Mosbach [] ist eine Mittelstadt im Norden Baden-Württembergs, etwa 25 km nördlich von Heilbronn und 35 km östlich von Heidelberg. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Neckar-Odenwald-Kreises sowie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. Juli 1976 ist Mosbach Große Kreisstadt. Sie gehört zum Regierungsbezirk Karlsruhe, zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar und ist Sitz einer Dualen Hochschule.

Im Hoch- und im Spätmittelalter war Mosbach eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.

Geographie Lage Mosbach liegt an den südlichen Ausläufern des baden-württembergischen Odenwaldes an der Grenze zum Bauland im Tal der Elz, eines rechten Nebenflusses des Neckars, kurz vor deren Mündung im Stadtteil Neckarelz. Die Stadt gehört zum Naturpark Neckartal-Odenwald und zum UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Die Höhenzüge um die Kernstadt sind der Hardberg und der Henschelberg.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Mosbachs besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Diedesheim, Lohrbach, Neckarelz, Reichenbuch und Sattelbach. Zum Stadtteil Diedesheim gehört der Weiler Schreckhof. Zum Stadtteil Lohrbach gehören die Häuser Haus Ilse, Mühle und Tannenhof. Zur Kernstadt Mosbach gehören das ehemalige Dorf Nüstenbach, die Siedlungen Bergfeld und Waldstadt, der Weiler Hardhof, der Ort Johannes-Diakonie der Inneren Mission und das Gehöft Knopfhof.

Im Gebiet der Kernstadt liegen die Wüstungen Buttersheim und Hasbach. Beide Orte wurden 1363 abgebrochen und die Bewohner nach Mosbach umgesiedelt. Im Stadtteil Sattelbach liegen die Wüstungen Wüsthausen und Rohrbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 290–295.

Nachbargemeinden Die folgenden, alle zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Mosbach: Limbach, Fahrenbach, Elztal, Billigheim, Neckarzimmern, Haßmersheim, Obrigheim, Binau, Neckargerach und Waldbrunn. Mit den Gemeinden Elztal, Neckarzimmern und Obrigheim hat die Stadt die Verwaltungsgemeinschaft Mosbach vereinbart.

Raumplanung mini|Die Waldstadt, von der Neckarseite her nur durch den die Baumwipfel überragenden Kirchturm erkennbar

Mosbach bildet ein Mittelzentrum im Bereich der Oberzentren Heidelberg und Heilbronn. Zum Mittelbereich Mosbach gehören neben Mosbach die Städte und Gemeinden Aglasterhausen, Billigheim, Elztal, Fahrenbach, Haßmersheim, Hüffenhardt, Limbach, Neckarzimmern, Neunkirchen, Obrigheim, Schefflenz und Schwarzach. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit dem benachbarten Mittelzentrum Eberbach hinsichtlich der Gemeinden Binau, Neckargerach, Waldbrunn und Zwingenberg.

Eberbach ist in rund 25 km Entfernung nach Norden hin – im Neckartal – das benachbarte Mittelzentrum. Nach Nordosten hin ist es Buchen (knapp 30 km). Nach Osten hin ist die Bevölkerungsdichte am geringsten, und kleine Städte wie Adelsheim (25 km) und Osterburken (knapp 30 km) haben schon gewisse Zentrumsfunktion. Erst in über 60 Kilometern Entfernung gibt es mit Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim wieder Städte in vergleichbarer Größenordnung wie Mosbach. Mit dem ebenfalls deutlich kleineren und knapp 25 km entfernten Möckmühl besteht eine Einzugsbereichsgrenze hinsichtlich der Gymnasien in beiden Orten. Nach Süden hin stellt sich die Situation anders dar. Dort gibt es nur etwas mehr als 20 Kilometer entfernt mit Bad Friedrichshall und Bad Rappenau zwei Städte mit rund 20.000 Einwohnern, die jedoch durch die Nähe zum Oberzentrum Heilbronn (rund 30 km von Mosbach entfernt) von geringerer raumordnerischer Bedeutung sind. In südwestlicher Richtung liegt das 30 Kilometer entfernte Sinsheim, welches mit 35.000 Einwohnern bereits merklich größer ist als Mosbach. Im Westen stellt Heidelberg in 45 Kilometern Entfernung das neben Heilbronn zweite relevante Oberzentrum dar.

Geologie mini|Muschelkalkaufschluss am Stadtgarten

Die Stadt ist auf Muschelkalkablagerungen der Trias erbaut. Aus jenem Zeitalter stammen auch die Gipsablagerungen, die sich im Flachmeer des Germanischen Beckens bilden konnten. Nur wenige Kilometer nördlich der Kernstadt von Mosbach erreicht jedoch schon der ältere Buntsandstein, durch den die Aufschlüsse an den Neckarhängen zwischen Mosbach und Heidelberg ihr charakteristisches rotes Aussehen bekommen, die Oberfläche. Schon der heutige Stadtteil Lohrbach liegt auf Buntsandstein. Die Eigenarten des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes sind in der Region folglich gut sichtbar.Geschützte und schutzwürdige geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe: Henschelberg SE Hang, Mosbach (PDF; 5,8 MB)Geschützte und schutzwürdige geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe: Ehem. Steinbruch an Straße Mosbach-Sulzbach, Mosbach (PDF; 5,8 MB)Geschützte und schutzwürdige geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe: Felswand an Straße Mosbach-Sulzbach, Mosbach (PDF; 5,8 MB) In Richtung der Nachbargemeinde Binau liegt der Übergang zum Buntsandstein an der Ludolfsklinge, welche auch den Schreckberg mit dem Schreckhof nach Norden hin abschließt. Auf dem Buntsandsteingrundgestein staut sich im Muschelkalk des Schreckberges Wasser und tritt am Fuß des Schreckberges zu Tage. Unmittelbar an der Bundesstraße 37 am Eingang zur Ludolfsklinge bildet sich dadurch am so genannten „Eselstrog“ – einem NaturdenkmalLandesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz in Baden-Württemberg; Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe; 19. Kalktuffbildung an B 37 NW Mosbach/Diedesheim (PDF; 5,8 MB) – Kalktuff: das karbonatreiche Wasser gibt bei seinem Austritt aus dem Berg den gelösten Kalk wieder ab, wodurch neues, sehr schroff aussehendes Gestein entsteht.

mini|„Eselstrog“ an der B 37

Klima Der Oberrheingraben und die Bergstraße sind mit die wärmsten Regionen Deutschlands. Die räumliche Nähe zu diesen Regionen findet im Klima Mosbachs allerdings keinen Widerhall. Der Odenwald bewirkt ein deutlich kühleres Klima und – besonders auffällig – in den Wintermonaten im Vergleich zum Deutschlandmittel fast doppelt so große Niederschlagsmengen. Am ausgeprägtesten zeigen diese Effekte sich aber nicht in Mosbach, sondern in den höher gelegenen Gebieten des Odenwaldes – wie dem „Winterhauch“ am Fuße des Katzenbuckels, die mit einer weitaus größeren Schneesicherheit im Winter aufwarten als Mosbach.

600px Niederschlagsmittelwerte von 1961 bis 1990 an der DWD-Station in Mosbach-Diedesheim. Die entsprechenden Werte für ganz Deutschland sind zum Vergleich mit angeführt.

Neckar Die beiden Stadtteile Neckarelz und Diedesheim waren in der Vergangenheit wiederholt von Neckarhochwassern betroffen. Relevant für den Bereich Mosbachs ist der Pegel Gundelsheim. Der HMO-Meldewasserstand ist 3,40 Meter. Bei einem Pegelstand von 5,40 Metern beginnt der Neckar bei Neckarelz über die Ufer zu treten. Davon betroffen sind als erstes die Parkplätze unter der Stelzenbrücke der B 27. Ab einem Pegelstand von 7,10 Metern sind die ersten Anrainerhäuser betroffen. Beim Rheinhochwasser 1993 erreichte der Pegel Gundelsheim einen Höchststand von 8,95 Metern.

Die Elz stellt für die Kernstadt ein geringeres Hochwasserrisiko dar. Ausgeschlossen sind Hochwasserschäden jedoch nicht, so verursachte das Hochwasser 1993 erhebliche Schäden bei den unmittelbar benachbarten öffentlichen und privaten Gebäuden. Die Gefahr durch Starkregenereignisse ist für die Kernstadt wesentlich höher.

Geschichte

Prähistorie In und um Mosbach wurden eine Reihe Fossilien gefunden. Durch die besondere geologische Lage (vergleiche Abschnitt Geologie) traten sowohl Buntsandsteinfossilien wie Chirotherien als auch Muschelkalkfossilien – wie zum Beispiel der Mixosaurus – zu Tage. Die Region um Mosbach zählt neben Thüringen und Mainfranken zu den Hauptgegenden solcherlei Funde. Auch aus dem bereits von Säugetieren dominierten Quartär gibt es prähistorische Zeugnisse. So zählt das Stadtmuseum Mosbach neben den oben erwähnten Funden aus dem Tertiär auch Mammutbackenzähne zu seinen Ausstellungsstücken. Dieser Fundreichtum führt mitunter zu der Fehlinterpretation, dass das Mosbacher Pferd und der Mosbacher Löwe nach Mosbach (Baden) benannt und auch dort gefunden wurden. Sämtliche Fossilienfunde mit „Mosbach“ im Namen wurden jedoch nach dem ehemaligen Dorf Mosbach zwischen Wiesbaden und Biebrich in Hessen benannt, das 1926 zusammen mit Biebrich in Wiesbaden eingemeindet wurde. Auch die Mosbacher Sande sind nach dem früheren hessischen Dorf Mosbach benannt.Marco Lichtenberger: Saurier aus dem Odenwald JSV, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-938973-04-2

Erste Besiedlung mini|Eine Karte der mittelalterlichen Diözesen am Oberrhein, die Mosbach als Teil des Bistums Würzburg zeigt

Zur Zeit der Römer verlief im 2. Jahrhundert nach Christus der Neckar-Odenwald-Limes in der Nähe des heutigen Stadtgebietes durch das heutige Neckarburken. In moderner Zeit konnten dort zwei Kastelle von Neckarburken freigelegt werden. Auf dem Stadtgebiet Mosbachs im Stadtteil Diedesheim bestand vermutlich ein Gutshof („Villa rustica“), dessen landwirtschaftliche Produktion wohl zur Versorgung dieser Kastelle beitrug. Von diesem Hof zeugt eine 1986 entdeckte Jupitergigantensäule.Zu der Jupitergigantensäule siehe Egon Schallmayer: Die Jupitergigantensäule aus Mosbach-Diedesheim, Neckar-Odenwald-Kreis. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 1986, Jahrgang 15, Nummer 4, S. 137–141; doi:10.11588/nbdpfbw.1986.4.14038 (Open Access).

Vorurkundliche Geschichte Für die Zeit vor dem 9. Jahrhundert sind viele historische Fragen ungeklärt. So gibt es Berichte im Grenzbereich zur Legende, wonach Mosbach um das Jahr 450 von den Hunnen zerstört worden seiHeidelberger Jahrbücher der Literatur. 1855, S. 183 (Schriften der Alterthumsvereine in Wirtenberg und Baden); books.google.de und dass Mosbach im Jahre 634 von dem Merowinger Dagobert I. an die Kraichgaugrafen verkauft worden sei (vergleiche die Sage um Notburga von Hochhausen).

Auch die frühmittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse im Gebiet um Mosbach sind wenig erforscht. Eine frühe Zentralfunktion könnten das abgegangene Hartheim und der von dort aus gegründete heutige Mosbacher Stadtteil Lohrbach gehabt haben. Lohrbach wurde 765 erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg Lohrbach wurde zwischen 900 und 1000 erbaut. Die Siedlung Mosbach entstand um das Benediktinerkloster Monasterium Mosabach herum. Einer nicht unwahrscheinlichen, jedoch historisch auch nicht gesicherten These zufolge wurde das Kloster 736 vom Heiligen Pirminius als Teil des Bistums Konstanz gegründet. Vier Benediktinerklöstern war von der fränkischen Zentralgewalt (Karolinger) die Aufgabe zugewiesen, das unbesiedelte Waldgebiet Odenwald zu erschließen, das Kloster Lorsch von Westen her, das Kloster Fulda von Norden, das Kloster Amorbach von Osten und eben das Kloster Mosbach von Süden.

Mönche dieses Klosters wurden im 9. Jahrhundert (825 oder 826) erstmals urkundlich erwähnt. Als Siedlung erscheint Mosbach urkundlich erstmals 976. Der Ortsname Mosbach scheint dabei nicht auf ein Gewässer dieses Namens zurückzugehen, sondern seine ursprüngliche Endung war wie bei weiteren auf -bach endenden Ortsnamen dieser Gegend vielmehr wohl -buoch und bezeichnete damit zunächst einen (Buchen-)Wald, was zur Gründungsgeschichte der systematischen Klostergründungen im Odenwald passt.Hans-Joachim Dohmeier: Warum Mosbach nicht am Mosbach liegt. In: Mosbacher Jahresheft 2003, S. 10–15.

Reichsstadt 1241 bis 1362 mini|Teil der erhalten gebliebenen Stadtmauer inklusive eines Wachturmes (Aufnahme um 2008)