Die Wirtschaft Irlands ist stark exportabhängig, wichtige Handelspartner sind die USA und das Vereinigte Königreich. Bis 2008 gab es in Irland ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Irland wurde von den Folgen der Finanzkrise 2008 auf die Realwirtschaft stärker getroffen als andere Volkswirtschaften.

2015 wuchs das irische Bruttoinlandsprodukt um 7,8 %, womit Irland das stärkste Wirtschaftswachstum eines EU-Staates und das sechstgrößte Wirtschaftswachstum der Welt hatte.Statista: Die 20 Länder mit dem größten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2015 (gegenüber dem Vorjahr)

Wirtschaftsstruktur Finanzwirtschaft

Bankensektor Das Finanzsystem wird dominiert durch die Bankengruppe Allied Irish Banks, die Bank of Ireland, die Ulster Bank (Tochterunternehmen der Royal Bank of Scotland Group) und die National Irish Bank (Tochterunternehmen der Danske Bank). Die Irish Life and Permanent ist im Bankgeschäft und auch im Versicherungsgeschäft bedeutend.

Börse An der Euronext Dublin in Dublin sind rund 50 Unternehmen gelistet. Der Leitindex der Volkswirtschaft ist der ISEQ Overall Index, welcher vom ISEQ 20 ergänzt wird.

Staatsfonds Der irische Staat verfügt über den Ireland Strategic Investment Fund, den Staatsfonds des Landes.

Luftfahrt Irland ist seit den 1970ern ein weltweites Zentrum für das Flugzeugleasing und die Finanzierung von Flugzeugen. Beispielsweise verfügt ASL Aviation Holdings über mehrere Fluggesellschaften und Leasing-Gesellschaften mit etwa 150 Flugzeugen. Weitere Leasinggesellschaften sind AerCap, Avolon, SMBC Aviation Capital und Nordic Aviation Capital.

In Irland beheimatete Fluggesellschaften sind beispielsweise Ryanair, Aer Lingus, Aer Arann, Air Contractors und das Tochterunternehmen Cityjet der Air France. Die 1985 gegründete Ryanair stieg mit zunehmender Deregulierung der zivilen Luftfahrt innerhalb der EU – etwa im Zuge des Open-Skies-Abkommens – zur größten Billigfluggesellschaft Europas auf.Sean D. Barrett: Exporting Deregulation – Alfred Kahn and the Celtic Tiger doi:10.2202/1446-9022.1163.

Agrarindustrie Rindfleisch und Milchprodukte sind mit etwa 60 % die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukte. Im Jahr 2002 wurden 445.000 Tonnen Rindfleisch im Wert von 1.185 Millionen € exportiert; Irland war damit der größte Exporteur von Rindfleisch in der EU und einer der größten in der Welt.

Das 1961 gegründete Irish Dairy Board, die Marketing-Organisation der irischen Milchwirtschaft, wirbt in vielen Ländern für irische Milchprodukte.

Das Unternehmen Kerry Group ist das bedeutendste irische Unternehmen in der Nahrungsmittelindustrie. Es ist der Weltmarktführer für Nahrungsmittelzusatzstoffe und Aromen, aber auch ein wichtiger Hersteller von Markenprodukten für den irischen und britischen Markt.

Bergbau und Gasförderung In Irland befinden sich einige der größten Blei-Zink-Lagerstätten Europas. Sie werden in mehreren Bergwerken abgebaut (Galmoy, Lisheen und vor allem Tara Mines bei Navan, früher Silvermines und Tynagh). Irland produzierte 2009 386.000 Tonnen Zink; bis 2015 sank die Produktion stark.statista.com: Minenproduktion von Zink in Irland in den Jahren 2009 bis 2016*

Ein wichtiges Erdgasfeld ist das Corrib-Gasfeld. Das Kinsale-Erdgasfeld in der Keltischen See (englisch Kinsale Head gas field) wurde von 1971 bis 2020 ausgebeutet. In seiner Nähe wurde 2012 das Gas-/Erdölfeld Barryroe gefunden. Ob dort jemals gefördert wird, ist (Stand 2023) ungewiss.siehe auch ewnglische Wikipedia

Einige kleinere, international operierende Rohstoffunternehmen haben ihren Sitz in Irland.

Energie Die einzige Erdölraffinerie Irlands befindet sich in Whitegate bei Cork. Die Whitegate-Raffinerie ist mit 3 Mio. Jahrestonnen eine relativ kleine Raffinerie; sie wird vom kanadischen Unternehmen Irving Oil betrieben.

Tourismus Irland wurde 2016 von über 9,5 Mio. Touristen besucht (Platz 39 der meistbesuchten Länder weltweit) und nahm damit 5,2 Milliarden US-Dollar ein. Die meisten Touristen kamen aus Großbritannien, den USA und vom europäischen Festland. In Irland gibt es zwei UNESCO-Welterbestätten: Skellig Michael und Brú na Bóinne. Wichtigste Destination ist die Hauptstadt Dublin.

Pharmazeutische Industrie Die Pharmazeutische Industrie ist für über die Hälfte der Exporte Irlands verantwortlich.

Irische Unternehmen

Wirtschaftsdaten Die irische Wirtschaft konnte sich nach einem Einbruch während der Finanzkrise wieder erholen. Das ungewöhnlich hohe Wirtschaftswachstum von 24,4 % im Jahre 2015 beruht zu einem großen Anteil auf dem Kauf des irischen Medizintechnik-Unternehmens Covidien durch dessen US-amerikanischen Konkurrenten Medtronic, wobei der zukünftige Unternehmenssitz sich in Dublin befinden soll. Der Hintergrund für die Wahl des Unternehmenssitzes dieses Unternehmens und weiterer multinationaler Unternehmen in Irland ist die Steuervermeidung, genannt „Double Irish With a Dutch Sandwich“. Wegen dieses Unternehmenskaufs ist auch die Staatsschuldenquote Irlands im selben Jahr erheblich zurückgegangen. Wie die wirtschaftliche Lage der Iren sich ohne derartiger unternehmerischer Entscheidungen darstellt, ist weitgehend unklar und in Irland viel diskutiert.

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), realEurostat 2003–2004: 2005–2009: ab 2010: Real GDP growth rate - volume, abgerufen am 11. August 2022. Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Veränderung in % gg. Vj. 3,0 4,6 6,0 5,5 5,2 −3,9 −4,6 1,7 0,8 0,0 1,1 8,6 24,4 2,0 9,0 8,5 5,4 6,2 13,6 Entwicklung des BIP (nominal), Eurostat absolut (in Mrd. Euro) je Einwohner (in Tsd. Euro) Jahr 2014 2015 2016 Jahr 2014 2015 2016 BIP in Mrd. € 194,5 262,0 275,5 BIP je Einw. (in Tsd. €) 42,2 56,4 58,8

Entwicklung des Außenhandels (GTAI) in Mrd. Euro und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent201420152016Mrd. €% gg. Vj.Mrd. €% gg. Vj.Mrd. €% gg. Vj. Exporte 60,7 +11,8 69,0 +13,7 69,5 +0,7 Importe 91,8 +4,5 111,7 +21,7 116,4 +4,2 Saldo +31,8 +42,7 +46,9

Haupthandelspartner Irlands (2016), Quelle: GTAI Export (in Prozent) nachImport (in Prozent) von 26,2 29,3 12,8 15,5 12,7 12,7 6,7 10,3 5,5 4,8 5,1 4,0 4,2 2,4 sonstige Länder 26,8 sonstige Länder 21,1 Staatsverschuldung und Haushaltssaldo 2005–2017 Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 20162017Staatsverschuldung 26,1 % 23,6 % 23,9 % 42,4 % 61,7 % 86,3 % 109,6 % 119,5 % 119,5 % 105,3 % 78,7 % 75,4 %68,0 %Haushaltssaldo 1,6 % 2,8 % 0,3 % −7,0 % −13,8 % −32,1 % −12,6 % −8,0 % −5,7 % −3,7 % −2,0 % −0,9 %−0,4 %Quelle: Eurostat

Wirtschaftsgeschichte Die ersten 10 Jahre Mit dem Anglo-Irischen Vertrag vom Dezember 1921 entstand der Irische Freistaat. William Thomas Cosgrave (von 1922 bis 1932), Vorsitzender der Partei Cumann na nGaedheal, verfolgte eine relative Freihandelspolitik. Irland war damals weitgehend ein Agrarstaat. Zur Unterstützung der Landwirtschaft wurden 1926 die Irish Sugar Manufacturing Company und im September 1927 die Agricultural Credit Corporation gegründet. Die irische Währung war an das Britische Pfund gebunden, auch in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, als die wenigen Industrieunternehmen des Landes in Probleme gerieten.

Der autarke Staat Ab 1932 waren die Regierungen stärker auf die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit des Landes bedacht. Taoiseach Éamon de Valera führte hohe Importzölle im Verlauf des Anglo-Irischen Handelskrieges (1932 bis 1938) ein, was der Agrarindustrie massiv schadete. Die durchschnittlichen Zollabgaben stiegen von 9 Prozent 1931 auf 45 Prozent 1936. Anderseits profitierte die städtische Bevölkerung von diesen Maßnahmen, die Industrieproduktion stieg zwischen 1931 und 1938 um 46,1 Prozent. Allerdings verlangte das 1932 erlassene Gesetz, Control of Manufactures Act, dass die Kapitalmehrheit an Unternehmen in irischer Hand liegen müsse. Auch wurden bis in die 1970er Jahre Unternehmen vom Staat aufgekauft und weiter geführt oder es wurde eine staatliche Beteiligung erworben. Dazu gehörten beispielsweise die Agrarbank ACCBank (1927), Irish Sugar (1933) Aer Lingus (1936), der Lebensversicherer Irish Life (1939), Irish Steel (1947) und das Erdgasunternehmen Bord Gáis (1975). Die Wirtschaftspolitik der sich mehrmals abwechselnden Ministerpräsidenten Éamon de Valera und John A. Costello (von 1932 bis 1959) war wenig erfolgreich. In den Jahren von 1948 bis 1952 erhielt Irland durch den Marshallplan technische Hilfe, Kredite und Zuschüsse im Wert von insgesamt 146,2 Millionen US-Dollar.

Die irische Wirtschaft im Wandel

In den 1950er Jahren betrug das Wirtschaftswachstum unter 2 Prozent und über 400.000 Iren (3 Mio. Bewohner) emigrierten.

Seit 1955 gab es erste Anstrengungen, ausländische Investitionen ins Land zu holen, um von Irland aus leichter nach Großbritannien und in die anderen Commonwealth-Länder zu exportieren. Deutsche Unternehmen gehörten damals mit zu den größten Investoren.Mervyn O’Driscoll, The Irish Times: „Rewriting the history of Ireland’s economic revolution“, 28. Februar 2018 1958 wurde das Control of Manufactures Act in der Hinsicht abgeändert, dass exportorientierte Industrieunternehmen mehrheitlich nicht mehr unter irischer Kontrolle stehen mussten. Die Regierung von Seán Lemass (von 1959 bis 1966) förderte die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Ausland, da 1959 noch 75 Prozent aller Exporte in das Vereinigte Königreich gingen. So trat Irland 1960 dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) bei und das Anglo-Irish Free Trade Agreement wurde am 15. Dezember 1965 unterzeichnet.

Der erste Aufnahmeantrag vom 31. Juli 1961, der Europäischen Gemeinschaft (EG) beizutreten, scheiterte. Das Beitrittsgesuch zur Europäischen Gemeinschaft vom 10. Mai 1967 war dagegen erfolgreich, und so konnten im Juni 1970 die Vertragsverhandlungen beginnen. Am 22. Januar 1972 wurde der Vertrag mit der EG unterzeichnet und in einem Referendum bestätigt. Irland, Großbritannien und Dänemark traten der EG zum 1. Januar 1973 bei.

Der feste Wechselkurs zwischen dem irischen Pfund, der bis 2001 bestehenden irischen Währung, und dem britischen Pfund von eins zu eins (seit 1928) wurde mit der Mitgliedschaft Irlands im Europäischen Währungssystem am 30. März 1979 aufgehoben. Für Irland war das problematisch, da 1978 noch etwa 50 Prozent aller Exporte und Importe auf das Vereinigte Königreich entfielen.centralbank.ie: The Irish Pound: From Origins to EMU von John Kelly

In den späten 1970er und den frühen 1980er Jahren führte die zweite Ölpreiskrise (1979/80) zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums. In den Jahren 1977 und 1978 war die Wirtschaft noch um über 7 Prozent gewachsen, bis 1982 wuchs sie um 2 bis 3 Prozent, 1983 sank das BIP um 0,24 ProzentOECD: Statistik zu Irland. Die Inflation stieg von etwas über 10 Prozent 1979 auf etwa 20 Prozent, wo sie bis 1983 verweilte. Ab 1985 war sie unter 5 Prozent. Durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung, ineffektive Ausgaben und die Abschaffung der Vermögensteuer 1978 stieg die Staatsverschuldung unter der Regierung von Jack Lynch und ihren Nachfolgern stark an. Als Reaktion auf die Krise kürzten seine Nachfolger Charles J. Haughey und Garret FitzGerald die Ausgaben und erhöhten die Steuersätze für die Einkommen von Angestellten deutlich. Der geringste Einkommensteuertarif wurde abgeschafft, wodurch bereits Geringverdiener 35 Prozent Steuern auf ihr Einkommen zahlen mussten.Hardiman, Niamh: Taxing the Poor: The Politics of Income Taxation in Ireland. Policy Studies Journal, Vol. 28-4 (2000); S. 826; 828–829 Durch die Steuereinnahmen wurden allerdings auch große Bildungsprogramme finanziert, besonders im später wirtschaftlich bedeutenden Sektor der Kommunikationstechnologie.

Keltischer Tiger