mini|Kirche St-Martin de Vic, von Südost mini|Chor, Fresko Ostwand, 3 Propheten St-Martin de Vic ist eine kleine Pfarrkirche in der französischen Gemeinde Nohant-Vic, im Ortsteil Vic, im Département Indre und in der Region Centre-Val de Loire und etwa sechs Kilometer nördlich der Stadt La Châtre. Sie ist berühmt für ihre Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten und besonders gut erhaltenen Fresken aus dem 12. Jahrhundert.
Geschichte Die Ortschaft Vic leitet ihren Namen vom lateinischen Vicus (=Dorf) ab und ist gallorömischen Ursprungs. Die Siedlung wurde wahrscheinlich frühzeitig christianisiert und gehörte seit den Gregorianischen Reformen um 1100 zur mächtigen Benediktinerabtei Notre-Dame de Déols.Infotafel vor der Kirche
Zu dieser Zeit bestand St-Martin aus einem einfachen Kirchenschiff und einem rechteckigen Chor. Im frühen 12. Jahrhundert kam dann (ohne die halbkreisförmige Apsis) die südliche Seitenkapelle hinzu.
In dieser Epoche entstanden dann aus der Hand eines genialen Künstlers die hervorragenden Fresken in einer außergewöhnlichen Einheit und zwar beidseitig der Wand zwischen Schiff und Chor, auf allen Wänden des Chors, auf den Wänden und dem Gewölbe der Chorapsis und auf einigen Laibungen der Fenster und Wanddurchlässe. Die Fresken in mittlerer Höhe der Südwand des Schiffs stammen vermutlich von einem anderen Künstler. Ob es auf anderen Putzflächen, etwa auf den Längswänden des Schiffs oder auf seiner ehemaligen Westwand ursprünglich noch weitere Fresken gegeben hat, die aber nicht mehr erhalten werden konnten, geht nicht aus den bekannten Quellen hervor.
Später sind die Wandgemälde unter etlichen Schichten Tünche verschwunden und blieben aber dadurch bis in unsere Zeit erhalten.
Im Jahr 1485 wurde die Holzvertäfelung der Dachstühle erneuert, nach dem Vorbild einer gemalten Skizze auf einem Balken.
Im Jahr 1787 wurde ein Dachreiter für eine Glocke auf dem Dach des Schiffes errichtet.
Während der Revolution (1789 und einige Jahre danach) diente die Kirche als Scheune.
Ende des Jahres 1849 kam der neue Pfarrer Pater J. B. Perigaud in den Besitz der alten Kirche. Bei der Verbreiterung des Fensters der Chorapsis entdeckte er Spuren von Freskenfarben unter fünf späteren Beschichtungen. Nach deren Beseitigung in wenigen Monaten, traten die wichtigsten Gruppen der Fresken zu Tage. Nun stellte sich das Problem der Rettung der Romanischen Fresken, die in einem schlechten Zustand waren, vor allem mangels finanzieller Mittel. Glücklicherweise war der damalige Bürgermeister von Vic ein Liebhaber von Antiquitäten. Unter Beteiligung der Familie von George Sand und von Prosper Mérimée wurde erreicht, dass im Februar 1850 die Kommission für Denkmalpflege eine befürwortende Stellungnahme abgab und eine finanzielle Hilfe von 6000 Franken versprach. Kurz danach wurde von Mérimée der Architekt Geginald-Brion mit den Arbeiten beauftragt. Im Zuge der Restaurierungen wurde der Dachreiter durch einen westlichen Vorbau mit Glockenturm ersetzt sowie eine Apsis an die Südkapelle angefügt. Am 4. September 1853 konnten in der Kirche wieder Gottesdienste gefeiert werden, einen Tag vor dem Besuch des Erzbischofs von Bourges, Kardinal Smith.
1926 hat man eingangs der Chorapsis Fresken auf Leinwand übertragen, um sie dann wieder auf der Wand festzukleben. Eine Studie des Mr. John Henderson zu diesem Anlass hat aufgezeigt, dass die rückseitige halbrunde Chorapsis vor Vollendung der Fresken und sie südliche Kapelle erst nach der Fertigstellung der Fresken erbaut worden ist. Der Chor, als ältester Bauabschnitt, ist vor der Übertragung der Kirche an die Abtei von Déols entstanden. Die Apsis und deren Fresken sind erst im 12, Jahrhundert, nach dem Beitritt der Kirche zu dieser Abtei ausgeführt worden. Der Bau der Südkapelle wurde wahrscheinlich kurz danach errichtet.
Zwischen 1987 und 1991 wurde sie einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen und präsentieren sich heute weitgehend in exzellentem Zustand.
mini|hochkant|Nordseite von NO mini|hochkant=1.5|links|St-Martin den Vic, Grundriss, Handskizze mini|hochkant|Südseite von SW
Bauwerk Der vorliegende Grundriss ist aus einer Darstellung entstanden, die vor der Kirche auf einer Infotafel gezeigt wird. Er enthält dort aber nur das Ursprungsgebäude und die ersten Erweiterungen des Chorjochs und der Südkapelle. Deren Apsis ist nur als schraffierte Fläche dargestellt.
Leider fehlt dieser Darstellung ein Maßstab, so dass die Abmessungen des Bauwerks nicht ermittelt werden können.
Äußere Gestalt Das Ursprungsbauwerk besteht aus einem einfachen Schiff auf rechteckigem Grundriss an das sich im Osten ein Chor auf fast quadratischem Grundriss anschließt. Beide Baukörper werden von je einem um etwa 45 Grad geneigten Satteldach überdeckt, deren Firste in Ost-West-Richtung verlaufen. Der Aufriss des Chors tritt in Breite und Höhe gegenüber dem des Schiffs allseitig um knapp einen Meter zurück. Die Satteldächer sind mit roten Schindeln aus gebranntem Ton eingedeckt. Ihre Traufen kragen gegenüber den Wänden leicht aus und werden von kurzen Sparrenköpfen der Holzdachstühle unterstützt. Das Regenwasser tropft von den Kanten der unteren Schindelreihen frei ab. Unter den Traufen der Nordseiten kragt jeweils ein etwa 30 Zentimeter hoher Streifen des Mauerwerks geringfügig aus. In den Längswänden des Schiffs sind jeweils drei kleine rundbogige Fenster ausgespart, deren Bogenscheitel knapp einen Meter unter der Traufe, auf der Nordseite unter dem auskragenden Mauerwerk liegen. Auf der Südwand des Schiffs sieht man östlich der Wandmitte die Kontur eines ehemaligen rundbogigen Seitenportals, das aber vermauert worden ist. In der östlichen Giebelwand des Chors sind zwei kleine rundbogige Fenster ausgespart, um gut einen Meter von den Bauteilkanten entfernt. In der Nordwand des Chors finden sich hoch oben unter dem Mauerwerkversatz Konturen von zwei kleinen Fenstern, die aber nachträglich vermauert worden sind.
mini|hochkant|Stele vor Südseite
Die ersten Erweiterungen des Ursprungsbauwerks waren die Chorapsis, auf halbkreisförmigem und die südliche Kapelle auf rechteckigem Grundriss. Letzte wird von einem Schleppdach überdeckt, das als Verlängerung der südlichen Satteldachfläche des Chors ohne erkennbare Zäsur entstanden ist. Seine Traufe entspricht der des Schiffs. In der Südwand der Kapelle ist eine rundbogige Öffnung eines Seitenportals ausgespart. Die Chorapsis wird von einem halben Kegeldach überdeckt, das wieder mit roten Ziegelschindeln eingedeckt ist. Der Traufüberstand wird aus einem steinernen Kragprofil gebildet. Im Zentrum der Apsisrundung ist ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart, dessen Gewände aus Werkstein hohlkehlenartig ausgerundet ist. Die große Hohe des Fensters und seine Gewändeausbildung deuten darauf hin, dass hier ein ursprünglich kleineres Fenster später gegen das heutige ersetzt worden ist. Auch die Kapellenapsis könnte erst später angefügt worden sein. Darauf deutet die andere Ausführung der Traufe hin, bei der das steinerne Kragprofil fehlt. (Siehe auch Hinweis unter „Bauwerk“) Im Scheitel der Apsis ist ein kleines rundbogiges Fenster ausgespart, dessen Gewände dem der Chorapsis gleicht. Das Dach in Form eines halben Kegels ist wie bei der Chorapsis eingedeckt.
Die bisher beschriebenen älteren Bauteile sind aus Bruch- und Feldsteinmauerwerk in klein- bis mittelgroßen Formaten und in unregelmäßigen Verband gemauert. Die Farbtöne reichen von hellen Beige über Weiß bis zum kräftigen Rot. Lediglich die Bauteil- und Öffnungskanten sind mit hellem Werksteinen ausgebildet.
mini|hochkant|Turmvorbau von W
Das jüngste Bauteil ist im Westen der Turmvorbau auf einem rechteckigen Grundriss. Er steht in Verlängerung des Schiffs, dessen Breite er übernimmt. Seine beidseitig des Turms angeordneten Pultdächer bleiben mit ihrer Kontur geringfügig unter der des Satteldachs des Schiffs. Die Dachflächen sind mit Werksteinplatten eingedeckt. Ihre Traufen und Ortgänge werden von gestuften Kragprofilen markiert. Die Ortgangprofile werden von je vier flachen rautenförmigen Kragsteinen unterstützt. In Verlängerung der beiden Querwände des Vorbaus stehen kräftige, im Grundriss rechteckige Strebepfeiler, die mit ihren steil abgeschrägten Oberseiten auf etwa zwei Drittel der Wandhöhe hinaufreichen. Ihre Abdeckplatten enden in gestuften Kragprofilen. In der Nord- und Südwand ist mittig je ein kleines rundbogiges Fenster ausgespart, in Größe und Höhenlage wie die des Schiffs. Die Basis des Turmvorbaus wird aus einem leicht vortretenden gut einen Meter hohen Sockel gebildet, der auch die Strebepfeiler umschließt. Die Fassade des Turmvorbaus wird durch das Hauptportal und seinem in der Ansicht rechteckigen Vorbau dominiert.
Dieser wird oberseitig von einem kurzen Pultdach aus zwei Reihen flacher Steinplatten abgedeckt. Das schlichte Traufprofil wird von einer Reihe flacher Kragsteine unterstützt. Die beiden seitlichen Außenkanten des Portalvorbaus werden nicht in ganzer Höhe in eine breite Hohlkehle aufgelöst. Die rechteckige Portalöffnung wird von einem halbkreisförmigen glatten Tympanon überdeckt, das an den Ecken von ausgerundeten Kragsteinen unterstützt wird. Die Portalöffnung mit Tympanon werden von einer Archivolte eingeschlossen, aus einem kräftigen gekrümmten Rundstab, der in beiden Wandrückversätzen auf konisch zulaufenden Säulen steht, die mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen ausgerüstet sind. Neben dem Bogenrundstab und den Säulen folgen zwei kleinere gestufte Profile, die im Bogenbereich von einem halbkreisförmigen kantigen Profil mit glatter Vorderseite abgeschlossen werden. Die Enden des Profils stehen auf Kapitellen in Form von Köpfen. Ein wenig und zentriert über dem Portalvorbau ist eine Fensteröffnung ausgespart, deren Maßwerk einen Vierpass bildet, der von einem kreisförmigen Rundprofil umschlossen wird. Weiter oben, in Höhe der beiden Pultdachfirste, beginnt der im Grundriss quadratische zweigeschossige Turm, dessen Westseite oberflächenbündig aus der Fassadenwand hervorgeht. Das untere Geschoss ist allseitig glatt geschlossen und wird von einem kantigen Kragprofil umgeben. Darauf steht auf jeder Turmseite eine Zwillingsarkadenöffnung, an ihren Lamellen als Klangarkaden der Glockenstube zu erkennen. Die beiden Bögen der schlanken Öffnungen stehen auf drei Säulchen, die mit Kapitellen, Kämpfern und Basen ausgestattet sind. Die äußeren Säulchen werden noch von sehr schlanken Säulchen mit gleicher Ausstattung begleitet. Das gemeinsame glatte halbkreisförmige Bogenfeld wird von mehreren abgestuften Profilen umschlossen. Das obere Geschoss wird abgeschlossen von einem weit ausladenden mehrfach gestuften Kragprofil, das von einer Reihe von profilierten Kragsteinen unterstützt wird. Die Seiten des hölzernen Turmhelms, in Form einer steil geneigten Pyramide, werden über den Traufen auswärts aufgeweitet. Sie sind mit grauen kleinformatigen Schieferplatten eingedeckt. Die Spitze des Turmhelms endet in einer trichterförmigen Metallspitze mit einem kugelförmigen Knauf. Darüber ragt ein graziles Metallkreuz mit einem Wetterhahn auf.
Im Gegensatz zu den übrigen Bauteilen wurde der Turmvorbau gänzlich aus sorgfältig zugeschnittenen Werksteinquadern aus grauem bis weißlichen Material in kleinen bis mittleren Formaten und in gleichmäßigem Schichtenverband gemauert.
Umfeld Auf der Südseite des Schiffs wurde eine etwa 2,50 Meter hohe Stele aus dem gleichen Steinmaterial wie der Ursprungsbau errichtet. Der untere sockelartige Abschnitt besitzt einen quadratischen Grundriss und endet mit einer leicht auskragenden Steinplatte. Darüber ragt eine gemauerte Säule auf, die oberseitig mit einem helmartigen Gebilde abgeschlossen wird, aus einem unteren flachen Kegelstumpf, der in eine halbe Kugel übergeht. Daraus ragt ein schlankes schmiedeeisernes Kreuz hervor, dessen Arme in je drei Blätter aufgespalten sind, die an die Fleur-de-Lys (heraldische Lilie) erinnern.
mini|hochkant|Schiff, Ostwand, Übersicht