Die Rüstungsindustrie in Afrika ist in verschiedenen Staaten Afrikas vertreten. Unter den afrikanischen Herstellerländern von leichten Waffen befinden sich Südafrika, Sudan, Simbabwe, Nigeria, Namibia, Uganda, Kenia, Tansania und Ägypten. Eine besondere Stellung nehmen Südafrika, Ägypten und der Sudan ein, die die 3 größten Produzenten von Waffen sind und eine sehr breite Palette an Waffen anbieten.
Südafrika Das größte afrikanische Herstellerland für den Rüstungssektor ist Südafrika, das aus seiner Apartheid-Periode eine technisch-wissenschaftlich fortgeschrittene und vielschichtige Militärindustrie fortführt. Gegenwärtig gibt es in Südafrika rund 700 Rüstungsunternehmen mit 22.500 Beschäftigten (Ende der 1980er Jahre waren es sogar 160.000). Bei den meisten handelt es sich um kleine und mittlere Betriebe. Der zwar offiziell privatisierte und in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Konzern Denel befindet sich in Staatseigentum und hat mit seinen fast 11.000 Mitarbeitern in Südafrika einen Marktanteil von über 50 % im Verteidigungssektor.
Die größeren Hersteller von Rüstungsgütern sind in der South African Aerospace Maritime & Defence Industries Association (AMD) organisiert. Hierzu gehören:
Advanced Materials Technology (AMT) – Importeur von Glasfaser, Aramid, … Advanced Technologies and Engineering Aerosud (Pty) Ltd – Flugzeugmodernisierung und -Einrichtung, Wartung African Defence Systems (Thales Group) – Elektronische Systeme zur Waffensteuerung und Gefechtsführung African Non Destructive Testing Centre (Pty) Ltd Ansys Integrated Systems (Pty) Ltd Aerospace Monitoring and Systems (Pty) Ltd (AMS) – Flug- und Motorüberwachungsgeräte, Flugschreiber Armscor – akquiriert Lieferanten für die Streitkräfte, Test und Entwicklung Aztec Components (Pty) Ltd – Batterien für Flugzeuge, Torpedos, … BAE Land Systems BAE Systems Boeing International Corporation – Africa Bohlabela Wheels (Pty) Ltd CCII Systems (pty) Ltd (C²I² Systems) – Radarkonsolen, Informationsmanagementsysteme Contactserve (Pty) Ltd – elektronische Bauteile Cybersim (Pty) Ltd – Beratung, Logistik, Materialkennzeichnung Defencetek (ein Bereich von CSIR) – Entwicklung Demco (Pty) Ltd – Minenräumungssysteme Denel Denel Aviation – Bau, Umbau und Wartung von Flugzeugen Eloptro – LaserSysteme, U-Boot-Periskope, optische Systeme Kentron – Raketen, UAVs, optische Systeme La Forge – Metallbauteile für Munition und die Autoindustrie LIW – Artilleriesysteme, Geschütztürme Mechem – Minenräumgerät und -Dienstleistungen Naschem – Kanonen- und Mörsermunition Overberg Test Range – Testgelände Pretoria Metal Pressings (PMP) – Munition, industrielle Sprengmittel Somchem – Treibladungsmittel, Sprengköpfe, chemische Produkte Swartklip – Explosivstoffe, Munition, Granaten Vektor – Schusswaffen, auch für den zivilen Bereich Emzansi Engineering Consultants – Entwicklung in allen technischen Bereichen Epsilon Engineering Services (Pty) Ltd – Zustandsüberwachungssysteme, Bombenflügel, Kanonenbettungen, medizinische Ausrüstung GISCOE (Pty) Ltd – Bildauswertung, Missionsplanungssysteme Grintek Group Ltd Grintel Telecom Grintek Electronics Grintel Communication Systems (Joint Venture 51 % Grintek/49 % SAAB) – taktische Kommunikationssysteme Grintek Ewation (Pty) Ltd – Joint Venture (55 % Grintek/45 % EADS) – Marke: MRCM Grintek Defence & Technologies Division (Kooperation mit SAAB) – ELINT, ESM, ECM, Warnsysteme gegen Raketen, Radar, Laser IFS Defence SA (Pty) Ltd Internex IST Dynamics Land Mobility Technologies Lechabile Quality Strategies M-Tek – Elektromechanische Komponenten, Videosysteme, Neigungswinkelmesser OMC (Pty) Ltd Osprey Group Osprey Aerospace (Pty) Ltd – Vertrieb für verschiedene Marken: British Aerospace Defence Military Aircraft – Hawk-Strahltrainer Jetstream Aircraft Limited Avro International Aerospace – BAe 146 Martin-Baker – Schleudersitze Swearingen – SJ30 Honeywell – Avioniksysteme Kollsman – Instrumente Aerazur – Sicherheitsausrüstung Parachute Industries of South Africa (Pty) Ltd – militärische und zivile Personen- und Lastenfallschirme Paramount Logistics – Beschaffung, Integration, Wartung und Finanzierung von Fahrzeugen, Flugzeugen und Ausrüstung Parsec (Pty) Ltd – elektronische Bauteile für Militär, Industrie und Telekommunikation Reunert Group Reutech Group Fuchs Electronics – Bombenzünder Reutech Radar Systems (RRS) – 2D- und 3D-Radarsysteme, Zielverfolgungssysteme Reunert Defence Logistics (RDI) – Logistische Dienstleistungen und Herstellung von Systemen für die Südafrikanischen Streitkräfte RDI Communications – Funksysteme Siemens Ltd – Allgemeine Schiffselektronik (GPS, Zustandsüberwachung) Sinjana Engineering CC TAU Aerospace (Pty) Ltd Tellumat Defence – IFF, Radarhöhenmesser, GPS, (gesicherte) Datenfunkverbindungen, Mikrowellenkommunikation Thales Aerospace Business Group (Frankreich) Flightcraft Aviation Systems – South African Advanced Air Traffic Control System (SAAATS) Thales Air Traffic Management – South African Advanced Air Traffic Control System (SAAATS) Thales Advanced Engineering (Pty) Ltd – Kommunikationsausrüstung, Videoübertragung und Bildbearbeitung. Thales Advanced Engineering (TAE) ist ein selbstständiges, südafrikanisches Unternehmen, das den Namen Thales lange vor der Umbenennung von Thompson CSF (Frankreich) geführt hat und nicht zur Thales Group gehört.
Weitere Waffenhersteller: MGL Milkor Marketing (Pty) Ltd (40-mm-Granatgewehre); ARAM (Pty) Ltd (schwere 12,7-mm-Maschinengewehre) New Generation Ammunition (Munition) Truvelo Armoury Division (Pistolen, Gewehre und Teile für leichte Waffen)
Nach offiziellen Angaben exportiert das Land Rüstungsprodukte in 61 verschiedene Länder, vorwiegend im Nahen Osten und in Afrika.
Weitere Kunden sind: Indien, Volksrepublik China, Vereinigte Arabische Emirate, Taiwan, Singapur, Thailand, Kamerun, Chile, Kolumbien, Kuwait, Oman, Peru, Eswatini, Republik Kongo, Botswana, Uganda, Ruanda, Tunesien, Côte d’Ivoire, Kenia, Sambia, Mosambik und Mexiko. Malaysia soll Interesse am Angriffshelikopter Rooivalk bekundet haben.
Im Jahr 2001 gingen insgesamt 32 % der südafrikanischen Waffenexporte nach Afrika, wobei 28 % der Exporte in Afrika auf Algerien entfielen, an das Südafrika unter anderem so genannte UAV-Flugzeuge (unbemannte Aufklärungsflugzeuge) und Kampfhubschrauber des Typs Mil Mi24 Hind sowjetischer Herkunft verkauft. Die restlichen Exporte teilten sich wie folgt auf: 15 % Nahost, 16 % Südasien, 15 % restliches Asien, 16 % Europa, 5 % Amerika und 1 % die Vereinten Nationen (Ausrüstung der Blauhelme).
Nicht alle Länder werden mit demselben System der südafrikanischen Rüstungsindustrie beliefert. Die Exportgesetze für Rüstungsgüter unterscheiden vier Kategorien, die verschiedenen Kontrollbedingungen bei der Ausfuhr unterliegen:
Category A: Sensitive Major Significant Equipment (SMSE) – Waffen, die eine hohe Anzahl von Opfern und große materielle Schäden verursachen Category B: Sensitive Significant Equipment (SSE) – leichte Waffen Category C: Non-Sensitive Equipment (NSE) – Systeme, die der Unterstützung bei Kampfhandlungen dienen und selbst keine tödliche Funktion haben (zum Beispiel Logistik- und Telekommunikationssysteme) Category D: Non-Lethal Equipment (NLE) – Verteidigungssysteme, wie zum Beispiel Systeme zum Entschärfen von Minen
Einige Länder können nur Systeme der beiden letzten Kategorien (also nicht tödliche Systeme) kaufen, wie zum Beispiel Simbabwe, das bei der letzten Lieferung im Jahr 2000 nur mit Systemen der Kategorie D beliefert wurde.
Ägypten Der größte Waffenhersteller in Nordafrika ist Ägypten. Das nordafrikanische Land exportiert auch Waffen in die afrikanischen Länder südlich der Sahara. 1992 wurde zwei Jahre vor dem Völkermord des Jahres 1994 ein Verkaufsvertrag für ägyptische Waffen an die ruandische Regierung unterzeichnet. Der Vertrag, dessen Bezahlung von einer französischen Bank garantiert wurde, umfasste Granatwerfer von 60 bis 82 mm; 16.000 Granaten; Raketenwerfer; Plastiksprengstoff, Anti-Personen-Minen und 3 Millionen Schuss für Handfeuerwaffen.Stephen D. Goose and Frank Smyth; „Arming Genocide in Rwanda“ in Foreign Affairs, September/Oktober 1994, zugänglich unter folgender Adresse im Internet: . Wie aus der Studie hervorgeht hat Ruanda zur selben Zeit von Südafrika Waffen im Wert von 5,9 Millionen Dollar gekauft. Die Lieferung umfasste R4-Gewehre (eine südafrikanische Kopie des israelischen Galil), Maschinengewehre vom Typ Browning 12,7 mm, 100 60-mm-Granaten, 70 Granatwerfer 40 mm mit 10.000 Schuss, 20mila Gewehrgranaten, 10.000 Handgranaten, 1,5 Mio. Schuss Gewehrmunition für R4-Gewehre und über 1 Mio. Schuss für Maschinengewehre vom Typ Browning.
Zu den Herstellern leichter Waffen in Ägypten gehören: Abu Kir Engineering Industries/Factory 10 (Munition für Handfeuerwaffen); Al-Ma’asara Company for Engineering Industries (MF 45) (Munition für Handfeuer- und Gefechtsfeldwaffen); Arab International Optronic (AIO) S.A.E.; Helwan Machine Tools Company / Factory 999 (Granatwerfer); Kaha Company for Chemical Industries (MF 270) (Gewehrgranaten und Handgranaten); Maadi Company for Engineering Industries (Pistolen, Gewehre, Maschinengewehre, Granatwerfer); Sakr Factory for Developed Industries (Panzerabwehrraketen); Shoubra Company for Engineering Industries (MF 27) (Munition). AOI (gepanzerte Fahrzeuge z. B. Fahd 30);
Sudan Nachdem gegen den Sudan wegen des Darfur-Konfliktes ein Waffenembargo der UNO verhängt wurde, begann der Sudan mit chinesischer und iranischer Hilfe seine staatliche Rüstungsfirma Military Industry Corporation (MIC) auszubauen. MIC produziert Munition, Uniformen, Elektronik wie Laserzielerfassungsgeräte, Nachtsichtgeräte, Thermokameras, Feuerleitsysteme, Radarsysteme, GPS-Sender, Kommunikationssysteme, Sturmgewehre, Granatwerfer, Geschütze, Raketenwerfer, Raketen, Bomben, (vermutlich) Luftabwehr- und Panzerabwehrraketen, Granatwerfer, Schützenpanzer, Kampfpanzer, mit Raketenwerfern oder Geschützen bewaffnete Jeeps, (vermutlich) Drohnen, Flugzeuge und Hubschrauber und deckt damit faktisch den gesamten Bedarf einer modernen Armee ab.http://www.mic.sd/idex/en/products Im Bereich der Handfeuerwaffen soll der Sudan laut der Schweizerischen NGO „Small Arms Survey“ der „dynamisch wachsenste Markt“ für Handfeuerwaffen sein. Gerade das HK33 wird unter der Bezeichnung „TERAB“ in großen Stückzahlen produziert. Grundsätzlich liefert man in zahlreiche Konfliktherde. So sollen Milizen in Libyen, im Bürgerkrieg in Syrien, im Jemen sowie in weiteren Brennpunkten im Nahen Osten und Afrika mit Waffen beliefert werden. Insgesamt ist zu sagen, dass die Waffenproduktion im Sudan Jahr für Jahr steigt und man auf dem Weg ist Ägypten und Südafrika in der Produktion von Waffen zu überholen und bereits drittgrößter Waffenproduzent ist. Da der Sudan als Lieferant verschiedenster terroristischer Gruppierungen gilt (gegen Präsident Umar al-Baschir wurde Haftbefehl wegen Völkermordes durch den Internationalen Strafgerichtshofs erlassen), sind die sudanesischen Waffenfabriken immer wieder Ziel ausländischer Militärschläge.
Simbabwe