Étouars (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Étouardais und Étouardaises genannt.
Etymologie Die Dorfkirche Saint-Saturnin von Étouars (Okzitanisch Estoars) existierte bereits während der Romanik, der Ortsname ist aber erst seit dem 16. Jahrhundert in der Schreibweise Eytours belegt. Er leitet sich sehr wahrscheinlich vom ursprünglich germanischen Personennamen Stodulf ab, gefolgt von ward oder hard. Dieser Name wurde aus Stod () gebildet.Siehe Tanet, Hordé, Seite 146
Eine weitere Möglichkeit stellt der gallorömische Eigenname Astoarius dar.
Geographie
Étouars liegt etwa 37 Kilometer ostsüdöstlich von Angoulême, etwa 55 Kilometer südwestlich von Limoges und etwa neun Kilometer nordnordwestlich von Nontron am nördlichen Rand des Départements. Die Gemeinde befindet sich in der Naturlandschaft des Nontronnais, im touristisch benannten Périgord vert.
Étouars wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:
Zu Étouars gehören folgende Weiler, Gehöfte und Ziegeleien: La Croix du Pêcher, La Manugrie, La Tuilière de Ribièras, La Tuilière de Rippe, Lacrète, Lavergne, Le Petit Étouars, Les Forges, Les Garennes, Les Grands Champs, Les Petits Champs, Les Quatre Routes und Ribièras.
Der topografisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit im äußersten Westen am Austritt des Ruisseau de l’Étang d’Assat aus dem Gemeindegebiet. Der höchste Punkt mit (guter Aussichtspunkt nach Osten) befindet sich unmittelbar nördlich des Ortskerns, der auf einem Höhenrücken erbaut wurde. Die maximale Höhendifferenz beträgt 107 Meter. Diese Gegebenheiten spiegeln ein generell pultschollenartiges Einfallen der Landschaft gegen Westsüdwest wider.
Verkehrsanbindung Étouars liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 92/D 93 ist die wichtigste Verkehrsader der Gemeinde. Sie verläuft durch das Zentrum und den östlichen Teil des Gemeindegebiets. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit Nachbargemeinden.
Klima Die Gemeinde Étouars besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000
Jahresmittel: 12,1 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 2,7 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 6,0 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,7 °C Jahresniederschlag: 1073 mm Niederschlagstage im Januar: 13,0 Niederschlagstage im Juli: 7,5
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 55 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971–2000 über 11,4 °C für 1981–2010 auf 11,8 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren. mini|300px|Hydrographische Karte von Étouars
Hydrographie Die natürliche Nordwestgrenze des Gemeindegebietes bildet der Ruisseau de l’Étang d’Assat, der in seinem Unterlauf als Ruisseau de Varaignes bezeichnet wird. Ein Teil der Südostgrenze wird von dem hier aufgestauten Ruisseau des Forges gebildet. Ferner entspringt beim Weiler Lacrète das Flüsschen Marcourive, das ebenfalls nach Südwesten abfließt – der generellen Entwässerungsrichtung. Die Marcourive verläuft in etwa mittig im Gemeindegebiet und hat einen größeren rechten Seitenarm.
Alle Wasserläufe münden letztendlich rechtsseitig in den Bandiat, der zum Flusssystem der Charente gehört.
Das Entwässerungsnetz besitzt eine Gesamtlänge von 13,5 Kilometer.
Geologie mini|hochkant=1.6|Geologische Karte von Étouars Der tiefere Untergrund des Gemeindegebietes von Étouars wird vom variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Zentralmassivs gebildet – Paragneis, Metatexit, Leptynit und intrudierender Granodiorit (Piégut-Pluviers-Granodiorit).
Die Foliation der Metasedimente streicht generell Nordost und fällt mit 40 bis 50° nach Nordwest ein. Ihr Kontakt zum Granodiorit (nördlich von Lacrète), der im Osten des Gemeindegebietes in seiner grobkörnigen Normalfazies (γ3M) ansteht, erfolgt mittels einer Nordnordost-streichenden Störung. Bedingt jedoch durch die Erosionstätigkeit der Marcourive und ihres rechten Nebenarms zieht der Granodiorit spornartig weit nach Südwesten in Richtung Teyjat heraus. Der Metatexit (Mζ1-2) ist entlang der Nordwestgrenze am Ruisseau de l’Étang d’Assat aufgeschlossen und wird von einem Nordost-streichenden Mikrogranitgang (μγ3M) durchzogen. Der Leptynit (λ3-4) erscheint in der Verlängerung dieses Mikrogranitgangs nach Nordosten, ist aber mittels Verwerfungen in Paragneis (ζ1-2) eingeschuppt.
Der durch den Ortskern verlaufende Höhenrücken wird von zum nordöstlichen Aquitanischen Becken gehörenden Sedimenten des Hettangiums (Arkosen – Formation l1-4) aufgebaut, die hier über den Granodiorit transgredierten. Das Hettangium erscheint ebenfalls am rechten Seitenarm der Marcourive und in zwei kleinen Vorkommen bei Ribièras und Les Petits Champs. In der Nähe der Ziegelei La Tuilerie de Rippe zieht eine Nordnordwest-streichende Abschiebung durch. Dadurch werden stratigraphisch höherliegende Liasschichten (Formation l5-9), darunter die Tonsedimente des Aaleniums, aufgeschlossen – willkommener Ausgangsstoff für die örtlichen Ziegeleien.
Das Grundgebirge wird von den beiden Flussläufen der Marcourive und des Ruisseau de l’Étang d’Assat angeschnitten, der dazwischenliegende Höhenrücken und auch die südlich der Marcourive anschließende Hanglage werden jedoch von kolluvialen Tonen, Sanden und Geröllen (in der Regel gerundete Quarzkiesel) des Quartärs (Formationen C und HC) völlig maskiert. Diese kolluvialen, Hanglagen bedeckenden Umlagerungssedimente des Pleistozäns können ihrerseits von eozänem/pliozänem Alluvium (Sande und Kiese der Formation H-F) abgelöst werden (bei La Croix du Pêcher).
Bodenbedeckung mini|Bodenbedeckung in Étouars
Die Bodenbedeckung der Gemeinde Étouars schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 48,2 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 51,8 %
Die heterogene landwirtschaftliche Nutzung steht 2018 im Vordergrund. Sie ist aber im Jahr 2018 mit 51,8 % gegenüber 1990 (54,5 %) zurückgegangen.
Natürliche Risiken mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Étouars
Natürliche Risiken manifestieren sich in Étouars neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Dürren Waldbrände Bodensetzungen
Étouars ist der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Deshalb besteht im weitaus größten Teil des Gemeindegebiets zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.
Wie die Risikokarte zeigt, ist etwa ein Drittel des Gemeindegebiets von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Anfällig sind vor allem die Lockersedimente im Westen und Südwesten. Die Dürreperiode im Jahr 2019 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Ökologie mini|Schutzgebiete des Typus 1 in der Gemeinde Étouars Naturpark Die Gemeinde gehört seit 1998 zum Gebiet des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiet Unter Naturschutz stehen die Talungen des Ruisseau des Forges, des Ruisseau de l’Étang d’Assat sowie die Marcourive. Diese Gebiete sind als kontinentale ZNIEFF (Französisch zone naturelle d'intérêt écologique, faunistique et floristique) des Typus 1 unter der Bezeichnung Vallées du réseau hydrographique du Bandiat ausgewiesen. Ihre Flora besteht aus über 100 Pflanzenarten mit Großer Odermennig (Agrimonia procera) und Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) als Indikatorpflanzen.
Geschichte mini|Schiffskanone aus dem 18. Jahrhundert
Spuren menschlicher Besiedlung reichen in Étouars bis in die Urgeschichte, die Antike und insbesondere ins 15. und 18. Jahrhundert zurück. Zahlreiche gallo-römische Überreste wurden entdeckt, darunter eine Villa, Ziegel und Münzen. An der Villa fanden sich zahlreiche Silexe – neben Sticheln, Schabern und Bohrern auch zwei polierte Steinäxte.
Der Überlieferung nach wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts eine kleine Ortschaft von Richard Löwenherz geplündert und vollständig zerstört, um Baumaterial für das Dorf Étouars zu gewinnen.
Was Étouars jedoch wirklich auszeichnet, ist seine lange und bedeutende Eisenverarbeitung. Die Gegend profitierte von Eisenerz, Holz (für die Produktion von Holzkohle) und Wasser, das für Rennöfen und später Hochöfen unerlässlich war. Im 18. Jahrhundert wurde die Schmiede in Étouars zur Kanonengießerei für die königliche Marine. Die ehemalige Schmiede von Étouars befand sich am Fuße des Tals, südlich des Dorfes. Die Hochöfen waren bis 1866 in Betrieb, sind aber nicht erhalten. Ein Kohlenschuppen und das Wohnhaus des Eisenmeisters sind jedoch erhalten geblieben. Auf dem Dorfplatz erinnert ein Denkmal an diese metallurgische Tätigkeit. Es stellt eine Schiffsbatterie dar und besteht aus einer ehemaligen Schiffskanone und Metallteilen.
Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung in ÉtouarsJahrEinwohner 1962 230 1968 220 1975 195 1982 197 1990 174 1999 175 2006 144 2007 147 2008 145 2011 144 2013 146 2015 151 2016 154 2017 155 2019 159 2021 163 2022 165 2023 166
Quellen: EHESS, INSEE
Die Bevölkerungsentwicklung in Étouars unter leichten Schwankungen generell rückläufig, hat sich aber seit 2006 wieder etwas erholt.
Die Gemeinde hatte ihren bisherigen Bevölkerungshöchststand im Jahr 1896 mit 529 Einwohnern.
Bei einer Fläche von 7,83 Quadratkilometer beträgt die Bevölkerungsdichte zur Zeit 21 Einwohner/km² (genauer 21,2).
Bürgermeister Amtierende Bürgermeisterin ist seit März 2008 die parteilose Francine Bernard, die im März 2026 wiedergewählt wurde.
Präsidentschaftswahlen 2022 Kandidaten Parteien 1. Wahlgang 2. Wahlgang Stimmen % Stimmen % Marine Le Pen Front national FN 30 29,13 % 51 62,96 % Emmanuel MacronEn marche ! EM 16 15,53 % 30 37,04 % Jean-Luc Mélenchon Front de gauche FDG 16 15,53 % Éric Zemmour Reconquête REC 11 10,68 % Jean Lassalle Résistons ! R 7 6,80 % Fabien Roussel Parti communiste français PC 7 6,80 % Yannick Jadot Europe Écologie-Les Verts EELV 5 4,85 % Philippe Poutou Nouveau Parti anticapitaliste NPA 4 3,88 % Anne Hidalgo Parti socialiste PS 3 2,91 % Valérie Pécresse Les Républicains LR 2 1,94 % Nicolas Dupont-Aignan Debout la République DLR 2 1,94 % Nathalie Arthaud Lutte Ouvrière LO 0 0,00 % Gesamt 103 100 % 81 100 % Gültige Stimmen 103 96,26 % 81 78,64 % Ungültige Stimmen 4 3,74 % 22 21,36 % Wahlbeteiligung 107 84,92 % 103 81,75 % Enthaltungen 19 15,08 % 23 18,25 % Registrierte Wähler 126 126Quelle: Ministère de l'Intérieur Die Präsidentschaftswahl 2022 in Étouars konnte Marine Le Pen deutlich für sich entscheiden.
Sehenswürdigkeiten