mini|St. Michael, Westfassade mit Rotenbergtreppe von der Schumannstraße aus mini|Historische Karte mit Darstellung des Rotenbergfriedhofes in der Bildmitte (Standort der heutigen Michaelskirche) in St. Johann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mini|St. Michael (Saarbrücken), Entwurf von Wilhelm Hector in neoromanischen Formen (Nachlass Hector) mini|St. Michael (Saarbrücken), Entwurf von Wilhelm Hector, Fassadenvariante (Nachlass Hector) mini|St. Michael; Saarbrücken; Im Jahr 1918 überarbeitete Fassadenskizze des ursprünglichen Entwurfes von 1913 noch mit barockisierenden Turmhauben (Archiv Institut für aktuelle Kunst im Saarland) mini|Neobarocke Turmfront der Abteikirche Schweiklberg mit Ähnlichkeiten zum ursprünglichen Entwurf Herkommers für St. Michael mini|Saarbrücken-St. Johann, Michaelskirche, Nordseite vom Echelmeyerpark aus mini|Empfangsgebäude des Hauptbahnhofes Stuttgart: Steinverkleidung, Rundbogennische, Maßwerkstäbe und Turmgestaltung weisen deutliche architektonische Verwandtschaftsbezüge zur St. Johanner Michaelskirche auf.

St. Michael ist eine römisch-katholische Kirche im Saarbrücker Stadtteil St. Johann, die in den Jahren 1923 bis 1924 nach Plänen des Architekten Hans Herkommer erbaut wurde. Seitdem ist sie von der Grundfläche des Innenraumes her das größte Kirchengebäude in der saarländischen Landeshauptstadt vor der evangelischen Ludwigskirche (Stadtteil Alt-Saarbrücken). Neben dem sogenannten Saardom (Hl. Sakrament) in Dillingen/Saar, der St. Ingberter Josefskirche sowie der Malstatter Josefskirche zählt die Michaelskirche zu den größten Kirchen des Saarlandes. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag der Kirche ist das Fest des heiligen Erzengels Michael am 29. September.

Geschichte Vorgeschichte Mittelalter Der lokalen Überlieferung nach soll bereits zur Merowinger-Zeit im 7. Jahrhundert eine dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Kapelle an der Stelle der heutigen Basilika St. Johann errichtet worden sein. Sie war keine selbstständige Pfarrkirche, sondern wurde seelsorgerisch vom Augustinerchorherrenstift in St. Arnual bis zu dessen Aufhebung ununterbrochen betreut. Eine erste urkundliche Erwähnung fand die Johanneskapelle im Jahr 1325, doch deutet der im Jahr 1265 in einer Urkunde erwähnte St. Johanner Ortsname, aus dem Johannespatrozinium der Kapelle abgeleitet, auf ein früheres Entstehungsdatum der Kapelle hin.

Auf Vermittlung des Grafen Johann I. ordnete Papst Johannes XXII. beim Dekan des St. Arnualer Stiftes im Jahr 1325 die Aufstellung eines Taufsteines und die Bestellung eines eigenen Priesters in der St. Johanner Kapelle an. Das Stift scheint der päpstlichen Anordnung aber nicht nachgekommen zu sein. Der für St. Johann zuständige St. Arnualer Stiftsherr residierte weiterhin in St. Arnual und ließ die mit der Pfründe verbundenen Seelsorgepflichten durch Hilfsgeistliche ausführen.Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken und St. Johann von den Anfängen städtischen Lebens bis zum Niedergang im Dreißigjährigen Krieg, in: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1850), Bd. 1, Saarbrücken 1999, S. 275.

Das bedeutete, dass die Bürger von St. Johann und auch die von Saarbrücken für den Empfang der Sakramente und anderer Kasualien einen Fußmarsch nach St. Arnual unternehmen mussten. Insgesamt fehlte sowohl Saarbrücken als auch St. Johann das gesamte Mittelalter hindurch eine zentrale Funktion im kirchlich-kultischen Bereich, was auch negative wirtschaftliche Auswirkungen hatte.Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken und St. Johann von den Anfängen städtischen Lebens bis zum Niedergang im 30jährigen Krieg, in: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1850), Bd. 1, Saarbrücken 1999, S. 199–298, hier S. 266–267, S. 271, S. 273–274, S. 277.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann, St. Johann an der Saar 1908, S. 18.

Reformation Seit der im Jahr 1575 durch Beschluss von Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken eingeführten Reformation war nur noch die evangelisch-lutherische Konfession erlaubt. Die Johannes dem Täufer geweihte Kapelle in der Nähe des St. Johanner Marktes wurde in den Jahren 1608 bis 1615 umgebaut und bestand danach aus einem einfachen Saal von 60 Fuß lichter Länge und 29 Fuß lichter Breite, der Chorturm war 20 Fuß lang und 27 Fuß breit. Dieses Gebäude wurde 1754 abgerissen und durch einen Kirchenneubau ersetzt.Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken und St. Johann von den Anfängen städtischen Lebens bis zum Niedergang im 30jährigen Krieg, in: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1850), Bd. 1, Saarbrücken 1999, S. 199–298, hier S. 271.

Rekatholisierung Eine erste katholische Messe konnte der für Saarbrücken und St. Johann zuständige Metzer Bischof Georges d’Aubusson de La Feuillade erst im Jahr 1680 in einer Scheune in der Türkenstraße gegenüber dem St. Johanner Gotteshaus feiern, nachdem in diesem Jahr König Ludwig XIV. von Frankreich die Grafschaft Saarbrücken besetzt hatte und sie als altes Lehen des Hochstifts Metz – dieses gehörte bereits seit 1648 zu Frankreich – beanspruchte. Zunächst übernahm der französische Garnisonspfarrer die Zivilseelsorge für die ca. 200 Katholiken der Grafschaft. Ihm folgte ein Jesuit aus der nächstliegenden Jesuiten-Ordensniederlassung Bockenheim. Im Jahr 1683 kam König Ludwig XIV. mit seiner Familie und einem großen Gefolge nach St. Johann, um am Folgetag an einem feierlichen Gottesdienst in der St. Johanner Notkirche teilzunehmen und somit seinen Herrschaftsanspruch zu bekräftigen.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann, St. Johann an der Saar 1908, S. 28.

Im Folgejahr 1684 wurde die bis dato lutherische Johanneskapelle auf Druck Ludwigs XIV. dem protestantischen Kultus entzogen und wieder der katholischen Kirche unterstellt.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken, Dillingen/Saar 2009, S. 71–72. Der französische König versuchte durch das Angebot der Abgabenfreiheit, die lutherischen Einwohner St. Johanns zu einem Übertritt zum Katholizismus zu bewegen. Infolgedessen stieg innerhalb weniger Jahre die Zahl der katholischen Einwohner St. Johanns gegenüber dem protestantischen Saarbrücken, wo die Abgabefreiheit nicht angeboten wurde, stark an. Als die protestantischen Grafen von Saarbrücken im Jahr 1697 wieder über ihr uneingeschränktes Herrschaftsrecht auch in St. Johann verfügten, reduzierte sich die Zahl der Katholiken dort wieder drastisch. Die finanzielle Unterstützung der St. Johanner Pfarrei durch die französische Krone zur Finanzierung der Pfarrer, Vikare und Schullehrer blieb auch erhalten, als die Grafschaft Saarbrücken wieder an das Heilige Römische Reich abgetreten werden musste. Erst im Zuge der Französischen Revolution wurde die Geldzahlung des Königshauses eingestellt.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken, Dillingen/Saar 2009, S. 72.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann, St. Johann an der Saar 1908, S. I–V und S. 28–31.

Anstelle des aufgelösten Augustinerchorherrenstiftes St. Arnual übernahm nach dem Frieden von Rijswijk, bei dem Frankreich im Jahr 1697 die reunierten Gebiete an der Saar (mit Ausnahme der Festung Saarlouis) zurückgeben musste, das Prämonstratenserkloster Wadgassen die Seelsorge. Gegen die Forderungen Englands, Hollands, Schwedens und der evangelischen Reichsfürsten war auf Druck Kaiser Leopolds I. und der katholischen Reichsstände entschieden worden, dass alle religionspolitischen Maßnahmen Frankreichs zur Zeit der Reunionen weiterhin Gültigkeit behalten sollten. Somit blieb die Kapelle in St. Johann auch weiterhin katholisch.

Ein Versuch des jungen Saarbrücker Grafen Ludwig Kraft, die St. Johanner Kapelle zu einem konfessionellen Simultaneum zu machen, scheiterte am Protest der Katholiken, die vom Metzer Bischof massiv unterstützt wurden.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken, Dillingen/Saar 2009, S. 72.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann, St. Johann an der Saar 1908, S. 28–31.

Planungen Bevölkerungsanstieg Nach dem Zusammenschluss der drei selbständigen Saarstädte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach zur neuen Großstadt Saarbrücken im Jahr 1909, entwickelte sich der Stadtteil St. Johann zunehmend zum wirtschaftlichen Zentrum der Saarmetropole. Die steigende Einwohnerzahl führte zum Bau neuer Wohnviertel im Stadtteil. Bereits im Lauf des 19. Jahrhunderts war der Katholikenanteil gegenüber der evangelischen Mehrheit stark angestiegen und die einzige katholische Kirche in St. Johann erwies sich als zu klein.

Abpfarrung von St. Jakob Schon bald nach der Fertigstellung der Kirche St. Jakob in Alt-Saarbrücken auf der linken Saarseite im Jahr 1888 war zwar eine erhebliche Erleichterung für die Gemeindemitglieder und den Klerus der bis dahin bestehenden Doppelpfarrei Saarbrücken-St. Johann zu spüren, doch wurden nun auch in St. Johann Planungen aufgenommen, das Pfarrgebiet auf der rechten Saarseite zu teilen.

Kirchenbauverein Pfarrer Leonhard Keil, der von 1899 bis 1912 St. Johann seelsorgerisch betreute, leitete dementsprechende Planungen ein. Direkt nach seiner Amtsübernahme gründete man im Jahr 1899 einen Kirchenbauverein. Im Jahr 1912 konnte durch eine großzügige Spende von Pfarrer Keil die unmittelbare Planungsphase aufgenommen werden. Als Bauplatz sah man das Gelände des St. Johanner Friedhofes auf dem Rotenberg vor. Der Friedhof (heute Echelmeyerpark, benannt nach Alois EchelmeyerEchelmeyer Alois, * 6. Dezember 1867 in Riesenbeck/Westfalen, † 1. April 1929 in Saarbrücken, bestattet in der Pfarrkirche St. Michael in St. Johann, 2. April 1892 Priesterweihe in Trier, 1912 Ernennung zum Pfarrer in St. Johann, 1914–1929 Dechant von Saarbrücken, 1922 Ernennung zum Päpstlichen Geheimkämmerer, 15. April 1929 Emeritierung (Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 46, 1998, S. 117.)) war bereits in den 1880er-Jahren aufgegeben worden.

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