Weiler-Simmerberg ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee).

Geographie Lage mini|Weiler im Allgäu und Simmerberg im Hintergrund mini|Weiler mit Blick nach Nordwest Der im Westallgäu gelegene Markt grenzt direkt an die Region Bregenzerwald im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Der weite Blick zeigt eine sanfte Voralpenlandschaft während in den dicht bewaldeten engen Tobeln in vielen schroffen und steilen Felswänden die geologische Besonderheit der Gegend, eine Schichtung Sandstein zu Tage tritt. Das Gemeindegebiet zieht sich von 557 m an der Rothach bis auf bei Unterberg.

mini|Weiler im Allgäu von Westen mini|Historische Ortstafel in Simmerberg mini|Weiler-Simmerberg von Westen mini|Buchenbühl mini|Simmerberg von Süden

Gemeindegliederung

Es gibt 39 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Weiler Burgmühle und Salmersberg und die Einöde Hammerschmiede sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Die Gemeinde besteht aus den Gemarkungen (Ortsbereichen) Ellhofen, Simmerberg und Weiler im Allgäu. Zum Ortsbereich Weiler im Allgäu gehören die Gemeindeteile Altenburg, Au, Bremenried, Buchenbühl, Dressen, Eyenbach, Hagelstein, Kapfreute, Krähnberg, Lachershof, Oberscheiben, Obertrogen, Riegen, Ruppenmanklitz, Salmers, Schreckenmanklitz, Siebers, Tobel, Untertrogen und Weissen; zum Ortsbereich Simmerberg gehören die Gemeindeteile Buch, Hasenried, Nagelshub, Unterberg und Oberleute; zum Ortsbereich Ellhofen gehören die Gemeindeteile Blättla, Burg, Gunta und Moos.

Nachbargemeinden

Geschichte

Der Markt Weiler-Simmerberg war vor 1805 Sitz eines Oberen und Unteren Gerichts und gehörte zur österreichischen Herrschaft Bregenz-Hohenegg. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden Simmerberg und Weiler. Traditionsreichstes Unternehmen am Ort ist die Post Brauerei Weiler mit ihrer Geschichte seit 1650.

Am 1. September 1968 wurden die Gemeinden Simmerberg und Weiler im Allgäu (amtlich Weiler i. Allgäu) zur neuen Gemeinde Weiler-Simmerberg zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1972 kam Ellhofen hinzu.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 5274 auf 6284 um 1010 Einwohner bzw. um 19,2 %.

Politik mini|Rathaus von Weiler

Gemeinderat Sitzverteilung im Marktgemeinderat nach den vergangenen vier Kommunalwahlen: Wahljahr CSU SPD FW ÖDP/Grüne JA WSE EB AfD Gesamt 2002 8 4 6 – – 2 20 2008 7 4 9 – – – 20 2014 9 3 8 – – – 20 2020 6 3 6 2 3 – 20202671533-120

Die Wahlbeteiligung lag 2020 bei 60,6 Prozent.

Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph von den Freien Wählern war seit 2002 Bürgermeister von Weiler-Simmerberg. Er wurde 2008 mit 70,2 % der Stimmen wiedergewählt. 2014 erreichte er einen Anteil von 77,1 % der gültigen Stimmen.

Bei der Kommunalwahl 2020 wurde als sein Nachfolger Tobias Paintner (CSU) mit 64,9 der gültigen Stimmen gewählt. Der Amtsinhaber Karl-Heinz Rudolph erhielt nur 27,8 % und Markus Wipper von der ÖDP 7,4 %.

Wappen mini|Wappen der Weiler zu Altenburg (auch in Rot statt Blau)

Beziehungen zu ausländischen Gemeinden : Weiler-Simmerberg unterhält eine Partnerschaft mit Valmontone in Italien. Im Jahr 2002 gab es erste offizielle Besuche und weitere 2004/2005 zur Unterzeichnung der Charta zur Städtepartnerschaft („amtliche“ Verlobung). Im Frühjahr und Herbst 2008 wurde der Partnerschaftsvertrag verabredet. : Eine weitere Partnerschaft wird mit Ollioules in Frankreich gepflegt. Diese seit Jahrzehnten freundschaftlichen Beziehungen basieren vorwiegend auf privater Basis. : Eine dritte Partnerschaft wird zu Benifaió in Spanien Provinz Valencia unterhalten.

Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen Landschaft und Natur Hausbachklamm Weiler teilt sich sein bekanntestes Geotop mit Oberreute. Der Tobelabschnitt (unterer Eingang: ) ist etwa drei Kilometer lang und beeindruckt durch Auswaschungen und Strudeltöpfe im Sandstein und Nagelfluhgestein.

Enschenstein mini|Gedenkstein Enschenstein Der Enschenstein ist ein Nagelfluhfelsen, den die Natur aus dem umliegenden Sandstein herauspräpariert hat. In der Bayerischen Uraufnahme wird der Felsen als Menschenstein bezeichnet An den exponiertesten Stellen ragen 15 bis 20 Meter hohe, senkrechte Wände aus dem umgebenden Waldboden auf. Er ist selbst mit Bäumen bestanden. Der Zugang ist recht steil und die von unten heraufgewachsenen Bäume verdecken die Abbruchkante. So sind es vom Gedenkstein auf dem höchsten Punkt gerade noch drei Meter bis zum Abgrund.Enschenstein bei portal.gastfreund.net der Gastfreund GmbH in Kempten

Die Siedlungsreste des schon in der Latènezeit und später in der römischen Kaiserzeit als Fliehburg genutzten Felsplateaus wurden archäologisch erfasst und als Bodendenkmal (D-7-8425-0011) unter Schutz gestellt.Antike Fliehburg Enschenstein im Denkmalatlas Bayern

Ellhofer Tobelbach Das Geotop (Mitte (Tobelmühle): ) ist ein etwa 6,5 km langes verzweigtes Wandergebiet mit abwechslungsreichen sehr unterschiedlichen Wegabschnitten. Von fast ebenen Wiesen und Weiden führt der Weg bergauf und bergab an historischen und geologischen Zeitzeugen vorbei und wechselt unvermittelt in alpine Verhältnisse. Der am Tobelbach zutage tretende Sandstein war wegen der hohen Qualität als Baumaterial (unter anderem beim Ulmer Münster und bei der Eisenbahnbrücke über den Tobelbach) und zur Gewinnung von Wetzsteinen begehrt.

Wildrosenmoos

Das Biotop (Lage: ) ist das Quellgebiet des Eyenbaches (nicht, wie oft zu lesen, des Hausbaches) und liegt direkt an der Grenze zu Sulzberg (Vorarlberg).

Trogener Moos Lage: () Lokalpatriotisch eingestellte Journalisten weisen auf die seltene Flora und Fauna des Hochmoores hin und dass die hier heimische geschützte Kreuzotter sonst im Allgäu kaum vorkommen soll. Im Widerspruch dazu steht die detailliert dargestellte Bestandssituation in Bayern und Baden-Württemberg.Vgl. Ulrich Joger, Ralf Wollesen (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Kreuzotter (Vipera berus). Mertensiella 15, 2004. (siehe auch Naturschutzgebiet Trogener Moore)

Erratischer Block mini|Erratischer Block

Nordöstlich von Weiler liegt ein Erratischer Block, der mit einem ursprünglichen Volumen von 4000 Kubikmetern als der größte Findling Europas gilt, etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Masse ist erhalten. Diese geologische Besonderheit (Lage: ) entstand während der jüngsten Eiszeit, als der Rheingletscher mit seinem östlichen Ausläufer weit nach Oberschwaben vorstieß. Dabei transportierte er einen Felsbrocken aus dem Massiv der „Dreischwestern“ in Liechtenstein (Lage: ) 65 km weit bis nach Weiler. In Unkenntnis seiner erdgeschichtlichen Bedeutung benutzte man den Erratischen Block im 18. Jahrhundert als Steinbruch, im 19. Jahrhundert diente der Hauptdolomitblock als billige Materialquelle zum Kalkbrennen.

Museen Weiler-Simmerberg verfügt über mehrere sehenswerte kleine Museen und Schausammlungen mini|Westallgäuer Heimatmuseum Westallgäuer Heimatmuseum Es zeigt in 25 Räumen, über 4 Stockwerke verteilt, Gegenstände des täglichen Bedarfs aus Bürger- und Bauernstuben des Westallgäus, Gemälde und Skulpturen von der Gotik bis zur Neuzeit, Lebensbereich Küche, Wohn- und Schlafstube bis zum komplett eingerichteten Kaufladen, Trachten, Uhren und Musikinstrumente, Dokumente und Schaustücke über die Ortsgeschichte und verdiente und berühmte Bürger.

Pflanzenkundliche Schausammlung Sie wurde von Professor Karl Hummel aus Weiler gegründet und zeigt in einem über 100 Exponate umfassenden Herbarium aus gepressten Blüten und Pflanzen die unterschiedlichen Symmetrien und die Formenvielfalt der Westallgäuer Charakterpflanzen. In drei Schaufenstern sind je nach Jahreszeit bis zu 80 kurzlebige Pflanzen mit entsprechender Pflege- und Haltungsanweisung zu sehen. Eigene Abteilungen sind heimischen Orchideen sowie Mineralien und Gesteinen gewidmet.

mini|Kornhausmuseum Kornhaus Museum Das Kornhaus wurde im Jahr 1791 im Anschluss an eine Hungersnot als Kornspeicher zur Versorgung der Bürger mit Brotgetreide in Notzeiten erbaut. Der Westallgäuer Heimatverein rettete das historische Gebäude vor dem Abbruch und nutzt es jetzt als zweites heimatgeschichtliches Haus der Gemeinde für wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen wie die internationalen Kornhausseminare.

Brau- und Brunnenmuseum Es ist in den Räumen der Post Brauerei Weiler & Siebers Mineralquelle untergebracht und zeigt die Geschichte der Brauerei- und Brunnentradition in Weiler.

Gebäude

mini|Westallgäuer Bauernhaus im Rothachtal mini|Ehem. Pfarrhof in Weiler im Allgäu, 17. Jh. Im Ortsbild fallen einige Gebäude auf, die oft einen Bezug zur Geschichte der Gemeindeteile Weiler, Simmerberg oder Ellhofen haben.

Am Hausbach (Hauptstraße) Die Straße führt am Hausbach entlang. Sie bietet neben den beiden Hauptmuseen des Ortes über die Nepomukbrücke den Zugang zum Kirchplatz und dem Rathaus.

Fridolin-Holzer-Straße In dieser parallel zum Hausbach verlaufenden Ortsstraße liegt das Widmann-Haus, 1911 als Verwaltungs- und Laborgebäude der Lehr- und Versuchsanstalt für Emmentalkäserei gebaut, sowie der Sennhof, das von 1930 bis 1970 als Schulgebäude der Lehr- und Versuchsanstalt für Emmentalkäserei genutzte Gebäude.

Alois-von-Brinz-Straße Das ehemalige Gerichtsgebäude von Weiler im Allgäu wurde ursprünglich als Fabrik für Musselin- und Kattunproduktion erbaut. mini|Alois-von-Brinz-Str. 8 und 10 (1984) Das Bahnhofsviertel, ein Werk Georg Buflers Mit Inbetriebnahme der Bahnstrecke Röthenbach–Weiler mit dem Endbahnhof Weiler (Allgäu) entwickelte sich in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs vor dem Ersten Weltkrieg das Bahnhofsviertel um die Bahnhofsstraße und den Bahnhofsplatz als gehobene Wohn- und Geschäftslage. Der Marktbaumeister und Unternehmer Georg Bufler (1878–1950) plante und baute 1906 hier mehrere Gebäude mit jugendstilorientierter Fassade, die in ihrer Einheitlichkeit dem Bahnhofsplatz einen eigenen Charakter verleihen, so die Villen Inama und Stromeyer, die Wohn- und Geschäftshäuser Herz, Baldauf und Stadelmann. Zum Werk Buflers außerhalb des Bahnhofsbereichs gehören die Strohhutfabrik Milz und Karg, das Postamtsgebäude, die Wohn- und Geschäftshäuser Heim und Eschenlohr und der Sennhof, die Lehr- und Versuchsanstalt für Emmentalkäserei etwas zur Ortsmitte abgesetzt in der Fridolin-Holzer-Straße sowie die großen Umbauten bzw. Erweiterungen im Komplex des Brauereigasthofes Zur Post.

Stromeyerstraße mini|Evang. Kreuzkirche in Weiler im Allgäu, Stromeyerstraße Die Kreuzkirche in der Stromeyerstraße 25 gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Scheidegg und Weiler. Der zweigeschossige Baukörper mit Satteldach besitzt keinen Kirchturm. Im Innenraum finden sich ein blaues Altarkreuz und vierzehn Kreuzwegsteine.

Veranstaltungen Salzfest Es erinnert an die Bedeutung des Ortes Simmerberg und seiner Salzfaktorei im mittelalterlichen und neuzeitlichen Salzhandel (Salztransport) zwischen Bad Hall in Tirol bzw. Bad Reichenhall/Berchtesgaden und über den Bodensee in die Schweiz und in den badischen Raum. Höhepunkt der Veranstaltung ist der Historische Salzzug mit rossgezogenen Planwagen, Lastpferden und Publikum auf einem Teilstück der alten Tiroler Salzstraße von Oberstaufen nach Simmerberg.

mini|Persönlichkeiten nach Tätigkeitsbereichen

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Marktes Nach Geburtsjahr geordnet Jacob Ernst Thomann von Hagelstein (auch Nestus Thomann; * um 1588 in Hagelstein; † 1653 in Lindau), deutscher Maler des Barock Anton Schneider (* 1777 in Untertrogen, heute Gemeindeteil des Marktes Weiler-Simmerberg; † 1820 in Fideris/Graubünden), Rechtsanwalt, Freiheitskämpfer, 1809 Oberbefehlshaber des Vorarlberger Volksaufstandes Otto von Langenmantel (* 1816 in Weiler im Allgäu; † 1875 in München), Bauingenieur und Baumeister der Befreiungshalle bei Kelheim