mini|hochkant=1.5|Agfa Box Eine Boxkamera, auch Box-Camera, ist eine besonders einfache Kamera für Rollfilme. Diesen Kameratyp gab es von 1889 bis 1970 zu kaufen, populär war er bis Mitte der 1950er Jahre.
Entstehung mini|hochkant=1.5|Zeiss Ikon Baldur Kodak brachte von 1889 bis 1895 eigens eine Kamera heraus, um den neu auf den Markt gebrachten Rollfilm verkaufen zu können. Diese Kamera war von einfacher Konstruktion, um auch technisch unbegabte Interessenten anzusprechen. Die Kamera musste weder auseinandergeklappt, noch mussten Einstellungen vorgenommen werden.
Belichtete die Nr. 1 noch kreisrunde Bilder, so gab es mit Nr. 2 rechteckige Negative im Format ″ × ″, was 6 cm × 9 cm entsprach. Neu an der Nr. 2 war auch das Gehäusematerial aus Karton, das bislang im Kamerabau noch nicht eingesetzt war. Damit konnte dieser Apparat im Gegensatz zur teuren Nr. 1 ungewöhnlich preisgünstig angeboten werden und erreichte einen überragenden Markterfolg. Die Kamera wurde nach 20 Jahren immer noch produziert – bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits 2,5 Millionen Stück verkauft worden. Für die sofortige Einsatzbereitschaft der Kamera gab es den Werbespruch . Für Nr. 1 hieß dieses , dass die Kamera einschließlich des belichteten Films beim Fotohändler abgegeben wurde und der Kunde es später mitsamt neu eingelegtem Film sowie den Negativen und Abzügen zurückbekam. Es wurden bis zu 100 Bilder auf einem Film möglich.
Der Begriff „Box“ Vereinigte Staaten Kodak verwendete anfänglich das Wort „Box“ nicht, sondern gab den Modellen Namen wie Brownie. Man vermied sogar jeden Anschein, es könnte sich um ein Billigprodukt handeln, was beispielsweise im Slogan zum Ausdruck kam. Der Volksmund sprach aber bald von einer „Box-Camera“, so dass sich dieser Begriff im Weiteren durchsetzte.
Deutschland In Deutschland wäre der korrekte Begriff „Rollfilm-Kastenkamera“ gewesen. Kastenkameras gab es bereits zu Beginn der Fotografie, es handelte sich um das einfache Pendant zu den aufwendigen Balgenkameras. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand in den Fotokatalogen häufig: Schülerkameras. Diese Apparate verwendeten Glasplatten, welche separat mitzuführen und vor der Aufnahme aufwendig einzusetzen waren. Im Falle der neuartigen Rollfilmmodelle wurde sofort der Begriff „Box“ aus Übersee übernommen.
Technik Gehäuse Das Gehäuse sollte einfach und für die Massenproduktion geeignet sein. Es bestand vorzugsweise aus Stahlblech, bei teureren Kameras auch aus leichtem Aluminiumblech, bei billigen aus Pappe. Kunststoffgehäuse waren selten, da dieser Werkstoff erst mit Ende der Box-Ära als Massenprodukt auf den Markt kam.
Der typische Aufbau bestand aus einer Frontplatte, an der das Objektiv, der Sucher und der Verschluss befestigt waren. Bei manchen Kameras war diese Platte fest mit den Seitenteilen verbunden und die rückwärtige Wand ließ sich aufklappen oder abnehmen und die Einheit für Filmführung und Spulenhalter ließen sich herausnehmen, wozu man Filmtransportrad oder -knebel leicht herausziehen musste. In diese ausgebaute Einheit ließ sich ein (Roll-)Film einspannen. Dies war insbesondere der Aufbau der Agfa-Box-Kameras. Bei einer anderen Variante ließ sich die Frontplatte vom Gehäuse abziehen. In diesem Fall saß die Filmführung an der Frontplatte, wurde also aus dem Gehäuse mit herausgezogen.
Objektiv Das Objektiv einer Box-Kamera bestand aus Kostengründen aus nicht mehr als zwei Linsen, in den allermeisten Fällen nur aus einer.
Meniskus Im Falle einer Linse kam ein Meniskus, auch Monokel genannt, zum Einsatz; also eine konvex-konkav geformte Sammellinse. Diese Linse konnte man vor oder – dann um 180° gedreht – hinter der Blende anordnen. Im letzteren Fall befand sich meist ein Schutzglas vor Blende und Verschluss. Auf die Abbildungsqualität hatte die Linsenposition keinen Einfluss, wohl aber auf die Verzeichnung. Vor der Blende angebracht erzeugte sie eine kissenförmige, dahinter eine tonnenförmige Verzeichnung. Letzteres bedeutete einen Tubus, der in die Kamera hineinragte. Das führte zu einem vollkommen eckigen und großen Gehäuse. Eine akzeptable Abbildungsqualität ließ sich deshalb nur mit einem kleinen Öffnungsverhältnis erreichen. Beim Filmformat ‚6 × 9‘ liegt die Grenze bei der Blendenzahl 11, die häufig anzutreffen war. Weil die Abbildungsqualität eines Meniskus zum Bildrand hin rapide abfiel und dieser beim quadratischen Format 6 × 6 weniger störend war, konnte dabei die Blende auf 9 vergrößert werden.
Periskop Die Verzeichnung eines Meniskus ließ sich durch den Einsatz zweier solcher Linsen ausgleichen, die symmetrisch um die Blende herum angeordnet waren. Wegen der höheren Kosten wurde diese Lösung selten genutzt.
Achromat Bei ganz wenigen Box-Kameras kam ein Achromat zum Einsatz, also zwei verkittete Linsen, deren Farbfehler sich ein Stück weit ausgleichen. Dieser Aufwand ließ sich nur in der wenig nachgefragten oberen Preisklasse realisieren.
Entfernungseinstellung Anfangs besaßen Box-Kameras keine Möglichkeit zur Entfernungseinstellung, hatten also ein Fixfokus-Objektiv. Meist wurde ab knapp 3 m Entfernung die Abbildung scharf. Für den Bereich von 1 m bis 2 m gab es so genannte Portraitlinsen, die außen angeschraubt oder geklemmt wurden. Nur an wenigen Kameras ließ sich die Entfernung in zwei oder drei Stufen einstellen, dabei wurden Nahlinsen in den Strahlengang geschwenkt. Dies bedeutete allerdings einen erheblichen Aufwand, der für Billigmodelle nicht in Frage kam. Daher gab es Empfehlungen für die Blendeneinstellung, um den Schärfenbereich anzupassen, was scharfe Bilder ab 1,5 m ermöglichte. Im Laufe der Zeit wurde aber auch verstellbare Objektive angeboten.
Blende Nahezu alle Kameras ließen sich abblenden, was gewöhnlich durch ein in den Strahlengang einschwenkbares Lochblech geschah. Meist standen die Blendenzahlen 11 und 16 zur Auswahl, manchmal auch mit 8, 11 und 16 drei Blendenwerte. Die Werte selbst waren allerdings, wie die Verschlusszeiten, oft nicht eigens angegeben. Die damit erzielte größere Schärfentiefe war ein Nebenergebnis. Die Blende diente hauptsächlich der Belichtungseinstellung. Bei manchen Boxen war zusätzlich eine Nahlinse oder ein Gelbfilter auf dem Blendenschieber angebracht und konnte so einfach angewählt werden. Das Gelbfilter verstärkte den Kontrast von Wolken.
Verschluss mini|Einstellen der Verschlusszeit bei einer Kodak-Boxkamera Da der Verschluss generell zu den teuren Teilen einer Kamera gehört, beschränkte sich dieser bei den Box-Kameras ebenfalls auf das Notwendigste. Praktisch alle Boxmodelle besaßen lediglich eine einzige Verschlusszeit, die im Bereich von 1/25 s bis 1/40 s lag und häufig, wie die Blende, vom Hersteller nicht einmal angegeben wurde.
Zum Standard gehörte allerdings die Umschaltung auf Langzeitbelichtung, der zugehörige Hebel besaß die Positionen M (für Momentaufnahme ca. 1/30 s) und Z (für Zeitaufnahme). Der Verschluss bleibt dazu offen, solange der Auslöser gedrückt ist. Das konnte technisch mit geringem Aufwand realisiert werden, ebenso wie der dazu eigentlich unumgängliche Drahtauslöseranschluss. Die eckige Bauweise der Kamera sorgte für die notwendige gute Auflagefläche, teils waren auch Stativgewinde vorhanden.
Trotz der anfangs geringen Filmempfindlichkeiten wurde mit dem offenen Verschluss so ein Fotografieren auch bei bedecktem Himmel oder in Räumen möglich. Das Blitzen war (unsynchronisiert) mit (pyrotechnischem) Blitzlichtpulver, Beutelblitzen oder später mit den saubereren, elektrisch gezündeten Kapselblitzen (Einweg-Birnen) möglich. Die Hersteller lieferten für das Abschätzen der Belichtungszeit und Blitzentfernung jeweils Anleitungen mit.
Der Verschluss war, auch wegen seiner Einfachheit, selbstspannend, brauchte daher nicht, wie bei besseren Kameras, vor dem Auslösen in einem getrennten Schritt gespannt zu werden. Der Filmtransport war getrennt vom Auslöser und geschah durch einen zu drehenden Knebel oder ein Rädchen. Über ein rotes Fenster auf der Kamerarückseite musste die richtige Stellung des Rollfilms beobachtet werden und auf der Filmrückseite waren Zahlen und Symbole aufgedruckt.
Rotationsverschluss Bei billigen Kameras bewegte sich beim Verschluss eine Scheibe in eine bestimmte Richtung, wobei ein Langloch den Strahlengang kurzzeitig freigab. In der Endposition blieb sie stehen und drehte sich beim nächsten Auslösen in die andere Richtung. Der Auslösehebel stand entsprechend einmal in der unteren, dann in der oberen Position, musste also abwechselnd in die eine und andere Richtung gedrückt werden. Einen solchen Verschluss besaß bereits die Kodak Nr. 1 Eastmann Rotary Shutter.https://camerapedia.fandom.com/wiki/Eastman_Rotary_Shutter In Deutschland gab es dieses einfache System nur an frühen Eho-, Beier- und Agfa-Boxen.
Häufiger bewegten sich die Scheibe des Verschlusses und der Auslösehebel nach dem Belichten in ihre ursprüngliche Position zurück. Während dieses Vorgangs senkte sich ein Löffel- oder Deckelschieber so in den Strahlengang, dass lediglich während des Herunterdrückens belichtet wurde.
Blitzsynchronisation Zunächst war mit jeder Box ein unsynchronisiertes Blitzen bei offenem Verschluss möglich. In den Vereinigten Staaten waren bereits Ende der 1940er Jahre Flash Bulbs enorm populär. Philips und Osram stellten diese Blitzbirnen im Frühjahr 1950 auf der Photokina in Köln vor. Bereits zum folgenden Weihnachtsgeschäft kamen die ersten synchronisierten Boxmodelle mit einem (bald auch genormten) Anschluss für die noch klobigen Blitzgeräte auf den Markt, noch bevor diese Technik für teure Kameras, etwa die Leica, angeboten werden konnte.
Anfangs war die Blitzsynchronisation manchmal unzuverlässig. Blitzbirnen enthalten Leichtmetall-Drahtwolle oder -folie, die in dem mit Sauerstoff gefüllten Glaskolben verbrennt und dabei etwa eine 1/25 - 1/30 Sekunde lang leuchtet, was wiederum der Verschlusszeit der Kamera entspricht. Aufgrund der für die Zündung notwendigen Zeit wird die Birne bei der Synchronisation etwa 1/50 Sekunde vor Verschlussöffnung gezündet, was zunächst manchen Herstellern Probleme bereitete. Die genaue Zeit war bei manchen Kameras beispielsweise vom Druck auf den Auslösehebel abhängig. Bei anderen Kameras, etwa der Box-Tengor von Zeiss Ikon,https://camera-wiki.org/wiki/Box_Tengor arbeitete diese Verknüpfung von Beginn an einwandfrei.
Ein weiteres Problem bereitete die für die Birnen eher geringe Zündspannung, einhergehend mit einem hohen Batterieverbrauch. Oft hatten die Blitzgeräte lediglich eine 1,5-V-Batterie, später wurden 22,5-V-Hörgeräte-Batterien (oder Stärkeres) eingebaut. Mit der Konstruktion von batterieschonenden Spannungswandler-Schaltungen mit Speicherkondensator war das Problem gelöst.
Zählwerk Alle Box-Kameras verwendeten auf den Papierträger des Rollfilms aufgedruckte Zahlen. Die Zahlen (und Pfeile) wurden durch ein rotes Fenster auf der Kamerarückseite beobachtet. Der Film wurde nach dem Belichten manuell bis zur nächsten Zahl weitertransportiert. Teilweise waren nur 8 Bilder möglich.Bedienungsanleitung der Gevabox 6 x 9 Kameras, die mit Masken auf verschiedene Bildformate umschaltbar waren, besaßen entsprechend mehrere Fenster. Mit Erscheinen der empfindlicheren Isochrom-Filme Mitte der 1930er Jahre und mit der (teils üblichen) Verwendung von Rollfilmformaten ohne Papierträger bekam das rote Fenster einen Schieber, um es bei Bedarf lichtdicht verschließen zu können.
Sucher
Rahmensucher
An frühen Boxkameras ließ sich ein einfacher Rahmen ausklappen, der als Sucher diente, wozu die Kamera in Augenhöhe gehalten wurde. Das entsprach in den 1930er Jahren nicht mehr dem Stand der Technik und wurde nur noch bei den einfachsten Kameras vorgesehen.
Mattscheibensucher