Der FIFA-Konföderationen-Pokal 2005 () war die fünfte Ausspielung dieses interkontinentalen Fußball-Wettbewerbs für Nationalmannschaften unter diesem Namen und unter Obhut der FIFA und die siebte insgesamt. Er fand vom 15. bis zum 29. Juni in Deutschland statt. Der Wettbewerb galt als Generalprobe für die ein Jahr später in Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft 2006.
Gastgeber Deutschland erreichte mit dem 4:3-Sieg in der Verlängerung gegen Mexiko Platz drei und beendete das Turnier als Mannschaft mit den meisten erzielten Toren (15 Treffer in fünf Partien).
Turniersieger wurde Welt- und Südamerikameister Brasilien, das im Finale Argentinien bezwang.
Spielorte Die Spiele wurden in Hannover, Leipzig, Köln, Frankfurt am Main und Nürnberg ausgetragen. Kaiserslautern, das ursprünglich auch noch als Austragungsort vorgesehen war, zog seine Bewerbung im Mai 2004 zurück.
Hannover LeipzigFIFA Stadion HannoverZentralstadion Kapazität: 44.700 Kapazität: 44.400 220px 220pxKölnFrankfurt am MainNürnberg FIFA Stadion Köln Waldstadion Frankenstadion Kapazität: 40.600 Kapazität: 43.400 Kapazität: 42.200 220px 240px 220px
Hannover Im FIFA Stadion Hannover, der Heimat des Fußballclubs Hannover 96, bietet bei internationalen Spielen 44.652 Besuchern überdachte Sitzplätze. Das ehemalige Stadion wurde für die anstehenden Weltturniere bei laufendem Spielbetrieb für 63 Millionen Euro von Stadt und Land umgebaut und beim ersten Bundesliga-Spieltag nach der Winterpause am 23. Januar 2005 eingeweiht. Außerhalb der FIFA-Veranstaltungen hieß das Stadion Niedersachsenstadion, und auf einer befristeten Basis für Heimspiele des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 seinerzeit (2012) AWD-Arena. Für zwei Millionen Euro pro Saison erwarb der in Hannover ansässige Finanzdienstleister Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) Mitte 2002 die Namensrechte für diese Spiele. Im FIFA-Stadion Hannover fanden zwei Gruppenspiele statt und am 26. Juni das Halbfinale (18 Uhr) zwischen Argentinien und Mexiko.
Leipzig Das Zentralstadion, in dem sonst der FC Sachsen Leipzig spielte; heute RB Leipzig, war beim Konföderationen-Pokal die einzige Arena in einer ostdeutschen Stadt. In das alte Stadion, einst mit 100.000 Plätzen das größte Stadion in Deutschland, wurde für 90,6 Millionen Euro eine moderne Fußballarena eingebaut, von denen der Bund 51 Millionen Euro beisteuerte. In dem 44.345 Zuschauer fassenden Stadion, fanden die beiden Vorrundenspiele Brasilien gegen Griechenland und Australien gegen Tunesien statt. Auch das Spiel um Platz drei wurde in der WM-Stadt Leipzig ausgetragen.
Köln Im FIFA Stadion Köln, der Heimat des 1. FC Köln, haben auch WM-Spiele stattgefunden. Die Stadt Köln zahlte 25,7 Mio. Euro, der Rest wurde über die Kölner Sportstätten GmbH (Eigentümerin und Betreiberin) finanziert. Das neue Stadion ist, sofern keine von der FIFA organisierten Spiele stattfinden, nach dem regionalen Stromversorger RheinEnergie benannt. Das Stadion bot 40.590 Sitzplätze während des Confed-Cups. Die Spiele Argentinien gegen Tunesien, Deutschland gegen Tunesien und Brasilien gegen Japan aus der Vorrunde fanden hier statt.
Frankfurt am Main Im neuen Waldstadion, der Heimat des Fußballclubs Eintracht Frankfurt, waren 43.324 Sitzplätze beim Confed-Cup vorhanden. Die neue Fußballarena mit einem verschließbaren Dach wurde von Juni 2002 bis Mai 2005 an der Stelle des alten Waldstadions neu errichtet und hat bei internationalen Spielen eine Zuschauerkapazität von 48.000. Die Kosten beliefen sich auf knapp 126 Millionen Euro, dazu kamen rund 45 Millionen Euro für den Ausbau der Stadionperipherie und der Anfahrtswege. Am 1. Juli 2005, also nach dem Konföderationen-Pokal, wurde das Stadion in Commerzbank-Arena umbenannt. Während der WM 2006 war der Name Commerzbank-Arena wegen der exklusiven FIFA-Sponsoren nicht zugelassen, es trug daher während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vorübergehend den Namen FIFA WM-Stadion Frankfurt am Main. Das Finale, die 20-minütige Eröffnungsfeier am 15. Juni 2005, das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Australien und zwei Gruppenspiele des Confed-Cups fanden in der Mainmetropole statt.
Nürnberg Im damaligen Frankenstadion, der Heimstätte des 1. FC Nürnberg, das für 56,2 Millionen Euro umgebaut wurde, konnten maximal 42.187 Zuschauer die Spiele während des Confed-Cups und der WM verfolgen. Die Vorrundenspiele Australien gegen Argentinien und Deutschland gegen Argentinien konnten in der fränkischen Metropole angesehen werden. Im Frankenstadion fand am 25. Juni 2005 das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien statt.
Teilnehmer mini|450px|Karte der teilnehmenden Nationen
als Gastgeber, als Weltmeister 2002, als Sieger der UEFA EURO 2004, als Sieger des Afrika-Cups 2004, als Sieger des AFC-Asien-Pokals 2004, als Zweiter der Copa América 2004 (Sieger Brasilien war bereits als Weltmeister qualifiziert), als Sieger des CONCACAF Gold Cup 2003 und als Sieger der Fußball-Ozeanienmeisterschaft 2004.
Bei der Gruppenauslosung am 1. November 2004 in Frankfurt am Main wurden von der deutschen Eiskunstläuferin Katarina Witt folgende Gruppen ermittelt:
+ Die Kader der Teilnehmer Gruppe A Gruppe B
Nicht alle teilnehmenden Mannschaften traten mit ihrer Bestbesetzung an. So waren einige brasilianische Stammspieler nicht im brasilianischen Aufgebot für den Confed-Cup 2005 dabei. Den bekannten Fußballspielern Cafu und Roberto Carlos wurde eine Regenerationsphase gewährt. Der brasilianische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira berief zwar auch den dreimaligen Weltfußballer Ronaldo in sein Aufgebot, dieser verzichtete jedoch auf die Teilnahme. Der Brasilianer berief für den Wettbewerb außerdem fünf Spieler aus der Fußball-Bundesliga: Lúcio und Zé Roberto vom FC Bayern München, Juan und Roque Júnior (Bayer 04 Leverkusen) und Gilberto da Silva Melo von Hertha BSC.
Trotz alledem war vor allem in Deutschland aufgrund der Gastgeberrolle eine hohe Erwartungshaltung vorhanden. Der Wettbewerb galt als sportliche Generalprobe und als Standortbestimmung für die deutsche Fußballnationalmannschaft, die als Gastgeber der WM keine Qualifikationsspiele absolvieren und sich daher nicht wettbewerbsmäßig messen konnte. Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann ging so als Vizeweltmeister und Gastgeber als einer der Favoriten in den Konföderationen-Pokal. Klinsmanns erklärtes Ziel war es, das Turnier zu gewinnen, auch wenn die deutsche Fußball-Mannschaft auf einen Sieg gegen eine der so genannten großen Fußballnationen schon seit fünf Jahren (1:0 gegen England) wartete. Die Hoffnungen der deutschen Fans ruhten vor allem auf Nachwuchsspielern wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker sowie den erfahrenen Spielern Michael Ballack und Oliver Kahn. Sowohl Miroslav Klose als auch Dietmar Hamann und Christian Schulz mussten Anfang Juni verletzungsbedingt absagen (siehe deutsches Aufgebot).
Beim Gruppengegner der Deutschen fehlten im Aufgebot von Argentinien ebenfalls wie schon bei den Brasilianern einige prominente Spieler: Hernán Crespo und Roberto Ayala, Kily González, Lucho González, Javier Mascherano und Torwart Roberto Abbondanzieri. Aus der Fußball-Bundesliga hatte Argentiniens Nationaltrainer José Pékerman die Spieler Martín Demichelis vom FC Bayern München und Diego Placente von Bayer 04 Leverkusen nominiert.
Turniermodus In der Gruppenphase traten je vier Mannschaften in zwei Gruppen (A und B) im Meisterschaftssystem gegeneinander an, d. h. jede Mannschaft spielte einmal gegen jede andere Mannschaft der Gruppe. In der Gruppenphase zählte ein Sieg drei, ein Unentschieden einen Punkt, eine Niederlage brachte keine Punkte. In der Tabelle der jeweiligen Gruppe wurden die Punkte addiert. Bei Punktgleichheit zweier Mannschaften entschied in der folgenden Reihenfolge über den Tabellenplatz und das Weiterkommen: die Tordifferenz und größere Anzahl erzielter Tore aus allen Gruppenspielen, die direkten Begegnungen der betreffenden Mannschaften (größere Anzahl der Punkte, Torverhältnis, erzielte Tore), letztendlich die Fair-Play-Liste (die sich aus der geringeren Anzahl von gelben und roten Karten ergibt) oder das Los. Damit unterschied sich das Reglement minimal von dem der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006: Dort waren bei Punktgleichheit nicht die Tordifferenz und die mehr erzielten Tore aller Gruppenspiele, sondern sofort die direkten Begegnungen der punktgleichen Mannschaften maßgebend. Um für alle Mannschaften gleiche Bedingungen zu schaffen, wurden die beiden letzten Spiele einer Gruppe zeitgleich ausgetragen. Der erste und zweite jeder Gruppe zogen ins Halbfinale ein.
Im Halbfinale, im Spiel um Platz drei und im Finale wurde im K.-o.-System gespielt. Stand es bei den Spielen der Finalrunde nach der regulären Spielzeit von 90 Minuten unentschieden, kam es zur Verlängerung von zweimal 15 Minuten und eventuell (falls immer noch kein Sieger feststeht) zum Elfmeterschießen. Das Golden Goal und das Silver Goal gab es beim Konföderationen-Pokal 2005 nicht mehr. Es wurde nach dem letzten Wettbewerb 2003 von der FIFA abgeschafft.
Regeländerung Eine neue Fußballregel, die das International Football Association Board des Weltfußballverbandes FIFA im Februar 2005 beschlossen hatte, wurde erstmals beim Konföderationen-Pokal 2005 angewandt und sorgte für Diskussionen und Verwirrungen. Die Abseitsregel wurde dahingehend präzisiert, dass die Abseitsstellung eines Spielers erst dann vom Schiedsrichter als "strafbares Abseits" zu ahnden ist, wenn jener den Ball berührt hat oder seinen Gegenspieler behindert – andernfalls liegt passives Abseits vor. Der Vorteil dieser Regelauslegung sollte sein, dass die effektive Spielzeit erhöht wird, da es zu weniger Spielunterbrechungen wegen Abseits kommt. Ein Nachteil dieser Regelauslegung war, dass ein Spieler so lange im Unklaren über eine mögliche Abseitsstellung gelassen wird, bis er den Ball berührt – was unter Umständen erst nach einem längeren Sprint der Fall ist. Insbesondere deswegen wurde diese Interpretation der Abseitsregel nach Beendigung des Turniers weiter präzisiert.
Spielsperren Nach der zweiten Gelben Karte oder nach einer Gelb-Roten Karte im Turnier musste ein Spieler das nächste Spiel seiner Mannschaft aussetzen. Auf eine Rote Karte folgte mindestens ein Spiel Sperre, jedoch konnte die FIFA-Disziplinarkommission über ein höheres Strafmaß entscheiden. Dopingkontrollen für vier ausgeloste Spieler jeder Mannschaft fanden im Anschluss an das Spiel statt. Zwei wurden kontrolliert, die anderen beiden standen im Falle von Verletzungen bereit. Die Auslosung erfolgte unter allen Spielern des jeweils 23-köpfigen Kaders.
Vorrunde Gruppe A
Deutschland gewann das torreiche erste Spiel. Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann offenbarte große Unsicherheiten in der Defensive, die mit jungen Abwehrspielern besetzt war. Im zweiten Spiel stand die Abwehr besser, die Mannschaft hatte jedoch in der ersten Halbzeit Probleme gegen die kompakt stehenden Tunesier, erst in den letzten zwanzig Minuten kam durch den Strafstoß von Michael Ballack die Wende und Deutschland qualifizierte sich vorzeitig fürs Halbfinale. Durch ein 2:2 gegen Argentinien, bei dem eine ganze Reihe Stammspieler geschont wurden, erspielte sich Deutschland den Gruppensieg und war formal mit sieben Punkten und einer Tordifferenz neun zu fünf Toren die beste Vorrundenmannschaft des Turniers. Argentinien setzte sich im ersten Spiel nur knapp gegen den Außenseiter Tunesien durch. Trainer José Pékerman testete in der Partie auch einige junge Nationalspieler ohne große Erfahrung. Im zweiten Spiel lief es für den Zweiten der Südamerika-Meisterschaft noch besser, sodass sich die Mannschaft nach dem 4:2 gegen Australien vorzeitig für das Halbfinale qualifizierte. Durch ein 2:2-Unentschieden gegen den Gastgeber wurde das technisch starke Nationalteam Tabellenzweiter der Gruppe A.