Martin Luther war der Titel eines geplanten DDR-Kinofilms, der zum 500. Geburtstag Martin Luthers im Jahr 1983 entstehen sollte und dessen Buchvorlage von Helga Schütz im besagten Jahr erschien.Horst Dähn: Luther und die DDR. Berlin, 1996: ISBN 3-929161-81-8, Seite 102 f.
Die veröffentlichte Erzählung von Helga Schütz besteht aus zwei Teilen.
Handlung Teil 1.
Die Erzählung beginnt mit einem Prolog beziehungsweise mit einem geplanten Vorspann:Vgl. Siegfried Streller: Helga Schütz – Martin Luther – Literaturkritik. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Asthetik und Kulturtheorie. 1983 II. 29. Jahrgang. Luther und die deutsche Literatur, Seite 1983
Am 10. November 1483, also einen Tag vor dem Martinstag, läuft eine Hebamme durch die winterlich verschneiten Straßen und Gassen der Stadt Eisleben zum Hause des Bergmannes Hans Luther. Dort erwartet sie die hochschwangere Margarethe Luther. In dieser Nacht gebärt Margarethe Luther mit Hilfe der Amme ein Kind. Der Vater Hans Luther erklärt, beim Anblick seines neugeborenen Sohnes, dass dieser ein Rechtsgelehrter werden wird. Ein Nachbar, ein Amateur-Astrologe, der ebenfalls im Hause ist und von dort mit seinem Fernrohr kurz zuvor noch die Sterne beobachtete, erklärt abwehrend zum Vater, dass er ihn Martin nennen möge. Hans Luther zeigt sich einverstanden mit dem Namen und erklärt sogleich, dass sein Sohn gewiss ein Gelehrter werde. Er werde Doktor Martin Luther heißen.
Viele Jahre später, am 18. Februar 1546, liegt Martin Luther, mittlerweile alt geworden, sterbenskrank in einem Bett, in einem Haus in der Stadt Eisleben. An seinem Bett haben sich Magister Cölius, der Diener Ambrosius, Justus Jonas und Luthers Söhne, der vierzehnjährige Martinus sowie der dreizehnjährige Paul versammelt. Martin Luther stirbt an diesem Tag. Paul findet kurz danach einen Zettel, den sein Vater geschrieben hat. Auf diesem steht: "Die Gedichte Virgils vom Landbau könne niemand verstehn ... die Heilige Schrift meine niemand genugsam verschmecket zu haben, er habe denn hundert Jahre die Gemeinde mit Propheten und Aposteln regiert [...] wir sind Bettler, das ist wahr."
In einer Dorfschule steht ein Lehrer an seinem Pult vor seiner Klasse, die aus Kindern aller Altersstufen besteht. Er gibt bekannt, dass Martin Luther gestorben sei, und fragt sogleich, wer Martin Luther gewesen sei. Doch die Kinder wissen nur wenig über Martin Luther, und so erklärt der Lehrer den Kindern, dass sie durch ihn Buchstaben und Moral lernen dürfen. Denn die Schule sei sein Werk.
Nach dem Prolog beziehungsweise dem geplanten Vorspann folgt die eigentliche Erzählung:Vgl. Siegfried Streller: Helga Schütz – Martin Luther – Literaturkritik. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Asthetik und Kulturtheorie. 1983 II. 29. Jahrgang. Luther und die deutsche Literatur, Seite 1984
Ungefähr fünfunddreißig Jahre vorher geht der junge Mönch Martin Luther nach Wittenberg, um an der dortigen Universität zu Lehren. Ein wichtiger Anziehungspunkt der Stadt Wittenberg ist zu dieser Zeit die Reliquiensammlung des Kurfürsten zu Sachsen, Friedrich dem Weisen. Bei der Betrachtung der in der Schlosskirche ausgestellten Reliquien werden dem Betrachter 1443 Jahre Fegefeuer erlassen. Daneben treibt sich noch der Ablassprediger Tetzel in der Gegend herum, um päpstlichen Ablass zu verkaufen, was dem Kurfürsten missfällt. Der Kurfürst will, dass das Geld in der Stadt bleibt. Schon die kleinen Kinder kennen den Handel mit dem Ablass. So spielen einige Kinder, vor dem Haus des Malers Lucas Cranach, ein Spiel, das sie „Ablass“ nennen, bei dem sie den Ablasshandel nachstellen. Im Haus stellt sich soeben Martin Luther dem Maler Lucas Cranach vor. Martin Luther erzählt von seiner Reise nach Rom, die er im Auftrag seines Ordens im Jahr zuvor gemacht hatte und bei der er die Gelegenheit nutzte, Ablass zu erwerben, was ihm aber letztendlich zu viel wurde. Er erklärt, dass er vor der maßlosen Vergebung aus Rom geflohen sei. Er muss Lucas Cranach, der sich bei dieser Gelegenheit nach den Künstlern Michelangelo und Raffael erkundigen will, sagen, dass er die beiden nicht kenne.
Bald nach dem Gespräch erhält Martin Luther die Doktorwürde verliehen und beginnt damit seine Lehrtätigkeit an der Universität. Er liest über die Psalmen und über die Auslegung der Paulusbriefe. Aber Luther zweifelt an seiner Berufung als Lehrer. Martin Luther entsinnt sich an seine Kindheit, als sein Vater zum wiederholten Male ihm einschärfte, dass er ein Jurist und Gelehrter werden solle, und er hört die Stimme seines Vaters, wie dieser erklärte, dass Gott dies von ihm wolle. Doch es kam anders. Auch daran erinnert sich Martin Luther. Eines Tages kam er in ein furchtbares Gewitter bei Stotternheim. Als das heftige Gewitter über ihm tobte, entsinnt er sich, wie er rief: „Heilige Anna, hilf, hilf, heilige Anna, ich schwöre, wenn ich lebend über den Berg komme, will ich ein Mönch werden.“ Martin Luther erzählt seine Gedanken seinem Wahlvater, dem Mönch Staupitz. Die beiden sitzen unter einem Birnbaum. Martin Luther erklärt, dass er durch kein Gebet noch eine Übung glaubt, vor dem Herrn gerecht zu werden. Seine Sünden seien zu groß. Aber Staupitz sieht dies anders. Er solle nicht aus jeder Kleinigkeit eine Sünde machen, und er erklärt, dass Martin Rechtfertigung finden werde. Er sei berufen.
Die Zeit vergeht, und eines Tages sitzt Luther mit einem seiner Schüler, der für ihn einen Brief schreiben soll, in seinem Wohn- und Arbeitszimmer zu Wittenberg. Luther versinkt jedoch plötzlich in Gedanken und beginnt seinem Schüler Paul zu erklären, dass der Kauf von Ablässen unnütz sei. Sie würden nicht zur Vergebung der Sünden vor Gott führen, denn Werke können nicht vom Glauben geschieden werden. Allein der Glaube, der von Gott gegeben sei, führe zur Sündenvergebung. Dies sei in Briefen des Apostels PaulusInsbesondere sowie nachzulesen.
Im Oktober 1517 schreibt Luther Briefe an den Bischof von Meißen, den Bischof von Brandenburg, den Bischof von Zeitz und den Bischof von Merseburg, mit der Bitte, den Ablassmissbrauch einzustellen. Im selben Monat schreibt er 95 Thesen und schickt sie an den Erzbischof Albrecht von Mainz. Am 31. des Oktober heftet er sie ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg und hofft, damit eine Disputation unter Fachgelehrten zu erreichen. Der Erzbischof von Mainz leitet währenddessen die Angelegenheit nach Rom weiter. Derweil verbreiten sich Luthers Thesen durch den erfundenen Buchdruck im Volk. Luther, der in der Zwischenzeit weiterhin mit Vorlesungen beschäftigt ist, äußert vor seinen Studenten, dass eine Reformation notwendig sei.
Luther wird auf den Reichstag zu Augsburg 1518 geladen; er soll dort vor dem Kardinal Cajetan widerrufen. Luther bricht auf, er geht zu Fuß nach Augsburg. In Augsburg angekommen, zweifelt Luther im Gespräch mit Cajetan an, dass die Extravagante des Papstes den Ablass billigen würde, und widerruft nicht. Cajetan bricht erzürnt das Gespräch ab. Luther flüchtet heimlich aus Augsburg zurück nach Wittenberg, auch wenn einer seiner Fluchthelfer ihm den Rat gibt, nach Frankreich zu flüchten. Zurück in Wittenberg lernt er den neuen Professor für Griechisch namens Melanchthon kennen. Im Sommer 1519 geht Luther zusammen mit seinen Kollegen Melanchthon und Karlstadt nach Leipzig, um dort mit den Vertretern des Papstes zu disputieren. Aber der Ingolstädter Theologe Eck, als Vertreter des Papsttums, argumentiert, im Beisein von Herzog Georg und anderer Zuhörer, unversöhnlich gegen Martin Luther. Die Leipziger Disputation endet ohne eine Einigung.
Nach der Disputation trifft in Wittenberg eine Bannandrohungsbulle des Papstes (Exsurge Domine) ein. Luther verbrennt diese öffentlich im Beisein seiner Studenten. Luther schreibt seine drei vielgedruckten Schriften An den christlichen Adel deutscher Nation, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche und Von der Freiheit eines Christenmenschen.
Zwei Zwickauer Ordensbrüder treffen in Wittenberg ein und werden von Luther empfangen. Diese berichten ihm vom Wirken Thomas Müntzers, der einst von Luther ein Empfehlungsschreiben erhalten hatte. Thomas Müntzer streitet sich mit den Franziskanern und predigt die Kreuzesnachfolge. Anhänger Müntzers wollen einen Gottesstaat erbauen. Dieser soll von vorn, neu und von unten errichtet werden. Luther ist erschrocken, als er erfährt, dass die Zwickauer sich auf seine drei jüngst publizierten Bücher berufen, und meint, dass dieses Lied seiner Stimme zu hoch werde. In der Nacht versinkt Luther erneut in Zweifel. Er träumt schlecht, verbleibt aber dennoch bei seiner Theologie.
Luther, der vom Papst zum Ketzer erklärt wurde, wird 1521 vor den Reichstag in Worms gerufen. Dort will der kürzlich gewählte Kaiser Karl von Spanien über Maßnahmen gegen Luther entscheiden. Während der Fahrt nach Worms wird Luther überall von den Menschen freundlich begrüßt und bejubelt. In Worms nimmt Luther Quartier in einer Herberge. Noch am gleichen Tag steht Luther auf dem Reichstag vor dem Kaiser. Dort soll er widerrufen. Luther bittet um Bedenkzeit, die gewährt wird. Am nächsten Tag wird er abermals gehört. Diesmal gibt Luther eine Antwort und erklärt, dass er nicht widerrufen kann und wird. Er spricht die Worte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“ Der Kaiser verlässt eilig und gibt dem Reichsherold Kaspar Sturm den Befehl, Luther soll abgeführt werden. So reist Luther mit seinen Freunden im Wagen zurück nach Wittenberg. Die berittene Begleitung unter Reichsherold Kaspar Sturm hält immer mehr Abstand zum Wagen und bleibt schließlich zurück. Plötzlich wird der Wagen von fremden Reitern angehalten. Luther wird ihnen gepackt und auf einem Pferd mitgenommen.
In Antwerpen seufzt Albrecht Dürer: "O Gott, ist Luther tot? Wer wird uns hinfort das heilige Evangelium so klar vortragen? Ach Gott, was hätte er uns noch in zehn oder zwanzig Jahren schreiben mögen."
Teil 2.
Der zweite Teil beginnt ebenfalls mit einem Prolog beziehungsweise mit einem geplanten Vorspann. In diesem tritt der besorgte Albrecht Dürer abermals auf.Vgl. Siegfried Streller: Helga Schütz – Martin Luther – Literaturkritik. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Asthetik und Kulturtheorie. 1983 II. 29. Jahrgang. Luther und die deutsche Literatur, Seite 1986