mini|Admiral Yamamoto Isoroku (1943) Yamamoto Isoroku (; * 4. April 1884 in Nagaoka, Präfektur Niigata, Japan; † 18. April 1943 über Bougainville, Salomon-Inseln) war ein japanischer Admiral während des Pazifikkrieges. Als Takano Isoroku () geboren, wurde er 1916 als aufstrebender Marineoffizier von der Familie Yamamoto adoptiert und stieg bis Ende der 1930er Jahre in die höchsten Kreise der Kaiserlich Japanischen Marine auf. In seiner Eigenschaft als Oberkommandierender der Vereinigten Flotte der Kaiserlichen Marine plante er unter anderem den Angriff auf den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor und bestimmte die weiteren Aktionen der Marine bis zu seinem Tod maßgeblich mit.
Leben Kindheit und Jugend Yamamoto Isoroku wurde 1884 als drittes Kind von Takano Sadayoshi (), einem ehemaligen Samurai, und seiner zweiten Frau in Nagaoka in der Präfektur Niigata geboren; aus der ersten Ehe des Vaters stammten dazu noch drei weitere Kinder. Den Vornamen Isoroku (wörtlich übersetzt „sechsundfünfzig“) erhielt er, weil sein Vater zur Zeit seiner Geburt sechsundfünfzig Jahre alt war. Takano Sadayoshi hatte im Boshin-Krieg auf Seiten des Shogunats gekämpft und musste sich nach der Auflösung des Samurai-Standes 1877 als Schwertschmied verdingen, da ihm aufgrund seiner Kriegsteilnahme jede Arbeitsstelle bei offiziellen Stellen verweigert wurde. Kurz nach Isorokus Geburt wurde er zum Direktor der Grundschule von Nagaoka ernannt; seine Familie blieb dennoch eine der ärmsten in der Stadt.
Zunächst erhielt der junge Isoroku von christlichen Missionaren Unterricht, darunter einem Amerikaner, der ihn in der englischen Sprache unterrichtete. Später besuchte er die Sakanoue-Grundschule und wechselte anschließend 1894 auf die Mittelschule von Nagaoka, deren Gründer bei der Erziehung großen Wert auf Charaktereigenschaften wie Tapferkeit, Gemeinschaftswillen und vor allem Verantwortungsbewusstsein legte. Sowohl der Unterricht bei den Missionaren als auch auf der Mittelschule prägten ihn charakterlich sehr.Edwin P. Hoyt: Yamamoto. The man who planned Pearl Harbor. McGraw-Hill, New York u. a. 1990
Beginn der militärischen Karriere mini|Takano Isoroku als Kadett der Kaiserlichen Marineakademie (1905) Im Frühjahr 1901 beschloss Isoroku, sich an der Marineakademie auf der Insel Eta in der Präfektur Hiroshima zu bewerben. Er schloss die Aufnahmeprüfung als Zweitbester ab und konnte deshalb im Sommer desselben Jahres mit der Ausbildung beginnen. Neben dem normalen Unterricht übte sich Isoroku besonders im Turnen; Kendō sagte ihm zu, da es gleichermaßen körperliche und geistige Fähigkeiten erforderte. Im Allgemeinen kam er gut mit seinen Mitschülern aus, wenngleich er von einigen wenigen angegriffen wurde, weil er als einziger Kadett eine Bibel besaß. Im Laufe der Ausbildung entschied er sich dann für eine Laufbahn als Geschützoffizier und schloss die Akademie im November 1904 als Siebtbester von über zweihundert Kadetten ab. Nach einem kurzen Zwischenspiel auf einem Trainingsschiff wurde er am 3. Januar 1905 im Rang eines kaigun shōi, dem Rang eines deutschen Seekadetten entsprechend Die Übersetzung der jeweiligen Ränge ins Deutsche basiert auf Kinji Kimura/Sagara Morio: Deutsch-japanisches Wörterbuch. Hakuyusha, Tokio 1979 sowie dem Glossar der Seite des Australia War Memorial. Abgerufen am 17. Oktober 2011., dem Kreuzer Nisshin zugeteilt.
Mittlerweile befand sich Japan mit dem Russischen Reich im Krieg. Bereits einige Jahre lang hatte es Spannungen im Verhältnis der beiden Länder gegeben, da erhebliche Interessenskonflikte in Bezug auf die Koreanische Halbinsel und die Mandschurei bestanden. Nachdem Russland einem Abkommen nicht nachgekommen war, in dem es sich zum Truppenrückzug aus der Mandschurei verpflichtet hatte, beschloss Japan den Krieg, der im Februar 1904 mit einem Überraschungsangriff auf den Stützpunkt Port Arthur begann. Nachdem die russische Pazifikflotte nach einigen weiteren Gefechten im August im Gelben Meer eine erneute schwere Niederlage erlitten hatte, entsandte die russische Militärführung die Ostseeflotte nach Ostasien.
Um das Ostseegeschwader abzufangen, stellte der japanische Admiral Tōgō Heihachirō eine neue Flotte zusammen, der die Nisshin zugewiesen wurde. Nahe der Insel Tsushima trafen die beiden Flotten am Vormittag des 26. Mai aufeinander. In der folgenden Seeschlacht von Tsushima wurde Takano verwundet, als sich in direkter Nähe eine Explosion an Bord der Nisshin ereignete. Worauf genau die Explosion zurückzuführen war, ist nicht sicher: Es werden entweder ein Treffer durch russische Geschütze oder die plötzliche Explosion eines der Geschütze der Nisshin vermutet. Vgl. Edwin P. Hoyt: Yamamoto. The man who planned Pearl Harbor. McGraw-Hill, New York u. a. 1990. S. 28. Er verlor bei diesem Zwischenfall zwei Finger der linken Hand, nahm aber bis zum Ende der Schlacht an den Kämpfen teil.
Die folgenden Wochen verbrachte er in einem Militärkrankenhaus in Yokosuka, während der Krieg im September mit dem Vertrag von Portsmouth beendet wurde. Takano erhielt bis Ende des Jahres sowohl eine offizielle Belobigung als auch eine Nachricht von Admiral Tōgō, in der dieser ihm persönlich für seinen Einsatz dankte. Darüber hinaus wurde er zum kaigun chūi (Oberleutnant zur See) befördert. Er wurde zunächst auf die Schützenschule der Marinebasis Sasebo geschickt, wo er bis 1907 blieb. Danach versetzte man ihn auf verschiedene Schiffe, darunter den Kreuzer Aso, auf dem er 1909 an einer Reise an die amerikanische Westküste teilnahm. Im Jahr nach der Reise stieg Takano Isoroku zum kaigun daii (Kapitänleutnant) auf.
Im Februar 1912 starb sein Vater Sadayoshi, gleichzeitig wurde die Mutter schwer krank. Takano Isoroku kehrte nach Nagaoka zurück und schlug ihr vor, seine Karriere zu beenden, um sich um sie kümmern zu können. Da seine Mutter dies jedoch ablehnte, kehrte er auf sein Schiff zurück und erfuhr dort im August von ihrem Tod.
Frühe Offizierskarriere und Adoption mini| Hochzeitsfoto: Yamamoto Isoroku und Mihashi Reiko, Navy Club in Shiba, Tokyo, 31. August 1918 Noch im selben Jahr wurde Takano erneut versetzt, diesmal auf den Kreuzer Niitaka, bevor er 1913 an die Marinehochschule in Tsukiji berufen wurde, deren Abschluss für jeden Offizier die Grundlage für den Aufstieg in die höheren Kreise der Kaiserlichen Marine darstellte. Takano erzielte während der Ausbildung überdurchschnittliche Ergebnisse, zum einen aufgrund seiner intensiven Bemühungen, zum anderen aber auch deshalb, weil er anders als seine Kommilitonen auf Feiern nur wenig trank, da er Alkohol nur schlecht vertrug. Dennoch nahm er immer an den Feiern teil; auch besuchte er des Öfteren Geishas und fand zunehmend Gefallen an Gesellschafts- und Glücksspielen, die taktisches und strategisches Denken erforderten, wie etwa Shōgi und Go bzw. Poker oder Bridge, die er einige Jahre später in Amerika kennenlernen sollte. In den folgenden Jahren verbrachte er einen großen Teil seiner Freizeit mit diesen Spielen; den Angriff auf Pearl Harbor sollte er später gar einmal mit einem kleineren, gerade so erfolgreichen Zug beim Bridge vergleichen.
1915 wurde er aufgrund seiner Ergebnisse, die er im Laufe der Ausbildung erzielt hatte, zum kaigun shōsa (Korvettenkapitän) befördert, im Folgejahr schloss er die Marinehochschule erfolgreich ab und wurde an den Stab des Zweiten Schlachtgeschwaders der Marine berufen.
Die guten Ergebnisse hatten Takanos Vorgesetzte auf ihn aufmerksam gemacht. Insbesondere der in der Region Niigata ansässige und hoch angesehene Yamamoto-Clan war beeindruckt von seinen Leistungen. Ein Angehöriger dieser Familie hatte im Boshin-Krieg auf Seiten der Tokugawa gekämpft und war getötet worden, ohne Söhne zu hinterlassen. In Japan war es üblich, in solchen Fällen einen erwachsenen Mann auszuwählen und ihn zu adoptieren, um die Stammlinie zu erhalten. Man war bereits seit einigen Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für eine Adoption gewesen und sah diesen nun in Takano Isoroku. Der junge Offizier nahm das Angebot an, legte in einer Zeremonie in einem buddhistischen Tempel seinen alten Namen nieder und nannte sich fortan Yamamoto Isoroku ().
Der neue Name brachte neue Verpflichtungen mit sich. Trotz seiner mittlerweile 32 Jahre war er immer noch unverheiratet und seine neue Familie drängte ihn zu einer baldigen Heirat. Man stellte Yamamoto mehrere Kandidatinnen vor, von denen ihm jedoch keine zusagte. Ein Freund schlug ihm schließlich Mihashi Reiko () vor, die Tochter eines Bauern aus seiner Heimatpräfektur. Trotz des Standesunterschiedes gaben beide Familien ihre Zustimmung und die beiden heirateten am 31. August 1918. Aus dieser Beziehung sollten später zwei Söhne (Yoshimasa und Tadao) und zwei Töchter (Sumiko und Masako) hervorgehen. Yamamoto sollte im Vergleich zu anderen Offizieren relativ wenig Zeit mit seiner Familie verbringen, jedoch vernachlässigte er seine familiären Pflichten nie. Allerdings suchte er weiterhin die Gesellschaft von Geishas, wobei er mit mehreren Liebesbeziehungen führte.Vgl. zu dieser Thematik insbesondere Hiroyuki Agawa: The reluctant admiral. Yamamoto and the Imperial Navy. Kodansha, Tokio u. a. 1979. Die Biographie löste bei ihrem Erscheinen in Japan großes Aufsehen aus, da dieser Aspekt im Leben Yamamotos bislang weitgehend unbekannt gewesen war. Teile der Öffentlichkeit warfen Agawa daraufhin vor, das Erbe eines Nationalhelden beschmutzt zu haben. Vgl. dazu Edwin P. Hoyt: Yamamoto. The man who planned Pearl Harbor. McGraw-Hill, New York u. a. 1990. S. 38.
Karriere nach dem Ersten Weltkrieg mini|Yamamoto Isoroku als junger Offizier mit seinem Freund Teikichi Hori. Aufnahme ca. 1915–1919 Die amerikanische Einflussnahme auf den Vertrag von Portsmouth im Jahre 1905, die die Zahlung von Reparationen Russlands an Japan verhindert hatte, hatte die Aversion gegenüber dem Westen innerhalb des japanischen Militärs verstärkt. Um den potentiellen Feind besser kennenzulernen, wurden ausgewählte Offiziere von Armee und Marine in die Vereinigten Staaten geschickt. Einer von ihnen war Yamamoto. Im Frühjahr 1919 reiste er ohne seine Frau auf einem Schiff nach Amerika und schrieb sich in Harvard in einem Fortgeschrittenenkurs für Englisch ein und nahm nebenher ein Studium der Erdölwirtschaft auf, ein Gebiet, das für die Marine immer wichtiger wurde. Yamamoto galt bei seinen anderen Kommilitonen an der Universität als hart arbeitender Student, aber auch als leidenschaftlicher und auch talentierter Spieler. Mit den Amerikanern kam er gut aus, da er nicht wie viele andere japanische Militärangehörige anti-amerikanische Ressentiments hegte.John Deane Potter: Yamamoto. The Man Who Menaced America. The Viking Press, New York 1965. Einige amerikanische Ölfirmen boten ihm aufgrund seines großen Eifers sogar eine Stelle an, was er ablehnte. Während seines Studiums besuchte er außerdem einige Automobilfabriken in Detroit. Yamamoto war von der hohen Produktivität überaus beeindruckt und kam zu der Überzeugung, dass ein möglicher Krieg Japans mit den Vereinigten Staaten unweigerlich zu einer Niederlage Japans führen müsse.Edwin P. Hoyt: Three military leaders: Heihachiro Togo, Isoroku Yamamoto, Tomoyuki Yamashita. Kodansha International, Tokio u. a. 1993. S. 81f.
In Harvard wurde Yamamoto zudem auf ein noch vergleichsweise junges Fachgebiet aufmerksam: die Luftfahrt. Er interessierte sich sehr dafür und versuchte, darüber so viele Informationen wie möglich zu bekommen. Nach Lektüre einiger Frontberichte aus dem Ersten Weltkrieg und dem Besuch einiger Flugzeugfabriken kam er zu dem Schluss, dass das Flugzeug in der Zukunft insbesondere in der Seekriegsführung eine entscheidende Rolle als Offensivwaffe spielen könnte Yamamoto verfolgte auch einige zu dieser Zeit öffentlich geführte Debatten unter britischen und amerikanischen Militärs, die eher skeptisch eingestellt waren und Flugzeuge als nur zur Aufklärung geeignet ansahen.