mini|Seit 2001 in Deutschland gültiges Autobahnschild mini|Autobahnschild aus dem Jahr 1947
Ein Autohof ist in Deutschland eine an der Autobahn beschilderte Tank- und Rastanlage. Im Gegensatz zu Autobahnraststätten sind Autohöfe nicht direkt an der Bundesautobahn, sondern über reguläre Autobahnausfahrten erreichbar. Auf Autohöfen befinden sich Tankstellen mit einer Mindestanzahl von Zapfsäulen und Stellplätzen.Johann Vielberth, Christian Bretthauer: Private Autohöfe – Mehr Service für die mobile Gesellschaft. In: Bernd Falk, Momme Torsten Falk (Hrsg.): Handbuch Gewerbe- und Spezialimmobilien. Immobilien Informationsverlag Rudolf Müller, Köln 2006, ISBN 3-89984-135-2, S. 162.
mini|Autohof Lohfeldener Rüssel an der A 49, Lohfelden mini|Kapelle auf dem Autohof Lohfeldener Rüssel, Lohfelden
Voraussetzungen Anfang 2001 wurde der Begriff „Autohof“ und seine Bedeutung für die Benutzer der Bundesautobahnen und Fernstraßen in die StVO aufgenommen und damit festgelegt. Damit sich eine Rastanlage als Autohof bezeichnen darf und Anspruch auf eine Hinweisbeschilderung im Autobahnnetz hat (Zeichen 448.1), müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein, die in den Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO) zum Zeichen 448.1 Autohof aufgeführt sind. Hierbei handelt es sich um nachfolgende Kriterien:Konrad Bauer: Kapitel 43. In: Kurt Kodal (Hrsg.): Straßenrecht Handbuch. Verlag C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-52567-4, Kapitel 43 Rn. 58.
Der Autohof ist höchstens 1 km von der Anschlussstelle entfernt. Die Straßenverbindung ist für den Schwerverkehr baulich und unter Berücksichtigung der Anliegerinteressen Dritter geeignet. Der Autohof ist ganzjährig und ganztags (24 h) geöffnet. Es sind mindestens 50 Lkw-Stellplätze an schwach frequentierten (durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke bis 50.000 Kfz) und 100 Lkw-Stellplätze an stärker frequentierten Autobahnen vorhanden. Pkw-Stellplätze sind davon getrennt ausgewiesen. Tankmöglichkeit besteht rund um die Uhr; für Fahrzeugreparaturen werden wenigstens Fachwerkstätten und Servicedienste vermittelt. Von 11 bis 22 Uhr wird ein umfassendes Speiseangebot bereitgehalten, außerhalb dieser Zeit werden Getränke und Imbiss angeboten. Sanitäre Einrichtungen sind sowohl für Behinderte als auch für die besonderen Bedürfnisse des Fahrpersonals vorhanden.VwV-StVO (2009) Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung in der Fassung vom 17. Juli 2009. Zu Zeichen 448.1 Autohof 2-8.
Abgrenzung zu Autobahnraststätten Autobahnraststätten sind gesetzlich ( Abs. 1 FStrG) geregelte „Betriebe an den Bundesautobahnen, die den Belangen der Verkehrsteilnehmer der Bundesautobahnen dienen (z. B. Tankstellen, Motel, bewachte Parkplätze, Raststätten) und eine unmittelbare Zufahrt zu den Bundesautobahnen haben“. Das Angebot dieser Dienstleistungsbetriebe, die auch als „Nebenbetriebe“ an Autobahn-Rastplätzen bezeichnet werden, ist legal definiert.
Nach Abs. 2 und 3 FStrG ist bei einer Übertragung vom Bau oder Betrieb als Nebenbetrieb an private Dritte, eine jährliche umsatzbasierte Konzessionsabgaben an das Bundesamt für Logistik und Mobilität zu entrichten, die bei den stets privat gebauten und bewirtschafteten Autohöfen nicht fällig werden. Während die Planungshoheit bei Autohöfen den Gemeinden unterliegt, sind Nebenbetriebe an den Bundesautobahnen dort ein rechtlicher Bestandteil, wodurch sie eines Planfeststellungsbeschlusses bedürfen.Thomas Burmeister u. a.: Tank- und Rastanlagen/Autohöfe. In: Bernd Heuer, Andreas Schiller (Hrsg.): Spezialimmobilien, Flughäfen, Freizeitimmobilien, Hotels, Industriedenkmäler, Rehakliniken, Seniorenimmobilien, Tank- und Rastanlagen/ Autohöfe. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller Bau-Fachinformationen, Köln 1998, ISBN 3-481-01209-8, S. 426–428.
Autohöfe haben im Unterschied zu Raststätten keinen unmittelbaren Anschluss an die Autobahn, sondern können durch den Anschluss an das untergeordnete Verkehrsnetz aus beiden Fahrtrichtungen angefahren werden. Dagegen sind BAB-Nebenbetriebe in der Regel nur aus einer Richtung zu erreichen.Thomas Burmeister u. a.: Tank- und Rastanlagen/Autohöfe. In: Bernd Heuer, Andreas Schiller (Hrsg.): Spezialimmobilien, Flughäfen, Freizeitimmobilien, Hotels, Industriedenkmäler, Rehakliniken, Seniorenimmobilien, Tank- und Rastanlagen/ Autohöfe. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller Bau-Fachinformationen, Köln 1998, ISBN 3-481-01209-8, S. 426. Des Weiteren dürfen Autohöfe über Werbepylonen auf sich aufmerksam machen,Johann Vielberth, Christian Bretthauer: Private Autohöfe – Mehr Service für die mobile Gesellschaft. In: Bernd Falk, Momme Torsten Falk (Hrsg.) Handbuch Gewerbe- und Spezialimmobilien Immobilien Informationsverlag Rudolf Müller, Köln 2006, ISBN 3-89984-135-2, S. 167. da sie, je nach Bundesland, nur mit einem bis drei Schildern je Fahrtrichtung auf der Autobahn beworben werden dürfen, wohingegen Raststätten über bis zu fünf solcher Schilder pro Fahrtrichtung verfügen. Autohöfe wollen durch Gesetzesänderung die Sicherheit auf deutschen Autobahnen erhöhen – Nebeneffekt: Bund spart dreistelligen Euro-Millionenbetrag. Website des VEDA e. V., 13. September 2013, abgerufen am 21. März 2016. Ein Wettbewerbsvorteil der Autohöfe sind die günstigeren Kraftstoffe, sowie etwas preiswertere Einkaufs- und Gastronomiepreise.Sparen an der Autobahn – Autohöfe günstiger als Rastanlagen! Mobil in Deutschland e. V., 5. August 2013, abgerufen am 18. März 2016.Sabine Behr: abgerufen am 20. März 2016.Volker Thies: In: Immobilienzeitung. 30. März 2016, abgerufen am 30. März 2016.
Die Tankstellenpreise der Autohöfe entsprechen in der Regel denen der umliegenden Region. Autohöfe versuchen, die regionale Bevölkerung als Zielgruppe zu gewinnen und sich über gewisse Zusatznutzen, wie beispielsweise einen Barfußpfad am 24-Autohof Gramschatzer Wald (A7), von den Rasthöfen zu differenzieren.VEDA e. V.: Vergleichende Analyse zur Nutzung von Autohöfen und Nebenbetrieben an Autobahnen. (Auftragnehmer: INOVAPLAN GmbH) August 2013. Auch ist das gastronomische Angebot der Autohöfe in der Regel vielseitiger (mit Bedienung) und auf längere Verweildauern ausgerichtet, als das der meist im Self-Service betriebenen Schnellrestaurants in Nebenbetrieben.Thomas Burmeister u. a.: Tank- und Rastanlagen/Autohöfe. In: Bernd Heuer, Andreas Schiller (Hrsg.): Spezialimmobilien, Flughäfen, Freizeitimmobilien, Hotels, Industriedenkmäler, Rehakliniken, Seniorenimmobilien, Tank- und Rastanlagen/ Autohöfe. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller Bau-Fachinformationen, Köln 1998, ISBN 3-481-01209-8, S. 433. Im Gegensatz zum nahezu monopolistischen Wettbewerb bei BAB-Raststätten, zeichnet sich der Markt zum Einkaufen auf den Autohöfen durch einige größere Markt-Ketten aus.Liste der Autohöfe Deutschlands nach Ort. Abgerufen am 30. März 2016.
Interessenvertretung Vereinigung Deutscher Autohöfe Die Interessen vieler Autohöfe werden durch die Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA e. V.) organisiert. Im Jahr 1995 wurde VEDA von Interessen-Vertretern der mittelständischen Autohöfe gegründet. Aktuell sind der VEDA 103 Autohöfe angeschlossen, die von der VEDA erarbeiteten und festgelegten Standards folgen. Erfolge der VEDA sind die Beschilderung von Autohöfen, sowie der Schaffung von rund 10.000 LKW- und PKW-Stellplätzen entlang der Autobahnen.Website des VEDA e. V. Abgerufen am 30. März 2016. Aufgrund der stetig steigenden Anzahl an Übergriffen auf die Lkw, ist die Qualifizierung der Lkw-Parkplätze (Parkplatzmanagement, Premium-Parken) mit Überwachung, die aktuelle Herausforderung für den Verband ist.PREMIUM Parken auf der Autobahn. Website des VEDA e. V., abgerufen am 30. März 2016.
Entstehung und Entwicklung in Deutschland Eine der ersten Einrichtungen mit dem Namen „Autohof“ entstand noch vor dem Bau der Autobahnen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, u. a. am Botanischen Garten in Berlin-Lichterfelde.
Der erste deutsche Autohof nur für Lkw wurde im Jahr 1931 in Hamburg-Borgfelde an der Eiffestraße 56, als ein sogenannter Autobahnhof mit Namen „Fernkraft“ eröffnet.Quelle: Autohof "Fernkraft" (Förstmann & Bielkin GmbH & Co). Eiffestr. 56. 20537 Hamburg;Bericht: Zeitschrift "Last & Kraft", Nr. 1 / 1995 Dort konnten alle Reparatur-Arbeiten, Ersatzteile usw. organisiert werden und es wurde für Leib & Seele, sowie für eine ordentliche Übernachtung gesorgt. Dort gab es 1932 die erste organisierte Laderaum-Vermittlung auf einem Autohof, wobei vorher diese Fracht-Vermittlungen nur am Rande einer Stadt, an den großen Reichsstraßen vorhanden waren.
Autohöfe an Autobahnen waren von Anfang an hauptsächlich als Abstellanlagen für den Güterfernverkehr gedacht. Sie boten gegen Ende der 1930er Jahre günstige Übernachtungsmöglichkeiten für die Fernfahrer sowie Wartungs-, Tank- und Waschmöglichkeiten für die Lkw. Im Jahr 1938 gab es zusätzlich auf den Autohöfen bereits 43 Laderaumverteilstellen. Ziel war es zum damaligen Zeitpunkt auch, das Umladen von Gütern auf die Autohöfe zu verlegen, damit der Verkehr in den Innenstädten nicht noch zusätzlich durch die Fernlastzüge belastet würde. Ein Autohof sollte zum einen die Nähe zu Industriezentren berücksichtigen, zum anderen unmittelbar an einer wichtigen Bundesstraße liegen. Der Anschluss an eine Autobahn war damals noch nicht oberstes Auswahlziel.Bauabsichten: Autohöfe für den Güterfernverkehr. In: Deutsche Bauzeitung. 1, 1938, S. 18. Dennoch entwickelten sich die Autohöfe mit dem Ausbau des Fernstraßennetzes insbesondere an den Autobahnen, da diese zunehmend die Rolle bedeutender Ein- und Ausfahrtstraßen der Städte übernahmen. mini|Autohof OsnabrückBAB 1 Abf. 71 - Osnabrück-Hafenmini|Autohof mit Fernfahrer Theke Osnabrück - BAB Abf. Hafen
Während die erste Raststätte Deutschlands 1936 in Rodaborn bei Triptis in Thüringen entstand,Deutschlands erste Autobahnraststätte „Rodaborn“. auf: hermsdorf-regional.de, abgerufen am 30. März 2016. entwickelten sich die ersten strategisch geplanten und komplett gebauten Autohöfe, die der derzeitigen Auffassung vom Begriff Autohof entsprachen, schon ab den 1930er Jahren. Auslöser für deren Verbreitung war vor allem das steigende Transportvolumen und die gleichzeitige strengere Regulierung der Pausen- und Ruhezeiten der Fernfahrer, wodurch der Parkplatzbedarf rapide anstieg und nicht mehr von den bundeseigenen Raststätten gedeckt werden konnte. Private Investoren und internationale Mineralölkonzerne versuchten diese Versorgungslücke zu schließen und siedelten ihre privat bewirtschafteten und meist an Einzelbetreiber verpachteten Autohöfe zuerst vor allem an Autobahnausfahrten an Nord-Süd-Fernrouten mit überdurchschnittlichem Anteil internationalen Güterverkehrs an.
Nach der deutschen Wiedervereinigung sowie im Zuge der EU-Ost-Erweiterung weiteten sie ihre Standorte auch auf Ost-West-Verbindungen aus, um den auch auf diesen Routen stark wachsenden Handelsverkehr entsprechend bedienen zu können. Hinzu kamen weitere private Anbieter und auch weitere Mineralölkonzerne, die inzwischen alle über große Autohofnetze verfügen.Thomas Burmeister u. a.: Tank- und Rastanlagen/Autohöfe. In: Bernd Heuer, Andreas Schiller (Hrsg.): Spezialimmobilien, Flughäfen, Freizeitimmobilien, Hotels, Industriedenkmäler, Rehakliniken, Seniorenimmobilien, Tank- und Rastanlagen/ Autohöfe. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller Bau-Fachinformationen, Köln 1998, ISBN 3-481-01209-8, S. 431.Johann Vielberth, Christian Bretthauer: Private Autohöfe – Mehr Service für die mobile Gesellschaft. In: Bernd Falk, Momme Torsten Falk (Hrsg.): Handbuch Gewerbe- und Spezialimmobilien. Immobilien Informationsverlag Rudolf Müller, Köln 2006, ISBN 3-89984-135-2, S. 163.