First and Last and Always ist das Debütalbum der britischen Band The Sisters of Mercy. Es wurde 1985 veröffentlicht und wirkte im Bereich des Gothic Rock stilbildend auf eine Reihe von nachfolgenden Bands.
Vorgeschichte (1980–1984) Die Band war 1980 von Andrew Eldritch und Gary Marx in Leeds gegründet worden und hatte bis 1983 fünf Singles und eine EP produziert, die auf dem bandeigenen Label Merciful Release veröffentlicht und unabhängig vertrieben wurden. Da die Band zunehmend erfolgreich wurde und regelmäßig in den Independent-Charts auftauchte, wurde 1983 für das kommende Jahr das erste Studioalbum geplant. Eldritch schätzte die Produktionskosten auf 40.000 Pfund,Ralf Niemczyk: Plus-Minus Null – Sisters Of Mercy (in: SPEX-Magazin Oktober 1983, Seite 5) eine Summe, die die finanziellen Möglichkeiten einer Independentband überstieg. Zeitgleich begannen Gespräche mit Major-Labeln, die Interesse zeigten die Band unter Vertrag zu nehmen.
Im Oktober 1983 stieg Gitarrist Ben Gunn aus und wurde gegen Jahresende durch Vermittlung von CBS Records, die Interesse an den Sisters of Mercy hatten, durch den ehemaligen Dead-or-Alive-Gitarristen Wayne Hussey ersetzt.
Hussey bemerkte allerdings schnell, dass es in der Band ernsthafte Spannungen gab: „Ich begann mit Craig und Gary im Keller von Andys Haus zu proben […] wir probten sehr viel, aber nie zusammen mit Andrew. […] Gary wurde desillusioniert, und nachdem ich etwa drei Wochen in der Band war, fragte er mich ob ich mit ihm und Craig zusammen aussteigen wolle. Ich glaube von da an habe ich die Band mehr oder weniger zusammengehalten.“Martin Roach, Neil Perry: The Mission – Names Are For Tombstones Baby (Independent Music Press 1993, Seite 20)
Eldritch, der im Alleingang die Geschäfte und das Management der Band betrieb, verhandelte zu Jahresbeginn mit verschiedenen Major-Labeln und schloss schließlich einen zufriedenstellenden Vertrag mit WEA Records ab. Merciful Release eröffneten ein Büro in London und einen eigenen Musikverlag Candelmaesse Limited,beide 19 All Saints Road, London W11 der die zukünftigen Songs an den Musikverlag von RCA Records, RCA Music Limited, lizenzierte.
Das neue Band-Lineup spielte sein Debütkonzert am 7. April 1984, Jayne Houghton. Mercy Me (in: ZigZag-Magazin Mai 1984) bei dem die neuen Songs Body and Soul, Train und Walk Away vorgestellt wurden, danach gingen die Sisters bis zum 16. April auf eine kurze US-Tour.
Nach der Rückkehr schrieb Eldritch einen Song namens Wide Receiver, der von einem Begriff aus dem American Football inspiriert worden war und den er als Heimdemo, auf dem er Gitarre und Bass selbst einspielte, aufgenommen hatte. Information von Gary Marx (auf: MyHeartland.co.uk Webseite 18. November 2003) Der rudimentäre Song wurde zwar letztlich nicht verwendet, Eldritchs Solo-Demoaufnahme fand sich aber Anfang 1992 auf einem Bootlegalbum wieder. Eintrag auf Discogs.com-Webseite
In den Strawberry Recording Studios in Stockport nahm The Sisters of Mercy schließlich ihre erste Single für WEA (Body and Soul) auf, die komplett von Eldritch komponiert und produziert wurde und am 4. Juni 1984 erschien. Body and Soul schaffte es nicht in die Top 40 und blieb auf Platz 46 hängen.
Vom 2. Mai bis zum 6. Juni tourte die Band in Großbritannien und in Europa und studierte auch ein neues Stück ein, das Gary Marx komponiert hatte und das er später bei Ghost Dance verwendete. Marx: „Der Song hieß 'Surfing Glam', der Name bezog sich mit Sicherheit auf den Gitarrenstil […] Dieser Song, aus dem dann 'Where Spirits Fly' wurde, war nichts weiter als ein Instrumentalstück, mit dem wir bei Soundchecks herumexperimentierten, und wir hatten noch nicht einmal vor, das als Demo aufzunehmen“., 2. September 2010)
Auf Vermittlung durch WEA Records besuchte Cure-Produzent Dave Allen das Konzert in Amsterdam (2. Juni 1984), um die Band kennenzulernen, und erhielt später von Andrew Eldritch ein Telegramm mit der Mitteilung: „Die Sisters sagen ja zu Dave Allen.“Information von Produzent Dave Allen (Sound-Seminar im The Woodmill, London, 29. August 2010)
Nach Tourende begannen die Sisters sich ernsthaft auf die Studioaufnahme des Albums vorzubereiten. Zunächst ging man am 19. Juni 1984 in die Londoner Maida Vale Studios, um für eine John Peel Session auf BBC Radio 1 einige neue Songs einzuspielen. Eleanor Levy: Bad Habits (in: Record Mirror-Magazin Juni 1984) Die Session wurde am 13. Juli ausgestrahlt, Eintrag BBC-Webseite als sich The Sisters of Mercy bereits im Studio befanden.
Aufnahmesessions Demosessions Parkside Studios (Frühjahr 1984) Gary Marx und Wayne Hussey gingen nach intensiven Songwriting-Sessions in die Parkside Studios,Parkside Studios, seit 2006 The Rock and Roll Circus (44 Canal Road, Leeds LS12) einem „kleinen Studio in einem Proberaumkomplex in der Nähe der Armley Road, wo ich mit Wayne am Gesang ein paar neue Demos aufnahm.“ Die Aufnahmen wurden von Toningenieur Steve Allen produziert.
Eldritch zeigte sich enthusiastisch über das neue Songmaterial und spielte dem Melody-Maker-Journalisten Adam Sweeting einige instrumentale Demos vor: „Ich glaube diese Sachen werden unglaublich, was wir bisher gemacht haben ist damit überhaupt nicht zu vergleichen.“ Adam Sweeting: Ballad of a Thin Man (in: Melody Maker-Magazin, Herbst 1984)
Strawberry Recording Studios (Juni bis Juli 1984) Mit dem Produzenten Dave Allen ging The Sisters of Mercy Ende Juni 1984 für fünf Wochen in die Strawberry Recording StudiosStrawberry Recording Studios (3 Waterloo Road, Stockport SK1), geschlossen 1993 in Stockport bei Manchester, um ihr erstes Album aufzunehmen. Allein die Studionutzung kostete dabei 500 Pfund pro Tag bzw. 3250 Pfund pro Woche, Liste Studio Rates 1985 Eldritch verbrachte die ganzen fünf Wochen rund um die Uhr im Studio und betrieb laut Dave Allen täglichen Amphetaminmissbrauch in erheblichem Ausmaß.Information von Produzent Dave Allen (Sound-Seminar im The Woodmill, London, 29. August 2010)
In Stockport wurden die instrumentalen Backingtracks und die Gesangs-Takes für das Album aufgenommen. Für zusätzliche Gesangsaufnahmen, Overdubs und die Endabmischung wollte man im August ins Genetic Studio gehen. Die Veröffentlichung des fertigen Albums war für die dritte Oktoberwoche 1984 geplant.Serpent's Kiss! (in: Spiral Scratch-Magazin Januar 1989)
Die Band begann sofort mit den Aufnahmen, wobei Hussey und Marx oft sogenannte Guide Vocals aus eigenen Texten anfertigten, provisorische Gesangs-Takes, die dem Sänger bei seinen eigenen Aufnahmen später zur Orientierung dienen sollten und von denen einige auf Bootlegs auftauchten. Sowohl Hussey als auch Marx verwendeten einige dieser Songtexte später bei ihren Bands The Mission und Ghost Dance.
Eine erste Version von First and Last and Always, das laut Gary Marx „ursprünglich 'The Scottish One' hieß“, wurde „so ziemlich am Anfang fertiggestellt“. Information von Gary Marx (auf: MyHeartland.co.uk Webseite 20. Oktober 2004) Marx sang dazu einen frühen Entwurf des späteren Ghost-Dance-Songtextes zu When I Call, in dem der Name einer Freundin der Band aus Hamburg, Marianne, vorkommt.Alf Burchardt: Im Takte des Doktors (in: SPEX-Magazin November 1984, Seite 23)
Zu Nine While Nine, das laut Marx „etwa zur selben Zeit aufgenommen“ wurde und „den provisorischen Titel 'Child of Light'“ hatte, Information von Gary Marx (auf: MyHeartland.co.uk Webseite 20. Oktober 2004) sang Gary Marx ursprünglich einen Text, den er später bei Ghost Dance für den Song A Deeper Blue wiederverwendete.
Black Planet hingegen existierte zuerst in einer Version, zu der Wayne Hussey einen eigenen Text sang, den er später teilweise für die Mission-Songs Dance on Glass und Naked and Savage verwendete.
Zusätzlich aufgenommene Songs, die letztendlich nicht verwendet wurden, waren der spätere Mission-Song Garden of Delight und der spätere Ghost-Dance-Song Yesterday Again. Gary Marx: „Die Sisters ohne Eldritch haben in der Tat eine Version des Songs, der später 'Yesterday Again' wurde, im Strawberry Studio aufgenommen. Er hieß ursprünglich 'Frail and Torn', und Wayne hat eines Nachmittags meinen halbfertigen Text eingesungen, zusammen mit einem ersten Entwurf von 'Garden of Delight'. 'Frail and Torn' nannten wir scherzhaft eine potenzielle Sisters-Weihnachtssingle.“
Eldritch fertigte später eine eigene Version von Garden of Delight an, für die sich aber ebenfalls keine Verwendung fand: „Es gibt ein paar Bootlegs, auf denen ich versuche Texte von Wayne zu singen, und man kann hören, daß ich das nicht überzeugend interpretieren kann. Ich kann da einfach keinen Sinn hineinbringen.“Andrew-Eldritch-Fernsehinterview (ZTV, Schweden 1993) „Der Typ hatte einfach überhaupt keine Ahnung, der hat nur irgendwelche Schlagworte aneinandergereiht.“ Steve Sutherland: His Master's Voice (in: Melody-Maker-Magazin 5. September 1987)
Die Aufnahmen zogen sich zur Frustration der Band dahin, da Eldritch immer noch an Songtexten arbeitete. Gary Marx: „Er hatte sich zu sehr mit der geschäftlichen Seite beschäftigt und darüber seine Kreativität eingebüßt. Wir verschwendeten Wochen im Studio darauf zu warten, daß er sich ein paar Texte einfallen ließ. Das war sehr ärgerlich und sehr teuer.“
Eine Ausnahme war Marian. Eldritch ließ sich von Gary Marx’ Originaltext zu First and Last and Always inspirieren und verfasste einen neuen Text für eine Wayne Hussey-Komposition, der teilweise in deutscher Sprache gehalten wurde: „'Marian' ist ein sehr spezielles Lied, es ist nicht wie die anderen Stücke. Dieses Lied wurde in zehn Minuten geschrieben, normalerweise brauche ich ein halbes Jahr für die Texte.“Markus Hartmann: ...and the wind blows wild again... (in: Zillo-Magazin November 1990, Seite 12)
Eldritch zeigte sich bei den Gesangsaufnahmen als übermäßig sorgfältig. Marx: „Nach jedem Take meinte Andy 'Ist es auch wirklich grandios?' Und wir meinten dann 'Klar, Andy, das war toll!' Und er machte dann alles noch mal. Andy ist ein totaler Perfektionist.“ Gary-Marx-Interview (Rise and Reverberate-Fanzine Ende 1984) „Man hätte ein Doppelalbum komponieren und aufnehmen können in der Zeit, die er dazu brauchte, einen Headphone-Mix einzustellen, mit dem er zufrieden war.“
Ende Juli 1984 waren die Aufnahmen beendet und die Band hatte 18 Songs auf zehn Analog-Masterbändern in Rohabmischung fertiggestellt:Liste abgebildet in der Hülle der CD-Wiederveröffentlichung 2006 Rolle 1: Tones / No Time to Cry Rolle 2: Emmaunveröffentlicht, die später als B-Seite der Single Dominion erschienene Version wurde im Januar 1988 aufgenommen / Walk Away Rolle 3: Poison Door / A Rock and a Hard Place Rolle 4: First and Last and Always (LP-Version) / First and Last and Always (Japan-Version)gelistet unter dem provisorischen Titel Scottish One A bzw. Scottish One B Rolle 5: Possession / Spit on Your Grave / Evil Come Evil Go Rolle 6: Mariangelistet unter dem provisorischen Titel Marianne / Wide Receiver Rolle 7: Nine While Nine Rolle 8: Some Kind of Strangergelistet unter dem provisorischen Titel Little Wing Rolle 9: Some Kind of Stranger (Early)gelistet unter dem provisorischen Titel Andy’s Little Wing Rolle 10: Down to E..... / On the Wire
Bei Tones, Spit on Your Grave, Evil Come Evil Go und Down to E..... handelt es sich laut Dave Allen um provisorische Titel für bekannte Songs. Amphetamine Logic dagegen hatte laut Gary Marx den provisorischen Titel Horned One Stabs, was darauf hindeutet, dass dieser Song nicht aus den Strawberry-Sessions stammte, sondern erst später aufgenommen wurde.
Anfang August 1984 flog die Band für drei Auftritte in die USA.
Genetic Studios (August bis September und November 1984)