Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) ist eine Betreiberin von Wasserkraftanlagen in der Schweiz. Mit 13 Wasserkraftwerken und acht Speicherseen produzierte sie 2019 rund 2400 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie. Ihr Hauptsitz befindet sich in Innertkirchen im Kanton Bern.

Geschichte und Technik mini|Gründeraktie der Kraftwerke Oberhasli AG vom 20. Juni 1925 Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden die vorzügliche Eignung des Grimsel- und Sustengebietes zur Nutzung der Wasserkraft erkannt: reichliche Niederschläge, grosse Geländekammern, stabiler Granituntergrund und grosse Höhenunterschiede auf kurzer Distanz. Die Vereinigten Kander- und Hagneck-Werke, eine Vorgängergesellschaft der BKW, konnten sich gegen andere Bewerber durchsetzen und erhielten im März 1906 das Recht zur Nutzung der Wasserkraft der Aare und ihrer Zuflüsse von der Grimsel bis Innertkirchen. Einer der Konkurrenten der späteren BKW war der Lotzwiler Unternehmer Robert Müller-Landsmann, der später das Kraftwerk Wynau an der Aare bauen liess.

Am 20. Juni 1925 gründete die BKW aus Bern die Kraftwerke Oberhasli AG mit Sitz in Innertkirchen, an der sich 1928 auch der Kanton Basel-Stadt und 1930 die Stadt Bern beteiligten, 1938 kam die Stadt Zürich dazu, die Beteiligungsverhältnisse blieben seither unverändert. BKW Energie besitzt die Hälfte, die IWB, die Energie Wasser Bern und die Stadt Zürich je ein Sechstel der KWO. Die Organisationsform, bei der sich mehrere juristische Personen an einer Aktiengesellschaft zur gemeinsamen Nutzbarmachung von Wasserkraft beteiligen, wurde später bei weiteren Kraftwerksprojekten angewandt und ist in der Schweiz unter der Bezeichnung Partnerwerk bekannt. Die aktuelle Konzession läuft noch bis Ende 2041, daraufhin könnten sich die Beteiligungsverhältnisse ändern.

Ausbauetappen Die Kraftwerksgruppe wurde in drei Ausbauetappen erstellt. In einem ersten Schritt wurden im Aaretal die Speicherseen Grimsel, Gelmer, Räterichsboden, Mattenalp und Oberaar erstellt und die dazugehörigen Kraftwerkszentralen in Grimsel, Handeck und Innertkirchen erstellt. Der zweite Schritt umfasste die Nutzbarmachung des Wassers aus dem Gadmental. Der dritte Ausbauschritt wurde zuerst unter dem Namen Grimsel West geplant, er sollte die Spitzenenergieerzeugung verbessern und mehr Wasser aus dem Sommerabfluss für die Verwendung im Winter speichern. Das Projekt scheiterte am Widerstand von Umweltverbänden, die sich für den Erhalt des Arvenwaldes Sunnige Aar einsetzten. Es wurde ab 1999 nicht mehr weiter verfolgt und durch das Ausbauprogramm KWO Plus ersetzt, das weniger stark in die Moorlandschaft eingreift.

Erste Ausbauetappe 1925–1954 Am Ende dieser Ausbauetappe umfasste die Kraftwerksgruppe vier Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 493 MW, in den fünf grösseren Stauseen konnten 208 Mio. m³ Wasser aus dem Aaretal gespeichert werden, was einem Energieinhalt von 630 GWh entsprach. Die mittlere Jahresproduktion betrug 1170 GWh, wovon 90 % als Spitzenenergie zur Verfügung gestellt werden konnten. mini|Anlageschema der KWO, Zustand 2010. Die Bauvorhaben Erweiterung Innertkirchen 1 und Erweiterung Handeck 2 sind umgesetzt. Weitere hier nicht gezeigte Bauvorhaben sind in Vorbereitung oder ausgeführt.

1925–1932: Grimselsee, Gelmersee und Handeck 1 Die Staumauern des Grimselsees und des Gelmersees und der 5,2 km lange Verbindungsstollen zwischen den beiden Seen und die Zentrale Handeck 1 wurden gebaut. Im Maschinenhaus, das im Freien steht, sind vier vertikalachsige Maschinensätze mit Pelton-Turbinen aufgestellt, die damals zusammen eine Leistung von 92 MW hatten. Das Maschinenhaus war über eine 50 kV-Hochspannungsleitung mit dem Unterwerk in Innertkirchen verbunden. Die Staumauer Spitallamm des Grimselsees war mit einer Höhe von 114 m bei Fertigstellung die höchste Talsperre Europas. Mit dieser Etappe entstand auch die Gelmerbahn, eine der steilsten Standseilbahnen der Welt.

1939–1943: Innertkirchen 1 Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Kraftwerk Innertkirchen 1 als zweite Stufe der Kraftwerksgruppe gebaut, das Maschinenhaus wurde erstmals in der Schweiz als Kavernenzentrale angelegt und war Vorbild für weitere Kraftwerke in dieser Bauweise. Das Wasser gelangte vom neu gebauten Ausgleichsbecken Handeck über einen 10 km langen Stollen zum Wasserschloss Kapf und von da über einen 1,9 km langen gepanzerten Druckschacht zur Zentrale, wo zuerst drei, später fünf Maschinengruppen mit je einer Leistung von 47 MW standen. Die maximal 235 MW Leistung der Zentrale wurde mit einer 150 kV-Hochspannungsleitung ins Unterwerk Innertkirchen übertragen. Mit Innertkirchen 1 hatte die Kraftwerksgruppe eine Gesamtleistung von 294 MW und konnte jährlich 660 GWh produzieren.Gemäss Text in der Grafik von Übersichts-Längeprofil Kraftwerke Oberhasli (Stand 1943)

1947–1950: Räterichsbodensee, Mattenalpsee und Handeck 2 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage durch das Kavernenkraftwerk Innertkirchen 2 vergrössert. Zusätzliches Wasser wurde im neu erstellten Räterichsbodensee gespeichert. Im Urbachtal wurde der Mattenalpsee erstellt, dessen Wasser durch einen Zuleitungsstollen in das Wasserschloss Kapf geleitet wird. In der Zentrale sind vier vertikalachsige Maschinensätze mit Pelton-Turbinen aufgestellt, jeder Maschinensatz hatte eine Leistung von 33 MW. Die Spannung der Übertragungsleitung nach Innertkirchen wurde auf 150 kV erhöht.

1947–1950: Totensee In den Jahren 1949 und 1950 wurde am Totensee eine Staumauer errichtet und das von Natur aus in die Rhone fliessende Wasser in den Grimselsee geleitet. Zuvor wurde das Wasser vom Kleinwasserkraftwerk Gletsch genutzt, das als Gegenleistung für die Wassernutzung Energienutzungsrechte erhielt.

1952–1954: Wasserfassungen Gruebenbach (berneroberländer Schweizerdeutsch «Gröebebach») und Bächlisbach Das vom Gruebengletscher (berneroberländer Schweizerdeutsch «Gröebengletscher») stammende Wasser wird unterhalb des Gruebensees (berneroberländer Schweizerdeutsch «Gröebeseewli») gesammelt und mit einem 2,2 km langen Stollen in das Bächlital geleitet. Dort wird es zusammen mit dem vom Bächligletscher stammenden Wassers des Bächlisbachs im Bächlisee gefasst und mit einem 1,36 km langen Stollen in den Grimselsee geleitet.

1950–1954: Oberaarsee, Trübtensee und Grimsel 1 In den 1950er-Jahren wurde die Staumauer des Oberaarsees und das Kraftwerk Grimsel 1 gebaut. Als Zugang zur Kavernenzentrale wurde die Kraftwerk Oberaar-Brücke über die Aare gebaut. Der Trübtensee erhielt auch eine kleine Staumauer, sein Wasser wird in den 5,4 km langen Zuleitungsstollen vom Oberaarsee zum Wasserschloss Grimsel eingeleitet. Ein 1,6 km langer Druckschacht führt vom Wasserschloss zur Kavernenzentrale Grimsel 1, wo eine Maschinengruppe mit horizontaler Achse stand, die eine Leistung von 34 MW hatte. Weiter stand in der Zentrale eine Pumpe mit einer Leistung von 19,5 MW, die Wasser aus dem Verbindungsstollen Grimselsee–Gelmersee in den Oberaarsee zurückpumpen konnte. Das Kraftwerk wurde über eine 150-kV-Hochspannungsleitung mit dem Unterwerk Innertkirchen verbunden.

Zweite Ausbauetappe 1952–1979 Am Ende der zweiten Ausbauphase der Kraftwerksgruppe war auch die Nutzung des Wassers aus dem Gadmertal möglich, die Gruppe umfasste am Ende des Ausbaus sieben Zentralen, die zusammen 582 MW leisten konnten und jährlich 1,5 GWh erzeugten.

1952–1954: Triftstollen Nachdem die beiden Stauseen Räterichsboden und Oberaar gebaut worden waren, fehlte dem Kraftwerk Innertkirchen im Sommer das Wasser, um dieses zu ersetzen wurde das bisher noch ungenutzte Wasser aus dem Gadmertal in den Zulaufstollen des Kraftwerks geleitet. Dafür wurden das Wendenwasser, das vom Steingletscher stammende Gadmerwasser und das vom Triftgletscher stammende Triftwasser gefasst und mit einem 12,5 km langen Stollen zum Fenster Rotlaui im Druckstollen Handeck–Innertkirchen geleitet.

1958–1960: Fuhren In Fuhren im Gadmertal wurde ein Kraftwerk gebaut, um das Wasser aus dem oberen Gental auszunutzen. Dazu wurde der Engstlensee mit einem unterirdischen Seeanstich versehen, der es erlaubt, den See während den Wintermonaten um fünf Meter abzusenken. Der Stollen des Seeanstichs mündet ungefähr 250 m unterhalb des natürlichen Seeausflusses in das Gentalwasser, das nach weiteren 480 m gefasst wird und zusammen mit dem Wasser weiterer Bäche dem Ausgleichsbecken Teuflaui zugeführt wird. Von da führt ein 2,6 km langer Zulaufstollen in das benachbarte Gadmertal zum Wasserschloss Birchlaui, wo eine 1,9 km lange Druckleitung in das Kraftwerk Fuhren führt. Das Unterwasser wird über einen Gegendruckstollen in das Stollenfenster Schaftelen des Zulaufstollens Steinwasser–Trift geleitet. Das Wasser kann danach entweder in den Kraftwerken Hopflauenen und Innertkirchen 2 genutzt werden oder über die Pumpturbine von Handeck 3 in den Stausee Räterichsboden gepumpt werden. In der Zentrale in Fuhren kann eine zusätzliche Pumpe in Schwachlastzeiten aus einem Ausgleichsbecken Gadmerwasser in den Triftstollen befördern.

1962–1967: Hopflauenen Um die im Sommer anfallenden grossen Abflüsse im Gadmental besser nutzen zu können, wurde in Hopflauenen ein weiteres Kraftwerk gebaut. Bei der Wasserfassung Trift wurden zwei unterirdische Reservoirkammern gebaut, von denen ein fast vier Kilometer langer Zulaufstollen zum Wasserschloss Speicherberg führt, von dem ein 890 m langer Druckschacht in die unterirdische Zentrale in Hopflauenen im Gadmertal führt. Das Wasser wird von zwei Pelton-Turbinen verarbeitet. Eine weitere getrennte Zuleitung führt von der anderen Talseite Wasser aus dem Ausgleichsbecken Leimboden einer eigenen Turbine zu. Das Unterwasser beider Stufen wird in das Ausgleichsbecken Hopflauenen zurückgegeben.

1964–1968: Innertkirchen 2 Die freistehend gebaute Zentrale Innertkirchen 2 ist die Unterstufe der Zentrale Hopflauenen, das Wasser wird vom Ausgleichsbecken Hopflauenen über einen fast vier Kilometer langen Stollen dem Wasserschloss oberhalb von Innertkirchen zugeführt, von wo ein rund 600 m langer Druckschacht in das Kraftwerk führt. Das Wasser wird von zwei Francis-Turbinen verarbeitet.

1970–1974: Ausbau Grimsel 1 Die Zentrale Grimsel 1 wurde mit einer zusätzlichen Maschinengruppe mit einer Leistung von 7,5 MW ausgerüstet, die Wasser aus dem Grimselsee in den Räterichsbodensee verarbeitete, womit zusätzliches Wasser für die Zentrale Handeck 2 zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Maschinengruppe wurde im Rahmen des Ausbaus KWO Plus ersetzt.

1972–1977: Handeck 3 Das Kraftwerk Handeck 3 besteht aus einer Isogyre-Pumpturbine und einer Diagonalpumpe. Es dient der besseren Verbindung der Gadmertal-Kraftwerke mit den Aaretal-Kraftwerken. Im Turbinenbetrieb kann Handeck 3 Wasser aus dem Räterichsbodensee verarbeiten, wobei das Unterwasser in Richtung Trift oder in Richtung Innertkirchen 1 abgegeben werden kann. Bei der Überleitung in Richtung Trift wird die Zentrale Innertkirchen 1 entlastet und freie Kapazitäten in den Zentralen Hopflauenen und Innertkirchen 2 können genutzt werden. Im Pumpbetrieb fördert Handeck 3 Wasser aus dem Gadmertal in den Räterichsbodensee, womit eine Möglichkeit geschaffen wurde, Wasser aus dem Gadmertal zu speichern, obwohl dort keine Stauseen angelegt sind. Diese Funktion ist vor allem im Sommer wichtig, wo im Gadmertal mehr Wasser anfällt als dort verarbeitet werden kann.

Eine 1976 eingebaute Diagonalpumpe konnte Wasser vom Ausgleichsbecken Handeck in Richtung Trift pumpen, wurde aber 2016 stillgelegt.

1975–1978: Ausbau Hopflauenen und Innertkirchen 2 Durch die Überleitung von Wasser aus den Speicherseen im Aaretal in das Gadmental lohnte sich der Einbau einer weiteren Maschinengruppe in die Zentralen Hopflauenen und Innertkirchen 2.

1973–1979: Grimsel 2