mini|Der Anfang des Harvestehuder Wegs aus Richtung Hamburger Innenstadt mini|Karte des Harvestehuder Wegs in Hamburg Der Harvestehuder Weg ist eine Straße im Hamburger Bezirk Eimsbüttel, die am Vorland der Außenalster von der Alten Rabenstraße bis zum Klosterstern auf zwei Kilometern Länge durch die Stadtteile Rotherbaum und Harvestehude führt. Mit zahlreichen freistehenden Villen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, inmitten großer, teils parkartiger Gärten, gilt sie als eine Prachtstraße der Hansestadt und, neben der Elbchaussee, als Zeugnis des Reichtums der Hamburger Kaufleute und Unternehmer während der Gründerzeit.
Die Straße ist in weiten Teilen nur halbseitig bebaut und lässt dadurch, soweit der reiche Baumbestand dies zulässt, den Blick über die angrenzenden weitläufigen Grünanlagen und die Außenalster frei. Weitere Attraktivität genießt sie durch ihre Innenstadtnähe. Hohe Quadratmeterpreise für Grundstücke, Wohnungen und Häuser machen den Harvestehuder Weg zu einer der teuersten Wohnstraßen Deutschlands. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Straße mit ihrer ersten Bebauung, Landhäuser und Sommerwohnsitze reicher Hamburger Familien im damals außerstädtischen Gebiet, eine herausragende Stellung ein. Sie unterlag bau- wie sozialhistorisch den jeweiligen Umbrüchen in Politik und Wirtschaft und spiegelt in ihrer Geschichte den Aufstieg und Fall der jeweiligen Macht- und Geldinhaber, der in Hamburg gern so genannten Pfeffersäcke, wider.
Allgemeines Name Der Name, 1858 verwaltungsrechtlich eingetragen, bezeichnet den Weg zum ehemaligen Kloster Harvestehude, das von 1293 bis 1530 nordwestlich des heutigen Eichenparks lag. Er ist zurückzuführen auf den Ort Herwardeshude, dem vormaligen Standort des Klosters am Pepermölenbek bei dem späteren Altona. In der wörtlichen Übertragung wäre die Bedeutung Fährstelle (Hude) des Hüters des Heeres (Herward), allerdings war Herward im 12. und 13. Jahrhundert ein regional überaus gebräuchlicher Name, sodass die naheliegende Vermutung, ein gewisser Herward habe die Anlegestelle an diesem Ort gegründet, weitverbreitet in der Literatur zu finden ist.Otto Beneke: Das alte Harvestehude. In: Hamburgische Geschichten und Sagen. Hamburg 1886. Nr. 27 (Wikisource) Nach dem Umzug an die Alster nannten die Nonnen ihr Kloster „In valle virginum“ (Jungfrauenthal), doch der volkstümliche Name blieb Die Frauen von Herwardeshude, aus dem sich schließlich in sprachlicher Veränderung und aus Wortspielerei der Name Harvestehude entwickelte. Der Hamburger Geschichten- und Sagenschreiber Otto Beneke führte zusätzlich aus, dass diesen Ort „manche gute Hamburger, da ein Winterhude gegenüber liegt, auch wohl Herbstehude nennen und zwar gar nicht so irrig, denn ‚Harvest‘ ist das plattdeutsche Wort für Herbst.“ Auch auf alten Karten ist teilweise der Name Herbstehude verzeichnet. Vor der offiziellen Bezeichnung wurde der Harvestehuder Weg auch Unterer Fahrweg genannt, in Unterscheidung zu den parallel verlaufenden Oberen (Rothenbaumchaussee) und Mittleren (Mittelweg) Fahrwegen.
Lage mini|Stadtplanausschnitt Hamburg, Außen- und Binnenalster Der Harvestehuder Weg ist die Verlängerung der aus Richtung der Hamburger Neustadt kommenden Straße Alsterufer und liegt am Geesthang des westlichen Ufers der Außenalster. Seinen Anfang nimmt er einen Kilometer vom Innenstadtbereich entfernt und durchläuft die Stadtteile Rotherbaum, nördlich der ehemaligen Gartenhauskolonie Fontenay, und Harvestehude, entlang des Stadtviertels Pöseldorf, bis zum Klosterstern. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Straße durch die Einmündung der Hundebeck in die Alster von der Fontenay getrennt, der Zugang aus Richtung Stadt, vom Dammtor kommend, verlief über den Mittelweg und die Alte Rabenstraße. Das Alstervorland an der östlichen Seite der Straße ist mit dem 1953 angelegten Alsterpark auf ganzer Länge öffentlich zugänglich. Mit der Krugkoppelbrücke besteht am nördlichen Ende der Außenalster eine Verbindung zu den östlich gelegenen Stadtteilen Winterhude und Uhlenhorst. Das Gebiet westlich des Harvestehuder Wegs ist der Alsterkamp, eine Geesthöhe, die sich zwischen Isebek und Alster bis zum Grindelberg zieht, im heutigen Stadtplan von Hamburg durch die Straßenzüge Grindelallee / Edmund-Siemers-Allee und Alsterufer / Harvestehuder Weg noch gut als Oval zu erkennen. mini|links|Die Südseite der Krugkoppelbrücke am Nordwest-Abschluss der Außenalster.
Teilweise werden die Grundstücke des Harvestehuder Wegs über die parallel und quer verlaufenden Straßen dieses Gebiets, wie die Magdalenenstraße, die Milchstraße, den Pöseldorfer Weg, den Alfred-Beit-Weg, die Sophienterrasse und den Alsterkamp, rückwärtig erschlossen. Nördlich des Wegs liegt das bis zum Isebekkanal reichende Gelände des ehemaligen Frauenklosters Herwardeshude, dem durch zahlreiche Straßennamen im Quartier Rechnung getragen wird. Neben Klosterstern, Klosterstieg und Klostergarten führen auch die Bezeichnungen Frauenthal, Jungfrauenthal und Nonnenstieg, die St. Benedictstraße, zu Ehren des Heiligen Benedict, des Schutzpatrons des Klosters, und die Heilwigstraße in Erinnerung an die Gründerin des Klosters, Heilwig von Holstein und Schauenburg, Gemahlin von Adolf IV., auf diesen Ursprung zurück.
Verlauf Der Harvestehuder Weg beginnt im Stadtteil Rotherbaum an der Alten Rabenstraße mit dem gleichnamigen Schiffsanleger für Alsterdampfer. Auf einer Länge von weit mehr als einem Kilometer verläuft an der östlichen Seite der Straße der Alsterpark. Das dem Park gegenüberliegende erhöhte Gelände der westlichen Straßenseite ist vor allem mit freistehenden Villen in großzügigen Gartenanlagen aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erschlossen, vereinzelt auch mit flachen Bürokomplexen aus den 1930er und 1960er Jahren sowie Wohnanlagen jüngerer Zeit.
Zwischen den Häusern Nummer 12, der heutigen Hochschule für Musik und Theater, und Nummer 13 mündet die Milchstraße des Stadtviertels Pöseldorf. Hinter der Kreuzung mit der Alsterchaussee und deren Verlängerung des Fährdamms, auf der Höhe der Hausnummern 22 und 23, verläuft die Stadtteilgrenze zwischen Rotherbaum und Harvestehude. Vor dem Grundstück Nummer 25 stößt der Pöseldorfer Weg auf die Straße, auf Höhe der Nummer 36 die Sophienterrasse. Anschließend beschreibt die Straße einen ausgeprägten Bogen um die Anhöhe der Sophienterrasse und biegt in nordwestlicher Richtung in das Innere des Stadtteils Harvestehude ab. Hier, am Ende des Alsterparks, befinden sich die ersten drei Gebäude auf der rechten Straßenseite stadtauswärts. Dahinter zweigt eine Straße zur Krugkoppelbrücke ab und trennt das Alstervorland von dem Eichenpark. Bis zu dieser Stelle wird der Abschnitt, aufgrund der flachen, offenen Seite zum Fluss, auch der nasse Teil des Harvestehuder Wegs genannt, im Gegensatz zu dem folgenden trockenen Teil, der von der Alsterniederung auf leicht erhöhtes Geestgelände führt. Nach knapp zweihundert Metern endet der Eichenpark mit einer Bebauung durch zweistöckige Miethäuser der 1960er Jahre. mini|Blick vom Licentiatenberg, Harvestehuder Weg vor der Kreuzung Mittelweg Die linke Straßenseite wird ab der Hausnummer 57 von zwei- bis dreigeschossige Reihenvillen und Etagenhäusern der Gründerzeit, durchsetzt mit Reihenhäusern und Wohnanlagen jüngerer Zeit, dominiert. Sie bilden eine abschnittsweise geschlossene Bebauung, die Vorgärten sind weitaus schmaler als die am vorderen Abschnitt des Harvestehuder Wegs. Hinter dem linksseitig gelegenen Licentiatenberg, auf dem ebenfalls eine kleine Parkanlage mit altem Baumbestand angelegt ist, kreuzen der Mittelweg und das Frauenthal die Straße, zudem münden die Hagedornstraße und nach fünfzig Metern der Klostergarten ein, so dass sich ein langgestreckter Verkehrsknotenpunkt bildet. Nach der Kreuzung der Abteistraße ist im letzten Straßenabschnitt linksseitig der Bolivar-Park angelegt. An der rechten Straßenseite befindet sich die Harvestehuder Sankt Nikolai Kirche. Der Harvestehuder Weg endet nach insgesamt zwei Kilometern am Klosterstern, einem großangelegten Kreisverkehr, in dem insgesamt sechs Straßen münden.
Demografie Rotherbaum und insbesondere Harvestehude gelten sowohl historisch wie aktuell als zwei der einkommensstärksten und sozialstrukturell am höchsten entwickelten Stadtteile Hamburgs. Das Einkommen der hier lebenden Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen ist gut doppelt so hoch wie im Hamburger Durchschnitt.Statistikamt Nord: , abgerufen am 13. September 2010. Der Harvestehuder Weg mit seiner exponierten Lage und Bebauung bildet darin bereits seit dem 19. Jahrhundert die sichtbare Repräsentanz des reichen bis millionenschweren Hamburger Kaufmanns und ist laut einer Umfrage der Zeitschrift Capital im Juni 2010 die teuerste Wohnstraße Deutschlands.Capital, Artikel vom 17. Juni 2010 in immobilien-kompass.de, abgerufen am 25. September 2010. Demnach liegen die Kaufpreise für Einfamilienhäuser zwischen fünf und fünfzehn Millionen Euro, der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen zwischen 6.500 und 13.500 Euro und der Mietpreis von Wohnungen bei 22 bis 24 Euro pro Quadratmeter. Mit den Neubau-Vorhaben am Harvestehuder Weg ist in der Preisentwicklung eine weitere Steigerung angelegt, so soll der Verkaufspreis einer Eigentumswohnung im Bauprojekt Sophienterrasse bei bis zu 15.000 Euro pro Quadratmeter liegen.
Milieuschutz Verwaltungsrechtlich unterliegt der Harvestehuder Weg seit den ersten Bebauungsplänen von 1899/1906 einer Vielzahl von Schutzbestimmungen und Einschränkungen, vor allem den städtebaulichen Erhaltungsverordnungen nach § 172 Abs. 1 Nr. 1 Baugesetzbuch.§ 172 Abs.1 Nr.1 Baugesetzbuch in dejure.org Nach dem Flächennutzungsplan für die Freie und Hansestadt Hamburg vom 22. Oktober 1997 gilt er als reines „Wohngebiet mit zweigeschossiger offener Bauweise“, als so genanntes W2o-Gebiet, in dem eine eingeschränkte gewerbliche Nutzung nur für Bürobauten im Ausnahmewege und unter Einhaltung der Geschosszahl vorgesehen ist. Weiterhin ist für die Straße nach dem Landschaftsprogramm einschließlich Arten- und Biotopschutzprogramm für die Freie und Hansestadt Hamburg vom 14. Juli 1997 „gartenbezogenes Wohnen mit Grünqualitätssicherung“ vorgesehen, in dem eine „offene Wohnbebauung mit artenreichen Biotopelementen und mit parkartigen Strukturen“ vorherrscht. Hinzu kommt die Außenalster-Verordnung vom 29. März 1953, nach der die an das Alstervorland grenzenden Bereiche baulich einheitlich gestaltet werden und die Gartenanlagen sich in die Umgebung einfügen müssen, der Einblick in den Garten nicht durch Hecken oder hohe Zäune verwehrt und keine Fremdwerbung angebracht werden darf.Außenalster-Verordnung vom 29. März 1953, abgerufen am 29. September 2010. Für den reichen und teilweise sehr alten Baumbestand, vorrangig Linden, Buchen, Eichen und Rosskastanien, gilt zudem die Baumschutzverordnung des hamburgischen Landesrechts vom 17. September 1948. Einige prägnante Einzelbäume stehen unter dem Schutzstatus erhaltenswert.Bebauungsplan-Entwurf Harvestehude 13 (PDF; 205 kB) abgerufen am 27. September 2010.
Verkehr mini|Straßensituation am Alstervorland (2010) Im Teilstück zwischen Alter Rabenstraße und Krugkoppelbrücke ist der Harvestehuder Weg 2014 als Fahrradstraße angelegt worden. Um den Verkehr einzugrenzen, wurden einige Stellen durch gekennzeichnete Parkplätze eingeengt. In den Kreuzungsbereichen mit der Krugkoppelbrücke und dem Mittelweg wird sie teilweise vierstreifig ausgebaut, vom Mittelweg bis zum Klosterstern ist sie wieder zweistreifig. Das Verkehrsaufkommen liegt im mittleren Bereich, da der städtische Hauptverkehrsfluss den parallel verlaufenden Mittelweg benutzt.