mini|Wappen des Kreises mit Deutschordenskreuz und Neidenburg Der Kreis Neidenburg war ein preußischer Landkreis in Masuren. Er bestand in verschiedenen Ausprägungen von 1752 bis 1945. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Neidenburg.

Geographie mini|Lage in Ostpreußen in den Grenzen von 1818 bis 1920 Der Kreis lag im äußersten Südwesten der Provinz Ostpreußen. Er umfasste die südlichen Ausläufer des ostpreußischen Oberlandes mit den 229 Meter hohen Goldbergen als höchster Erhebung und reichte im Nordosten an die Masurische Seenplatte mit dem Hartig-, Malshöfer- und Narthsee als größten Gewässern. Die Flüsse Neide und Omulef hatten ihre Quellgebiete im Kreisgebiet.

In seinem bis 1920 bestehenden Umfang hatte der Kreis eine Flächengröße von 1.638 km², von der mehr als 50 Prozent landwirtschaftliche und etwa 30 Prozent Waldflächen waren. Am 1. Januar 1908 gehörten zum Kreis die beiden Städte Neidenburg und Soldau sowie 215 Landgemeinden und Gutsbezirke. 1910 hatte der Kreis 59.416 Einwohner, von denen 49.300 Protestanten waren.

Der Kreis war durch das Eisenbahnnetz gut erschlossen. In Soldau kreuzten sich die Bahnlinien Danzig–Soldau–Warschau und Thorn–Neidenburg–Lyck, in Neidenburg zweigte eine Strecke nach Allenstein ab. Ebenso führten die Reichsstraßen 382 Thorn–Soldau–Mielau, 389 Hohenstein–Neidenburg–Mielau und 395 Soldau–Neidenburg durch das Kreisgebiet.

Nennenswerte Industriebetriebe gab es in der Kreisstadt Neidenburg, wo sich eine Maschinenfabrik und ein Kupferwarenwerk niedergelassen hatten. Vorherrschend war die Landwirtschaft mit fast 1800 Betrieben, der nur rund 800 gewerbliche Betriebe gegenüberstanden. Daneben spielte auch die Forstwirtschaft mit vier Forstämtern und dreißig Förstereien eine bedeutende Rolle (alle Zahlen von 1944).

Verwaltungsgeschichte Eine erste landschaftliche Beschreibung für das spätere Gebiet des Kreises Neidenburg gibt es für die historische Landschaft Sassen. Diese im 13. Jahrhundert noch nahezu unbewohnte Urwaldregion wurde im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts durch den Deutschen Orden besiedelt, fast hundert Jahre nach dem Beginn seiner Eroberung des zwischen Weichsel und Memel gelegenen Landes. Zur Verwaltung seines Herrschaftsbereiches richtete der Orden regionale Komtureien ein, für das Sassenland war zunächst die Komturei Christburg, ab 1341 die Komturei Osterode zuständig.

1349 erhielt Soldau als erste Siedlung Stadtrecht, 1381 folgte Neidenburg. Als 1525 der Ordensstaat in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt worden war, wurden auch die geistlichen Komtureien aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Soldau und Neidenburg mit ihrem Umland wurden dem Oberländischen Kreis zugeordnet, der seinerseits in zwölf Hauptämter untergliedert wurde. Unter ihnen befanden sich auch die Hauptämter Soldau und Neidenburg.

mini|Der Kreis Neidenburg von 1752 bis 1818 Verwaltungsreform von 1752 1752 führte Preußen eine Kreisreform durch, bei der aus den Hauptämtern Ortelsburg, Neidenburg und Soldau sowie dem Erbamt Gilgenburg der landrätliche Kreis Neidenburg gebildet wurde, der eine Fläche von ca. 3500 km² besaß.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, S. 320.Ludwig von Baczko: Handbuch der Geschichte, Erdbeschreibung und Statistik Preussens, Band 2, Verlag Friedrich Nicolovius, Königsberg und Leipzig 1803, S. 35.Friedrich Justin Bertuch (Hrsg.): Allgemeine geographische Ephemeriden, Band 31, Verlag Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1810, S. 360. Daneben wurde ein steuerrätlicher Kreis Neidenburg gebildet, der ausschließlich aus den Städten Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Passenheim, Soldau und Willenberg bestand. Die steuerrätlichen Kreise wurden im Jahre 1809 aufgehoben.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Perthes, Gotha 1858, S. 321. mini|Der Kreis Neidenburg in den Grenzen von 1818 bis 1920

Verwaltungsreform von 1818 Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen ergab sich mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 die Notwendigkeit einer umfassenden Kreisreform in ganz Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Zum 1. Februar 1818 wurde ein wesentlich kleinerer Kreis Neidenburg geschaffen. Der neue Kreis Neidenburg umfasste die Kirchspiele Bialutten, Borchersdorf, Candien, Groß Koschlau, Groß Lensk, Heinrichsdorf, Jedwabno, Klein Koslau, Groß Schläfken, Lahna, Muschaken, Narzim, Neidenburg, Przlensk, Rywoczin, Saberau, Scharnau, Skottau, Soldau, Thurau sowie Usdau und hatte zu diesem Zeitpunkt 20.539 Einwohner.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen, Justus Perthes, Gotha 1858, S. 360.

Der Kreis gehörte damals zur Provinz Preußen, die dem späteren Ostpreußen entsprach. Zum 3. Dezember 1829 wurden die Provinzen Preußen und Westpreußen zur neuen Provinz Preußen zusammengeschlossen, die zum 1. April 1878 wieder geteilt wurde. Ab diesem Datum trug der Ostteil offiziell die Bezeichnung Ostpreußen.

Das Kreisgebiet war dem 1808 eingerichteten Regierungsbezirk Königsberg unterstellt, ab 1905 kam er zum Regierungsbezirk Allenstein. Bis 1910 hatte sich die Bevölkerungszahl des Kreises mehr als verdoppelt und betrug nun 59.416.

mini|Muttersprache nach Kreisen im Jahr 1910 und Volksabstimmung 1920

Gebietsabtretung an Polen 1920

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 musste am 10. Januar 1920 ein 501 km² großes Gebiet um die Stadt Soldau im Westen des Kreises mit 24.767 Einwohnern, von denen beim Zensus 1910 eine knappe Mehrheit von 54 % Polnisch, Kaschubisch oder Masurisch als Muttersprache angegeben hatte,Statistisches Reichsamt (Hrsg.): Wirtschaft und Statistik. Sonderheft 2, Berlin 1925, S. 69. an Polen abgetreten werden, da die Eisenbahnverbindung von Warschau nach Danzig über Soldau führte. Die Einwohnerzahl des Kreises sank dadurch auf etwa 38.500. Die Einwohner dieses Gebietes wurden ebenfalls durch den Versailler Vertrag zu einer Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen aufgerufen. Am 11. Juli 1920 sprachen sie sich mit 22.235 zu 330 Stimmen für den Verbleib bei Ostpreußen aus.

Entwicklung nach 1920 Mit Wirkung vom 30. September 1928 wurde die Eigenständigkeit der Gutsbezirke im Freistaat Preußen aufgehoben; sie wurden in Gemeinden umgewandelt oder benachbarten Landgemeinden zugeordnet. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Am 16. Juli 1938 wurden die Ortsnamen von 38 Gemeinden durch lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen abgeändert, so z. B. Bartoschken in Bartzdorf, Dembowitz in Eichenau, Jablonken in Seehag, Puchallowen in Windau, Saddek in Gartenau usw.

Nach dem Überfall auf Polen wurde das 1920 an Polen gefallene Soldauer Gebiet am 2. September 1939 vom Deutschen Reich annektiert. Am 26. Oktober 1939 wurde aus diesem Gebiet der Kreis Soldau gebildet. Am 24. April 1940 erfolgte die Wiedereingliederung in den Kreis Neidenburg, dessen Bevölkerungszahl sich dadurch auf 64.560 erhöhte.

Am 21. Januar 1945 wurde das Kreisgebiet im Rahmen der Ostpreußischen Operation von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet von 1939 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt, während das Soldauer Gebiet sofort zurück an Polen fiel. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von den örtlichen polnischen Verwaltungsbehörden aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Das Kreisgebiet ist heute auf die beiden polnischen Landkreise Powiat Nidzicki (Kreis Neidenburg) und Powiat Działdowski (Kreis Soldau) aufgeteilt.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1800 53.450 Friedrich Justin Bertuch (Hrsg.): Allgemeine geographische Ephemeriden, Band 31, Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1810, S. 1 ff. 1818 20.539 Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats, Der Regierungsbezirk Königsberg, Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, S. 285. 1846 36.621 Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Zweiter Jahrgang, (Einwohnerzahlen der Kreise), Hrsg. F. W. C. Dieterici, E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1849, S. 304. 1871 52.645 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preußen und ihre Bevölkerung 1871, Berlin 1874. 1890 56.058 1900 55.293 1910 59.416 1925 38.599 1933 39.942 1939 39.486

Sprachen Im Verlauf des 19. Jahrhunderts nahm der Gebrauch der polnischen Sprache, bzw. des Masurischen im Zuge der fortschreitenden Germanisierung ab. War im Jahr 1831 nur eine Minderheit von 8 % der Bevölkerung des Kreises Neidenburg deutschsprachig gewesen, waren es 1910 bereits 40 %.

Politik Landräte 1752–1770Christoph Wilhelm von Boyen 1777–1780Samuel Sigismund von Haubitz 1780–1803Friedrich Leopold von der Goltz 1804–1814George Wilhelm von Berge und Herrendorf 1818–1839Johann LakowitzBeleg für den Vornamen, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1983, S. 505. 1839–1867Alexander von Lavergne-Peguilhen (1803–1867) 1868–1877Karl von Portatius (1834–1877) 1878–1882Oskar von Hasselbach (1846–1903) 1882–1886Leo Becker (1840–1886) 1886–1906Bernhard Schultz 1906–1914Gustav Bansi (1870–1935) 1914–1928Werner von Mirbach (1878–1928) 1929–1932Philipp Deichmann (1889–1962) 1932–1937Gottfried Stein (1896–1977) 1937–1940Fritz Adam (1889–1945) 1940–1945Axel Crewell (1882–1945)

Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Neidenburg zusammen mit dem Kreis Osterode in Ostpreußen den Reichstagswahlkreis Königsberg 8.Datenbank der Reichstagsabgeordneten, in: MDZ München.

Gemeinden Soldauer Gebiet Das 1920 an Polen abgetretene Gebiet rund um die Stadt Soldau umfasste eine Stadt, 44 Landgemeinden und 22 Gutsbezirke: Adlig Borowo Bialutten Borchersdorf Brodau Bursch Chorapp Dzwiersnia Fylitz Gajowken Grallau Grodtken Groß Koschlau Groß Lensk Groß Przellenk (Groß) Tauersee Hansburg Heinrichsdorf Hohendorf Illowo Kämmersdorf Klein Koschlau Klein Lensk Klein Przellenk Klein Tauersee Klenzkau Königshagen Krämersdorf Kraschewo Kurkau Kyschienen Mansfeld Meischlitz Murawken Narzym Neudorf Niederhof Niostoy Pierlawken Preußen Priom Prusken Purgalken Ruttkowitz Rywoczin Schönkau Schönwiese Sczepka Sczuplienen Seeben Skurpien Sochen Soldau, Stadt – mit: Amalienhof Kohlgardtshof Rudolfsfelde Tautschken Usdau Wansen Wessolowo Wiersbau bei Soldau Wilmsdorf Zworaden

Kreis Neidenburg 1938 Mit Stand vom 1. Januar 1938 gehörten zum Kreis Neidenburg eine Stadt und 109 Landgemeinden:Kreis Neidenburg, in: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945, Hrsg. Rolf Jehke, Herdecke. Zuletzt geändert am 7. Februar 2020. Allendorf Alt Petersdorf Balden Bartkenguth Bartoschken Braynicken Breitenfelde Browienen Burdungen Camerau Dietrichsdorf Eichenau Frankenau Freidorf Gardienen Gimmendorf Gittau Gniadtken Gorrau Gregersdorf Groß Grabowen Groß Koslau Groß Nattatsch Groß Sakrau Groß Schläfken Großwalde Grünfließ Gutfeld Hartigswalde Ittowken Jablonken Jägersdorf Jedwabno Kaltenborn Kandien Klein Grabowen Klein Koslau Klein Nattatsch Klein Sakrau Klein Schläfken Kownatken Krokau Lahna Layß Lippau Lissaken Logdau Lykusen Magdalenz Malga Malgaofen Malschöwen Michalken Modlken Muschaken Napierken Narthen Neidenburg, Stadt Neu Borowen Neuhof Niedenau Olschau Omulefofen Orlau Oschekau Pawlicken Pilgramsdorf Powiersen Radomin Rettkowen Reuschwerder Roggen Roggenhausen Rontzken Saberau Sabloczyn Sablotschen Saddek Saffronken Sagsau Salleschen Salusken Sawadden Sbylutten