Der Kratombaum (Mitragyna speciosa; Thai: กระท่อม Kratom), auch Roter Sentolbaum, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mitragyna in der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Sie stammt aus Malesien.

Die geernteten Laubblätter werden frisch oder getrocknet sowohl als Rauschmittel als auch in der Pharmazie als Arzneidroge verwendet; die Blätter werden Kratom, Biak, Gra-tom, Biak-Biak, Katawn, Krton, Mabog oder Mambog genannt. Hauptalkaloide der Laubblätter sind die psychoaktiven Substanzen Mitragynin und 7-HydroxymitragyninKratom (Mitragyna speciosa) bei Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, abgerufen am 10. Juli 2013., die nur in dieser Art nachgewiesen wurden.

Beschreibung mini|Illustration mini|Laubblätter und Blütenstände mini|Junges Exemplar im Gewächshaus

Vegetative Merkmale Der Kratombaum wächst als halbimmergrüner Baum und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 25 Metern. Die Borke ist grau-braun und im Alter dick sowie leicht furchig.

Die gegenständig angeordneten, leicht ledrigen bis papierigen Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattstiele weisen eine Länge von 2 bis 5 Zentimetern auf. Die grüne, einfache, spitze bis bespitzte und ganzrandige, fast kahle Blattspreite ist bei einer Länge von 8,5 bis 14 Zentimetern und einer Breite von 5 bis 10 Zentimetern eiförmig bis elliptisch oder verkehrt-eiförmig. Die Blattbasis ist gestutzt bis spitz oder leicht herzförmig. Die Nervatur ist gefiedert mit bogigen Seitenadern und ist oberseits eingeprägt und unterseits erhaben. Es sind größere Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale Endständig auf Blütenstandsschäften befinden sich die bei einem Durchmesser von 1 bis 1,3 Zentimetern relativ kleinen, kugeligen Blütenstände. Über den relativ kleinen Deckblättern befinden sich die sitzenden Blüten.

Die bis etwa 6 Millimeter langen, trichterförmigen, zwittrigen, vier- oder fünfzähligen Blüten mit doppelter Blütenhülle sind anfänglich cremefarben, gelblich-weiß bis später gelb bis orange. Der kleine, becherförmige Kelch ist gestutzt mit minimalen Lappen. Die Krone ist trichterförmig verwachsen mit einer innen haarigen, bis etwa 5 Millimeter langen Kronröhre und freien, länglichen, kleineren und spitzen, bis 3 Millimeter langen Kronlappen. Die sehr kurzen Staubblätter sind am oberen Rand der Kronröhre angeheftet. Der unterständige Fruchtknoten ist zweikammerig. Der lange und vorstehende Griffel endet in einer kegelförmigen Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.

Die rundlichen und braunen, holzigen, höckrigen Fruchtverbände sind 2 bis 3 Zentimeter groß und enthalten viele relativ kleine Kapselfrüchte. Die 7 bis 9 Millimeter lange, kahle und rippige Kapselfrucht öffnet sich septizid und besitzt am oberen Ende oft Kelch- und Diskusreste. Sie enthält viele, relativ kleine Samen. Die schmalen, spindelförmigen Samen sind an beiden Enden kurz geflügelt.Mitragyna bei Homepage Ch. Puff, Univ. Wien.

Vorkommen Den Kratombaum findet man in Thailand sowie von der nördlichen Malaiischen Halbinsel bis Borneo und Neuguinea. Er wächst in Tieflandwäldern und in morastigen Gebieten.

Taxonomie Der Kratombaum wurde 1841 von Pieter Willem Korthals in Verhandelingen over de Naturlijke Geschiedenis der Nederlandsche Overzeesche Bezittingen . . . Botanie Tafel 35 als Mitragyna speciosa erstbeschrieben. Synonyme sind Stephegyne speciosa , Nauclea luzoniensis und Nauclea speciosa

mini|Vorder- und Rückseite von Kratomblättern Inhaltsstoffe und Wirkung Mitragynin stellt mit bis zu 66 % der Gesamtalkaloide den Hauptbestandteil in den reifen Blättern dar. Das Indolalkaloid interagiert hauptsächlich mit den μ- und δ-Opioidrezeptoren, zeigt dabei jedoch wenig Rezeptor-Affinität.

Der Wirkstoff 7-Hydroxymitragynin, der ungefähr 2 % im Alkaloidauszug ausmacht, wirkt als Agonist am µ-Opioidrezeptor und hat eine starke analgetische Wirkung. Die Reduzierung der Wahrnehmung von Schmerzen wurde im Tierversuch bestätigt mit dem Ergebnis, dass die antinozizeptive Wirkung des Alkaloids 7-Hydroxymitragynin um das Dreizehnfache stärker war als Morphin. Das reine Alkaloid Mitragynin führt zur Steigerung der Erregbarkeit des cranio-sacralen (Schädel-Kreuzbein) und des sympathischen Teils des autonomen Nervensystems, ferner zur Steigerung der Erregbarkeit der Medulla oblongata und der motorischen Zentren des ZNS. Zudem wurde im Versuch mit Ratten bestätigt, dass Kratom bei Durchfall einen positiven Effekt auf den Magen-Darm-Trakt hat.

Bei chronischem Gebrauch von Kratom können Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Hyperpigmentation auftreten, zudem kann sich in manchen Fällen eine psychische und körperliche Abhängigkeit analog zu Opioiden entwickeln. Typische körperliche Entzugssyndrome sind Muskelkrämpfe, Schmerzen, Schlafschwierigkeiten, wässrige Augen und Nase, Hitzeanfälle, Fieber, verminderter Appetit und Durchfall. Typische psychische Entzugssyndrome sind Unruhe, Anspannung, Wut, Trauer und Nervosität.D. Singh, C. P. Müller, B. K. Vicknasingam: Kratom (Mitragyna speciosa) dependence, withdrawal symptoms and craving in regular users. In: Drug and alcohol dependence. Band 139, Juni 2014, S. 132–137, , PMID 24698080.E. Cinosi, G. Martinotti, P. Simonato et al.: Following "the Roots" of Kratom (Mitragyna speciosa): The Evolution of an Enhancer from a Traditional Use to Increase Work and Productivity in Southeast Asia to a Recreational Psychoactive Drug in Western Countries. In: BioMed research international. Band 2015, 2015, ID 968786, , PMID 26640804, (Review). Es ist mindestens ein Fall bekannt, bei dem nach mehrwöchiger Kratomeinnahme eine intrahepatische Cholestase auftrat. Es wird auch über weitere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Zittern berichtet. Zudem häufen sich Berichte von Konsumenten über das Auftreten von Hörstörungen – insbesondere Tinnitus – in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit dem Kratomkonsum, was auf eine mögliche ototoxische Wirkung hindeutet. Wissenschaftliche Untersuchungen hierzu existieren bislang jedoch nicht. In Deutschland ist bisher ein Todesfall im Rahmen einer Monointoxikation dokumentiert, in Österreich Mindestens einer, in den USA wurde für den Zeitraum Juli bis Dezember 2017 von mehr als 90 Todesfällen berichtet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist nach einer ersten Sichtung der wissenschaftlichen Daten darauf hin, dass der Kratom-Konsum gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann. So wurden in Fallberichten unter anderem neurologische Effekte, wie Schwindel, Krampfanfälle, Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Halluzinationen, kardiovaskuläre Effekte wie Herzklopfen oder Herzrasen, Atemstörungen sowie Leber- und Nierenschädigungen beschrieben.

Es gibt mehrere Verarbeitungsweisen für die Blätter des Kratombaums, die verschieden gereifte Blätter und Fermentation verwenden. Diese sind gängigerweise als „weiß“, „rot“ und „grün“, seltener auch „gelb“ bekannt. Diese resultieren in unterschiedlicher Zusammensetzung der enthaltenen Alkaloide. Der Gehalt an Mitragynin ist abhängig vom Anbauort und der Saison. Während weißes Kratom eher aktivierend wirken soll, so wird rotem Kratom eine eher sedierende Wirkung nachgesagt. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass geringe Dosen eher aktivierend und euphorisierend und höhere Dosen sedierend wirken. Da es erwartungsgemäß in der Natur aber viele unterschiedliche Varietäten gibt und der Gehalt der Alkaloide auch von diversen Standortfaktoren und klimatischen Einflüssen abhängt, ist dies nur als eine grobe Einteilung anzusehen. Diesbezügliche Studien existieren noch nicht.

Konsum Bereits die Urbevölkerung des malaiischen Raumes nutzten Kratom als Heil- und Genussmittel. Der Name Kratom leitet sich vermutlich aus dem Begriff Kadamb ab, der auf dem indischen Subkontinent als Bezeichnung für die ebenfalls als heilige geltende Nutzpflanze Mitragyna parvifolia dient. Insbesondere die malaiischen und muslimischen Minderheiten in den thailändischen Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani nutzen Kratom als traditionelles Genussmittel. alternativtext=PET-Falsche mit bräunlichem Wasser und Kratomextrakt gemischtes Getränk, handelsüblich in weiten Teilen Thailands.|links|mini|327x327px|In weiten Teilen Thailands handelsüblicher Kratom-Tee aus Wasser und Kratomextrakt. Inhaltsstoffe variieren. Traditionell werden die frischen Kratomblätter in Teehäusern und Cafés gekaut. Der Konsum ist in der Regel in ein soziales Setting eingebunden, das einem Kaffeekränzchen nicht unähnlich ist.

Auch die Zubereitung als Aufguss ist überliefert. Traditionell wird das teeähnliche Getränk mit frischen Blättern zubereitet, die Verwendung von Fruchtsäften oder Süßungsmitteln variiert regional und scheint hauptsächlich kulinarische Gründe zu haben. Erst ab dem 20. Jahrhundert wurde die Verwendung von getrocknetem Pflanzenmaterial üblich. Die Wirkung des bitteren Getränkes wird in der Literatur als anregend beschrieben.

Die Verwendung eines rauchbaren Extraktes wird in der historischen Literatur beschrieben, scheint jedoch heutzutage nicht mehr üblich zu sein. Die Wirkung von gerauchtem Pflanzenmaterial ist umstritten, vermutlich ist damit allenfalls eine eher subtile Wirkung zu erzielen.

Seit einiger Zeit sind Zubereitungen der Pflanze auch in Ländern Europas oder den USA erhältlich. Sie werden zumeist über den Online-Handel vertrieben, teils auf Internetseiten, auf denen auch Nahrungsergänzungsmittel beworben werden.

In weiten Teilen Thailands wird Kratom-Tee unter der Bezeichnung Nam Kratom (Thai: น้ำกระท่อม, [náːm krà.tʰɔ̂ːm]) informell im Straßenverkauf und über das Internet vertrieben. Die Zusammensetzung variiert; Untersuchungen thailändischer Behörden wiesen in den meisten Proben Mitragynin nach und fanden zudem teilweise Beimischungen wie Diphenhydramin, Chlorpheniramin und Koffein.

Rechtsstatus Deutschland Kratom ist in Deutschland nicht im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt. Lange Zeit war hingegen umstritten, ob es unter das Arzneimittelgesetz fällt. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 11. September 2015OLG Köln, Beschl. v. 11.09.2015 – 1 RVs 131 handelt es sich bei Kratom jedoch nicht um ein Arzneimittel. Daher sind Handel, Besitz und Konsum nach derzeitiger Rechtslage erlaubt.

Österreich In Österreich unterliegt Kratom nicht dem Suchtmittelgesetz.

Schweiz In der Schweiz unterliegen die Wirkstoffe Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin seit Oktober 2017 dem Verzeichnis a (kontrollierte Substanzen, die allen Kontrollmassnahmen unterstellt sind) des Betäubungsmittelgesetzes, womit Kratom illegal ist.

Weitere EU-Staaten In Dänemark, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Italien und Schweden zählt Kratom zu den gesetzlich kontrollierten Substanzen. In Frankreich ist es seit 2020 verboten, Kratom zu kaufen oder zu besitzen.La France interdit l'achat et la détention de kratom, une plante psychotrope In: L’Express. 8. Januar 2020. Im Jahr 2025 wurde Kratom in Tschechien durch ein Gesetz als „psychomodulierende Substanz“, eine neue Kategorie legaler Drogen, eingestuft. Durch diese Einstufung ist der Verkauf an Minderjährige verboten, der jedoch zuvor auch schon verboten war. Außerdem ist der Verkauf an Verkaufsautomaten verboten. Das Gesetz trat am 12. November 2025 in Kraft.

Thailand Seit Ende August 2021 ist Kratom in Thailand wieder legal. 1.038 Gefangene, die wegen des Handels oder des Konsums von Kratom inhaftiert waren, wurden freigelassen. Noch nicht abgeschlossene Verfahren gegen weitere 10.000 Personen wurden eingestellt. Zuvor hatte im Februar 2021 ein Gesetz, das Kratom wieder legalisiert, den thailändischen Senat passiert. Privathaushalte dürfen für den Eigenbedarf bis zu drei Kratom-Bäume anbauen. Sie brauchen dazu aber die Genehmigung des Ortsvorstands. Gewerbliche Kratom-Bauern brauchen eine behördliche Genehmigung.