mini|hochkant|WikiLeaks-Logo Dieser Artikel behandelt die Veröffentlichungen auf der Internetplattform WikiLeaks.

Veröffentlichungen 2007 Die Plünderung Kenias im Guardian Am 31. August 2007 erschien in der britischen Tageszeitung The Guardian ein Enthüllungsartikel über Korruption in Milliardenhöhe in der Familie des ehemaligen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi. Die Zeitung berief sich auf einen bei WikiLeaks veröffentlichten Report.

Guantánamo-Bay-Handbücher WikiLeaks veröffentlichte im November und Dezember 2007 die Richtlinien der US-Armee für das Gefangenenlager Guantanamo (Camp Delta Standard Operating Procedures).Ryan Singel: Sensitive Guantánamo Bay Manual Leaked Through Wiki Site. Wired, 14. November 2007 (englisch).specific address (PDF; 4,2 MB) The Guardian. Die Dokumente bewiesen erstmals die Verletzung der Menschenrechte und der Genfer Konventionen, wie zum Beispiel den systematischen Entzug des Kontakts bestimmter Gefangener zum Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Die Misshandlungen seien mit fachkundiger Anleitung von Ärzten durchgeführt worden. Ein Handbuch enthielt die Anweisung, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz nur Zugang zu bestimmten Gefangenen zu gestatten.

2008 Bank Julius Bär gegen WikiLeaks WikiLeaks publizierte im Januar 2008Schweizer Bank bekämpft Enthüllungs-Wiki in: Spiegel Online vom 19. Februar 2008 interne Dokumente der Julius Baer Bank & Trust Company auf den Cayman Islands, eines Unternehmens der Schweizer Bankhausgruppe Julius Bär. Die Dokumente enthielten Kundendaten und Interna der Bank zu Steuerangelegenheiten, die über die Cayman Islands abgewickelt wurden. Unter den Dokumenten waren auch Fälschungen und Namen und Adressen von unschuldigen Personen. WikiLeaks musste sich in mindestens einem Fall bei einem Betroffenen entschuldigen. in: Der Sonntag vom 4. Dezember 2010 Julius Bär schaltete kalifornische Anwälte der Kanzlei Lavely & Singer ein, um gerichtlich gegen den Domainregistrar der Domain wikileaks.org vorzugehen. Am 18. Februar 2008 wurde die Domain per kalifornischem Gerichtsurteil aus dem Namensregister des Registrars entfernt. Da sich die von WikiLeaks verwendeten Server auf mehrere Länder verteilen und WikiLeaks über knapp 150 weitere Domains erreichbar war, war WikiLeaks zu keinem Zeitpunkt offline. CBS News meldete „Freedom of Speech has a number: 88.80.13.160“,cbsnews.com und auch die New York Times publizierte WikiLeaks’ IP-Adresse.nytimes.com

Die American Civil Liberties Union und die Electronic Frontier Foundation reichten eine motion to intervene ein mit dem Ziel, als weitere Partei am Gerichtsverfahren um die Zensur von WikiLeaks beteiligt zu werden. Reporters Committee for Freedom of the Press organisierte eine Koalition von Medien- und Presseinstitutionen, die einen Amicus Curiae für WikiLeaks stellten. Die Koalition umfasste große US-Zeitungspublikationen und Presseorganisationen, wie die American Society of Newspaper Editors, die Associated Press, das Citizen Media Law Project, die E.W. Scripps Company, die Gannett Company, die Hearst Corporation, die Los Angeles Times, die National Newspaper Association, die Newspaper Association of America, die Radio-Television News Directors Association, und die Society of Professional Journalists.wikileaks.org Die Koalition verlangte eine Anhörung als Freund des Gerichts, um auf wichtige rechtliche Aspekte aufmerksam zu machen, die nach Ansicht der Koalition im ersten Urteil übersehen wurden.

Einem Julius-Bär-Sprecher zufolge richtete sich die Maßnahme nicht gegen WikiLeaks als Anbieter, sondern sei ergriffen worden, „weil die Bank zum Gegenstand verleumderischer Anschuldigungen“ geworden sei und die auf der Seite enthaltenen Unterstellungen auf gefälschten und gestohlenen Dokumenten basierten. Die Bank wollte nicht die ganze Website schließen. Sie bat den Richter, die Dokumente auf der Internetplattform entfernen zu lassen. Da der Richter die anonymen Betreiber der Website nicht fand, ließ dieser gleich die ganze Seite schließen.Julius Bär lässt Webseite in den USA schliessen in: NZZ Online vom 28. Februar 2008

Am 29. Februar 2008 hob der zuständige Richter die einstweilige Verfügung zur Sperrung wieder auf, da aufgrund der vorhandenen Alternativ-Adressen mit der Sperrung nicht die gewünschte Geheimhaltung erzielt werden konnte.Nachricht bei heise.de, 1. März 2008 Kurz darauf zog die Bankengruppe Julius Bär die Klage ohne Angabe von Gründen zurück.Nachricht bei heise.de, 6. März 2008

Die Dokumente wurden von dem damaligen Mitarbeiter der Bank Rudolf Elmer entwendet. Aufgrund der Übergabe von Kunden- und Geschäftsdatensätzen 2008 an WikiLeaks und am 17. Januar 2011 im Londoner Frontline Club an WikiLeaks-Sprecher Assange wurde Elmer festgenommen und in Untersuchungshaft genommen mit der Begründung, dass dringender Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr bestehe. Elmer legte beim Obergericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Untersuchungshaft ein.Ex-Banker Rudolf Elmer erhebt Beschwerde gegen Untersuchungshaft in: Tages-Anzeiger vom 27. Januar 2011 Kurz zuvor wurde Elmer wegen mehrfacher versuchter Nötigung, Drohung und Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses von einem Schweizer Gericht zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. Er musste zudem einen Teil der Gerichtskosten tragen. Elmer hatte 2004 Datensätze an Medien und Steuerbehörden weitergeleitet sowie Bankmitarbeiter bedroht.Richter: Elmer ist ein Whistleblower aus Rache in: Tages-Anzeiger vom 19. Januar 2011 Elmer legte Berufung gegen das Urteil ein. Schweizer Fernsehen, 20. Januar 2011. Die Weitergabe der Datensätze an WikiLeaks waren nicht Teil der Anklage. Schweizer Fernsehen, 12. Januar 2011

Elmer spricht von ca. 40 Politikern, die in den Datensätzen enthalten sein sollen, die er 2011 an Assange weitergegeben hat. Namen der potentiellen Steuerflüchtigen werden allerdings nicht veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht die Aufdeckung der Struktur, die der Steuerhinterziehung zugrunde liegt.Swiss whistleblower Rudolf Elmer plans to hand over offshore banking secrets of the rich and famous to WikiLeaks erschienen in The Guardian am 16. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.

Scientology Am 7. April 2008 erhielt WikiLeaks einen vom 27. März 2008 datierten Brief des Religious Technology Centre der Scientology, der Anspruch auf die Rechte an von WikiLeaks publizierten Inhalten der Scientology-Kirche erhob, unter anderem im Zusammenhang mit den OT-Levels-Handbüchern.Church of Scientology collected Operating Thetan Documents, including full text of legal letter (4. Juni 2008)

Über den Brief wurde WikiLeaks auch aufgefordert, die Verbindungsdaten der Quelle des Scientology-Materials herauszugeben. In einem Statement gegenüber Wikinews erklärte WikiLeaks, dass man als Antwort auf die Anfrage von Scientology und den Versuch der Unterdrückung des Materials tausende weitere Seiten von Scientology-Dokumenten publizieren werde.Church of Scientology warns Wikileaks over documents. 4. Juli 2004 (Wikinews, englisch)

WikiLeaks verfügt über die größte Sammlung an Aufzeichnungen der Scientology-Kirche, die öffentlich zugänglich ist. Sie wurde bald intensiv von Insidern und ehemaligen Scientologen zur Exponierung der Organisation genutzt. Die Plattform verfügt über zahlreiche Audio- und Videoaufzeichnungen des Science-Fiction-Autors und Scientology-Gründers L. Ron Hubbard. Diese beinhalten unter anderem auch den sogenannten Introspection Rundown, bei dessen Anwendung Scientology-Mitglied Lisa McPherson 1995 verstorben ist.

BNP-Mitgliederliste Am 18. November 2008 veröffentlichte WikiLeaks die Mitgliederliste der British National Party, einer rechtsextremen Partei im Vereinigten Königreich. Die Liste umfasste Namen, Adressen, Alter und Beruf von fast allen 12.801 Mitgliedern der Partei, darunter auch Polizisten, Anwälten, Pfarrern, Ärzten sowie Lehrern an Grund- und Mittelschulen. In Großbritannien ist Polizisten die Mitgliedschaft in der BNP untersagt, und mindestens ein Polizist wurde aufgrund der Veröffentlichung aus dem Dienst entlassen. Die BNP war für eine rigide Geheimhaltung ihrer Mitgliederlisten bekannt. Am 19. November gab BNP-Chef Nick Griffin bekannt, dass die undichte Stelle in der BNP gefunden sei und es sich um einen ehemaligen Führungskader der Partei handele, der die Partei allerdings 2007 verlassen habe.

Veröffentlichung von Internetsperrlisten und Ermittlungsverfahren gegen WikiLeaks WikiLeaks publiziert seit 2008 Internetsperrlisten verschiedener Länder, darunter die restriktiver Staaten wie China und Thailand, aber auch Sperrlisten etwa von Dänemark, Finnland, Norwegen, Italien und Australien.wikileaks.org

Durch die Veröffentlichung wurde der eindeutige politische Missbrauch der Sperrsysteme bestätigt: In Australien wurden Seiten von Abtreibungsgegnern und die Pressemeldung auf WikiLeaks zu den Sperrlisten von der australischen Regierung gefiltert. In Finnland wurde ein Blog gesperrt, da es Teile der dortigen Liste veröffentlicht hatte.Finnish internet censorship critic blacklisted. (Wikinews, englisch) Allgemein wurde eine hohe Fehlerrate der Listen festgestellt.scusiblog.org So bestätigte auch eine Untersuchung des australischen Senats, dass nur 32 % der gesperrten Seiten Inhalte mit pornografischen Darstellungen von Personen unter 18 Jahren anboten. Die Listen der skandinavischen Länder wiesen noch höhere Fehlerquoten von bis zu 90 % auf. In der Finnischen Zensurliste waren nur 1 % der Einträge korrekt. Die Publikation der Sperrlisten erscheint WikiLeaks besonders wichtig, um sicherzustellen, dass die freie Kommunikation der Gesellschaft nicht durch unkontrollierte und nachweislich missbrauchte und fehlerhafte Sperrlisten eingeschränkt wird und werden kann.WikiLeaks-Vortrag auf SigInt09.

2009 Kaupthing-Bank WikiLeaks publizierte am 29. Juli 2009 ein internes Dokumentwikileaks.org der Kaupthing-Bank, welches kurz vor dem finanziellen Kollaps des isländischen Bankensektors erstellt worden war, der zur isländischen Finanzkrise führte. Das Dokument zeigt, dass extrem hohe Kredite, teilweise in Milliardenhöhe, ohne wirkliche Sicherheiten an verschiedene Eigner der Bank vergeben worden waren und sehr große Schuldsummen abgeschrieben wurden. Die Medien der Welt berichteten von einer „Plünderung der Bank durch ihre Eigner“. Kaupthing-Anwälte bedrohten WikiLeaks mit rechtlichen Schritten und beriefen sich dabei auf das Bankgeheimnis. Die Veröffentlichung führte zu einem öffentlichen Aufbegehren in Island und wurde über Wochen in den Medien diskutiert. Als erste politische Konsequenz gibt es Bestrebungen der Regierung, vom bestehenden Bankengeheimnis abzurücken.wayback.vefsafn.is

Minton-Report über toxische Abfälle in der Elfenbeinküste