mini|hochkant=1.4|Haus Aspel von Nordosten
Haus Aspel ist ein Schloss im Reeser Stadtteil Haldern im Kreis Kleve, das seit 1850 im Besitz der Töchter vom heiligen Kreuz ist und als Kloster genutzt wird. Die Anlage liegt drei Kilometer nordöstlich von Rees in einer feuchten Niederung am Aspeler Meer, einem Altrheingewässer, das seit 2010 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Sie ging aus einer hochmittelalterlichen Motte hervor, deren Hügel zu den größten und besterhaltenen am Niederrhein zählt.
Die Anlage war im 18. und 19. Jahrhundert für fast 100 Jahre im Besitz der Familie von Wittenhorst-Sonsfeld, welche die seinerzeit ruinierten Gebäude 1722 neu errichten ließ. Im 19. und 20. Jahrhundert erweitert und modernisiert, besteht der heutige Gebäudekomplex aus barocken und neobarocken Wohngebäuden sowie einer neugotischen Klosterkirche. Die Gebäude können nicht von innen besichtigt werden, aber die Kirche sowie der Außenbereich des Klosters stehen Besuchern offen.
Geschichte Anfänge Die Burg Aspel gehörte zu den frühesten Anlagen im Rheinland. Sie wurde in dem zwischen 1020 und 1024 entstandenen Werk des Mönchs Alpert von Metz erstmals erwähnt. Der Autor nennt dort einen Godizo, Graf von Aspel und Heimbach, dessen Burg in Aspel aufgrund von Familienstreitigkeiten durch Adalbald II., Bischof von Utrecht, und Balderich von Drenthe erfolglos belagert wurde. Godizo war der Sohn Richizos (auch Richar genannt), eines Verwandten des Gaugrafen Wichmann von Hamaland aus dem Hause der Billunger, und zugleich Neffe des Kölner Erzbischofs Wichfrid. Er hatte nach dem Tod des Vaters im Jahr 973 den niederrheinischen Besitz Richizos geerbt. Es ist bisher nicht geklärt, ob die Burg auf einer Landzunge im Rhein bereits zum Erbe gehörte oder aber erst durch Godizo errichtet wurde. Sie lag gut geschützt in einem unzugänglichen Sumpfgebiet, sodass man kaum an sie herankam. Als Godizo um das Jahr 1011/1012 starb, ging die Vormundschaft über seine beiden kleinen Töchter Irmgard(is) und Irmtrud(is) sowie die Verantwortung für den Besitz an einen Verwandten, Gerhard III. von Metz, „Mosellanus“. Der aber gab die Aspeler Burg an Balderich und schickte seine Mündel mit ihrer Mutter auf die Burg Hengebach in Heimbach. Godizos Witwe heiratete in zweiter Ehe den Ritter Gevehard (Gerhard) von Monterberg, der daraufhin die Burg Aspel von Balderich zurückforderte. Der gab die Anlage aber erst heraus, als er auf der Burg Monterberg bei Kalkar festgesetzt worden war.
Kurkölnische Landesburg Nach dem Tod der Mutter wurde die älteste Tochter Irmgard Herrin auf Aspel. Kaiser Heinrich II. soll seine Verwandte auf ihrer Burg im Jahr 1016 besucht haben, so wie auch Irmgards Onkel Papst Leo IX. der Überlieferung nach 1049 in Aspel zu Gast gewesen sein soll. Bei Irmgards kinderlosem Tod vor 1064 folgte ihr die jüngere Schwester Irmtrud als Burgherrin, deren Tochter aus der Ehe mit Rupert I. die Heilige Irmgard von Süchteln war. Um das Jahr 1075 vermachte Irmtrud ihre Besitzungen in Rees, Aspel und Haldern dem Kölner Hochstift und machte Aspel damit zum nördlichsten Stützpunkt Kurkölns, das die Anlage als Landesburg im Kampf gegen die Grafen von Kleve nutzte. 1153 weilte dort wieder hoher Besuch: Erzbischof Arnold II. von Wied hielt sich in jenem Jahr auf Aspel auf. Die Urkunde, aus der dieser Sachverhalt hervorgeht, stellt zugleich den ältesten urkundlichen Beleg für die Aspeler Burg dar. Philipp I. von Heinsberg ließ die Burg 1190 erneuern und Hofgebäude errichten. Allerdings wurde die Anlage nur 48 Jahre später durch den Grafen Dietrich von Kleve eingenommen und zerstört. Möglich war dies aber nur durch Verrat des Burgkastellans. Erzbischöfliche Truppen konnten die Burg aber für das Hochstift zurückerobern und die Besatzer vertreiben. Im anschließenden Friedensschluss musste sich Kleve dazu verpflichten, einen Neubau zu bezahlen. Dieser erfolgte unter dem kurkölnischen Amtmann Rupert von Swansbule (Schwansbell), der die enormen Kosten von 500 Kölner Mark aus eigener Tasche vorstreckte und im Gegenzug dafür die Zollrechte von Neuss sowie die Burg Volmarstein und die „Insel bei Rees“ erhielt. Der Wiederaufbau war 1243 beendet. Diese Burganlage ist auf einem Fresko in der Agneskapelle des Kölner Doms dargestellt, wonach sie aus einem mächtigen, dreitürmigen zinnenbewehrten Komplex bestanden hat, der von einer hohen Ringmauer mit Doppelturmtor geschützt war. Die Darstellung ist aber wohl stark übertrieben.
Verpfändungen und Niedergang mini|Aspel in einem Deichbuch von 1587
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts verlor die Burg Aspel allmählich die militärische Bedeutung für Kurköln und diente anschließend oft als Pfandobjekt. Nach der verlorenen Schlacht von Worringen musste Siegfried von Westerburg die Anlage an Adolf V., den Grafen von Berg, verpfänden. 1321 kam sie als Absicherung an Dietrich Luf III. von Kleve, dem der Erzbischof Heinrich II. von Virneburg die Burg und Grafschaft Hülchrath abgekauft hatte. Die Pfandschaft wurde 1331 wieder eingelöst, ehe Aspel im Jahr 1392 an Adolf III. von der Mark und damit erneut an die Klever Grafen verpfändet wurde, um die exorbitante Summe von 70.000 Gulden für den Kauf der Burg Linn abzusichern. Trotz vielfacher Anstrengungen schaffte es Kurköln anschließend nie mehr, die Verpfändung von 1392 wieder einzulösen. Nach den Bestimmungen des Pfandvertrags war Kleve eigentlich dazu verpflichtet, die Burg angemessen zu unterhalten, tat dies aber nicht, und so setzte ein allmählicher Verfall der Anlage ein. Spätesten 1433 zog der klevische Amtmann Dietrich von der Mark von Aspel auf die Isselburg und führte die Amtsgeschäfte von dort. Erste Abbrüche der Anlage in Aspel geschahen im Jahr 1444. Weitere kamen 1470 hinzu, als der Klever Herzog Johann I. der Stadt Rees erlaubte, 200 Basaltsteine von der verfallenen Burg zum Bau des Mühlenturms der Stadtmauer zu verwenden.
Frühe Neuzeit Während die Aspeler Hauptburg immer mehr verfiel, wurde die Vorburg ausgebaut. Seit 1405 war dort ein steinernes Haus bezeugt, das als Lehen vergeben wurde. Zu den zwischen 1470 und 1570 bezeugten Bewohnern zählten die Herren von Töven, Lychendorp, Hasselt, Dugelen und Schriek. An die Familie von Töven erinnert noch heute ein Landstreifen zwischen dem Aspeler Meer, dem Schmalen Meer und der Landstraße zwischen Rees und Wesel, der Tövener Feld genannt wird.
mini|hochkant|Haus Aspel auf einer Katasterkarte von 1734 mit den heute verschwundenen barocken Gärten
Im Achtzigjährigen Krieg wurde Aspel 1598 von spanischen Soldaten belagert, eingenommen und geplündert. Burg und Vorburg waren danach stark beschädigt, allein die Burgkapelle war vollkommen intakt. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Anlage 1682, als französische Truppen sie in Brand schossen, nachdem 1652/1653 im Vorburgbereich Neubauten errichtet worden waren. Bei dem französischen Angriff wurde die bis dahin noch leidlich erhaltene Motte vollends zerstört, und Pflanzen überwucherten die Burginsel. Engelbert von Schriek verkaufte die ruinierten Gebäude samt Landbesitz 1686 an den Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Wittenhorst-Sonsfeld, dem auch das nahe gelegene Schloss Sonsfeld gehörte und der 1690 mit Aspel belehnt wurde. Er ließ auf den Fundamenten der alten Gebäude ab 1722 ein Schloss im Stil des Barocks errichten. Am Ort des zuvor runden Torturms entstand ein viereckiger Turm mit zwei Geschossen, der mit einer geschweiften Haube samt Glockenstuhl ausgestattet war. Nordwestlich und südlich schlossen sich dem neuen Turm rechteckige Gebäudeflügel an. Zur Schlossanlage gehörte ein großzügiger Barockgarten nördlich der Gebäude, der heute nicht mehr erhalten ist. Sein Aussehen ist durch eine klevische Katasterkarte aus dem Jahr 1734 überliefert. Diese zeigt, dass auf dem Mottenhügel zu jener Zeit keine Gebäude mehr existierten. Am Hügelfuß ist ein kleines, rundes Gebäude dargestellt, das möglicherweise ein Gartenpavillon war.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam Aspel an die holländische Familie van den Broeck. Im Jahr 1831 wurde die Witwe des Johan van den Broeck als Eigentümerin des Anwesens geführt. Deren Tochter Johanna hatte 1808 Friedrich Heinrich von Bernuth, den ersten preußischen Landrat des neuen Kreises Rees, geheiratet und brachte das Erbe an ihren Mann. 1840 verlor die Anlage ihren Status als landtagsfähiger Rittersitz.
Kloster 1845 zog von Bernuth mit seinem Landratsamt nach Wesel und verkaufte Haus Aspel am 4. Oktober 1850 an den Orden der Töchter vom heiligen Kreuz, der dort am 10. März 1851 seine erste deutsche Niederlassung eröffnete. Nur wenige Wochen später gingen am 4. Mai ein Mädchenpensionat und ein Noviziat in Betrieb. In den folgenden Jahren entwickelte sich in Aspel eine rege Bautätigkeit. In der Zeit von 1856 bis 1859 wurde nach Plänen des Architekten Vincenz Statz eine einschiffige Klosterkirche mit Querhaus im Stil der Neugotik errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. August 1856, und die Kirche wurde am 30. August 1859 der Unbefleckten Empfängnis sowie der heiligen Irmgard geweiht. Das Mädchenpensionat erfreute sich seit seiner Eröffnung großer Beliebtheit. 1851 hatte man mit fünf Schülerinnen begonnen, nach nur vier Jahren besuchten schon 53 Schülerinnen die Einrichtung. 1860 wurde aufgrund der immer weiter gestiegenen Schülerinnenzahlen ein Neubau erforderlich. Auf den Fundamenten des Nordwest-Flügels wurde der sogenannte Pensionats- oder Schulflügel errichtet.
mini|Werbung für das Aspeler Mädchenpensionat
Während des Kulturkampfs musste der Orden das Kloster verlassen, denn ein kaiserliches Edikt verfügte, dass alle Schulunterricht erteilenden Religionsgemeinschaften entweder Deutschland bis zum 1. Oktober 1875 zu verlassen hatten oder sich ab jenem Datum allen Gesetzen der Regierung unterwerfen mussten. Die Schwestern schlossen deshalb das Pensionat zum 31. August 1875 und verlegten den Schulbetrieb ins niederländische Zwanenburg. Später wurde er im belgischen Spa weitergeführt. Das Inventar des Klosters wurde nach Weggang der Nonnen versteigert, Schloss und Park im Jahr 1881 für 55.000 Mark an den Gutsbesitzer Heinrich Holland aus Groin (heute ein Stadtteil von Rees) verkauft. Er veräußerte wegen finanzieller Schwierigkeiten einige zu Aspel gehörende Ländereien und verpachtete die Gebäude an die Schwestern Unserer Lieben Frau von Coesfeld. 1887 gelang es den Töchtern vom heiligen Kreuz Haus Aspel zurückzuerwerben. Die ersten sechs Schwestern kehrten am 21. März 1888 dorthin zurück und nahmen am 26. April den Schulbetrieb mit 38 Mädchen wieder auf. Wegen erneut steigender Schülerinnenzahlen wurde zwischen 1891 und 1893 eine Erweiterung des Schulflügels vorgenommen. Bei ihrer Rückkehr nach Aspel hatten die Schwestern zunächst das ehemalige Noviziat, dessen Gebäude südöstlich der sonstigen Bauten ohne direkte Verbindung zu diesen errichtet worden war, bezogen. Nun wurde auch dieses wieder zu klein, sodass von 1895 bis 1898 ein Neubau errichtet wurde, der die bisherige Lücke zur Klosterkirche schloss. Es entstand damit – wenngleich in kleinerer Form als heute – der sogenannte Klosterhof im Südosten der Schlossanlage.