenhausen, S. 32. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „bidɒbå“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Wolframs-Eschenbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Biederbach hat eine Fläche von 3,790 km². Sie ist in 329 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9669,19 m² haben.
Geografie Das Dorf liegt am Moosach, einem rechten Zufluss des Nesselbachs. Im Westen liegen die Fluren Haßweiher, Steinich, im Südwesten der Seewasen und im Nordosten der Schleifweg, auf dem heute eine Solaranlage steht. 1 km nordöstlich liegt das Waldgebiet Tiefenschlag, südöstlich liegt der Haundorfer Wald. Durch Biederbach verläuft die Kreisstraße AN 12, die in Wolframs-Eschenbach auf die Staatsstraße 2220 trifft (2,6 km nördlich) beziehungsweise zur Kreisstraße AN 59 führt (1 km südlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Merkendorf (1,5 km westlich).
Geschichte Die wohl älteste Nachricht über den Ort stammt aus dem Jahr 1214: Boppo Graf von Wertheim schenkte seinen Besitz von 60 Morgen Land in „Biberbach“, wie der Ortsname damals lautete, dem Kloster Heilsbronn.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 438R. Schuh: Gunzenhausen, S. 32. Zeugen waren die Ortsadeligen Richard und Hermann von Biberbach. Am 12. Juni 1275 veräußerte Konrad Graf von Oettingen den Ort Biberbach mit Einverständnis seiner Gemahlin Agnes, die Biberbach als Mitgift in die Ehe eingebracht hatte, an den Deutschen Orden in (Wolframs-)Eschenbach.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 32. Laut dem Salbuch der Deutschordenskommende Nürnberg aus dem Jahr 1343 gehörten dem Stadtvogteiamt Eschenbach in „Biberach“ 3 Huben, 5 Lehen, 2 Höfe, 9 Hofstätten und 4 Morgen Acker.Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Salbuch 134 (= Gerhard Pfeifer (Bearb.): Die ältesten Urbare der Deutschordenskommende Nürnberg, Neustadt/Aisch 1981, S. 55–78). Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 531. 1362 erhielt das Stadtvogteiamt 2 Gütlein in „Pyberbach“ von Arnolt v. Weitersdorf, Chorherr zu Herrieden durch Tausch mit 2 Gütlein in Mitteleschenbach. 1363 gelangte ein Gut in „Pyberbach“ an das Stadtvogteiamt von Konrad Amman von Weidenbach ebenfalls durch Tausch für ein Lehen in Neuses. 1423 unterstanden dem Deutschen Orden in „Byterbach“ schließlich 6 Höfe, 4 Huben, 6 Lehen, 1 Haus, 2 Güter, 2 Gütlein, 1 Garten und 1 Hirtenhaus.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 32f.
Der Ortsname leitet sich vom gleichlautenden Gewässernamen ab (heute Nesselbach genannt), dessen Bestimmungswort der Biber ist.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für „Biderbach“ 20 Mannschaften verzeichnet: die 7 Höfe und 13 Güter unterstanden alle dem Stadtvogteiamt Eschenbach. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 8. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 730.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Biederbach 20 Anwesen (7 Höfe, 2 Halbhöfe, 2 Gut, 4 Söldengüter, 4 Gütlein, 1 Wirtsgütlein). Das Hochgericht übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Stadtvogteiamt Eschenbach. Bei einem Gut und einem Gütlein gingen die Abgaben an die Eschenbacher Kirche. Neben den Anwesen gab es noch kommunale Gebäude (Schafhaus, Hirtenhaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 839.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 1, Sp. 407.In beiden Quellen werden fälschlicherweise nur 10 Untertansfamilien angegeben. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.
1806 kam Biederbach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Biederbach dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Gerbersdorf und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Gerbersdorf zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Biederbach. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1857 bis 1862 gehörte Biederbach zum Landgericht Gunzenhausen, ab 1862 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und ab 1865 zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gunzenhausen (1879 in Amtsgericht Gunzenhausen umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 979. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 3,792 km².
Am Ende des Zweiten Weltkriegs lag Biederbach tagelang unter Artilleriebeschuss. Die Scheunen von Dörr, Fichtner und Kocher wurden zerstört und andere Gebäude schwer beschädigt.H. Klauss (Hrsg.): Der Landkreis Gunzenhausen, S. 195.
Seit 1972 gehört Biederbach zum Landkreis Ansbach, ein Jahr später wurde es dem Amtsgericht Ansbach und dem Finanzamt Ansbach zugeordnet. Am 1. Mai 1978 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Eingemeindung nach Wolframs-Eschenbach.
Baudenkmäler Ortskapelle Wegkreuz
Bodendenkmäler In der Gemarkung Biederbach gibt es Überreste einer steinzeitlichen Siedlung.
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 Einwohner 126 130 120 127 119 128 125 129 138 134 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 22 20 21 21 Quelle Jahr 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 Einwohner 141 132 140 133 130 120 113 117 115 168 Häuser 20 21 18 Quelle Jahr 1950 1952 1961 1970 1987 2012 2014 2020 Einwohner 163 146 124 117 122 111 96 101 Häuser 19 22 27 Quelle
Religion Der Ort ist römisch-katholisch geprägt und bis heute nach Liebfrauenmünster (Wolframs-Eschenbach) gepfarrt. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt. Im Ort gibt es eine ca. 100 Jahre alte Kapelle, die der Filialkirchenstiftung Biederbach gehört.
Wanderwege Etwa 200 m nördlich von Biederbach verläuft der Rundwanderweg Zwei-Städte-Weg, der die beiden Nachbarstädte Merkendorf und Wolframs-Eschenbach verbindet.
Literatur
Ludwig Gernhardt: Biederbach. In: Gunzenhauser Heimat-Bote, Bd. III, Nr. 31 vom Juli 1931, S. 123 f.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Wolframs-Eschenbach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1214 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach