IKEA (Abkürzung für Ingvar Kamprad Elmtaryd Agunnaryd) ist ein multinationaler Einrichtungskonzern. Das Unternehmen wurde 1943 von Ingvar Kamprad in Schweden gegründet und gehört inzwischen der im niederländischen Delft registrierten Stiftung Stichting Ingka Foundation.

Geschichte Gründung und erster IKEA-Katalog Der damals 17-jährige Ingvar Kamprad gründete das Unternehmen 1943 in Schweden. Das Akronym IKEA setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Ingvar Kamprad, des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd und des Dorfes Agunnaryd zusammen, in dem der Hof lag., ikea.com, abgerufen am 29. Januar 2011. Zunächst verkaufte das Unternehmen diverse Konsumgüter, darunter Kugelschreiber, Brieftaschen, Bilderrahmen, Tischdecken, Uhren, Streichhölzer, Schmuck, Nylonstrümpfe und Postkarten.

1947 begann Kamprad, auch Möbel per Versand zu verkaufen, besonders an die Bauern der historischen Provinz Småland. So konnte er die Kosten vom Hersteller bis zum Kunden niedrig halten.

1951 erschien der erste IKEA-Katalog. Das Geschäft konzentrierte sich nun nur noch auf Möbel. In IKEA-Katalogen wurden bald Möbel nicht nur als einzelne Objekte, sondern als Teil eines gesamten, fertig eingerichteten Zimmers abgebildet. Diese Darstellungen waren zur damaligen Zeit ungewöhnlich. Die Kataloge wurden zum Bindeglied zu den Kunden und zum wichtigsten Marketinginstrument des Unternehmens.

Ab 1955 bot Kamprad erstmals eigens für IKEA entworfene Möbel an. Die Möbel wurden zur Einsparung von Montage- und Versandkosten ab 1956 als Bausatz verschickt.

Eröffnung erster Möbelhäuser und Krise in den 1970er Jahren mini|Das erste IKEA-Möbelhaus in Älmhult (2006), heute das IKEA-Museum

Am 30. Oktober 1958 eröffnete in Älmhult das erste IKEA-Möbelhaus. Zu einer weiteren Stütze des IKEA-Konzepts wurde der Selbsttransport der Möbel durch die Kunden. Zudem sollte es auf Anregung Kamprads von Anfang an in jedem Warenhaus auch ein Restaurant geben, um leeren Einrichtungshäusern zur Mittagszeit entgegenzuwirken. Daraus entstand IKEA Food Service (IFS). Im so genannten „Schweden Shop“ lassen sich außerdem Fertiggericht-Produkte kaufen. Die in den Restaurants angebotenen Speisen sind schwedischen Nationalgerichten nachempfunden, werden jedoch länderspezifisch variiert. Der Verzehr mitgebrachter Speisen ist erlaubt, darüber hinaus wird kostenlose Babynahrung angeboten.

Die sich durch die Niedrigpreise in ihrer Existenz bedroht fühlende, etablierte schwedische Möbelindustrie rief zu Beginn der 1960er Jahre zum Boykott von IKEA auf. Die Zulieferer wurden durch andere Möbelfirmen gezwungen, IKEA nicht mehr zu beliefern, da diese ihnen ansonsten keine Güter mehr abnehmen würden. Kamprad löste die erste Krise des Unternehmens dadurch, dass er auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges seine Möbel fortan in Polen produzieren ließ und somit die Preise nochmals drückte. 1963 expandierte IKEA über die Landesgrenzen hinweg und eröffnete ein Möbelhaus im norwegischen Asker, nahe Oslo.

1965 wurde bei Kungens kurva ein weiteres IKEA-Haus im Raum Stockholm eröffnet, das damals größte Möbelzentrum Schwedens. Der Ansturm übertraf die Erwartungen, so dass nicht alle Möbelbestellungen abgearbeitet werden konnten. Daraufhin ließ Kamprad die Lager für die Kunden öffnen. Bis heute sind die Lager Verkaufsraum geblieben.

In den 1970er Jahren propagierte IKEA die Möbel als Modeartikel und Verbrauchsgegenstand („Benutze es und wirf es weg“). Möbel sollten nicht mehr über Generationen verwendet werden, wie damals noch üblich. IKEA erarbeitete sich ein Image, das für moderne ästhetische Wohnkultur steht. Doch mit mangelnder Qualität setzte IKEA seinen Ruf aufs Spiel. Daraufhin wurde begonnen, die Produktion stärker zu automatisieren und damit die Qualität sowie die inhaltliche Vollständigkeit der Möbelpackungen (oft fehlten Einzelteile wie Schrauben) zu verbessern.

1973 kam es zur zweiten schweren Krise des Unternehmens. Inflation und Ölkrise ließen die Produktionskosten steigen. Doch IKEA gab schon damals in seinen Katalogen eine Preisgarantie für das gesamte Jahr. Durch „heimliche“ Preiserhöhung und besondere (nur den Angestellten bekannte) Kennzeichnung derjenigen Artikel, die nicht im Katalog aufgeführt waren, gelang es dem Unternehmen, das Versprechen zu halten und dennoch Gewinne einzufahren.

Einen großen PR-Schaden erlitt IKEA 1994: Schwedische Zeitungen brachten Ingvar Kamprad mit nationalsozialistischen Gruppierungen in Verbindung. Die Medien deckten auf, dass er die rechte Organisation eines Freundes und bekannten Nationalsozialisten bis 1945 finanziell unterstützt hatte. Schnell wurde zum Boykott aufgerufen. Kamprads Großmutter war Deutschböhmin und hatte wohl seine politische Meinungsbildung nationalistisch beeinflusst. Kamprad entschuldigte sich in einem offenen Brief bei seinen Mitarbeitern und den Kunden und bezeichnete die Zahlungen als „größte Dummheit meines Lebens“.

2018 verkündete IKEA, in neue Warenhäuser und mehr Onlinegeschäft investieren zu wollen.

Einführung von Fertighäusern mini|hochkant|Logo von BoKlok

1997 wurden in Schweden Fertighäuser als neues Produkt eingeführt. Die Expansion der unter dem Markennamen BoKlok verkauften Häuser erfolgte in den Folgejahren nach Dänemark, Finnland und Norwegen. Im Jahr 2007 wurden die ersten Häuser in England verkauft, in Deutschland im April 2010. Anfang 2012 wurde der Vertrieb in Deutschland mangels Erfolg nach nur acht verkauften Häusern eingestellt; zuvor hatte die Stiftung Warentest den Häusern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Anschlagsserie in Europa 2011 Ende Mai 2011 begann eine Anschlagsserie auf IKEA-Möbelhäuser in Europa. Nach Explosionen kleinerer Sprengsätze in IKEA-Einrichtungshäusern in Son en Breugel bei Eindhoven, im französischen Lille und im belgischen Gent fand am 10. Juni 2011 auch eine kleinere Sprengsatzexplosion in einem Markt in Dresden statt, bei der zwei Menschen leicht verletzt wurden. Nachdem am 2. September ein Sprengsatz in einem Mülleimer vor einem Prager IKEA-Einrichtungshaus gefunden und entschärft worden war, räumte der Konzern am 21. September 2011 ein, dass es sich um eine Erpressung handele.Ikea: Schwedisches Möbelhaus wird erpresst bei focus.de, 21. September 2011 (abgerufen am 22. September 2011).

Anfang Oktober 2011 nahm die Polizei zwei Männer in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern fest, die im Verdacht stehen, den Konzern erpresst zu haben.Mutmaßliche Ikea-Attentäter in Polen festgenommen, ORF, 8. Oktober 2011. Die Verdächtigen gestanden kurz darauf, die Anschlagsserie verübt zu haben.Verdächtige gestehen Anschläge auf IKEA-Filialen, Focus Online, 17. November 2011.

Ab 2020 bis heute Der schwedische Konzern eröffnete Ende Oktober 2020 in Eskilstuna/Schweden seine erste Second-Hand-Filiale. Hintergrund dieser Neueröffnung sei ein Strategiewechsel des Unternehmens, der nach eigenen Angaben der Imagepflege dienen soll und dem Unternehmen in zehn Jahren eine Wende hin zur „Circular Economy“ verhelfen soll. Dabei soll eine Art Kreislaufwirtschaft entstehen, in der möglichst wenig neue Ressourcen verbraucht werden. Gleichzeitig gab IKEA bekannt, dass sie mit dieser Strategie durchaus an dem wachsenden Gebrauchtmöbelmarkt partizipieren wollen, der bisher fast nur von Wohltätigkeitsorganisationen abgedeckt wird.Christian Stichler: IKEA eröffnet Second-Hand-Filiale. In: tagesschau.de, Online abgerufen am 3. November 2020 | 11:27 Uhr - online abrufbar

Im Mai 2026 kündigte IKEA im Rahmen einer internationalen Restrukturierung den Abbau von mindestens 250 Arbeitsplätzen am Standort Dortmund an. Interne Angaben nennen teilweise bis zu rund 350 betroffene Beschäftigte. Betroffen sind rund 70 Mitarbeitende der IKEA IT Germany GmbH, deren Standort geschlossen wird, sowie etwa 170 bis knapp 300 Beschäftigte im Einkaufs- und Logistikbereich der IKEA Purchasing Services Germany GmbH. Teile der Aufgaben sollen ins Ausland verlagert werden, unter anderem nach Warschau. Die Maßnahmen werden mit Kostendruck und dem Ziel effizienterer Strukturen begründet.

Konzernstruktur Der IKEA-Gründer Ingvar Kamprad hat eine komplexe globale Unternehmensstruktur geschaffen, um sein Erbe zu sichern.

Stiftung INGKA mini|klasse=skin-invert-image|IKEA-Konzernstruktur mini|klasse=skin-invert-image|Organigramm des IKEA-Konzerns, hier ohne die Interogo-Stiftung in Vaduz dargestellt

Eigentümerin des IKEA-Konzerns ist die Stiftung Ingka Foundation mit Sitz in den Niederlanden. Ingvar Kamprad saß im Aufsichtsrat der Stiftung. Als eine gemeinnützig registrierte Stiftung zahlt die Stichting INGKA Foundation nur wenig Steuern und ist vor einer Firmenübernahme geschützt. Mit einem Wert von 36 Milliarden US-Dollar ist sie eine der weltgrößten gemeinnützigen Organisationen; tatsächlich werden die Geldmittel als Investitionskapital für die IKEA Group eingesetzt.Flat-pack accounting. In: The Economist, 11. Mai 2006, abgerufen am 16. März 2007. Niederländische Stiftungen haben keine Publizitätspflicht.

Die Muttergesellschaft aller Unternehmen des Konzerns (von Zulieferfirmen bis zu den Verkaufsgesellschaften mit den Einrichtungshäusern) ist die Holding INGKA Holding B.V.

Inter IKEA Group Die Inter IKEA Group ist die Unternehmensgruppe, welche die IKEA Franchisenehmer mit der Sortimentsentwicklung und den Lieferanten verbindet und die gesamte strategische Ausrichtung von IKEA bestimmt. Die Gruppe umfasst Inter IKEA Systems B.V. – den weltweiten IKEA Franchisegeber – sowie die Bereiche Sortimentsentwicklung, Lieferung und bestimmte Industrieaktivitäten.

Das Unternehmen Inter IKEA Systems B.V. im niederländischen Delft ist Inhaber der Markenrechte und des IKEA-Konzepts, Franchisegeber für alle IKEA-Einrichtungshäuser und den Konzern selbst. Sie erhält drei Prozent des Umsatzes, die die einzelnen Warenhäuser als Ausgabe steuermindernd geltend machen können.Vgl. Der Stiftungsdschungel des Ikea-Gründers. Das komplexe Netzwerk der Kamprads. In: orf.at, 27. Januar 2011, abgerufen am 28. Januar 2011.

Interogo Foundation Eigentümerin der Inter IKEA ist die Unternehmensstiftung Interogo Foundation mit Sitz in Vaduz (Liechtenstein), die von der Familie von Ingvar Kamprad kontrolliert wird. Interogo soll über ein Vermögen von rund 11 Milliarden Euro verfügen (Stand: Januar 2011) und bereits 1980 gegründet worden sein. Das Geflecht wurde vom schwedischen Fernsehsender SVT in einer im Januar 2011 ausgestrahlten Fernsehdokumentation erstmals offengelegt., in: Frankfurter Rundschau online vom 27. Januar 2011, abgerufen am 28. Januar 2011.Thomas Borchert: Auch Mr. Ikea schätzt Liechtenstein, in Main-Netz online vom 28. Januar 2011, abgerufen am 28. Januar 2011.

Sonstiges Die in Luxemburg ansässige Ikano Bank gehört nicht zum IKEA-Konzern, hat jedoch mit der Familie Kamprad dieselben Hauptanteilseigner. Über die Ikano werden weltweit die Verbraucherkredite finanziert, wie in Deutschland auch die der 1,1 Mio. IKEA-Family-Bezahlkarten-Kundenkredite.

Das Herz des Unternehmens, die Produkte-Entwicklung IOS (IKEA of Sweden), befindet sich in Älmhult (Småland). Im selben Ort befindet sich auch die IKEA-Katalogproduktion ICOM mit dem größten Fotostudio Europas.

Teil des IKEA-Konzerns ist die Produktionsgruppe Swedwood, die Möbel und Komponenten auf Holzbasis herstellt. Swedwood betreibt 36 Fabriken und Sägewerke in neun Ländern (hauptsächlich in Osteuropa) und beschäftigt mehr als 14.000 Menschen.Website der IKEA-Produktionsgruppe Swedwood (englisch). Das schwedische Unternehmen wurde von IKEA im Jahr 1991 gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war Swedwood ein Holz verarbeitendes Unternehmen mit Filialen in Dänemark und Kanada. IKEA Food Services ist für die Distribution von Lebensmitteln für die IKEA-Restaurants und Shops verantwortlich. 2005 erzielte der Konzern viereinhalb Prozent seiner Einnahmen mit Nahrungsmitteln.IKEA cooks up easy-to-assemble meals. In: Fortune, 2. Oktober 2006 (englisch).