mini|Enno Bünz, aufgenommen von Werner Maleczek im Jahr 2014. Enno Bünz (* 19. September 1961 in Marne) ist ein deutscher Historiker. Seit Wintersemester 2001/02 lehrt er als Professor für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte an der Universität Leipzig und ist seit 2002 Direktor des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde.

Leben Der gebürtige Schleswig-Holsteiner Enno Bünz studierte von Oktober 1981 bis März 1982 Geschichte und Latein an der Universität Kiel und von April 1982 bis Oktober 1988 Geschichte und Germanistik an der Universität Würzburg. Peter Herde wurde in Würzburg sein akademischer Lehrer. Bünz legte 1988 das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Von 1989 bis 1990 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg im von Klaus Wittstadt geleiteten DFG-Projekt „Kirche Gesellschaft in Mainfranken von der Reformation bis zur neuesten Zeit“. Von April bis August 1991 arbeitete er mit an der Gestaltung der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im Mainfränkischen Museum Würzburg. Anschließend betreute Bünz von September 1991 bis Oktober 1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Ausstellung Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen am Diözesanmuseum Hildesheim.

Er wurde bei Herde in Würzburg mit einer Arbeit über das bedeutende Würzburger Kollegiatstift Haug 1993 promoviert. Zwischen 1993 und 2001 war er wissenschaftlicher Assistent bei Matthias Werner am neu eingerichteten Lehrstuhl für Thüringische Landesgeschichte und Mittelalterliche Geschichte an der Universität Jena. Dort habilitierte er sich 1999 mit einer Arbeit zum Thema Der niedere Klerus im spätmittelalterlichen Thüringen. Studien zu Kirchenverfassung, Klerusbesteuerung, Pfarrgeistlichkeit und Pfründenmarkt im thüringischen Teil des Erzbistums Mainz.Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Enno Bünz: Thüringens Pfarrgeistlichkeit vor der Reformation. In: Historisches Jahrbuch 124, 2004, S. 45–75. Zum Wintersemester 2001/02 folgte Bünz einem Ruf auf den durch eine schwere Erkrankung Wieland Helds seit 1998 verwaisten und erst 1992 wiedereingerichteten Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig, den er seitdem besetzt. Zudem gehört er seit September 2002 als Nachfolger des Kirchenhistorikers Günther Wartenberg dem Direktorium des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde an.

Bünz widmet sich in seiner Forschungstätigkeit der Geschichte der mittelalterlichen Pfarrei. Als Landeshistoriker forscht er schwerpunktmäßig zu Sachsen, Thüringen, Franken und Schleswig-Holstein.

Er ist Mitglied zahlreicher Gremien und Kommissionen, unter anderem der Gesellschaft für fränkische Geschichte, der Historischen Kommission für Thüringen, der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, der Kommission für bayerische Landesgeschichte (außerordentliches Mitglied) und des Kuratoriums der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek. Am 10. Februar 2017 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Bünz ist seit Oktober 2010 Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica und ist seit dem Erscheinen des Heftes 69/1 (2013) Mitherausgeber des Deutschen Archivs für Erforschung des Mittelalters. Er ist außerdem Mitherausgeber der Blätter für deutsche Landesgeschichte und des Neuen Archivs für Sächsische Geschichte.

Forschungstätigkeit mini|Enno Bünz, aufgenommen von Werner Maleczek im Jahr 2017. Bünz’ Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der deutschen und vergleichenden Landesgeschichte (vor allem Sachsen, Thüringen, Franken und Schleswig-Holstein), der Geschichte des Hoch- und Spätmittelalters und der Reformationszeit sowie der Historischen Hilfswissenschaften (insbesondere Diplomatik und Sphragistik). Bünz veröffentlichte mehr als ein Dutzend Monographien und rund sechzig Herausgeberschaften, über 300 Artikel und Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden sowie mehr als 250 kleinere Beiträge in Lexika oder Katalogen.Alexander Sembdner: Zum 60. Geburtstag von Enno Bünz. In: Sächsische Heimatblätter. 68, 2022, S. 76–77, hier: S. 76 (online).

Christentumsgeschichte Mittelalterliche Pfarrei Bünz befasst sich seit Ende der 1980er Jahre mit der Geschichte der mittelalterlichen Pfarrei. Er wurde durch einen Aufsatz von Dietrich Kurze über den niederen Klerus in der sozialen Welt (1974) dazu angeregt.Dietrich Kurze: Der niedere Klerus in der sozialen Welt des späteren Mittelalters. In: Knut Schulz (Hrsg.): Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters. Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag. Köln u. a. 1976, S. 273–305. Bis dahin war das Themengebiet weitgehend unbearbeitet.

Bünz legte einen umfassenden Forschungsüberblick zur großen Forschungslandschaft der Pfarrei im Mittelalter vor. Er stellte darin eine Vernachlässigung der Pfarrbücher fest, „obschon gerade diese Quellen geeignet sind, den Alltag in der Pfarrei zu beleuchten“.Enno Bünz: Die mittelalterliche Pfarrei in Deutschland. Neue Forschungstendenzen und -ergebnisse. In: Nathalie Kruppa unter Mitwirkung von Leszek Zygner (Hrsg.): Pfarreien im Mittelalter. Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn im Vergleich. Göttingen 2008, S. 27–66, hier: S. 64. Die Pfarrei hat er als die „Schnittstelle zwischen Kirche und Welt“ bezeichnet.Enno Bünz: »nichts dann muhe, arbeit, ellend und durftigkeit«. Über die Lage der Pfarrgeistlichkeit im Bistum Würzburg zur Zeit der Reformation. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 62/63, 2001, S. 327–360, hier S. 327. Bünz plädierte für eine stärkere Integration der Kirchengeschichte, Landesgeschichte und Bistumsgeschichte.Anna Sauerbrey: Tagungsbericht. Landesgeschichte im 21. Jahrhundert: Perspektiven – Impulse – Probleme. Tagung zu Ehren von Alois Gerlich aus Anlass seines 80. Geburtstags. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 109/1973, S. 321–324, hier: S. 322 (online).

Mit Gerhard Fouquet organisierte er 2009 eine Frühjahrstagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte über „Die Pfarrei im späten Mittelalter“. Die 2013 in einem Sammelband veröffentlichten Beiträge konzentrieren sich auf die spätmittelalterliche Pfarrei im deutschsprachigen Raum.Vgl. dazu die Besprechungen von Christian Popp in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 74, 2015, S. 444–446 (online); Malte Prietzel in: H-Soz-Kult, 17. September 2014 (online); Anette Löffler in: Church History and Religious Culture 95, 2015, S. 528–530; Kerstin Hitzbleck in: Historische Zeitschrift 305, 2017, S. 204–207; Stephen Mossman in: The English Historical Review 130, 2015, S. 1205–1207; Michele C. Ferrari in: Zeitschrift für Historische Forschung 43, 2016, S. 780–782 (online); Bernard Delmaire in: Francia-Recensio 2014/3 (online); Robert Šimůnek: in: Český časopis historický 112, 2014, S. 159–161 (online); Helmut Flachenecker in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 71, 2015, S. 374–376 (online).

Anlässlich der Verleihung des Romanistik-Preises an Dirk Höhne hielt Bünz 2013 den Festvortrag über die Pfarrei der Stauferzeit aus historischer Sicht. Bis dahin war diese Thematik trotz mehrerer Ausstellungen und umfangreicher Publikationen nicht eingehender gewürdigt worden. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem stauferzeitlichen Süd-, Mittel- und Norddeutschland zeigt Bünz, dass das 12. und 13. Jahrhundert eine bedeutende Formierungsphase für die Pfarrei war.Vgl. dazu die Selbstanzeige von Enno Bünz in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 72, 2016, S. 735–736 (online).

Im Herbst 2015 organisierte Bünz mit Kurt Andermann eine Reichenau-Tagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte mit dem Thema „Kirchenvogtei und adlige Herrschaftsbildung im europäischen Mittelalter“. Die Beiträge wurden 2019 veröffentlicht.Vgl. dazu die Besprechungen von Werner Rösener in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 79, 2020, S. 469–471 (online); Immo Eberl in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 39, 2020, S. 434–435 (online); Alois Niederstätter in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 129, 2021, S. 190–192 (online); Markus Müller in: Zeitschrift für Historische Forschung 48, 2021, S. 331–333 (online); Eric Knibbs in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 77, 2021, S. 866–868 (online).

17 von 1995 bis 2012 publizierte Aufsätze und vier Originalbeiträge zur spätmittelalterlichen Pfarrei wurden 2017 in einem Sammelband gebündelt herausgegeben. Die im Anhang abgedruckte Liste einschlägiger Studien zählt 124 weitere Titel von ihm zur Pfarrei.Vgl. dazu die Besprechung von Wolfgang Zimmermann in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 167, 2019, S. 463–465 (online); Jörg Oberste in: sehepunkte 19, 2019, Nr. 3 [15. März 2019] (online); Andreas Holzem in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 80, 2021, S. 539–541 (online); Michelle C. Ferrari in: Zeitschrift für Historische Forschung 46, 2019, S. 660–661 (online); Stefan Michel in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 90, 2019, S. 383–384 (online); Michael Scholz in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 66, 2020, S. 330–334; Jörg Voigt in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 98, 2018, S. 566–568 (online); Markus Wriedt in: Theologische Literaturzeitung 2019, Nr. 5, Sp. 469–471. Neuere Fallstudien zur Pfarrei entstanden in jüngerer Zeit insbesondere auf Anregung von Wolfgang Petke und Enno Bünz.Christoph Volkmar: Die Pfarrei im Blickfeld der Obrigkeit: Aufsicht und Reform durch Bischöfe, Landesherren und Städte. In: Enno Bünz, Gerhard Fouquet (Hrsg.): Die Pfarrei im späten Mittelalter. Ostfildern 2013, S. 97–130, hier: S. 102 (online). Vgl. exemplarisch die Fallstudien von Bengt Büttner, Die Pfarreien der Insel Rügen. Von der Christianisierung bis zur Reformation. Köln u. a. 2007; Tobias Ulbrich: Päpstliche Provision oder patronatsherrliche Präsentation? Der Pfründenerwerb Bamberger Weltgeistlicher im 15. Jahrhundert. Husum 1998; Julia Sobotta: Die Kirche der verhinderten Reichsstadt. Eine Untersuchung zur Geschichte der Kirchen in Zwickau im Mittelalter, Phil. Diss. masch. Universität Leipzig 2009.

Klöster und Stifte