miniatur|Die Vai-Schrift nach Omniglot Die Vai-Schrift ist die Schrift, mit der das westafrikanische Volk der Vai, welches den Mandingo-Dialekt Vai spricht, seine Sprache aufzeichnete. Die Vai leben noch in Liberia und Sierra Leone.
Geschichte Die Vai-Schrift besteht aus 226 Zeichen (Vokale und Silben) und wurde 1849 vom Missionar Sigismund Wilhelm Koelle zum ersten Mal beschrieben.
Der Ursprung dieser Silbenschrift ist unklar. Einheimische Quellen berichteten, dass die Vai-Schrift zwischen 1829 und 1839 erfunden wurde. Ihr Erfinder war wahrscheinlich der Liberianer Momolu Duwalu Bukele. Andere ziehen eine Beeinflussung durch die seinerzeit ebenfalls recht neue Cherokee-Silbenschrift in Erwägung, wonach Angehörige des Cherokee-Volkes, die nach Liberia ausgewandert waren, an der Entstehung und raschen Verbreitung der Vai-Schrift beteiligt gewesen sein könnten.Konrad Tuchscherer, P.E.H. Hair: Cherokee and West Africa: Examining the Origins of the Vai Script. In: History in Africa. (29) 2002, S. 427–486.
Im Jahre 1981Michael Cole, Sylbia Scribner: The psychology of literacy. Cambridge, Harvard University Press, 1981, ISBN 0-674-72115-2. konnten innerhalb der männlichen Vai-Bevölkerung etwa 20 % ihre Sprache in der Vai-Schrift lesen und schreiben, während 16 % einen gewissen Grad an Kompetenz im Lesen und Schreiben des Arabischen hatte (insbesondere – aber nicht nur – im Lesen des Korans) und etwa 6 % in der englischen Sprache lesen und schreiben konnten.Michael Cole: Psicología cultural: una disciplina del pasado y del futuro. S.L. Ediciones Morata, 2003, ISBN 84-7112-430-0. (en Google Books)
Umschrift Die Umsetzung der Vai-Schrift in lateinische Buchstaben ist nicht einheitlich: Während im Unicode-Block Vai eine Umschrift in ASCII-Zeichen verwendet wird, gibt es im Bereich der Linguistik verschiedene Umschriften, die sich mehr oder weniger am Afrika-Alphabet orientieren. Hier einige Beispiele von den unten angegebenen Websites: Silbe Unicode SIL Omniglot x19px mbee x19px dhoo x19px doo x19px ndo x19px co x19px ngge x19px nggen –
Silbentafel Die folgende Tabelle zeigt das Standardsyllabar von 1962 mit Ergänzungen von Momolu Massaquoi aus dem Jahr 1911 und etlichen Zeichen für fremde Vokale:
eiaouɔɛ-ꔀꔤꕉꕱꖕꖺꗡ‑̃ꔁꔥꕊꕲꖖꖻꗢŋ‑̃ ꕋ ꖼꗣh-ꔂꔦꕌꕳꖗꖽꗤh‑̃ ꔧꕍ ꖘꖾꗥw-ꔃꔨꕎꕴꖙꖿꗦw‑̃ꔄꔩꕏꕵꖚꗀꗧp-ꔅꔪꕐꕶꖛꗁꗨb-ꔆꔫꕑꕷꖜꗂꗩɓ-ꔇꔬꕒꕸꖝꗃꗪmɓ-ꔈꔭꕓꕹꖞꗄꗫkp-ꔉꔮꕔꕺꖟꗅꗬkp‑̃ ꕕ ꗭmgb-ꔊꔯꕖꕻꖠꗆꗮgb-ꔋꔰꕗꕼꖡꗇꗯgb‑̃ ꗈꗰf-ꔌꔱꕘꕽꖢꗉꗱv-ꔍꔲꕙꕾꖣꗊꗲt-ꔎꔳꕚꕿꖤꗋꗳθ-ꔏꔴꕛꖀꖥꗌꗴd-ꔐꔵꕜꖁꖦꗍꗵð-ꔑꔶꕝꖂꖧꗎꗶl-ꔒꔷꕞꖃꖨꗏꗷr-ꔓꔸꕟꖄꖩꗐꗸɗ-ꔔꔹꕠꖅꖪꗑꗹnɗ-ꔕꔺꕡꖆꖫꗒꗺs-ꔖꔻꕢꖇꖬꗓꗻʃ-ꔗꔼꕣꖈꖭꗔꗼz-ꔘꔽꕤꖉꖮꗕꗽʒ-ꔙꔾꕥꖊꖯꗖꗾtʃ-ꔚꔿꕦꖋꖰꗗꗿdʒ-ꔛꕀꕧꖌꖱꗘꘀndʒ-ꔜꕁꕨꖍꖲꗙꘁj-ꔝꕂꕩꖎꖳꗚꘂk-ꔞꕃꕪꖏꖴꗛꘃk‑̃ ꕫ ŋg-ꔟꕄꕬꖐꖵꗜꘄŋg‑̃ ꘅg-ꔠꕅꕭꖑꖶꗝꘆg‑̃ ꘇm-ꔡꕆꕮꖒꖷꗞꘈn-ꔢꕇꕯꖓꖸꗟꘉɲ-ꔣꕈꕰꖔꖹꗠꘊ eiaouɔɛ
-̃ bezeichnet Nasale.
Logogramme
Die ältesten Vai Texte enthielten verschiedene Logogramme, von denen allerdings nur noch und im Gebrauch sind.
LogogrammWortBedeutungfeŋDingkeŋ ()Fußtiŋ ()Inselnii, kpɛ kɔwuKuhɓaŋbeendetfaa ()sterben, tötentaa ()gehen, tragen, Reiseɖaŋ ()hören, verstehenɖoŋ ()eintretenkuŋ ()Kopf, fähig sein zuꘝtɔŋ (ꗋꘋ)genannte werdenꘞɖɔɔ (ꗑꖽ)klein seinꘟjɔŋ (ꗘꘋ)SklaveꔔɖeŋKind, kleinꕪkaiMenschꗑlɔin
Zahlzeichen
Vai benutzt die arabischen Ziffern (0–9). In den 1920er Jahren waren eigene Zahlzeichen entworfenen worden, sie wurden aber nie verwendet.
0123456789꘠꘡꘢꘣꘤꘥꘦꘧꘨꘩
Literatur Saki Mafundikwa: Afrikan Alphabets: The Story of Writing in Afrika. Mark Batty Publisher, West New York 2006, ISBN 0-9772827-6-7.
Weblinks Vai-Schrift auf Omniglot.com (englisch) Vai-Schrift bei SIL International (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Silbenschrift Kategorie:Kultur (Sierra Leone) Kategorie:Afrikanische Schrift Kategorie:Kultur (Liberia)