mini|Plan von Bremerhaven aus dem Jahr 1831, der Hafen ist angelegt, es fehlen die Docks

mini|Karte von Geestemünde und Bremerhaven aus dem Jahr 1849, erkennbar die Entstehung des Hafens und die ersten Trockendocks an der Geeste

mini|Anordnung der Werften und Docks an der Geeste um 1900 An der Geeste­mündung im Unterwesergebiet siedelten sich von 1800 bis 1900 viele Werften und Reparaturbetriebe für die Schifffahrt an. In Bremerhaven und Geestemünde begann diese Entwicklung jedoch erst später, nach der Gründung von Bremerhaven und Geestemünde. Wie in Hamburg und Bremen schlossen jedoch im Laufe der Zeit fast alle der hier aufgezählten Werften. Nur die überwiegend im Reparaturbereich tätigen Werften wie die Lloyd Werft, Germay Dry Docks (entstanden aus MWB Motorenwerke Bremerhaven und Rickmers-Lloyd) sowie BREDO und überlebten an diesem bedeutenden und traditionsreichen Werftstandort.

Gründung von Bremerhaven (1827)

Die Kirchdörfer Geestendorf und Wulsdorf wurden um 1140 urkundlich genannt, Lehe als Amtssitz und Marktort um 1275. Vegesack löste Bremen wegen der wachsenden Versandung der Weser als Hafenplatz ab; als die Schiffe auch Vegesack nicht mehr anlaufen konnten, wurde an der Wesermündung ein geeigneter Platz gesucht. 1827 unterzeichneten der Bremer Senat und das Königreich Hannover den Vertrag über ein geeignetes Gelände für den neuen Bremer Hafen. Schon 1830 wurde parallel zur Weser ein erstes künstliches Hafenbecken, der Alte Hafen, eingeweiht. Bald darauf (1845) gründete das Königreich Hannover im Süden Bremerhavens eine neue Ortschaft (Geestemünde) und legte ebenfalls einen Hafen an. 1851 erhielt Bremerhaven die Stadtrechte. Die an der Geeste bzw. Weser liegenden preußischen Orte Geestemünde und Lehe wurden 1924 zur neuen Stadt Wesermünde vereinigt. 1939 wurde Bremerhaven in Wesermünde eingemeindet und 1947 wurde Wesermünde in Bremerhaven umbenannt. mini|Blick auf das Bremerhavener Doppeldock im Modell der Wenckewerft im Historischen Museum Bremerhaven mini|Blick auf die Reste vom Doppeldock der Wenckewerft in Bremerhaven mini|Abfahrt der Schiffe Germania und Hansa zur Zweiten Deutschen Polarexpedition am 15. Juni 1869 von Bremerhaven. Lithografie nach einer Zeichnung von Carl Justus Harmen Fedeler

Werften in Bremerhaven (1834 bis 1900) Im Unterwesergebiet an der Geestemündung siedelten sich von 1800 bis 1900 viele Werften und Reparaturbetriebe für die Schifffahrt an. In Bremerhaven und Geestemünde begann diese Entwicklung jedoch erst später, nach der Gründung von Bremerhaven und Geestemünde entstanden auch im Fischereihafen und Handelshafen neue Werften. F. W. Wencke gründete 1833 die erste Werft und ein Jahr später gründete R. C. Rickmers in Bremerhaven ebenfalls eine Werft, die aus Platzgründen später auf das Geestemünder Gebiet umzog. Es waren außerdem Bremer Werften wie C. Lange (1837) und H. F. Ulrichs (1855), die aufgrund der Weserversandung eine Zweigstelle mit Bauplatz und Trockendock für Reparaturzwecke in Bremerhaven gründeten. Drei dieser vier Werften wurden später um 1900 an den Kupferschmied Georg Seebeck verkauft, der vorher schon den 1853 gegründeten Dock- und Werftbetrieb Schau & Oltmanns übernommen hatte.

Cornelius Jantzen Cornelius (1821 bis)

Der Schiffszimmerbaas Cornelius Jantzen Cornelius stammte aus Hooksiel und hatte seit 1821 an der Geeste von der hannoverschen Regierung in Lehe ein Grundstück gepachtet. Im Pachtvertrag verpflichtete er sich, eine Helling für Neubauten zu erstellen und einen Platz für die Reparatur der auf der Weser eingesetzten Schiffe einzurichten.

C. J. C. Cornelius starb 1842, und sein Sohn, der den gleichen Namen wie sein Vater hatte, übernahm die Werft. Er war Schiffbaumeister, trat jedoch als Schiffbauer kaum in den Vordergrund. Er führte neben der Werft eine Gaststätte, der er viel Aufmerksamkeit widmete. Die Werft wurde vorwiegend für Schiffsreparaturen genutzt.

F. W. Wencke (1833 bis 1900)

Die Werft wurde in Bremerhaven als erste Werft 1833 an der Mündung der Geeste auf einem gepachteten Grundstück errichtet. Die Helling entstand 1834 und 1845 bis 1846 ein Trockendock, das zweite in Deutschland. Dieses hatte zwei Kammern mit einer Länge von 52 Metern bzw. 32 Metern sowie eine gemeinsame 11 Meter breite Einfahrt und wurde 1860 vergrößert.

Der erste Neubau dieser Werft war auch das erste in Bremerhaven gebaute Seeschiff. Mit dem Raddampfer Manchester für die Hanseatische Dampfschifffahrtsgesellschaft in Hamburg lieferte Wencke 1841 seinen ersten seegehenden Dampfer ab. Mit 520 RT war es für die folgenden zehn Jahre sein größtes Schiff. Erst das 1851 für Wätjen erbaute Vollschiff Olbers war mit 831 RT größer. Zwei seiner Neubauten, die Barken Tusnelda und Tusnelde, wurden 1858 an seine eigene in Langen beheimatete Reederei abgeliefert. 1860 wurde das Trockendock vergrößert und erneuert.

Zwei Schiffe werden auch heute noch mit dem Namen Wencke in Verbindung gebracht, es ist das 1125-RT-Vollschiff Hansa, das unter der Leitung von Carl Koldewey 1869/70 an der zweiten deutschen Polarexpedition teilnahm. Noch bekannter wurde der erste deutsche Fischdampfer, die Sagitta. Sie wurde 1885 erbaut und an die Reederei Friedrich Busse ausgeliefert. Sie war auf Anhieb ein sehr erfolgreicher neuer Schiffstyp, der anschließend von mehreren Fischereigesellschaften bestellt wurde. Für Kolumbien wurden in den 1890er Jahren sechs Heckraddampfer verschiedener Größe gebaut. Der 1900 an die Reederei Paulsen und Ivers abgelieferte Dreimastschoner Richard Hagen war das letzte Schiff dieser innovativen Werft.

Der Schiffbaupionier und Werftgründer Friedrich Wilhelm Wencke starb 1859, und die Werft und Reederei wurde vom Schwiegersohn Friedrich Wilhelm Albert Rosenthal und ab 1881 vom Sohn Nicolaus Diedrich Wencke weitergeführt. 1900 wurde die Werft geschlossen und später an Georg Seebeck verkauft.

Rickmers (1834 bis 1986)

mini|Blick auf die Längs- und Querhelgen im Modell der Rickmers Werft um 1860 im Historischen Museum Bremerhaven Die auf Helgoland verwurzelte Familie Rickmers lebte wie fast alle Helgoländer vom Meer, von der Fischerei und von der Seefahrt. Der 1807 geborene Rickmer Clasen Rickmers lernte den Beruf des Schiffszimmermanns auf einer Bootsbauwerft und fuhr anschließend zur See. Er heiratete 1831, half seinem Vater bei der Fischerei und legte sein Lotsenexamen ab. Er baute auf Helgoland zwei Schaluppen, die er im jungen Bremerhaven gut verkaufen konnte. Das gab den Ausschlag, nach Bremerhaven überzusiedeln, wo er bei dem Zimmermeister C. J. Cornelius als Meisterknecht arbeitete mit der Möglichkeit, nach Feierabend als Lotse zu arbeiten und auf eigene Rechnung Boote zu bauen. Mit Fleiß und Sparsamkeit erreichte er 1834 sein erstes Ziel, erwarb ein Grundstück, ließ ein kleines Haus mit Werkstatt errichten und machte sich selbstständig. Die Lage des Hauses war jedoch ungünstig, da größere Boote nur mit viel Aufwand zur Geeste transportiert werden konnten.

Die eigene Werft 1836 wurde daher direkt an der damals fast unbebauten Geeste ein Grundstück gepachtet und eine kleine Werft errichtet, die schon nach 3 Jahren vergrößert wurde. Jetzt entstanden größere Schiffe wie Barken und Galioten bis 400 Tonnen. 1842 wurde Rickmers Reeder und beteiligte sich an zwei Schiffen für die Beförderung von Auswanderern. 1843 entstand das 1. Vollschiff (850 Tonnen), das als Walfänger für die Bremer Südsee-Compagnie gebaut wurde. Inzwischen arbeiteten 100 Mann auf der Werft, 1850 waren es 300. An der Geeste hatte sich Konkurrenz angesiedelt, die neben Bauplätzen auch über Trockendocks verfügten. Der Krieg mit Dänemark (1848–1851) führte aufgrund der Blockade von Elbe und Weser für die Reeder zur Einstellung der Schifffahrt. Nicht für den gebürtigen Helgoländer Rickmers, der seine Schiffe jetzt unter englischer Flagge betrieb. Da die Bürokratie verhinderte, sich auf der bremischen Seite auszudehnen, übersiedelte er 1857 auf die Geesthelle auf der hannoverschen Seite der Geeste. Hier hatte er mit fast 65.000 m² etwa den 10-fachen Platz. Er konnte endlich seine Pläne verwirklichen und errichtete neben den Werftanlagen auch ein Haus für seine Familie und eine Häuserreihe für seine Arbeiter und Angestellten.

Um 1860 begann Rickmers, seine Segelschiffe in der Reisfahrt zu beschäftigen, da schnelle Dampfer in das lohnende Teegeschäft eingebrochen waren. Das führte 1872 dazu, sich in Bremen an einer Reismühle zu beteiligen und später ganz zu übernehmen. Sie wurde von seinem Sohn Andreas geleitet. Rickmers gehörte zu den Gründern der Geestemünder Bank und beteiligte sich an der Gründung der Deutschen Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa“. mini|Eingangsportal auf das ehemalige Gelände der Rickmerswerft

Werftstilllegung (1924) und Werftschließung (1986) Peter Rickmers, der die Reederei leitete, übernahm nach dem Tod seines Vaters 1886 die Leitung der Werft. Er erhielt eine praktische Ausbildung zum Schiffbauer, absolvierte anschließend ein Studium an der Technischen Hochschule Hannover und führte auf der Werft den Eisenschiffbau ein. Auch Dampfer wurden gebaut, anfangs vorwiegend Fischdampfer und ab 1900 zunehmend Frachtdampfer, überwiegend für die eigene Reederei. Der Erste Weltkrieg führte zur kurzzeitigen Schließung der Werft, danach wurden Vorpostenboote gebaut. Nach dem Krieg musste die Reederei alle Schiffe abliefern. Bis 1924 war die Werft damit beschäftigt, neben der Fertigung von Fischdampfern die eigene Flotte wieder aufzubauen. Danach blieben Aufträge aus, und Paul Rickmers, der inzwischen in 3. Generation die Werft leitete, legte die Werft still. 1934 wurde der 100. Geburtstag mit einer Jubiläumsschrift dokumentiert und mit vielen Gästen prunkvoll begangen. 1937 wurde die Werft wieder eröffnet, modernisiert und baute vorwiegend Fischdampfer und zunehmend Schiffe und Leichter für die Marine. Im Zweiten Weltkrieg wurden überwiegend Minensucher abgeliefert. Ein Bombenangriff auf Bremerhaven vernichtete 1944 auch den Großteil der Werft und im Bau befindliche Schiffe. Inzwischen war mit Bertram Rickmers die vierte Generation Schiffbauer auf der Werft, die anfangs Torfbagger und Zirkuswagen herstellte.

Um 1948 begann der Bau von Fischdampfern, und bis 1972 wurden neben Frachtern, einige auf eigene Rechnung, zwei Kühlschiffe, viele Fischdampfer, Fischerei-Motorschiffe, Hecktrawler und Fabrikschiffe gebaut. Durch mehrere Innovationen, wie optimierte Schiffsformen zur Verbesserung des Seeverhaltens, frühzeitige Motorisierung und Einführung der Heckfänger war die Rickmers Werft zur führenden Werft für Fischereischiffe geworden.

1967 zogen der Reparaturbetrieb und die Ausrüstungsabteilung für den Neubau in den Fischereihafen um. 1970 wurden die ersten RoRo-Schiffe gebaut, die neben Frachtern und einigen Spezialschiffen das Bauprogramm der folgenden 10 Jahre darstellten. Es folgen weitere Frachter und einige Containerschiffe mittlerer Größe. 1986 wurde die Werft geschlossen.

J. Lange und C. Lange (1837 bis 1884)

mini|Blick auf die Geeste mit Fischereifahrzeugen und das hölzerne Docktor vom Doppeltrockendock der Lange Werft um 1887 (Historisches Museum Bremerhaven) Johann Lange gründete 1805 in Bremen-Vegesack eine Werft an der Aue, dicht an der Mündung der Lesum in die Weser. 1837 eröffnete er in Bremerhaven einen Zweigbetrieb, der jedoch ausschließlich als Reparaturbetrieb gedacht war. Dafür wurden ein Trockendock errichtet, das 1840 fertig gestellt war und als ältestes Trockendock Deutschlands gilt. Nach dem Tod von J. Lange (1841) führte sein Sohn Carl Lange den Bremerhavener Betrieb weiter. Ab 1850 wurden auch neue Schiffe gebaut und um 1860 wurde ein zweites Trockendock errichtet. Die Werft wurde 1895 an Georg Seebeck verkauft.

J. S. Abegg (1841 bis 1843)