Das christliche Konzept der , oder auch bezeichnet die hebräische, die griechische und die lateinische Sprache und leitet sich von dem Titulus INRI am Kreuz Christi her, von dem das Evangelium des Johannes berichtet, dass Pontius Pilatus ihn in drei Sprachen schreiben ließ.

Quellen Bereits im 4. Jahrhundert empfahl der Kirchenlehrer Hilarius von Poitiers (315–367) die drei Sprachen als diejenigen, durch die Gottes Wille, die Ankündigung seines Reiches und die Inschrift am Kreuz der Welt überliefert worden seien (Tractatus super psalmos: Instructio psalmorum 15 = CSEL 22, 13).

Wenig später hebt der christliche Dichter Prudentius (348–nach 405) die Ironie des Schicksals hervor, die sich aus dem Befehl des Pontius Pilatus ergibt, am Kreuz Christi eine dreisprachige Inschrift anzubringen; das Christentum habe sich trotz der Kreuzigung Jesu durchsetzen können und werde nun in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache besungen:

Etwa gleichzeitig verstand der Kirchenlehrer Augustinus (354–430) das Hebräische als Symbol für das Gesetz der Juden, das Griechische als das der Weisheit der Heiden und das Lateinische als das des Römischen Reiches:

Aufgegriffen wurde dieses Konzept im Mittelalter durch den Kirchenlehrer Isidor von Sevilla (ca. 560–636), der den drei Sprachen als Erster das Epitheton sacrae gab:

Zu den weiteren Gelehrten, die das Konzept propagierten, zählte auch Hrabanus Maurus (ca. 780–856).

Unterstützt wurde auf diese Weise der sogenannte christliche Hebraismus des Mittelalters, der Rückgriff auf die hebräische Ursprache der Heiligen Schrift in der philologischen Bemühung um deren Deutung. So galt das Hebräische als lingua sacra par excellence: Manche Gelehrte der Neuzeit tragen den Titel professor linguae sacrae, das heißt, des Hebräischen. Der Tübinger Professor für Hebräische Sprache Michael Beringer steigerte das Konzept in seiner Oratio de sancta lingua Hebraea (Tübingen 1599) noch durch die Behauptung, Hebräisch sei die älteste Sprache Adams und Evas gewesen und von Gott gesprochen worden, der Messias werde diese Sprache sprechen; daher sei das Studium des Hebräischen auch ein wichtiges Instrument der Judenmission.

Während das Griechische als Sprache des Neuen Testaments den zweiten Rang erhielt, wurde das Lateinische, obwohl es nicht ursprünglich Sprache der Heiligen Schrift war, als dritte Sprache in den Kanon aufgenommen, nicht allein wegen der Erwähnung im Evangelium des Johannes, sondern auch wegen des Status, den die lateinische Bibelübersetzung und das Lateinische als Sprache der Liturgie im Mittelalter erlangt hatten.

Gegenbegriffe Gegenbegriffe zu lingua sacra sind lingua vernacula, lingua vulgaris, lingua barbara oder barbarica, lingua rustica. Gemeint ist die jeweilige Landes- oder Nationalsprache. Deren Verwendung als Literatursprache wurde durch das Konzept der drei heiligen Sprachen bis in die Renaissance hinein unterdrückt oder behindert.

Examina Auf das Konzept der drei heiligen Sprachen geht nach der Erneuerung hebraistischer Studien durch Johannes Reuchlin letztlich auch die Trias der examina Hebraicum, Graecum, Latinum sowie die Prüfung im Bibelgriechischen im Schul- und Hochschulwesen des deutschsprachigen Raums zurück.

Einrichtungen

Eine der ersten Einrichtungen zum Studium der drei heiligen Sprachen war das 1517 auf Veranlassung des luxemburgischen Humanisten Jérôme de Busleyden (lateinisch: Hieronymus Buslidius) gegründete Collegium Trilingue in Löwen. Gegenwärtig ist das Theologisch-propädeutische Seminar Ambrosianum in Tübingen eine Einrichtung dieser Art.

Literatur

Friedrich Paulsen: Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart. Mit besonderer Rücksicht auf den klassischen Unterricht. 2 Bde., Veit/Metzger & Wittig, Leipzig 1885.

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