Sinn ist eine Gemeinde im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geografie Geografische Lage Sinn liegt in 185 bis 356 Meter Höhe am Fuß des Westerwaldes im Dilltal, drei Kilometer südlich von Herborn.
Nachbargemeinden Sinn grenzt im Nordosten an die Gemeinde Mittenaar, im Osten an die Gemeinde Ehringshausen, im Süden an die Gemeinde Greifenstein sowie im Nordwesten an die Stadt Herborn (alle im Lahn-Dill-Kreis).
Gliederung und Einwohnerzahlen Zur Großgemeinde Sinn (6.585 Einwohner) gehören die Ortsteile Edingen (1.176 Einwohner), Fleisbach (1.778 Einwohner) und Sinn (3.631 Einwohner). Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2024
Geschichte Ortsgeschichte Die fruchtbaren Hänge und Seitentäler des Dilltals waren schon früh besiedelt. Bei Grabungen wurden Anfang der 1950er Jahre Scherben, Reste von Nutzwerkzeugen, Hausgrundrisse, Feuerstellen und auch ein Schmuckstein aus römischer Zeit gefunden. Bodenfunde in der Gemarkung Edingen ziehen sich durch alle Epochen und lassen auf eine dauernde Besiedelung seit dem 4. Jahrhundert vor Christus schließen. Urkunden belegen die Existenz aller drei Teilorte seit dem 13. Jahrhundert.
Edingen und Fleisbach waren von der Landwirtschaft geprägt und bewahrten diese Struktur bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Sinn hingegen wurde von der industriellen Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasst. Begünstigt durch den Bergbau im Sieg-Dill-Gebiet siedelten sich ein Hüttenwerk und in dessen Gefolge Gießereien und metallverarbeitende Betriebe an.
mini|Sinn aus Richtung Westen
Der alte Friedhof mit seinen Grabsteinen spiegelte die Herkunft der in der Sinner Hüttenindustrie beschäftigten „Alt- und Neu-Sinner“ wider. Mittlerweile gibt es nur noch wenige belassene Gräber auf diesem Friedhof, so die der in Sinn verstorbenen Hüttendirektoren des Unternehmens Haas & Sohn, Betreiber der Neuhoffnungshütte. Otto Haas hatte im Beisein von anderen Sinnern noch zu Lebzeiten sein zukünftiges Grab vermessen, indem er sich in die frisch ausgehobene Grube legte. Er war der Überlieferung nach überhaupt ein Spaßvogel; im Winter soll er auf dem zugefrorenen ersten Stippbachsweiher immer Geldmünzen zwischen die Schlittschuhläufer geworfen haben, was zu heftigem Gerangel führte. Zu den vermissten oder entfernten Grabsteinen gehört auch der rötliche, naturbelassene Felsstein auf der Grabstätte des Försters Schiebel. Verschwunden sind so ebenso zwei weiß-schwarz bemalte Holzkreuze, die aus der Zeit von Hans-Erich Hess (auch „Hesz“) als Gemeindepfarrer (1930–1950, Mitglied der Bekennenden Kirche, späterer Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau) stammten und an die Beerdigung von zwei „Russenmädchen“ (Zwangsarbeiterinnen) während des Zweiten Weltkrieges erinnerten.
Der alte Friedhof in Sinn ist ein wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte, obwohl die historischen Grabsteine weitgehend abgetragen wurden. Auch die alte kleine Fachwerkkirche, die seit gut vier Jahrzehnten leer steht und den Weltkriegsgefallenen und -vermissten gewidmet ist, ist ein Geschichtszeugnis; „entkernt“ von dem „Inventar“ aus calvinistisch-nassauischen Zeiten, wurde sie immerhin noch bis in die späten 1950er Jahre genutzt und ursprünglich belassen. Der Schreiber, der Dekan Blöcher und die Diakon-Witwe Weidenbach waren damals die einzigen Teilnehmer an diesen abendlichen Gottesdiensten.
Während des Zweiten Weltkrieges sind Hunderte von US-amerikanischen 1- und 2-Zentner-Bomben auf die Gemeinde Sinn gefallen, es trafen aber nur zwei, die lediglich begrenzten Schaden anrichteten. Der Rest fiel nicht auf die beabsichtigten Ziele, wie etwa die Bahnstrecke Gießen–Köln, oder Industrie- und Wohngebiete von Sinn, sondern ging auf der Hörre zwischen Sinn und Edingen nieder, wo die Bombentrichter noch heute gut sichtbar sind. Blindgänger sind in dieser „Bombentrichterlandschaft unter Wald“ nicht auszuschließen.
Auch aus der kirchenfremden Sinner Arbeiterschaft waren gebildete, gesellschaftlich engagierte Persönlichkeiten herangewachsen, wie der spätere Bürgermeister Reucker (Maschinenschlosser bei Haas & Sohn), der Kommunist Schwan, der viele Sinner in den ersten Nachkriegstagen vor Übergriffen schützte, oder auch der Former Reinhold Simon, der den Sinner Wald, die Natur und die Geschichte der Sinner Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit besser kannte als andere.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Edingen und Fleisbach kraft Landesgesetz in die Gemeinde Sinn eingegliedert. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Sinn angehört(e):
vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Herborn ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Herborn 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Herborn 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Herborn ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt Herborn ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Herborn ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit 1885: 880 evangelische (= 92,24 %), 74 katholische (= 7,76 %) Einwohner 1961: 2576 evangelische (= 65,70 %), 1257 katholische (= 32,06 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Sinn erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 40,0 9 28,1 6 31,8 7 38,1 9 39,7 9 37,0 12 20,0 5 21,6 5 30,0 7 31,4 7 35,0 8 36,0 11 21,7 5 20,0 5 25,7 6 11,5 3 9,5 2 13,4 4 18,4 4 30,3 7 12,6 3 15,5 3 7,4 2 7,0 2 — — — — — — 3,5 1 8,3 2 — — F.D.B.S. Freie Demokratische Bürgervereinigung Sinn — — — — — — — — — — 6,7 2 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 50,9 47,2 43,4 37,8 36,9 45,0 * 2001: Freie Wählergemeinschaft Sinn / Unabhängige Bürgerliste Sinn (FWG / UBLS)
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Sinn neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Oktober 2024 der parteiunabhängig angetretene Michael Krenos, der in der Kommunalpolitik zuletzt Fraktionsvorsitzender der SPD war. Er setzte sich am 9. Juni 2024 im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Hans-Werner Bender, der sich um eine dritte Amtszeit beworben hatte, bei 63,9 Prozent Wahlbeteiligung mit 58,1 Prozent der Stimmen durch.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 in Sinn
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2024–2030 Michael KrenosSiegfried Gerdau, April 2024: Michael Krenos will Bürgermeister in Sinn werden: „Michael Krenos (42) der Sinner Fraktionschef der SPD fordert Amtsinhaber Hans-Werner Bender (parteilos) heraus. Der fasst seine dritte Amtszeit (eine Amtsperiode dauert sechs Jahre) ins Auge.“ - mittelhessen.de, 22. September 2024: Abschied und Neuanfang in Sinn: Bender geht, Krenos kommt 2012–2024 Hans-Werner Bendermittelhessen.de, 26. September 2018: Frisch gestärkt wieder ins Spiel: „Für Hans-Werner Bender (parteilos) beginnt am Montag, 1. Oktober, die zweite Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Sinn. Im Rathaus ist er am Dienstag vor gut 60 Bürgern und Gemeindevertretern erneut in das Amt eingeführt worden.“ 1994–2012 Hubert Koch (SPD)Gießener Allgemeine, 27. März 2019: Anfangs gab es Widerstand – 40 Jahre Pflegestation: „Der damalige Bürgermeister Günther Brehm und sein Nachfolger Hubert Koch hatten großes Vertrauen in die Arbeit der Diakoniepflegestation und so übernahm die »Zentralstation« zum 1. Januar 1995 die Diakoniestation der Kirchengemeinde Sinn und die Schwesternstation der Kommunalgemeinde.“
Wappen Am 17. November 1959 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Mit dem Gebäudeensemble Rudolfstraße/Hansastraße besitzt die Gemeinde Sinn ein historisches Ortsbild, das überregional ein Alleinstellungsmerkmal aufweist und daher als Ganzes denkmalgeschützt und erhaltungswürdig ist.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Lahn-Dill-Kreis I. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1986, ISBN 3-528-06234-7, S. 349. Um die herrschaftliche Anlage Park und Villa Haas (Architekt Ludwig Hofmann) reihen sich aufwendig und individuell gestaltete Villen der leitenden Beamten und Angestellten, von denen anfänglich eine Residenzpflicht erwartet wurde. In direktem Bezug hierzu ist die ehemalige gegenüberliegende Neuhoffnungshütte zu sehen, die auch eine Menage und eine Konsumanstalt beherbergte. Das vorgelagerte Schlafhaus sowie ein Palmenhaus mit Park- und Werksgärtnerei wurden in den 1960er und -80er Jahren abgerissen, da ihre geschichtliche Bedeutung durch mangelnde gesellschaftliche Relevanz damals im Denkmalschutz noch nicht genügend verankert war.
Alle verbliebenen Bauwerke mit Annexbauten zeigen durch Veranden, Terrassen, Loggien und Erkern sowie unterschiedlichsten Dachformationen ein hohes Maß an Individualität. Dies kommt anschaulich z. B. bei den freistehenden Gebäuden Rudolfstraße 4 und 6 zum Ausdruck. Das Erstere, mit vom englischen Cottagestil beeinflussten Landhauscharakter, betont allein schon durch das Bauvolumen die betriebliche Hierarchie. Das Nachbarhaus dagegen verfügt über späthistoristische Elemente des Heimatstiles wie z. B. Fachwerk.
Im Vergleich zur Beamtensiedlung Bliersheim ist die Gesamtanlage Rudolfstraße/Hansastraße noch heute bewohnt und durch Privatinitiative saniert, rekonstruiert und in der Originalsubstanz sorgfältig restauriert.