mini|hochkant=1.6|Lageplan von Mystras(1: Haupteingang; 2: Metropolis; 3: Evangelistria; 4: Agios Theodoros; 5: Hodigitria-Afendiko; 6: Tor nach Monemvasia; 7: Agios Nikolaus; 8: Herrscherpalast mit Hauptplatz; 9: Tor nach Nauplion; 10: Oberer Eingang zur Zitadelle 11: Agia Sophia; 12: Kleiner Palast; 13: Zitadelle; 14: Mavroporta; 15: Pantanassa; 16: Agioi Taxiarches; 17: Frangopoulos-Haus; 18: Peribleptos; 19: Agios Georgios; 20: Krevata-Haus; 21: Tor nach Marmara; 22: Aï-Jannakis; 23: Laskaris-Haus; 24: Agios Christophoros; 25: Ruinen; 26: Agia Kyriaki)
Mystras bzw. Mistra ( ) ist eine als UNESCO-Weltkulturerbestätte ausgewiesene byzantinische Ruinenstadt in der Nähe des gleichnamigen Dorfes in Griechenland, nordwestlich von Sparta auf einem Hügel im Vorfeld des Taygetos-Gebirges.
Geschichte Die Geschichte der Bergfestung Mystras beginnt mit dem Vierten Kreuzzug (1202–1204). Als dessen Ergebnis wurde Gottfried I. von Villehardouin aus dem nordfranzösischen Bar-sur-Aube zum Fürsten von Achaia, als die Kreuzritter 1206/1207 die Peloponnes eroberten. Ihm folgte sein Sohn Gottfried II. (reg. 1218–1246), der seine Residenz in der Nähe des antiken Sparta errichtete. Sein Bruder Wilhelm II. (reg. 1246–1278) eroberte den Rest Lakoniens und errichtete 1249 im bis dahin unbewohnten Mystras eine starke Höhenfestung, die Lakedaimon sichern sollte. Weitere Burgen standen unter anderem in Monemvasia und vermutlich auf der Halbinsel Tigani. 1259 wurde Fürst Wilhelm II. von Truppen des byzantinischen Kaisers von Nikaia gefangen genommen und konnte sich nur durch die Herausgabe von Mystras und anderer Burgen freikaufen. Die griechischen Bewohner Spartas, die die Fremdherrschaft der Kreuzfahrer leid waren, siedelten sich nun im nur etwa drei Kilometer entfernten Mystras an. Unterhalb der Burg entstand eine blühende Stadt, die schließlich mehrere zehntausend Einwohner zählte. Mystras avancierte zum kulturellen Zentrum der Region.
Die nun wieder byzantinischen Gebiete um die Burg wurden schließlich 1348/1349 zum Despotat Morea zusammengefasst und als Sekundogenitur von kaiserlichen byzantinischen Prinzen regiert. Der berühmte Philosoph Georgios Gemistos Plethon siedelte sich 1406 in Mystras an und erneuerte die platonische und neuplatonische Philosophie; er war eine führende Persönlichkeit im kulturellen Leben der Stadt. Die Statthalter – mit dem Titel Despoten, daher die Bezeichnung Despotat für das Herrschaftsgebiet – waren durchgängig Angehörige des damaligen byzantinischen Kaiserhauses der Palaiologen. Einer von ihnen war Konstantin, der als Konstantin XI. am 6. Januar 1449Alice-Mary Talbot: Constantine XI Palaiologos. In: Oxford Dictionary of Byzantium Bd. 1, S. 505. in Mystras zum letzten byzantinischen Kaiser gekrönt wurde. Der „Despotenpalast“ von Mystras war der größte byzantinische Repräsentationsbau außerhalb von Konstantinopel. Er zeigt, im Gegensatz zu den Sakralbauten der Stadt, starke italienische Einflüsse.
1460 wurde Mystras von den Osmanen erobert. Nun erschienen auch Minarette zwischen Kirchen und Klöstern. Durch den Peloponnes-Feldzug Francesco Morosinis kam die Stadt 1687 in venezianischen Besitz, fiel jedoch bereits 1715 zurück an die osmanischen Türken. 1770, während eines russisch-türkischen Krieges, begann der Glanz der Stadt zu erlöschen; Hilfstruppen aus dem heutigen Albanien, die auf Befehl der Osmanen zur Unterbindung der Orlow-Revolte in die Peloponnes einfielen, verwüsteten die Stadt. Damit war Mystras' Blütezeit endgültig vorbei. Im griechischen Freiheitskampf wurde die Stadt dann 1825 derart zerstört, dass man auf den Wiederaufbau verzichtete. Stattdessen baute man wenig später das Jahrhunderte zuvor verlassene Sparta wieder neu auf.
Die wichtigsten Baudenkmale
Metropolis Agios Demetrios mini|200x200px|Metropolis des hl. Demetrius, Mystras (1263–1272 begonnen) mini|200x200px|Die Kuppeln der Metropolis von Mystras Das Gebäudeensemble der Metropolis befindet sich längs der Innenseite der Stadtmauer der Unterstadt von Mystras. Zwei Zugänge führen in Innere des Bauwerks: der ältere erste Zugang führt auf die gynaikonitis genannte Frauenempore, ein weiterer befindet sich an der Straße, die der Südfassade entlang verläuft. Eine Inschrift widmet das Bauwerk Nikiphoros, Proedros von Kreta und Metropolit von Lakonien, was eine Datierung des Gebäudekomplexes auf 1291–1292 erlaubt. Eine weitere Inschrift auf dem Türsturz des Haupteingangs ermuntert den Leser, sich an Nikiphoros, den Begründer der Kirche, zu erinnern. Und noch eine dritte Erinnerung an das Wirken dieses Metropoliten findet sich auf der ersten Säule rechts nach dem Betreten der Kirche: Diese Inschrift, die auf 1311–1312 datiert ist, präzisiert, dass Nikiphoros der Gründer dieser Kirche war, die Mühlen von Magoula erneuert hat, Olivenbäume pflanzen ließ und die Gebäude neben der Kirche erwarb, die einem gewissen Eugenios Chartophylax, dem späteren Bischof von Amyklai gehörten. Die Inschrift endet mit der Warnung an jedermann, zu versuchen, sich Güter der Kirche anzueignen und sich damit den Fluch der 318 Patriarchen und von Nikiphoros selbst zuzuziehen. Bei Nikiphoros handelt es sich um Nikiphoros Moschopoulos, Metropolit von Kreta und später von Lakonien um 1286–1289 bis 1315. Jedoch ist Nikiphoros zweifellos nicht der Gründer der allerersten Bauten und hat selbst wohl nur den Narthex um 1310 errichten lassen. Die Kirche wurde von dem schon erwähnten späteren Bischof Eugenios zwischen 1263 und 1272 begründet, dessen Grab im Diakonikon der Kirche aufgefunden wurde. Die Malereien wurden von Bischof Theodosios beauftragt und sind auf ungefähr 1272 zu datieren.
Die Metropolis ist eine Mischung von zwei Architekturtypen, wie man sie in Mystras als Verbindung von westlich-lateinischen und byzantinischen Bauformen mehrfach findet: Auf den Grundriss einer Basilika wurde ein zweites Geschoss in Form einer Kreuzkuppelkirche mit fünf Kuppeln gesetzt. Die von Eugenios und Nikiphoros begründete Kirche gehört zum basilikalen Typus. Diese Basilika war dem hl. Demetrius von Alexandria gewidmet und durch zwei Reihen von jeweils drei Säulen in drei Schiffe aufgeteilt, wobei das Mittelschiff wesentlich höher war als die beiden Seitenschiffe. Im 15. Jahrhundert hat Bischof Matheus von Lakonien für die Metropolis den Bauplan der Kirchen Pantanassa oder Hodighitria übernommen, indem er das hölzerne Dach abnehmen und ein weiteres Stockwerk mit fünf Kuppeln einfügen ließ. Der Baukörper behielt also im Erdgeschoss seinen basilikalen Grundriss bei und wurde im Obergeschoss in Kreuzform ausgeführt. Dieser Mistras-Typus ist für die byzantinische Baukunst sehr ungewöhnlich. mini|200x200px|Stelle, an der Konstantin XI. 1449 gekrönt wurde Die architektonischen Veränderungen blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Fresken, mit denen das Erdgeschoss bereits ausgemalt war. Da das Dach abgenommen wurde, wurden die Figuren aus dem Leben Christi faktisch enthauptet, z. B. diejenigen des Letzten Abendmahls. Bischof Matheus hinterließ einen Hinweis auf dem westlichen Gesims, wo zu lesen ist: Matheus, Bischof von Lakonien, Gründer. Auch an der Außenseite des Gebäudes kann man die stilistischen Unterschiede erkennen, insbesondere an der Ostfassade, wo die Apsiden der ersten Bauphase zuzuordnen sind. Ihr Stil ist charakteristisch für die helladische Schule vom Beginn der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts an, bei dem die Steine von einer Reihe von Schmuckziegeln abgegrenzt wurden. Sie gelten sogar als eines der schönsten Beispiele für diesen Stil. Ganz im Gegensatz dazu, zeigen die Erweiterungen des 15. Jahrhunderts den Einfluss von Konstantinopel.
Was den Skulpturenschmuck anbetrifft, so ist es schwer, eine Einheit von Stil oder Epoche auszumachen, da die meisten Skulpturen wiederverwendete Spolien sind. So stammen die vier Kapitelle der westlichsten Säulen mit ihren Blumenmotiven aus frühchristlicher Zeit, während diejenigen der beiden anderen Säulen nur Kopien darstellen. An der südlichen Außenwand zeigt ein Fries Elemente einer früheren Periode und scheint zumindest in Teilen aus der alten Kirche von Sparta zu stammen. Vor der Ikonostase ist eine Bodenplatte mit dem doppelköpfigen Adler an der Stelle eingelassen, an der am 6. Januar 1449 Konstantin XI. Paläologos zum letzten Kaiser des byzantinischen Reichs gekrönt wurde. mini|200x200px|Fresken im Narthex der Metropolis (13./14. Jahrhundert) Die Malereien aus den letzten Jahrzehnten des 13. bis zur ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind reich an Techniken und künstlerischen Stilen. Es scheint, dass es kein im Voraus festgelegtes Programm für die verschiedenen Fresken gab. Da die Metropolis ursprünglich dem hl. Demetrius gewidmet wurde, schildert der größte Teil des nördlichen Seitenschiffs in 11 Szenen Leben und Martyrium des Heiligen, der mit Speeren durchbohrt wurde. Diese Fresken zeigen einen archaischen Einfluss der byzantinischen Schule, während die Fresken im südlichen Seitenschiff, die Wundertaten Christi darstellen, eher Techniken der mazedonischen Schule des 14. Jahrhunderts zeigen. Die Wände des Narthex sind mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts verziert.
1754 wurde unter Bischof Ananias Lambardis im Norden des Bauwerks ein Hof angefügt; 1760 wurde Ananias in diesem Vorhof nahe der Mauer von Truppen der Osmanen hingerichtet.
Brontochion-Kloster mini|200x200px|Kirche Agioi Theodoroi, Mystras, Ostfassade (ca. 1290–95) Zwei große Kirchen im Norden der Unterstadt bilden neben einigen Ruinen den Überrest des großen Klosters Brontochion: die Kirche der Agioi Theodoroi und die der Hodegetria. Neben der Hodegetria befinden sich südlich die Ruinen eines langen, zweistöckigen Gebäudes, wahrscheinlich des Refektoriums, dann westlich zwei Reihen von Mönchszellen und schließlich ein Wachturm im Norden. Im Umkreis um die Agioi Theodoroi befinden sich mehrere Kapellen mit Gräbern, was darauf hindeutet, dass die Hodegetria das Hauptgebäude des Klosters war und die Kirche der Agioi Theodoroi zur Friedhofskirche der Mönche degradiert wurde.
Agioi Theodoroi Die ehemalige Hauptkirche des Klosters wurde gegen 1290 von Abt Daniel begonnen und gegen 1295 von seinem Nachfolger Pachomios vollendet. Sie ist den beiden Soldatenheiligen Theodor Tiro und Theodor Stratelates gewidmet. Die Kirche wird in zwei kaiserlichen Dekreten erwähnt, von denen das jüngste aus dem Jahr 1322 stammt, dann nicht mehr. mini|200x200px|Erhaltene Fresken in Agioi Theodoroi Agioi Theodoroi besitzt die Form eines griechischen Kreuzes mit achteckiger Kuppel, so dass ihr Gewölbe nicht auf vier Säulen ruht, wie es in der byzantinischen Architektur üblich ist, sondern auf acht, wodurch der Eindruck eines Achtecks entsteht. Diese Bauart, die sicherlich aus Konstantinopel stammt, war in Griechenland ab dem 11. Jahrhundert häufig anzutreffen, wie in Hosios Loukas und Daphni (beide 11. Jahrhundert) oder Sotira Lykodimou in Athen (vor 1144). Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Hagia Sophia in Monemvasia nach demselben Muster errichtet und diente sicherlich als Vorbild für Agioi Theodoroi. Sie ist die letzte bekannte Kirche, die nach diesem Modell gebaut wurde.
Auffallend ist die Ostfassade mit den drei Apsiden. Im Inneren des Baus befinden sich vier Grabkapellen, wobei in der Nordostkapelle Manuel II. Paläologos bestattet ist. Von den Fresken ist noch ein Zyklus der Kindheit Mariens im Gewölbe des Querschiffs erhalten, im Nordquerschiff das Pfingstwunder und schließlich in der nördlichen Kapelle des Narthex ein Zyklus der Wunder der Erzengel Michael und Gabriel.
Hodegetria (= Aphendiko) mini|200x200px|Hodegetria (= Aphendiko), Mystras (nach 1310)