Die Sturzbach-Gämswurz (Doronicum cataractarum) ist eine nur auf der Koralpe vorkommende Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler.
Merkmale Die Sturzbach-Gämswurz ist ein Hemikryptophyt. Sie wird mindestens 80 cm hoch und kann 130 cm erreichen. Sie bildet keine Ausläufer. Das Rhizom ist verholzt und leicht bis stark behaart.Ines Alvarez Fernandez: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). Annals of the Missouri Botanical Garden, Band 90, 2003, S. 319–389. Die Grundblätter sind zur Zeit der Blüte vorhanden. Ihre Spreite ist 10 bis 20 cm breit, dabei meistens etwas länger als breit. Der Spreitengrund ist herzförmig. Die Blattoberseite ist kahl, die Unterseite ist mit sehr kurzen Haaren und mit kurz gestielten Drüsen besetzt. Die Blätter erinnern an die der Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Der Blattstiel ist ein- bis zweimal so lang wie die Spreite. Die Stängel sind unten kahl oder spärlich behaart. Sie tragen meist vier bis zehn Blütenkörbe. Diese haben einen Durchmesser von 4 bis 8, selten bis 10 cm. Blütezeit ist Juli bis September. Die Frucht der Zungenblüte trägt keinen Pappus, lediglich die Früchte der Röhrenblüten haben einen Pappus.
Die Chromosomenzahl ist 2n = 60.Wolfgang Rabitsch, Franz Essl: Endemiten - Kostbarkeiten in Österreichs Pflanzen- und Tierwelt. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten und Umweltbundesamt GmbH, Klagenfurt und Wien 2009. ISBN 978-3-85328-049-2, S. 123f.
Verbreitung und Standorte Die Sturzbach-Gämswurz ist ein Endemit der Koralpe in Österreich und kommt zwischen dem Großen Speikkogel im Süden und dem Weißwasserbach im Norden vor. Sie findet sich dabei in der obermontanen bis unteralpinen Höhenstufe, von 1480 bis 1830 m Seehöhe, nur im Rassinggraben steigt sie bis etwa 1270 m herunter.
Die Hauptvorkommen der Art sind subalpine und alpine Hochstaudenfluren. Nebenvorkommen gibt es in Grünerlen-Gebüschen, in staudenreichen Hochgebirgsrasen, in basenreichen und kalkarmen Quellfluren der Hochlagen. Sie benötigt ständig durch kaltes Wasser überrieselte Standorte. Daher kommt sie vor allem in feuchten bis nassen Hochstaudenfluren vor, bevorzugt über Gneis. Sie wächst auch häufig zwischen Gneisblöcken an Bachufern.
Gefährdung und Schutz Die Art gilt in Kärnten und österreichweit als potenziell gefährdet, in der Steiermark als stark gefährdet. Gefährdungsursachen sind neben intensiver Weidewirtschaft das Ausgraben und Abpflücken von Pflanzen.
Die Sturzbach-Gämswurz ist in der SteiermarkVerordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 14. Mai 2007 über den Schutz von wild wachsenden Pflanzen, von Natur aus wild lebenden Tieren einschließlich Vögel (Artenschutzverordnung), LGBL. Nr. 40/2007 und in KärntenVerordnung der Kärntner Landesregierung vom 30. Jänner 2007, Zl. 15-NAT-81/16/2007, über den Schutz wildwachsender Pflanzen (Pflanzenartenschutzverordnung), LGBl. 9/2007 (pdf) vollkommen geschützt. Die Standorte der Sturzbach-Gämswurz liegen zumindest teilweise in den Naturschutzgebieten Seekar-Bärental auf steirischer, abgerufen am 20. August 2010. und Koralmkar auf Kärntner SeiteHelmut Hartl, Hans Sampl, Ralf Unkart: Kleinode Kärntens. Nationalparks, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt 1993, ISBN 3-85391-092-0, S. 194..
Systematik Doronicum cataractarum wurde 1925 von Felix Josef Widder erstbeschrieben.F. J. Widder: Eine neue Pflanze der Ostalpen — Doronicum (Subsectio Macrophylla) cataractarum und ihre Verwandten. Repert. Spec. Nov. Regni Veg. 22: 113–184. Sie ähnelt morphologisch am meisten Doronicum austriacum, innerhalb deren Areal sich ihr Areal auch befindet. In einer molekulargenetisch-morphologischen Studie zur Gattung Doronicum war die Art nicht vertreten.Ines Alvarez Fernandez, Javier Fuertes Aguilar, Jose L. Panero, Gonzalo Nieto Feliner: A Phylogenetic Analysis of Doronicum (Asteraceae, Senecioneae) Based on Morphological, Nuclear Ribosomal (ITS), and Chloroplast (trnL-F) Evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution, Band 20, 2001, S. 41–64.
Belege Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9 (Merkmale).
Einzelnachweise
Weblinks Foto und Verbreitungskarte Thomas Meyer, Michael Hassler: Mittelmeer- und Alpenflora.
Kategorie:Gämswurzen Kategorie:Alpenflora Kategorie:Endemische Pflanze Österreichs